Nachdem das Mega TR im Jahr 2016 aus dem Line-up von Nukeproof verschwand, hat dort ein reinrassiges Trail-Bike gefehlt. Diese Lücke ist nun geschlossen! Das neue Nukeproof Reactor 275 besitzt 150/140 mm Federweg, 27,5”-Laufräder und ist voll auf Fahrspaß getrimmt. Hier ist unser erster Eindruck!

Nukeproof Reactor 275 RS | 160/140 mm Federweg (v/h) (alle anderen Modelle verfügen über 150/140 mm) | 27,5”-Laufräder | 5.400 € | 14,1 kg

Fahrt ihr lieber Rennen oder spielt ihr lieber mit eurem Bike? Hat Geschwindigkeit für euch eine höhere Priorität als Fahrspaß? Und jagt ihr lieber Strava-Segmente oder seid ihr lieber bei Sessions mit euren Kumpels am Start? Genau das sind die Fragen, die ihr euch zwangsläufig stellen müsst. Denn Nukeproof bietet sein neues Trail-Bike in zwei Varianten an: als Reactor 290 in 29” und als Reactor 270 in 27,5”. Bei dem von uns getesteten 275-Modell geht es definitiv zu 100 % um Fahrspaß. Die kleineren Laufräder sollen die Agilität erhöhen und euch anspornen, mit dem Trail zu spielen. Wir haben mit dem Reactor einige Runden hinter unserem schottischen Office gedreht, um herauszufinden, was es drauf hat.

Das Nukeproof Reactor 275 RS im Detail

Das Reactor verdankt seinen Namen einem Trail-Hardtail von Nukeproof aus den 90ern, hat jedoch mit diesem nichts mehr gemeinsam, denn das Bike wurde von Nukeproof von Grund auf neu entwickelt. Laut Nukeproof ist es ihnen dadurch gelungen, das ultimative Trail-Bike für anspruchsvolles Terrain zu erschaffen.

Das Nukeproof Reactor ist als Carbon- sowie Aluminium-Modell erhältlich. Das von uns getestete Flaggschiff-Modell 275 RS verfügt über einen vollständigen Carbon-Rahmen.

Nukeproof hat sich vom „Fallout Linkage“-Hinterbausystem des Mega verabschiedet und setzt nun auf einen neuen, mittels Swing-Link umgesetzten 4-Gelenker mit Horst-Link, der dem des neuen Downhill-Bikes Dissent ähnelt. Der neue Hinterbau des Reactor weist eine Progression von 21,5 % auf und verfügt laut Nukeproof über ein besonders feinfühliges Ansprechverhalten zu Beginn seines Federwegs. Auch der Support im mittleren Federwegsbereich sowie gegen Ende des Dämpferhubs wurde verglichen zum Mega erhöht. Der Anti-Squat beträgt rund um den SAG-Punkt ca. 92 % (bei einem Übersetzungsverhältnis von 32–50 Zähnen).

Nukeproof hat den Hinterbau des Reactor neu gestaltet
Dadurch konnten sie dem Bike ein hohes Maß an Progression und Support verpassen
Die Größeneinteilung ist relativ großzügig gehalten. Das Reactor 275 in Medium verfügt über 450 mm Reach. Bei allen Größen lässt sich ein Flaschenhalter im Rahmendreieck unterbringen.

Der Rahmen verfügt über einen Flip-Chip und eine Reihe an Details, die ihm ein hochwertiges Erscheinungsbild verleihen. Dank des Flip-Chips kann man die Einstellungen „Trail“ oder „Rail“ wählen, wodurch sich der Lenkwinkel sowie die Tretlagerhöhe am Reactor verändern. In der „Rail“-Einstellung fällt der Lenkwinkel um 0,5° flacher aus und die Tretlagerhöhe ist um 6 mm niedriger – die Tretlagerabsenkung beträgt dann 24 mm.

Mit dem Flip-Chip lässt sich die Geometrie des Reactor verändern. Wir sind es in der flacheren „Rail“-Einstellung gefahren.
Der geriffelte Kettenstrebenschutz macht seinen Job zuverlässig, wodurch kein Kettenklappern hörbar ist – top!
Die interne Zugverlegung des Reactor ist schick und klappert nicht

