
Garmin präsentiert mit dem Edge MTB seinen ersten speziell für den Mountainbike-Einsatz entwickelten GPS-Computer. Während sich viele Modelle aus dem Garmin-Portfolio zwar auch auf dem Trail einsetzen lassen, soll der Edge MTB erstmals komplett auf die Anforderungen von Mountainbikern zugeschnitten sein, mit robustem Gehäuse und cleveren Features. Wir haben den knapp 400 € teuren Bike-Computer ausgiebig getestet und verraten euch, wie sich der Garmin Edge MTB auf dem Trail schlägt.
Der Garmin Edge MTB im Detail – Trail-Facts statt Touch-Gimmicks
Der Garmin Edge MTB kommt im kompakten Format (50,4 x 77,8 x 19,8 mm) mit einem 2,13 Zoll großen Farbdisplay, das eine Auflösung von 240 x 320 Pixeln hat. Auch bei direkter Sonneneinstrahlung ist das Display gut ablesbar. Statt Touch setzt Garmin auf klassische Tastensteuerung: Sieben robuste Knöpfe mit klar definiertem Druckpunkt sorgen dafür, dass man sich auch mit Handschuhen gut durch die Menüs klicken kann. Das Display wird von einem speziellen Glas, dem kratzfesten Corning Gorilla Glass, geschützt, das faserverstärkte Polymergehäuse mit Silikonüberzug ist stoßsicher und nach IPX7 wasserdicht. Demnach sollten dem Edge Stürze ebenso wenig anhaben wie kurzzeitiges Untertauchen bei einer ungewollten Abkühlung in einem Bach.

Bereits vorinstalliert sind detaillierte TopoActive-Karten, die nicht nur Singletrails, sondern auch Schotterwege und Asphaltstraßen abbilden. Ergänzt wird das Ganze durch eine Trailforks-Datenbank, die einem direkt auf dem Gerät Zugang zu unzähligen Trails weltweit verschafft und auch deren Schwierigkeitsgrad, Streckenlänge, Höhenmetern und Beschaffenheit anzeigt. Kommt eine Gabelung auf eurem Trail, aktiviert sich automatisch die ForkSight-Funktion von Garmin, die euch die nächstgelegenen Trails inklusive deren Länge, Höhenprofil und Entfernung abbildet. So weiß man vor dem Abbiegen, was einen erwartet. Ebenso praktisch ist das Trendline Popularity Routing: Basierend auf den Strecken anderer Garmin-Nutzer liefert der Garmin zusätzliche Routenempfehlungen.
Damit das alles auch in engen Tälern oder tiefen Waldschneisen funktioniert, nutzt der Edge MTB ein Multi-Frequenz-Ortungssystem, das die Signale der Satellitennavigationssysteme GPS, GLONASS und Galileo verarbeitet. Zum Training oder Tracking lässt sich eine Vielzahl an Aktivitätsprofilen wählen: Enduro-MTB, Downhill-MTB, E-Mountainbike, Mountainbike. Das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange, ebenso könnt ihr Profile erstellen wie Gravel, Cyclocross, E-Enduro-MTB, E-Bike, Indoor, Arbeitsweg oder Tourenrad.
