Die Geburt eines Kindes verändert das eigene Leben für immer. Diese Erfahrung hat auch Andy Loveland gemacht – und zwar ziemlich radikal. Nachdem er seinem Sohn ein Laufrad aus Holz gebaut hat, kündigte er kurz darauf seinen Job und startete die Marke Early Rider. Dabei wollte er eigentlich nie eine Bike-Marke gründen.

Obwohl er nie eine eigene Bike-Marke gründen wollte, hat Andy Loveland im Jahr 2004 den Grundstein für Early Rider gelegt. Wir haben uns mit ihm zum Interview verabredet, um mehr über die Hintergründe und seine Motivationen zu erfahren.

Andy Loveland hatte ein ziemlich gewöhnliches Leben: Er war seit vielen Jahren glücklich verheiratet, spielte Fußball mit seinen Kumpels und begann nach einigen Knieverletzungen mit dem Rennradfahren. Sein Geld verdiente er mit dem Verkauf von Software-Lösungen für Banken. So weit, so klassisch. Die große Veränderung kam für Andy mit der Geburt seines Sohns Freddy. Denn wenn der frisch gebackene Daddy eines nicht wollte, dann dass sein Sohn irgendwann einmal einen ähnlich schnöden Job beginnen würde, der ihn nicht erfüllt und wie er es einst getan hatte.

Als Andy Early Rider gründete, war er selbst noch gar kein passionierter Mountainbiker – das entwickelte sich erst über die Jahre.

Fernseh-Abend statt Abenteuer?! Andy war frustriert zu sehen, wie viele Kinder aufwachsen und wollte das selbst unbedingt anders machen! Das war der Grundstein für die Gründung von Early Rider.

Easy Rider als Inspiration

Amerika gilt seit jeher als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten und nichts symbolisiert den Begriff Freiheit besser als das Bild einer Gruppe Motorradfahrer, die auf ihren Harleys durch die Staaten cruisen. Für Andy war der Film Easy Rider eine Inspiration in mehrerlei Hinsicht. Er war damals selbst bereits begeisterter Rennradfahrer und wollte seinem Sohn möglichst schnell die Liebe zum Radsport vermitteln. Andy war außerdem frustriert, wie viele Kinder aufwachsen, und zwar mit viel zu viel Zeit vor dem Fernseher und viel zu wenig Abenteuer in ihrem Leben. Es war ihm wichtig, seinem eigenen Kind die richtigen Werte zu vermitteln. Und um das zu tun, war er überzeugt, sollte sein Sohn möglichst schnell selbst mobil sein und viel Zeit im Freien verbringen. Da er nicht am Meer lebte, war es nicht das Surfen, das ihn motivierte, es war aufgrund der nicht vorhandenen Berge auch nicht das Snowboarden. Vielmehr kristallisierte sich durch seine eigene Liebe zum Radsport das Fahrrad als die ideale Lösung heraus.

Den Startschuss für Early Rider legt das Holz-Laufrad, das Andy seinem Sohn Freddy gebaut hat. Damals waren Laufräder für Kinder noch eine echte Besonderheit.

Das Problem: die verfügbaren Kidsbike-Modelle waren viel zu schwer und zu komplex für ein kleines Kind. Das Ganze war im Jahr 2004. Laufräder waren zu dieser Zeit noch kein Thema und nahezu jeder Hersteller setzte auf Stützräder, um Kindern das Radfahren beizubringen. Andy passte das nicht. Er baute seinem Sohn ein Mini-Laufrad aus Holz. Mit hohem Lenker und Flammen-Design – ganz wie die Bikes der Rocker im Film. Der bewusste Verzicht auf Pedale, Schaltung und Bremse machte es seinem Sohn Freddy viel früher möglich, seinen eigenen Bewegungsradius zu vergrößern und legte dabei noch dazu wichtige koordinative und kognitive Grundsteine. Gleichzeitig eröffnete dieser Verzicht eine neue Nische in der Bike-Industrie. Man muss schließlich kein Bike-Geek sein, um ein gutes Laufrad zu bauen. Diese Tatsache machte es für Andy letztlich überhaupt möglich, seine Idee zur Realität werden zu lassen.

Es war nie Andys Ziel, eine Bike-Marke zu gründen – vielmehr versteht er Early Rider als Abenteuer-Marke für Kids.

