Vor dem Kauf eines neuen Bikes müssen viele Entscheidungen getroffen werden. Trail oder Enduro? 27,5” oder 29”? Shimano oder SRAM? RockShox oder FOX? Doch wenn ihr dieses Jahr ernsthaft darüber nachdenkt, euch ein neues Bike zuzulegen, dann gibt es eine noch wichtigere Frage: Sollte mein nächstes Bike ein E-MTB sein?

Der E-MTB-Markt hat sich in den letzten Jahren extrem entwickelt. Waren motorisierte Bikes in den ersten Jahren für Trail- und Enduro-Biker noch absolut uninteressant, hat sich das inzwischen stark geändert. Man kann mittlerweile ein E-MTB kaufen, das unter 17 kg wiegt, was ungefähr so viel ist, wie manch schwere Enduro-Bikes auf die Waage bringen. Wahrscheinlich seid ihr bereits einigermaßen gut informiert und vielleicht lest ihr ohnehin schon unser Schwester-Magazin E-MOUNTAINBIKE? Falls nicht, dann wird es erst mal Zeit, sich von ein paar Vorurteilen zu verabschieden. Wenn ihr glaubt, dass E-MTBs nur etwas für übergewichtige oder faule Menschen sind, dann solltet ihr einmal mit Profis, wie Jerome Clementz oder Fabien Barel, sprechen. Oder einfach mal die Videos von Olly Wilkins und Sam Pilgrim ansehen – sie alle haben einen Heidenspaß mit ihren E-MTBs.

Seht euch nur einmal die Social Media-Kanäle der Mountainbike-Pros an – E-MTBs werden mittlerweile für alles benutzt, von Backflips bis zum Ziehen eines Kinderanhängers.

Die besten modernen E-MTBs werden euch bergab nicht limitieren. In vielen Fällen sind sie im Downhill sogar schneller und sicherer.

Beim E-Mountainbike habt ihr mittlerweile die Wahl: maximale Connectivity oder eher so viel Simplicity wie möglich?

Wir versuchen hier nicht, euch ein E-MTB zu verkaufen!

Unser Redaktionsteam ist mit Mountainbikes genauso gern unterwegs wie mit E-Mountainbikes. In Kombination erhöhen die verschiedenen Bikes die Vielseitigkeit unseres Sports und bieten ein unglaubliches Potenzial. Da unsere Magazine ENDURO und E-MOUNTAINBIKE harmonisch koexistieren, müssen wir euch hier nichts verkaufen. Es geht nicht darum, E-Mountainbikes zu promoten oder schlecht zu machen. Wir wollen nur dafür sorgen, dass ihr auf dem besten Bike für eure Ansprüche sitzt. Selbst innerhalb unseres Fahrrad-verrückten Redaktionsteams mit Zugang zu beiden Optionen gibt es einige Fahrer, die für ihren persönlichen Bike-Sport ein E-Mountainbike auserwählt haben und andere, die mit analogen Bikes unterwegs sind – und wieder andere fahren auf beiden. Die Vorzüge eines E-MTBs liegen auf der Hand: Man fährt mehr, ist über größere Distanzen unterwegs und kann innerhalb eines kürzeren Zeitraums mehr Trails fahren. Doch einige von unserem Team genießen es noch immer, sich ihre Tiefenmeter vollends zu verdienen und schätzen das simple Vergnügen, allein dank der Kraft ihrer Beine zum Trail Einstieg zu gelangen. Wenn es um die Frage E-Mountainbike vs. Mountainbike geht, dann gibt es nicht das eine Bike, das für jeden perfekt ist – aber für jeden gibt es ein perfektes Bike.

In der Abfahrt kann man problemlos in einer gemischten Gruppe unterwegs sein. Doch sobald es bergauf geht, können E-Mountainbikes und analoge Mountainbikes nur schwer zusammen fahren.

Unser Leben ist vollgestopft mit Elektronik – unser Zuhause, unsere Büros, selbst unsere Autos. Einige von uns lieben diese Vernetzung, andere wollen sich beim Biken genau davon befreien.