Die Ausstattung des Nukeproof Reactor 275 RS

Das 275 RS-Modell ist das Flaggschiff von Nukeproofs 27,5”-Reactor-Line-up, daher ist es keine Überraschung, dass es mit einigen wirklich feinen Komponenten bestückt ist. Auf den ersten Blick ist klar, dass Nukeproof sein Topmodell vorrangig für Abfahrts-Performance ausgestattet hat – das Bike verfügt nur über bewährte Teile! Um das Fahrwerk des RS-Modells kümmern sich die Top-of-the-Line-Produkte von RockShox. An der Front stellt die RockShox Lyrik Ultimate 160 mm an Federweg bereit und ist gepaart mit einem RockShox Super Deluxe Ultimate-Dämpfer mit 140 mm am Heck. Der SRAM X01 Eagle-Antrieb liefert knackige Schalt-Performance. Und auch die kraftvollen SRAM CODE RSC-Bremsen sind in unseren Augen eine fantastische Wahl, da sie mächtig Power liefern und super zu dosieren sind. Für ausreichend Grip sorgen zwei unserer liebsten MAXXIS-Reifen (der ASSEGAI 2,5 WT sowie der Minion DHRII 2,4 WT), die auf einen Mavic Deemax DH-Laufradsatz montiert sind. Eine 150 mm RockShox Reverb Stealth-Teleskopsattelstütze und einige hauseigene Parts von Nukeproof runden den super robusten Aufbau ab.

Ultimativ – die RockShox Lyrik Ultimate ist eine erstklassige Federgabel und daher auch eine unserer Favoriten
Der RockShox Super Deluxe Ultimate-Dämpfer ist speziell auf das Bike abgestimmt und lässt sich kinderleicht einstellen
Große Bremsscheiben sind stets ein willkommener Anblick
SRAMs CODE RSC-Bremsen sind genauso gern gesehen
Die MAXXIS-Reifen in WT-Breite und mit EXO+ Seitenwänden sind eine super Wahl und bieten eimerweise vertrauenserweckenden Grip

Federgabel RockShox Lyrik Ultimate Charger 2 RCT3 160 mm
Dämpfer RockShox Super Deluxe Ultimate RCT 140 mm
Bremsen SRAM CODE RSC 200/180 mm rotors (f/r)
Antrieb SRAM X01 Eagle
Sattelstütze RockShox Reverb Stealth 125/150/170/200 mm
Vorbau Nukeproof Horizon 50 mm
Lenker Nukeproof Horizon Carbon 780 mm
Laufräder Mavic Deemax DH 27.5″
Reifen MAXXIS ASSEGAI 2,5 WT EXO+, Minion DHR II 2,4 WT EXO+
Gewicht 14,1 kg (Medium)
Preis 5.400 €


Das Cockpit besteht hauptsächlich aus hauseigenen Nukeproof-Komponenten. Das ist beileibe nichts Schlechtes – die Horizon Vorbau-Lenker-Kombi fühlt sich großartig an und sieht auch noch gut aus.

Die Geometrie des Nukeproof Reactor 275 RS

Die Geometrie des Reactor 275 ist bei den Carbon- und Alu-Modellen identisch. Das von uns getestete RS-Modell kommt jedoch mit einer 160-mm-Federgabel (alle anderen Modelle mit 150 mm), wodurch Lenk- und Sitzwinkel minimal flacher ausfallen, die Front des Bikes etwas höher kommt und der Reach um einige Millimeter verkürzt wird. Der 65°-Lenkwinkel und die verlängerte Federgabel verleihen dem Reactor 275 RS eine sehr sichere Front. Das Bike liebt es, sich durch ruppige Trails zu arbeiten und bleibt auch im steilsten Gelände unbeeindruckt. Der Sitzwinkel könnte einen Tick steiler sein (74,6° in der flachen Einstellung), doch die Sitzposition fühlt sich trotzdem komfortabel genug an, um steile Anstiege und lange Tage im Sattel zu meistern. Insgesamt wurde bei der Geometrie Wert auf ein verspieltes Handling gelegt, was aber nicht bedeutet, dass es das Reactor 275 nicht auch mit anspruchsvollem Gelände aufnehmen kann.

Größe (Low) S M L XL
Sattelrohr 381 mm 420 mm 458 mm 508 mm
Oberrohr 581 mm 611 mm 641 mm 676 mm
Steuerrohr 110 mm 115 mm 120 mm 125 mm
Lenkwinkel 65° 65° 65° 65°
Sitzwinkel 74,6° 74,6° 74,6° 74,6°
Kettenstreben 430 mm 430 mm 430 mm 430 mm
Tretlagerhöhe 333 mm 333 mm 333 mm 333 mm
Radstand 1154 mm 1185 mm 1216 mm 1251 mm
Reach 420 mm 450 mm 478 mm 512 mm
Stack 603 mm 609 mm 613 mm 617 mm