Spannend für die meisten von euch: In den Profilen Enduro-MTB und Downhill-MTB zeichnet der Edge eure Route mit einer GPS-Frequenz von 5 Hz auf, also fünf Messungen pro Sekunde. Im Downhill-Modus erkennt der Edge zusätzlich, wenn man im Lift sitzt und rechnet dabei die zurückgelegten Höhenmeter nicht mit in die Aktivität ein. Nice! Für alle, die ihre Hausrunde nicht einfach nur abspulen, sondern aktiv an ihrer Linie feilen wollen, bietet Garmin die Split-Zeiten-Funktion. Bis zu zehn frei wählbare Zeitmesspunkte lassen sich damit direkt auf dem Trail setzen. Beim Durchfahren der Punkte zeigt euch der Edge MTB in Echtzeit an, ob ihr schneller (grün) oder langsamer (rot) wart als bei der vorherigen Runde, inklusive der Zeitdifferenz. So wird eure Feierabendrunde zum persönlichen Mini-World Cup und ihr bekommt direkt Feedback zu eurer Performance auf anderen Lines. Von dieser Funktion könnt ihr aber auch bei Enduro-Rennen Gebrauch machen. Im Training setzt ihr gezielt eure Messpunkte, im Rennen gibt euch die Delta-Zeit dann direkt Rückmeldung, ob ihr zum Beispiel im oberen Abschnitt einer Stage zu viel Zeit verloren habt oder eure Pace für den restlichen Trail halten solltet. So könnt ihr eure Kraft an einem langen Renntag gezielt einteilen. Wichtig: Das Ganze funktioniert erst ab drei Runs. Der erste dient dem Setzen der Messpunkte, der zweite zeichnet eure Referenzzeit auf und beim dritten heißt es: Angriff auf die Bestzeit!
Die gesammelten Daten nutzt Garmin für seine MTB-Dynamics, hier werden neben Geschwindigkeit und Strecke folgende Features aufgezeichnet:
- Grit-Wert: Wie anspruchsvoll ist der Trail? Je technischer und ruppiger, desto höher die Punktzahl.
- Flow-Messung: Sie gibt dir Feedback, wie rund und flüssig du gefahren bist.
- Sprunganalyse: Der Edge zählt deine Sprünge, misst Airtime und Weite.
Anschließend liefert der Garmin eine verdammt umfassende Übersicht seiner Aufzeichnung und lässt sich selbstverständlich mit Strava und Co. verknüpfen. Außerdem besitzt der Bike-Computer bereits vorinstallierte Trainingspläne, Trainingsvorschläge und Zielverfolgung. Abseits der reinen Trail-Performance wartet der Edge MTB mit einer weiteren Palette smarter Funktionen auf, die den Umfang hier sprengen würden. Hier nur ein Auszug davon:
- 32 GB interner Speicher: Platz für Karten, GPX-Tracks und Trainingsdaten.
- Smart Notifications: zeigt Nachrichten, Anrufe oder App-Infos direkt auf dem Display an.
- LiveTrack & GroupTrack: Deine Kumpels sehen, wo du gerade bist, hilfreich für gemeinsame Rides oder Sicherheit im Notfall.
- Unfallbenachrichtigung & Bike-Alarm: Bei einem Sturz wird automatisch ein Notfallkontakt informiert oder ihr bekommt eine Warnung aufs Handy, wenn jemand euer Bike bewegt.
- E-Bike-Kompatibilität: Der Edge zeigt euch nach dem Verbinden mit dem E-Bike Infos zu Akku, Unterstützungsstufe und Co. an.
Garmin gibt für den Edge MTB eine Akkulaufzeit von bis zu 14 Stunden bei anspruchsvoller Nutzung und bis zu 26 Stunden im Energiesparmodus an. Somit hält er länger durch als ihr auf dem Bike. Geladen wird der Computer einfach über das mitgelieferte USB-C-Kabel.
Der Garmin Edge MTB im Test
Die Einrichtung des Edge MTB geht schnell und der Computer integriert sich nahtlos ins bestehende Garmin-Ökosystem. Wer bereits eine kompatible Garmin-Uhr, ein Herzfrequenzmessgerät oder Powermeter nutzt, kann die einfach koppeln und bekommt so ein noch umfassenderes Bild seines Trainings.