Jonas (31)

„Ich mag es, Feierabendrunden oder Lunch-Rides in meinen Tagesablauf zu integrieren, denn sie sind meine tägliche Dosis Natur und halten mich fit. Mit meinem analogen Bike war das drei- bis viermal die Woche möglich. Und um ehrlich zu sein, fahre ich im Winter nicht allzu oft mit meinem unmotorisierten Trail-Bike. Doch mit einem E-MTB ist es nun kein Problem mehr für mich, jeden Tag und das ganze Jahr über unterwegs zu sein. Und das Beste daran: Das E-MTB verdoppelt die Anzahl meiner Abfahrten und halbiert die Zeit auf den Forstwegen bergauf.“

Trev (41)

„Auch wenn es mir riesigen Spaß macht, E-MTBs mit dem Team zu testen, bin ich aktuell noch nicht bereit, mein Enduro-Bike an den Nagel zu hängen. Auf eine merkwürdige Art und Weise, genieße ich es sogar, mich die Hügel hinaufzuschleppen. Während unserer wöchentlichen Enduro-Rides gehört es bereits zur Tradition, zu versuchen, ein Gespräch am Leben zu erhalten, während wir uns bergauf völlig auspowern. Nennt mich meinetwegen verrückt, aber genau wie beim Skifahren im Backcountry macht der zusätzliche Aufwand, den ich bei den Anstiegen betreibe, die Abfahrten umso besser. Ich liebe E-MTBs, aber ohne mein normales MTB möchte ich nicht leben.“

Christoph (32)

„Ich kann mich total für neue Dinge begeistern und liebe die aktuellsten Gadgets. Ich habe auch kein Problem mit elektronischen Komponenten, wie z. B. dem SRAM AXS-Antrieb, und genieße es unheimlich, mit einem E-MTB zu fahren, wann immer sich die Gelegenheit dazu bietet. Doch für mich war das bisher ein völlig anderer Sport. Fast so, als würde man ein MTB mit einem Rennrad vergleichen. Aber: Die Zeiten ändern sich. Mit Bikes wie dem Levo SL, das ein identisches Handling auf dem Trail und bergab bietet, ist es nicht länger die Performance, die darüber entscheidet, welches Bike ich persönliche wähle. Da ich nichts gegen die physische Herausforderung habe, ich die Einfachheit schätze und alle meine Freunde analoge Bikes fahren, würde ich aktuell bei einem klassischen Enduro-Bike bleiben.“

Robin (29)

„Früher habe ich jedes Wochenende auf der Rennstrecke verbracht – entweder bei Enduro- oder Downhill-Rennen. Doch die Zeiten haben sich geändert. Heute genieße ich es, (Fahr-)Zeit mit meiner Familie zu verbringen oder während stressiger Tage im Büro einfach ein wenig frische Luft zu schnappen. Für mich verschiebt ein E-MTB die Limits von Zeit, Motivation und Kraft. Gerade nach einem langen Tag in der Arbeit eröffnet es viele neue Möglichkeiten. Kein anderes Bike ist so vielseitig!“

Finlay (19)

„Versteht mich nicht falsch, E-Bikes sind mega cool! Ich liebe es, technische Anstiege hinaufzuschießen und bergauf im Turbo-Modus durch Kurven zu heizen. Aber die Vielseitigkeit meines Enduro-Bikes ist ebenfalls schwer zu schlagen. Ich kann es mit diesem Bike auf Downhill-Strecken krachen lassen, überall an Rennen teilnehmen und es eignet sich auch für lange epische Tage im Gebirge. Wenn ich nur ein Bike haben könnte, wäre das daher mein analoges Enduro-Bike. Wenn man mir jedoch für umsonst ein E-MTB anbieten würde, das ich zusätzlich zu meinem Enduro-Bike fahren könnte, dann würde ich sofort ja sagen! Eins zu kaufen ist jedoch eine andere Geschichte. E-Bikes sind teuer und daher zurzeit weit außerhalb meines Budgets.“

Andreas (34)

„Ich gehe aus genau einem Grund Biken: um Spaß zu haben! Mit dem Levo SL habe ich bergab dieselbe Trail-Performance wie auf dem analogen Bike und im Uphill zusätzliche Power. Hier in den Bergen sind alle Anstiege super steil und der kompakte Motor macht das Leben deutlich leichter, ohne jedoch das natürliche Fahrgefühl zu zerstören. Ich würde mir zwar kein klassisches E-MTB kaufen, da es mir zu schwer und unhandlich ist, doch das Levo SL schließt die Lücke einfach perfekt und wäre meine persönliche Alltags-Wahl. Der einzige Grund, warum ich noch keins besitze, ist sein Preis.“

Das höhere Gewicht und der niedrige Schwerpunkt eines E-MTBs können eine große Hilfe sein, wenn man eine direkte Linie herunter ballert. Allerdings spürt man diese Eigenschaften auch in engen Kurven.