Mit 15.000 £ von der Schwester nach Asien

Das Feedback zu seinem Selbstbau war im eigenen Bekanntenkreis großartig und schnell fanden sich viele Interessenten, die auch ein Laufrad für ihren Nachwuchs wollten. Das motivierte Andy, seinen Job zu kündigen und aus seiner Erfindung ein eigenes Unternehmen zu starten. Auch seine Schwester war von der Idee überzeugt und beteiligte sich mit 15.000 £ Startkapital. Andy wusste, dass er für die Herstellung einer größeren Zahl an Bikes nach Asien reisen musste, wo fast die gesamte Bike-Industrie ihre Bikes produzieren lässt. Er buchte ein Ticket und begab sich auf eine sechswöchige Reise. „Wäre das erste Bike aus Alu gewesen, hätte ich mir das nicht zugetraut und es wohl nie gemacht“, sagt Andy in unserem Gespräch, „aber die Herstellung aus Holz konnte so schwer nicht sein.“ So landete er bei einem Hersteller von Skateboards, der eine Presse zur Herstellung der Rahmenform im Maschinenpark stehen hatte. Aus der Inspiration Easy Rider entstand so die Marke Early Rider.

In diesem Schuppen heraus hat Andy die ersten Jahre lang die Marke Early Rider immer weiter aufgebaut.

Das Produktportfolio wächst genauso wie die eigenen Kids

Mit dem Laufrad wollte Andy seinem Sohn vor allem die Liebe zur Natur und zur Bewegung vermitteln. Zugegebenermaßen gelang es ihm dann aber nicht, seinem erstgeborenen Sohn auch sein erstes Fahrrad zu bauen. Die Entwicklung dauerte zu lange, mit dem ersten richtigen Fahrrad wurde Andy erst pünktlich zum zweieinhalb Jahre jüngeren, zweiten Sohn fertig.
Wichtig war ihm bei diesem Bike vor allem, den Bewegungsradius der Kleinen zu vergrößern. Effizienz und ein geringes Gewicht standen daher weit oben auf der Prioritäten-Liste und deshalb setzte er auf einen Riemenantrieb statt einer Kette. Das wiederum ermöglichte es – aufgrund des geringen Verschleißes des Riemen – den gesamten Antrieb aus Aluminium statt Stahl zu fertigen. Und Andy verbaute zudem schmale Reifen mit geringem Rollwiderstand. Erst als seine Kids dann selbst immer mehr die Liebe zum Mountainbiken entdeckten, erweiterte Andy auch das Produktportfolio von Early Rider – und wurde dadurch schließlich selbst begeisterter Trail-Biker.

Die eigenen Grenzen ausloten, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten gewinnen und die Schönheit der Natur entdecken – wie geht das besser als mit einem Bike?

Let‘s start a movement!

Was während der gesamten Zeit die größte Bedeutung für Andy hatte, war und ist das Ziel, als Familie mehr Abenteuer zu erleben. Dank der Bikes können sie zu viert raus in den Wald und den Kindern ganz aktiv die Schönheit der Natur beibringen. Dabei ist Andy überzeugt, dass dieser bewusste Umgang auch das Verhalten des Nachwuchses positiv beeinflusst. Er ist sich sicher, dass sich Kids, die ihre Freizeit statt hinter einem Computer-Bildschirm hinter einem Lenker verbringen, proaktiver für den Umweltschutz und eine lebenswertere Welt einsetzen und diese Einstellung auch an ihre Eltern herantragen. Seine Vision ist daher, dass Early Rider nicht nur hilft, mehr Kids mit der Liebe zur Bewegung und speziell mit der Liebe zum Radsport zu infizieren, sondern darüber auch einen Teil zu einer lebenswerteren Zukunft beiträgt.

Wenn Andy eins nicht wollte, dann das seine Söhne – so wie er damals – einen Job in der Buchhaltung anfangen.
Andy ist davon überzeugt: Für die Persönlichkeitsentwicklung der eigenen Kids sind Abenteuer und Erlebnisse essenziell.
Es muss kein Luxusurlaub sein – Erlebnisse sind es, die das Leben der Kids nachhaltig prägen, nicht materielle Dinge. Da ist sich Andy sicher.

