Gekommen, um zu bleiben: Das Ibis Ripmo ging als Titelverteidiger in diesen Test und hat sich am Ende ganz oben an der Spitze behauptet. Es ist nach wie vor das beste Trail-Bike 2020. Aber was macht das Bike der US-Amerikaner eigentlich so gut, dass es alle anderen in den Schatten stellt?

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Trail-Bike im Test

Ibis Ripmo AXS | 29″ | 160/145 mm | 13,66 kg | 10.598 € | Hersteller-Website

Schon auf den ersten Blick wird klar: Hier steht ein Ibis. Schließlich verfügt das Ripmo über die Ibis-typischen homogenen Linien und einen DW-Link Hinterbau. Er stellt 145 mm Federweg zur Verfügung, die serienmäßig von einem FOX DPX2 Performance kontrolliert werden. Bei unserem Highend-Modell wurde er durch einen FLOAT X2 ersetzt. Generell lässt Ibis dem Kunden viel Freiheit bei der Ausstattung des Bikes und bietet verschiedene miteinander kombinierbare Built-Kits. Unser Bike markiert mit 10.598 € das obere Ende der Fahnenstange, ist dafür aber auch nur mit den besten Teilen ausgestattet. Es verfügt über eine SRAM X01 Eagle-Schaltung und eine FOX 36 Factory GRIP2-Federgabel mit 160 mm. Ein besonderes Highlight sind die Ibis 942 Carbon-Laufräder mit satten 35 mm Innenbreite, die sich um Industry Nine Hydra-Naben drehen. Aber aufgepasst: Die Hydra-Naben klingen wie ein Schwarm zorniger Hornissen! Das muss man mögen. Kritik gibt es für die Shimano XT-Bremsen. Sie verzögern zwar hervorragend, leider klapperten aber die Beläge laut hörbar – bei einem Bike, an dem sonst nichts knarzt oder klappert, ist das super nervig! Die RockShox Reverb AXS verfügt über satte 170 mm Verstellbereich; im niedrigen, geraden Sattelrohr des Ibis hätte aber problemlos auch eine noch längere Stütze Platz.

Ibis Ripmo AXS

10.598 €

Ausstattung

Federgabel FOX 36 FLOAT Factory GRIP2
Dämpfer FOX X2 Factory 145 mm
Sattelstütze RockShox Reverb AXS 170 mm
Bremsen Shimano XT M8120 200/180 mm
Schaltung SRAM X01 Eagle AXS 32/10-50
Vorbau Thomson Elite X4 50
Lenker Ibis Carbon 800 mm
Laufradsatz Ibis S35 Carbon / Industry Nine Hydra 29
Reifen MAXXIS Assegai EXO+ 2,5

Technische Daten

Größe S M L XL
Gewicht 13,66 kg
Laufradgröße 29"
Federweg (v/h) 160/145 mm

Ausgesprochen edel
Der gesamte Rahmen ist edel und hochwertig verarbeitet. Ein echtes Schmuckstück, das manch einer sich am liebsten an die Wand hängen möchte. Aber das wäre eine Schande, denn dieses Bike gehört auf den Trail!
Potent
Der Ibis-Hinterbau ist so potent wie ein Mann nach zwei Pillen Viagra. Die 145 mm Federweg fühlen sich im Gelände nach deutlich mehr an!
Grip-Monster
Die MAXXIS WT-Reifen auf den breiten Ibis 942-Carbonfelgen liefern maximalen Grip und viel Komfort bei gleichzeitig akzeptablem Rollwiderstand.
Extraschutz
Ein neuer Gummi-Abstreifer schützt die Umlenkung vor Dreckbeschuss, kein Stein kann sich zwischen Hauptrahmen und Hinterbau klemmen.
Nervig laut
Die fein verzahnten Industry Nine Hydra-Naben sind zwar für technische Uphills ideal, das ständige Surren kann einen aber auch in den Wahnsinn treiben.
Jenseits der Stille
Am Ripmo klappert und knarzt nichts – umso nerviger ist das laute Klappern der XT-Bremsbeläge.
Alles gesagt
Was sollen wir hier noch ergänzen?
Drop it!
Das gerade Sitzrohr ermöglicht es, die 170 mm lange RockShox Reverb AXS komplett im Rahmen zu versenken – nice!

Die Geometrie des Ibis Ripmo

Die Geometrie des Ibis Ripmo ist modern und ausgewogen. Der einzig extreme Wert: Das Sattelrohr ist mit 418 mm super kurz. Der Reach ist mit 471 mm angenehm lang, der Lenkwinkel mit 65,9° weder zu steil noch zu flach. Der steile 76°-Sitzwinkel positioniert den Fahrer zentral auf dem Rad – und das merkt man auch bergauf.

Fahrwerk, Handling, Verarbeitung – beim Ripmo stimmt einfach alles.