Going full gnar! E-MTBs sind nicht nur für langweilige Touren gemacht. Sie stehen analogen Bikes bergab in nichts nach – man muss sich nur trauen.

Alles, was ihr über E-MTBs wissen müsst, in nur einem Absatz

E-MTBs haben keinen Gasgriff, sondern unterstützen euch beim Pedalieren mit zusätzlicher Leistung, bis zu einer Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h (in Europa). Moderne E-MTBs besitzen größtenteils dieselben Komponenten wie reguläre Bikes und die neuesten Motoren (schaut euch unseren Motoren-Vergleichstest an) ermöglichen Pedalieren oberhalb der 25 km/h-Begrenzung ohne spürbaren Widerstand. Aktuell gibt es drei Hauptkategorien von E-MTBs: Zum einen Power-E-MTBs, die ein gigantisches Drehmoment und eine riesige Akkukapazität aufweisen. Sie sind die SUVs der Bike-Welt und im Gelände schwer und behäbig, besitzen dafür jedoch enorme Kletterfähigkeiten. Dann gibt es Allround-E-MTBs, die noch immer über ausreichend Power verfügen, diese jedoch in einem leichteren Gesamtpaket von 20–25 kg unterbringen und eine ausgewogene Performance bergauf und bergab bieten. Die Masse der Mountainbiker wird jedoch mit der neuen Kategorie der leichten E-MTBs am meisten Freude haben. Diese Light-E-MTBs besitzen das Handling und die Agilität von Bikes ohne Motor, was durch kleinere Akkus und eine niedrigere Unterstützung ermöglicht wird. Allround-E-MTBs sind perfekt für Fahrer, die lange Ausfahrten genießen wollen und es mit herausfordernden Anstiegen aufnehmen wollen. Dagegen sind leichte E-MTBs besser geeignet sind für Fahrer, denen die Abfahrten wichtiger sind und die mit ihren Kumpels unterwegs sein wollen, auch wenn diese keine E-MTBs besitzen. Alle E-MTB-Kategorien verfügen über genug Reichweite, um klassische rund zweistündige Bike-Touren (es geht je nach Modell natürlich auch viel mehr) problemlos zu meistern. Wenn ihr mehr über E-MTBs erfahren wollt, solltet ihr euch unsere E-Mountainbike Kaufberatung ansehen.

Die Zeiten haben sich geändert. Die leichtesten E-MTBs wiegen mittlerweile unter 18 kg – das nicht viel mehr als ein schweres unmotorisiertes Enduro-Bike

Der Status quo – E-MTBs sind der Hammer!

E-MTBs haben sich rasant entwickelt und mittlerweile bekommt man wirklich ein super Komplettpaket mit Fahrspaß bergauf und bergab. Potente Bikes wie das Specialized Turbo Kenevo Expert oder Whyte E-180 RS V1 bestehen selbst auf den härtesten Downhill-Strecken, wohingegen „federleichte“ Bikes wie das Specialized Levo SL mit einem agilen Handling aufwarten und es im direkten Vergleich mit den besten Trail-Bikes aufnehmen können, wie unser Vergleichstest gezeigt hat. Dort haben wir ein Specialized Levo SL gegen 15 der besten Trail-Bikes antreten lassen. Am Ende fragte sich ein Großteil des Testteams, warum man sich ein Bike ohne Motor kaufen sollte. Wenn ihr für dieses Jahr einen kostspieligen Bike-Kauf eingeplant habt, dann dürfte die Entscheidung sicherlich ein ganzes Stück schwerer geworden sein.

E-MTB vs. MTB – Was ist das richtige Bike?

Um herauszufinden, ob ein E-MTB für euch das beste Bike ist, müsst ihr bedenken, wie ihr fahrt, mit wem ihr in der Regel unterwegs seid und was ihr vom Biken grundsätzlich erwartet. Um euch bei der Entscheidung zu helfen, haben wir eine Liste an Argumenten erstellt, warum ein E-MTB als euer nächstes Bike die optimale Wahl sein könnte. Und ebenso, warum ein E-MTB vielleicht nicht zu euch passt.