Bei der Montage empfiehlt es sich, sorgfältig zu sein. Der Edge MTB wird mit einem Gummistrap für das Oberrohr geliefert, sitzt dort bombenfest und wackelt auch auf ruppigen Trails keinen Millimeter. Aber wer sein Knie in engen Kurven gern mal etwas weiter innen platziert, sollte den Edge möglichst weit oben am Oberrohr befestigen. Andernfalls kann es passieren, dass man versehentlich eine Taste trifft und die Aufzeichnung stoppt. Been there, done that. Alternativ lässt sich der Edge klassisch am Lenker montieren, wo er ebenfalls gut ablesbar ist, das cleane Bild am Cockpit optisch aber etwas stört. Die sauberste Lösung ist vermutlich eine Top-Cap-Halterung für den Vorbau, wo der Bike-Computer dafür aber recht exponiert am Cockpit sitzt.
Auf dem Trail zeigen sich dann die vielen Funktionen, die manchmal fast schon etwas überwältigend sind. Direkt nach dem Start prasseln ForkSight-Hinweise, Streckeninfos, Navigationsdaten und Warnhinweise auf den Rider ein. So hatten wir zur besseren Übersichtlichkeit zu Beginn Hinweise bei der Fahrt, wie beispielsweise bei Schlaglöchern, deaktiviert. Wer sich nicht aktiv durch die Einstellmöglichkeiten klickt, kann hier schnell verleitet werden, mehr auf den Bildschirm als auf den Trail zu schauen. Vor allem die ForkSight-Funktion ist Geschmackssache. Die liefert zwar viele Infos zu weiteren Trails und ist cool, wenn man im Bike-Urlaub neue Gegenden erkundet. Nervig aber, wenn man auf der Hausrunde jede Kurve kennt. Hier lohnt es sich, Zeit ins Setup zu investieren: Wer das Menü einmal durchgeht, kann die Anzeige auf das Wesentliche reduzieren und sich ein Setup bauen, das zum eigenen Fahrstil passt. Ob minimalistisch mit nur drei Werten oder als vollgepacktes Display mit allen Daten. Die Bedienung über die Knöpfe klappt auch mit Handschuhen super und das Menü ist schnell verstanden.
Das Display selbst macht einen extrem robusten Eindruck und hat im Test schon Bodenkontakt weggesteckt, ohne Kratzer. Weniger gefällt das Display-to-Body-Ratio, und der Displayrand wirkt recht dick. Richtig Spaß macht die Split-Zeiten-Funktion, die die Feierabendrunde zum Mini-World Cup werden lässt und dazu motiviert, kleine Battles mit den Kumpels zu starten. Nach dem Ride liefert der Edge eine richtig starke Analyse. Grit, Flow, Airtime, Höhenprofil, Durchschnittswerte – wer’s genau wissen will, bekommt hier mehr als genug Infos für den Trainingsplan oder die Gruppenchats. Wer noch länger eintauchen will: Und über Garmin Connect lassen sich die Daten auch bequem am Smartphone analysieren, inklusive Vergleich zu früheren Fahrten.
Fazit zum Garmin Edge MTB
Der Garmin Edge MTB ist ein durchdachter und enorm funktionsreicher Bike-Computer für alle, die mehr wollen als nur einfache GPS-Aufzeichnungen. Die Einrichtung ist unkompliziert, die Bedienung funktioniert auch mit Handschuhen intuitiv und das Gehäuse steckt auch ruppige Trail-Tage und Stürze locker weg. Wer sich Zeit nimmt, das Gerät sinnvoll zu konfigurieren, erhält ein vielseitiges Werkzeug mit nützlichen Trail-Features und anschließend detaillierten Analysen. Der Preis ist hoch und lohnt sich dann, wenn man die zahlreichen Funktionen auch wirklich nutzt. Einziger Kritikpunkt: Ohne eigene Anpassung kann die Datenflut schnell vom eigentlichen Fahrspaß ablenken.
Tops
- sehr robuste Bauweise
- viele smarte Features wie Split-Zeiten-Funktion
- enorme Datenanalyse
- hohe Anpassbarkeit an eigene Vorlieben
Flops
- großer Displayrand
- überladen im Auslieferungszustand
Alle weiteren Infos findet ihr auf der Website von Garmin.
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Text: Benedikt Schmidt Fotos: Peter Walker


