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Heute hatte ich eine lange Diskussion. “Nein, Junge, glaube mir! Da ist nichts zu machen. Ich erkläre es dir!” – zu Wort kam ich eigentlich gar nicht. Der ältere spanische Herr mit seinem sündhaft teuren Bike hatte vermutlich die Weisheit gleich mit gekauft. Mein (Test-)Bike Cube Stereo HPC 160 SLT war zwar sicherlich auch nicht günstiger, aber darum ging es ja auch nicht. Was war dann das Problem? Das SRAM XX-Schaltwerk mit Torx-Schraube hatte ich gelöst und dummerweise hatte ich alles dabei, nur keinen Torx. Sprich meine eigene Schuld. Aber da man mit dieser Einsicht kein passendes Werkzeug herbeizaubern kann, setzte ich dann auf die Hilfsbereitschaft anderer Biker. Und diese führte mich in besagte Diskussion. Diese hatten zwar auch keinen Torx, aber mit einem passenden Schraubenzieher hätte man die Schraube kurzerhand vorsichtig und notdürftig anziehen können – meiner Meinung nach zumindest. Doch stattdessen sprach ich mindestens 10 (!) Minuten lang gegen eine faktische Wand. Meine Argumente, dass ich es doch nur kurz ausprobieren wollte, prallten ab wie Regentropfen auf der Windschutzscheibe – bei 200 km/h! “Wir können dir das Werkzeug gerne geben, darum geht es nicht. Aber glaube mir, es macht keinen Sinn…”
Am Ende flehte ich ihn quasi an, mir doch bitte das Werkzeug zu überlassen. Zwei Handgriffe und drei Minuten später war die Sache provisorisch gefixt, sodass ich mit meinem Kumpel die Tour weiterfahren konnte.

Gesagt, getan. Und dann wurde mir auf einmal klar, dass diese Diskussion viel weitreichender war. Egal, ob es eine Bike-Panne, die Entscheidung neue, unbekannte Trails zu erkunden (“Ach heute fahre ich meine altbekannten Trails, die sind schön und gut. Punkt.” ) oder die Weltwirtschaftskrise ist. Anstatt Dinge zu versuchen, auszuprobieren und Erfahrungen zu gewinnen, werden diese oft kategorisch abgelehnt und vornherein abgetan. Bloß nichts Neues wagen. Warum? Es ist einfach das Unmögliche in Dingen zu sehen, denn das erfordert keine Anstrengung, verursacht keine Ungewissheit über den Ausgang des Unternehmens und sorgt für viel “Bequemheit”. So kann man sein Leben führen, sollte es – je nach Ambitionen – aber nicht. Gerade in Wirtschaftszeiten wie diesen (vor allem in Spanien), ist es essentiell, das Potenzial und das Mögliche im UnMÖGLICHEN zu sehen und daran zu glauben, was man kann – egal was die anderen sagen! Immer mit einem gewissen Bezug zur Realität natürlich. Aber wer von vornherein nur Rot und Unmögliches sieht, der hat schon verloren. Vielleicht ist man dessen gar nicht bewusst, aber das meiste ist einfach eine Sache des Kopfes und des Selbstvertrauens; Gleich der Überwindung, einen Sprung oder Drop das erste Mal zu wagen, den keiner zuvor gemacht hat. Klar kann das auch schief gehen, aber wenn man es nicht versucht, dann hat man schon verloren: Gegen das eigene Ego oder die Wette mit den Kumpels!

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Wie dem auch sei! An diesem Tag entschieden wir uns dann für ausprobieren und neue Trails erkunden; sich kurz verfahren, Fußgänger nach dem Weg fragen und dann das Ziel erreichen. So einfach kann es sein, wenn man hilfsbereit, freundlich und rücksichtsvoll unterwegs ist.
Das schöne am Enduro fahren: Hier gibt es nicht nur Action, Natur und geselliges Pedalieren mit Kumpels, sondern auch Zeit nachzudenken. In diesem Sinne…

Text & Fotos: Robin Schmitt


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Wer schreibt hier?

Robin Schmitt
CEO & Founder

Robin ist einer der zwei Verlagsgründer und Visionär mit Macher-Genen. Während er jetzt – im strammen Arbeitsalltag – jede freie Sekunde auf dem Bike genießt, war er früher bei Enduro-Rennen und ein paar Downhill-Weltcups erfolgreich auf Sekundenjagd. Nebenbei praktiziert er Kung-Fu und Zen-Meditation, spielt Cello, liebt Classic Cars, bereist fremde Länder und testet noch immer zahlreiche Bikes selbst. Progressive Ideen, neue Projekte und große Herausforderungen – Robin liebt es, Potenziale zu entdecken und Trends auf den Grund zu gehen.

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