Ein E-MTB wäre perfekt für mich, denn:

Ich will mehr fahren.

Es ist Fakt, mit einem E-Mountainbike erhöhen sich die Anzahl und die Reichweite eurer Touren. Ein E-MTB eröffnet neue Wege, hilft euch dabei, neue Trails zu erkunden und dient außerdem als Motivationsspritze. Wenn ihr nach einem langen Tag auf Arbeit kaputt seid, ist es schlichtweg einfacher, sich zu motivieren, wenn man weiß, dass der Motor euch bergauf helfen wird.

Ich will mehr als nur Trails fahren.

Davon abgesehen, dass Trails unheimlichen Spaß machen, werdet ihr außerdem feststellen, dass ihr euer E-MTB zum Pendeln, als familienfreundliches Ausflugsgerät sowie als SUV nutzen könnt und zusätzlich auch bei schlechtem Wetter häufiger unterwegs sein werdet. Einen Motor zu haben, eröffnet euch grenzenloses neues Potenzial, dem ein unmotorisiertes Bike niemals das Wasser reichen kann.

Ich will mir ein zweites Bike zulegen.

Es gibt ein Sprichwort in der Bike-Welt, das besagt: Die perfekte Anzahl an Bikes lautet N+1 – wobei N für die Anzahl an Bikes steht, die ihr aktuell besitzt. Wenn ihr das Glück habt, genug Geld übrig zu haben, um es in ein zusätzliches Bike zu investieren, dann kauft euch ein E-MTB.

Ich will technische Trails mit mehr Sicherheit fahren.

In den frühen Tagen ihrer Entwicklung litten E-MTBs unter einem miserablen Handling, hatten einen hohen Schwerpunkt und merkwürdige Geometrien. Heutzutage besitzen sie eine grandiose Balance, ein stabiles Handling und fahren sich angenehm agil – E-MTBs rocken einfach. Auch wenn die engsten Spitzkehren auf einem schwereren E-MTB noch immer ein wenig schwieriger sind, fühlen sich E-Mountainbikes durch ihren tiefen Schwerpunkt überall sonst sicherer und stabiler an.

Dank ihrer hohen Laufruhe und verbesserten Fahrwerks-Performance machen E-MTBs kurzen Prozess mit ruppigem Terrain – und das mit mehr Selbstvertrauen und Komfort

Ich will fit bleiben.

Der Kauf eines E-MTBs wird euch nicht dick werden lassen. Wenn überhaupt, dann werdet ihr dank der Macht, im Handumdrehen in die Natur entfliehen zu können, deutlich mehr unterwegs sein, mehr Trails genießen und jede Woche mehr Kilometer abspulen. Ja, ein E-MTB nimmt unserer Beinmuskulatur ein wenig Arbeit ab und reduziert den Kraftaufwand, der auf steilen Anstiegen benötigt wird, aber es sorgt anstelle eines anaeroben Trainings für ein aerobes Workout. Auch wenn man vielleicht nicht die gleiche Muskelmasse in den Beinen aufbaut, sind die potenziell längeren und gleichmäßigeren aeroben Aktivitäten exzellent für den Aufbau von Ausdauer und die Fettverbrennung. Zudem sorgt das höhere Gesamtgewicht des Bikes für ein intensiveres Oberkörper-Workout, wenn man es auf Trails ordentlich krachen lässt. Wenn ihr wissen wollt, ob E-Mountainbiken cheaten ist, dann könnt ihr euch unsere höchst wissenschaftliche Untersuchung dazu ansehen.

Ich kann mit meinen Kumpels nicht mehr mithalten.

Freizeit wird immer knapper und wir alle führen einen fortwährenden Kampf um Fitness. Manchmal ist es einfach unmöglich, die erforderlichen 2–3 Fahrten pro Woche unterzubringen, um fit zu bleiben. Wenn ihr die Sorte Fahrer seid, die für die Abfahrt lebt, aber bei Uphills oft hinter die Gruppe zurückfällt oder Ausfahrten mit anderen Fahrern sogar schon meidet, dann wird ein E-MTB euch zurück ins Spiel bringen. Es wird euch erlauben, die volle Packung Spaß zu erleben – ohne den frustrierenden Kampf, an euren fitteren Kumpels dranzubleiben.

Ich habe eine Familie.