Je früher desto besser

Nachdem das Portfolio die letzten Jahre vor allem zusammen mit seinen eigenen Kids gewachsen ist, ändert sich das jetzt und in Zukunft: Andys Söhne sind mittlerweile 16 und 18 Jahre alt und längst auf klassischen Mountainbikes großer Hersteller unterwegs. An seiner Vision hat sich jedoch nichts geändert. Andy will mit seinem Team noch immer möglichst vielen Kindern die Liebe zur Bewegung vermitteln, sie Abenteuer erleben lassen, um dabei das eigene Selbstwertgefühl zu steigern und sie dadurch in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen. Er will das Selbstbewusstsein der Kids erhöhen, ihre Koordination fördern und die kognitiven Fähigkeiten spielerisch weiterentwickeln. Auf Englisch bezeichnet er es als das 3-Co-System: Confidence, Cognition, Coordination. All diese Punkte werden beim Fahrradfahren automatisch realisiert, doch nicht jedes Kind hat Bike-begeisterte Eltern und es benötigt ein gewisses Alter, um überhaupt auf ein (Lauf)-Rad steigen zu können. „Wenn Kinder 10–24 Monate alt sind, dann lernen sie neue Dinge noch ganz ohne Angst“, sagt Andy. „Es ist die Zeit, in der wichtige Verknüpfungen zwischen den Sinnen und der Motorik geschaffen werden und bisher gibt es noch kein Tool, um Kinder hier zu unterstützen“, ergänzt er. Aus diesem Grund hat Early Rider nun das Speedster entwickelt: Es ist eine Art Laufrad, das sich jedoch selbst stabilisiert und dem Nachwuchs noch früher hilft, die eigenen Fähigkeiten zu entdecken und zu erweitern. Aktuell befindet sich das Speedster noch in der Testphase, der Launch des Bikes ist für Anfang 2022 geplant. Wir sind sehr gespannt.

Das Early Rider Speedster ist das neueste Produkt, das Andy sich hat einfallen lassen: Dank der extra fetten Räder und dem gedämpften Hinterrad können es bereits Kids im Alter von 10–24 Monaten nutzen und so ihre Umwelt ganz neu entdecken.

Noch mehr Abenteuer für noch mehr Kinder

Zum Ende unseres Gesprächs betont Andy noch einmal die Bedeutung von Abenteuer im Leben der Kinder. Wie wichtig es ihm ganz persönlich ist, ihnen zu helfen neugierig und selbstbewusst aufzuwachsen und ihnen die Schönheit der Natur näherzubringen. Im Bike-Segment hat er es mit Early Rider geschafft, Kids die richtigen Tools für ihre persönliche Weiterentwicklung (und für verdammt viel Spaß in der Natur) an die Hand zu geben. Mit dem Speedster soll diese wunderbare Reise in Zukunft noch deutlich früher beginnen.

Andy sagt aber auch: „Unser Ziel war es nie, eine Bike-Firma zu gründen, wenn überhaupt, dann wollen wir eine Firma sein, die Abenteuer im Leben der Kinder ermöglicht”. Daher sind wir sehr gespannt, was ihm in Zukunft noch einfällt und welche Überraschungen und Innovationen Early Rider in den nächsten Jahren noch bereithält.

Wir danken Andy für das interessante Gespräch und die spannenden Einblicke hinter die Marke Early Rider.

Mehr Informationen zu Early Rider findet ihr unter earlyrider.com

Interview: Christoph Bayer, Robin Schmitt | Text: Christoph Bayer/Tanne 9 | Bilder: Early Rider

Über den Autor

Valentin Rühl

Vale liebt Gadgets und Technik! Egal ob Kameras, Kopfhörer oder praktische Accessoires – er kennt sich aus. Auch beruflich glänzt er in vielen Belangen: Manchmal ist er als Fotograf dabei, manchmal springt er als freiwilliger Truck-Driver ein, wenn wir auf Produktion fahren. Als Head of Publishing ist seine Hauptaufgabe jedoch eine ganz andere. Egal ob Website, Newsletter oder Social Media – er sorgt dafür, dass unsere Artikel zur richtigen Zeit, im richtigen Format und am richtigen Ort in ihrer schönsten Form auftauchen und maximale Sichtbarkeit genießen. Auf dem Bike sammelt er am liebsten Airtime, doch es geht auch entspannt, denn als Pendler sammelt Vale unzählige Kilometer.