Größe S M L XL
Sattelrohr 368 mm 368 mm 418 mm 470 mm
Oberrohr 573 mm 603 mm 632 mm 655 mm
Steuerrohr 90 mm 100 mm 110 mm 120 mm
Lenkwinkel 65,9° 65,9° 65,9° 65,9°
Sitzwinkel 77° 77° 77° 77°
Kettenstrebe 435 mm 435 mm 435 mm 435 mm
Tretlager Höhe 341 mm 341 mm 341 mm 341 mm
Radstand 1177 mm 1190 mm 1220 mm 1249 mm
Reach 431 mm 446 mm 471 mm 493 mm
Stack 613 mm 620 mm 629 mm 642 mm

Das Rimpo im Test

Wenn man einmal auf das Ibis Ripmo aufgestiegen ist, will man gar nicht mehr runter. Das Rad hat die mit Abstand komfortabelste und zentralste Sitzposition im Test. Gerade bei steilen Uphills sitzt man entspannt – das verdankt man dem steilen Sitzwinkel, der sich auch bei zunehmendem Auszug der Sattelstütze kaum abflacht. Das Vorderrad klebt förmlich am Boden. Der Hinterbau ist zwar nicht zu 100 % antriebsneutral, neigt aber auch nicht zu übertriebenem Wippen und generiert gleichzeitig gute Traktion bei technischen Anstiegen – auf den Griff zum Verstellhebel haben wir daher gern verzichtet. Bevor es bergab geht, versenkt man die 170 mm lange RockShox Reverb AXS-Sattelstütze und hat so maximale Bewegungsfreiheit für die Abfahrt. Dort brilliert das Ripmo mit einem herausragenden Mix aus Vortrieb, Agilität und Laufruhe.

Verspieltes Trail-Bike oder potentes Enduro? Das Ripmo ist beides!

Ob auf schnellen Jump- oder Flowtrails, Downhill-Strecken oder verblockten Alpenpfaden, das Ibis macht nicht nur überall eine sehr gute Figur, es macht auch überall verdammt viel Spaß! Ach ja: Und es ist schnell. So schnell, dass uns sonnenklar ist, weshalb das Ibis-Team das Bike auch in der EWS nutzt. Wer allerdings glaubt, dadurch würde es dem Rad an Spritzigkeit fehlen, der irrt. Im Antritt sprintet das Ripmo willig nach vorn. Der FOX X2 arbeitet definierter als der DPX2, den wir in der Vergangenheit schon gefahren sind, und bietet noch mehr Gegenhalt. Gleichzeitig spricht das Heck noch immer feinfühlig an. Die MAXXIS ASSEGAI WT-Reifen auf den breiten Carbon-Felgen liefern enormen Grip und fahren sich trotz ihrer Breite super definiert.

Tuning-Tipp: Feder der Bremsbeläge weit aufbiegen oder Beläge ohne Kühlrippen montieren

Helm POC Tectal | Brille POC Crave | Shirt iXS CARVE | Shorts iXS SEVER Shorts

Wie fährt sich das Ibis Ripmo im Vergleich zur Konkurrenz?

Ibis Ripmo, Santa Cruz Hightower oder Yeti SB130? Diese Frage stellen sich sicher einige. Der Hinterbau des Yeti ist noch satter und schluckfreudiger als der des Ripmo, im Gegenzug ist es im Antritt weniger spritzig und erfordert bergab einen deutlich aktiveren Fahrstil, um ausreichend Grip auf beiden Laufrädern zu garantieren. Das Hightower ist dem Ripmo sehr ähnlich, allerdings ist das Fahrwerk insgesamt straffer und das Rad ist im anspruchsvollen Terrain weniger souverän. Durch den Knick im Sitzrohr fällt der Sitzwinkel des Hightower ab einem gewissen Sattelauszug außerdem flacher aus.

Fahreigenschaften

12

Uphill

1
  1. schwerfällig
  2. effizient

Agilität

2
  1. träge
  2. verspielt

Laufruhe

3
  1. nervös
  2. laufruhig

Handling

4
  1. fordernd
  2. gutmütig

Fahrwerk

5
  1. unsensibel
  2. feinfühlig

Fahrspass

6
  1. langweilig
  2. lebendig

Value for money

7
  1. schlecht
  2. sehr gut

Einsatzbereich

XC

8

Trail

9

Enduro

10

Downhill

11

Unser Fazit zum Ibis Ripmo

Die Herrschaft des Ibis Ripmo ist noch lange nicht vorbei – es sichert sich erneut den begeehrten Testsieg. Kein Rad ist so vielseitig und kann bergauf wie bergab so überzeugen. Auf steilen anspruchsvollen Abfahrten macht es genauso Spaß wie auf flowigen Singletrails. Kombiniert mit dem edlen Rahmen und der durchdachten Ausstattung ergibt das ein Gesamtkonzept, an dem sich alle anderen messen müssen.

Stärken

  • unglaublicher Fahrspaß auf allen Trails
  • sehr guter Allrounder
  • komfortabel bergauf
  • lebendiges Handling

Schwächen

  • Preis je nach Konfiguration
  • klappernde Bremsbeläge

Mehr Informationen findet ihr unter ibiscycles.com

Das Testfeld

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Trail-Bike im Test

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Text & Fotos: Christoph Bayer

Über den Autor

Christoph Bayer

Wenn sich Arbeit nicht nach Arbeit anfühlt, dann hat man alles richtig gemacht – und das hat Christoph geschafft! Er liebt das Biken, ist ein Fan von Tech-Talk (zum Leidwesen seiner Freundin Toni), hat super viel Spaß an der Fotografie und bereist gerne die Welt. Er ist fast seit Anfang an bei ENDURO dabei und als Chefredakteur mittlerweile dafür verantwortlich, dass ENDURO das progressivste und aufregendste Magazin der Branche ist. Natürlich schreibt er noch jede Menge Storys selbst, testet um die 100 Bikes im Jahr und sitzt nahezu täglich auf dem Rad. Die alpinen Trails rund um seinen Heimatort dienen dabei als perfektes Testgelände. Den klassischen Arbeitstag gibt es für ihn nicht, mal ist er im Office, mal mit dem Laptop im Garten oder arbeitet direkt vom Van aus in einem der Top-Bike-Spots dieser Welt – für Christoph sind die Grenzen fließend und genau das weiß er so zu schätzen.