In einer Familie ist ein E-Mountainbike so nützlich wie Großeltern mit übermenschlichen Babysitting-Skills. Ein E-MTB kann in gewissen Situationen die Last verringern, die eine Elternschaft nun einmal mit sich bringt, und bietet euch einen schnellen Ausweg, wenn ihr Zeit für euch selbst braucht. Vor allem dient ein E-MTB natürlich auch als Lastenesel, um den ganzen Krimskrams zu transportieren, den man bei Familienausflügen braucht. Kombiniert mit den neuesten Kindersitzen oder Bike-Anhängern gewährt euch ein E-MTB mehr Optionen, gemeinsam als Familie loszuziehen. Falls ihr eine Inspiration benötigt, seht euch unseren Ausflug dreier Generationen an, bei dem wir die Lücke zwischen den Generationen erfolgreich geschlossen haben, oder den Wochenend-Trip mit der Familie nach Münsingen.

Wenn ihr eine junge Familie seid, dann wird ein E-MTB so unersetzlich werden, wie die Großeltern vor Ort

Ich bin ein Trendsetter.

Wenn sich eure Bike-Crew mehr und mehr mit den Vorzügen eines E-MTBs anfreundet und ihr euch sicher seid, dass eure Ausfahrten mit einem E-MTB mehr Spaß machen würden, dann könnt ihr der Trendsetter sein. In den Anfangstagen könnt ihr eurer Gruppe dabei helfen, Kameras, Ersatzteile und Snacks zu transportieren. Und auch wenn eure Kumpels in der ersten Phase euer Bike verfluchen, werdet ihr bald feststellen, dass sie mehr und mehr wertschätzen, wie ihr eigenes Fahrvergnügen von einem E-MTB profitieren kann.

Ein E-MTB ist nichts für mich, denn:

Ich will mir meine Abfahrt verdienen.

Ja, für einige von uns ist der Part bergauf nur ein Mittel zum Zweck und es geht einzig und allein um maximalen Abfahrtsspaß. Wenn ihr so denkt, dann wird ein E-MTB eure Welt auf den Kopf stellen. Doch wenn ihr die entspannte Geschwindigkeit eines langen, gemächlichen Anstieges genießt oder das Erreichen eines Gipfels aus eigener Kraft, warum sollte es dann schneller gehen, oder leichter? Es ist nichts falsch daran, sich seine Zeit zu nehmen und Qualität Vorrang vor Quantität zu geben.

Ich habe wenig Geld für eine Neuanschaffung übrig.

Es ist Fakt, dass ein E-MTB teurer ist als ein gleichwertig ausgestattetes Mountainbike, denn Motor und Akku schlagen sich erheblich im Preis nieder. Wenn ihr aufmerksam recherchiert, könnt ihr ein gutes Mountainbike bereits für 2.500 € kaufen, wohingegen selbst die einfachsten E-MTBs ein Budget von mindestens 4.000 € erfordern – idealerweise sogar mehr, wenn ihr ein E-MTB ohne Schwachstellen in der Ausstattung wollt. Durch seine höhere Komplexität erfordert ein E-MTB mehr regelmäßige Wartungsarbeiten und sein erhöhtes Drehmoment nutzt die Komponenten des Antriebs und Reifen schneller ab, verglichen mit einem unmotorisierten Bike, das über dieselbe Distanz bewegt wurde.

11.199 € – lasst das mal kurz für eine Minute wirken! Um ein E-MTB in der Topausstattung zu kaufen, braucht ihr tiefe Taschen voller Geld.

Ich hasse Elektronik und will dem Alltag entkommen.

Wenn euch der Gedanke an die elektronischen Di2- und AXS-Schaltung mit Angst und Schrecken erfüllt, dann ist ein E-Mountainbike nichts für euch. An einer puristischen Herangehensweise ist nichts verkehrt. Es ist, als würdet ihr ein Porsche 911 G-Modell aus den 80ern fahren – eine Zeit, zu der es kein ABS oder andere elektronische Fahrhilfen gab. Ihr mögt zwar nicht so schnell sein wie mit einem neuen Modell, doch das unverfälschte, puristische Fahrgefühl ist unvergleichlich.

Ich wohne nicht im Erdgeschoss.