Wie fährt sich das Bike? Das Nukeproof Reactor 275 RS auf dem Trail

Wir haben das Nukeproof Reactor 275 RS auf den Trails rund um unser UK-Office getestet und sind es in der flacheren „Rail“-Einstellung gefahren. Uphills sind mit dem Reactor 275 RS eine komfortable Angelegenheit. Es ist zwar nicht so flink wie eine XC-Rennmaschine, fühlt sich jedoch bergauf effizienter an als ein Enduro-Bolide und bietet auch für lange Strecken eine angenehme Fahr-Performance. Wenn man in hoher Frequenz in die Pedale tritt, ist auf flacheren Abschnitten des Trails ein wenig Wippen zu spüren – verantwortlich dafür ist der niedrigere Anti-Squat. Jedoch lässt sich dies durch einen Griff zum Hebel für die Druckstufeneinstellung am Dämpfer eliminieren. Der Sitzwinkel des RS-Aufbaus ist mit 74,6° nicht der steilste (in der „Rail“-Position). Wenn ihr es regelmäßig mit langen, steilen Anstiegen zu tun habt, empfehlen wir euch, den Sattel auf seinen Streben weit nach vorn zu schieben, um das Gewicht möglichst zentral zu positionieren.

Das Nukeproof Reactor 275 RS klettert willig und performt bergauf zwischen einem XC-Bike und einem Enduro

Bergab gibt es mit dem Reactor 275 RS nur ein Motto: maximalen Spaß zu haben. Das Bike lässt sich unglaublich leicht navigieren und liebt es, an Wurzeln, Steinen und Kanten abzuziehen. Der Hinterbau ist der nicht der satteste und bietet stattdessen Unmengen an Support im mittleren Federwegsbereich sowie gegen Ende seines Hubs. Dadurch behält das Bike seine Geometrie bei, wenn man mit Vollgas durch einen Anlieger fährt oder nach einem Sprung bzw. Drop hart landet. Außerdem verleiht der Hinterbau dem Reactor ein Gefühl, als sei der Federweg endlos, und sorgt dafür, dass das Bike genug Reserven für flowige Bikepark-Trails sowie steilere Enduro-Strecken hat.

Helm POC Tectal SPIN | Jersey Cult of Shred 2 Tone SS | Shorts FOX Ranger | Knieschoner 7iDP Covert | Handschuhe 100% | Socken Loose Riders

Bergab gibt es mit dem Reactor 275 RS nur ein Motto: so viel Spaß wie nur irgend möglich zu haben und den Trail in eine Spielwiese zu verwandeln!

Neben seiner Verspieltheit fiel uns auch auf, wie leise das Nukeproof Reactor 275 auf dem Trail ist. Es lässt sich keinerlei Kettenschlagen oder Klappern vernehmen. Die einzigen Geräusche, die uns während der Fahrt aufgefallen sind, waren die Klänge der MAXXIS-Reifen, die sich im Boden festkrallen sowie das Schmatzen der Dämpfung beim Fahrwerk. Apropos Fahrwerk: Nukeproofs neues 4-Gelenker-Horst-Design bietet massenhaft Support und Traktion. Das Reactor fühlt sich in Kurven ausgewogen an und ermöglicht es, auf effiziente Weise Geschwindigkeit zu generieren, wenn man durch Anlieger und Kompressionen pumpt. Sobald man auf dem Bike sitzt, merkt man sofort, warum Nukeproof sich für eine robuste Ausstattung ohne Schnickschnack entschieden hat. Das Bike fühlt sich stets souverän an und bettelt fast um Landungen im Flat sowie um hohe Kompressionen in Kurven. Doch wie soll man sich zwischen dem Nukeproof Reactor und seinem Stallgefährten mit mehr Federweg, dem Nukeproof Mega, entscheiden? Wir können euch eins sicher sagen: Wenn ihr nicht ausschließlich im ruppigsten Terrain unterwegs seid, dann werdet ihr auf dem kurzhubigeren Reactor mehr Spaß haben. Und es wird euch kein bisschen zurückhalten!

Fazit

Das Nukeproof Reactor 275 RS bietet massig Fahrspaß! Mit seinen 27,5”-Laufrädern ist das Reactor am besten geeignet für Fahrer, die nach einem echten Alleskönner suchen und für die Spaß wichtiger ist, als ständig Vollgas zu fahren. Wenn ihr ein Bike sucht, das mehr am Boden klebt und Geschwindigkeit besser hält, dann werden die 29”-Modelle euren Ansprüchen wahrscheinlich eher gerecht. Alles in allem beeindruckt uns das Nukeproof Reactor 275 RS mit seiner verspielten Natur, der durchdachten und robusten Ausstattung und dem fairen Preis. Wir freuen uns schon, es bald mit seinen härtesten Konkurrenten zu vergleichen.

Mehr Infos unter: nukeproof.com

Text & Fotos: Finlay Anderson