Auch wenn sie sich auf dem Trail relativ leicht anfühlen, kann man dasselbe nicht vom Transport eines E-Mountainbikes behaupten. Wenn ihr eure Bikes normalerweise auf dem Dach eures Autos transportiert, ihr euer Bike die Treppe hinauf tragen müsst, um es in die Wohnung zu bekommen oder eure Bikes häufiger anheben müsst, dann wird das überschüssige Gewicht eines E-MTB euch mit der Zeit nerven. Und auch für alle, die regelmäßig Bike-Trips nach Übersee unternehmen, gibt es noch immer keinen vernünftigen Weg, mit einem E-MTB-Akku zu fliegen, hier müssen innovative Lösungen erst noch gefunden werden.

Ich bin eine Bergziege.

Jap, ihr habt richtig gelesen. Viele Leute werden behaupten, dass ihr E-MTB sie an Orte führt, die ein MTB nicht erreichen kann. Doch wenn ihr und eure Freunde Hardcore-Bike-Bergsteiger seid, die ihr Bike bergauf regelmäßig schultern, um Hindernisse zu überwinden oder anspruchsvolle Bergpässe hinaufzuwandern, dann dürfte ein 20 kg+ schweres E-MTB euer Leben nicht gerade leicht machen. Die neuesten leichten E-MTBs machen das Tragen zwar möglich, doch es ist noch immer härtere Arbeit als mit einem unmotorisierten Bike. Wenn ihr euer Rad öfter tragen oder Zäune überqueren müsst, dann mag ein E-MTB nichts für euch sein.

Wenn das ihr seid, dann werdet ihr das E-Mountainbike in dem Moment verfluchen. „Ich mag es, ein E-MTB zu tragen“ hat noch nie jemand gesagt

Ich will ohne Einschränkungen fahren.

Nein, wir sprechen hier nicht von der möglicherweise eingeschränkten Zugänglichkeit von Trails mit einem E-MTB. Es ist leicht, die Reichweite eures E-Bikes einzuschätzen, wenn ihr auf Asphalt unterwegs seid. Doch im Gelände wird die Sache etwas komplexer. Die Kapazität des Akkus eures Bikes wird von vielen Faktoren bestimmt: Untergrund, Wind, Gewicht, Unterstützungslevel, Gefälle und vielen weiteren Faktoren. Auch wenn die meisten E-MTBs locker Fahrten von 30–50 km im Gelände schaffen, müsstet ihr mit einem E-MTB einen Ersatz-Akku mitnehmen, wenn eure typischen Sonntagsausfahrten eine Nummer größer ausfallen und ihr öfter 3–4 Stunden unterwegs seid. Mehrtägige Bikepacking-Trips gestalten sich ebenfalls weitaus schwieriger. Sich um die Kapazität seines Akkus Sorgen zu machen, kann das genaue Gegenteil von dem bewirken, warum ihr eigentlich Biken seid.

Ich hasse Reparaturen am Bike.

Wenn ihr eher der Typ „Bike kurz abwaschen und dann ab in den Schuppen damit“ seid und nach maximalem Spaß bei minimalem Wartungsaufwand sucht, solltet ihr genau überlegen, bevor ihr in ein neues E-MTB investiert. Wenngleich die Komponenten eines E-MTB nicht weniger zuverlässig sind als die eines unmotorisierten Bikes, so sind sie mit Motor, Kabeln und Akku komplexer und benötigen daher extra Service-Aufwand. Zudem ist das höhere Drehmoment eines E-MTBs eine höhere Belastung für den Antrieb und beschleunigt die Abnutzung. Außerdem fahrt ihr mit einem E-MTB wahrscheinlich häufiger und spult daher mehr Kilometer ab, weshalb die jährlichen Instandhaltungskosten für euer Bike sich erhöhen werden.

Habt ihr Freunde, die E-MTB fahren? Wenn ja, worauf wartet ihr dann? Falls nicht, dann überlegt die Entscheidung gut.

Meine Freunde interessieren sich nicht für E-MTBs.

Was nützt euch das beste Bike, wenn niemand mit euch fahren geht? Letztendlich ist das der Faktor, der eure Entscheidung wohl am meisten beeinflusst. Mit einem E-MTB werdet ihr weiter fahren, mehr Abfahrten innerhalb derselben Zeitspanne genießen und bergauf geradezu fliegen. Doch wenn eure Freunde keine E-MTBs haben, werdet ihr dabei allein sein. Oder ihr werdet stattdessen bei euren Ausfahrten gelangweilt vor euch hin pedalieren, während eure Freunde ihre Lungen zum Bersten bringen, um an euch dranzubleiben. Mountainbiken ist eine gesellige Aktivität und um Biken voll zu genießen, braucht man Freunde. Wenn die Leute, mit denen ihr regelmäßig fahrt, dem Thema E-Bikes zunehmend neugieriger gegenüberstehen, dann ist das vielleicht der perfekte Zeitpunkt, um eine Revolution zu starten. Und wenn eure Freunde bereits E-MTBs besitzen, worauf wartet ihr dann? Falls jedoch nicht, dann überlegt euch die Entscheidung gut!

Letztendlich hängt es von vielen Dingen ab, ob ein E-MTB für euch das beste Bike ist – von eurem Fahrstil, euren Gewohnheiten und am allerwichtigsten: euren Kumpels!

Die emotionale Verbindung

Bikes bedeuten für verschiedene Menschen ganz unterschiedliche Dinge. Für einige ist ein Rad bloß ein Werkzeug, ein Fortbewegungsmittel. Für andere ist ein Bike ein geschätztes Familienmitglied, das genauso geliebt und umsorgt wird, wie der eigene Hund. Wir alle haben schon einmal Bikes begehrt, die uns online ins Auge gestochen sind, die das Innere Kind in uns geweckt und die Vorstellungen von packenden Abenteuern erschaffen haben, die man gemeinsam erleben könnte. Für manch einen stellt ein E-MTB die Eintrittskarte für endlose Erkundungstouren, für mehr Trails und mehr Spaß dar, doch anderen fehlt die wunderbare Simplizität eines unmotorisierten Mountainbikes. Der Kauf eines neuen Bikes ist immer auch eine emotionale Entscheidung. Doch wenn ihr ein Bike-Enthusiast seid und bisher unschlüssig wart bzw. darauf gewartet habt, dass E-MTBs im Downhill endlich so viel Spaß bieten wie im Uphill, dann ist jetzt der perfekte Zeitpunkt für ein Investment. Letztendlich gibt es nicht „die“ bessere Lösung, sondern nur die für euch richtige. Wenn ihr glaubt, dass euer nächstes Bike ein E-MTB sein wird, dann gibt es dazu keinen besseren Start als unsere E-Mountainbike Kaufberatung.

Wenn man sich ein neues Bike zulegt, dann sorgt das für eine starke emotionale Bindung. Recherchiert ausführlich und dann kauft euch das Bike, das euch am meisten begeistert.

Fazit

Wie auch unsere analogen Bikes sind E-MTBs weitere Werkzeuge, um neue Orte zu erkunden und die besten Trails mit unseren Freunden zu fahren. Wenn ihr darüber nachdenkt, euch ein E-MTB zuzulegen, aber fürchtet, dass es euren Spaß auf technischen Trails zerstören könnte, dann können wir euch die Angst nehmen. E-MTBs sind bergab großartig, eröffnen endlose neue Möglichkeiten und werden die Häufigkeit eurer Touren erhöhen. Doch wenn ihr das Gefühl habt, im Herzen ein Purist zu sein, ihr die Einfachheit analoger Bikes schätzt und das Erreichen von Orten aus eigener Kraft euer Ding ist, dann ist ein unmotorisiertes Bike noch immer das Bike eurer Wahl

Text: Trev Worsey Fotos: diverse

Über den Autor

Trev Worsey

Trevor liebt Whisky, das Biken und alles dazwischen. Er wurde zwar in England geboren, fühlt sich aber als waschechter Schotte. Dementsprechend ist er nicht nur schlechtes Wetter gewöhnt, sondern ist auch ein echter Spezialist, wenn es um steile und anspruchsvolle Trails geht. Mit über 40 muss er sich eigentlich nichts mehr beweisen, kann jedoch trotzdem mit vielen jungen Wilden mithalten. Damit das nicht allzu sehr überhandnimmt, steht „Think about Brook“ auf seinem Oberrohr. Sein Sohn Brook wurde von Anfang an mit dem Bike-Virus infiziert. Gemeinsam mit seiner jungen Familie und den zwei Hunden sieht man Trevor fast ausschließlich draußen, sei es beim Biken, Graveln, Wandern, Surfen oder Kanu fahren – egal bei welchem Wetter. Ein echter Schotte eben.