2025 steht bei Kenda ganz im Zeichen des Umbruchs: Unter dem Namen „K-Series“ werden künftig die neuen Premium-Reifen der Taiwaner bezeichnet. Neue Karkassen, überarbeitete Bezeichnungen und komplett neue Modelle sollen für frischen Wind sorgen. In der Übergangszeit begegnet man noch alten und neuen Varianten nebeneinander – wir bringen Ordnung ins Chaos und haben bereits die neuen Karkassen sowie das neue Flaggschiff namens „Double Black“ auf dem Trail getestet.
| Modell | Gewicht | Preis |
|---|---|---|
| Double Black ENDURO 29 x 2,40 |
1.258 g | 82,90 € |
| Double Black ALL MOUNTAIN 29 x 2,40 |
1.036 g | 82,99 € |
| Pinner ENDURO 29 x 2,40 |
1.202 g | 82,90 € |
Die Karkassen im Überblick
Kenda hat es euch hier bisher schon ziemlich leicht gemacht – zumindest wenn ihr die Kürzel der Karkassenbezeichnungen einmal verstanden hattet. Hier steckte nämlich der Einsatzzweck direkt in der Bezeichnung der Karkasse, die Kenda auf der Homepage unter dem Stichwort „Protection” angibt. Mit den sogenannten „Advanced -Trail, -Enduro oder -Gravity Casings”, kurz „ATC”, „AEC” oder „AGC” gab es bereits eine gute Auswahl unterschiedlicher Karkassenstärken für abfahrtsorientierte Einsätze. Außerdem gab es noch das weniger intuitiv benannte, für Sidewall Casing Technology stehende „SCT”-Casing für den XC-Einsatz.
Daran ändert sich jetzt aber einiges: Mit den ab Herbst einsetzenden K-Series-Reifen werden die Karkassen ohne die Verwendung von Kürzeln analog ihres Einsatzgebiets gekennzeichnet. Mit den selbsterklärenden Karkassenbezeichnungen „XC”, „TRAIL”, „ALL MOUNTAIN”, „ENDURO” und „DOWNHILL” sollten künftig definitiv keine Verständnisprobleme mehr auftauchen. Mit nun insgesamt fünf Karkassen fällt damit die Auswahl entsprechend eures individuellen Fahrprofils leichter. Drei dieser fünf Karkassen werden mit Einführung der K-Series-Reifen nur neu benannt, bleiben technisch jedoch unverändert. Zusätzlich gibt es zwei neue Karkassen: Die ENDURO-Karkasse ersetzt künftig die bisherige AEC-Karkasse und die TRAIL-Karkasse wird dem Portfolio gänzlich neu hinzugefügt. Sie soll die Lücke zwischen den Karkassen XC und ALL MOUNTAIN schließen.
| Aktuelle Karkassen | Neue K-Series-Karkassen |
|---|---|
| SCT | XC (technisch unverändert) |
| – | TRAIL (Neuentwicklung) |
| ATC | ALL MOUNTAIN (technisch unverändert) |
| AEC | ENDURO (Neuentwicklung) |
| AGC | DOWNHILL (technisch unverändert) |
SCT
Sidewall Casing Technology (SCT) bezeichnet bei Kenda bisher die leichteste MTB-Karkasse, bei der zum Pannenschutz ein Nylongewebe vom Wulst zum Profilblock eingearbeitet ist. Verwendung findet die SCT-Karkasse vor allem bei Reifen, die für den Cross-Country-Einsatz geeignet sind.
XC
Mit Einführung der K-Series-Reifen wird die XC-Karkasse künftig das neue Leichtgewicht der Kenda-Karkassen darstellen. Das XC-Casing wird es bestehend aus 120- oder 60-TPI-Karkassenmaterial geben und wird dem Einsatzzweck entsprechend stets mit einer schnell rollenden Gummimischung kombiniert. Der Aufbau entspricht dem der SCT-Karkasse.
TRAIL
Das für die K-Series-Reifen neu entwickelte TRAIL-Casing wird sich zwischen XC- und ALL MOUNTAIN-Karkasse eingliedern. Wie das leichtere XC-Modell wird es die einlagige Kenda TRAIL-Karkasse mit 60 oder 120 TPI geben. Die 60-TPI-Variante soll dieselbe Performance und Pannenschutz bei etwas höherem Gewicht liefern, aber günstiger sein. Für den Pannenschutz kommt eine Schutzeinlage an der Seitenwand zum Einsatz.
Advanced Trail Casing (ATC)
Das Advanced Trail Casing war bisher die Karkasse für den harten Trail-Einsatz, sie wird aber fortan als Teil der K-Series-Reifen technisch unverändert in ALL MOUNTAIN-Karkasse umbenannt.
ALL MOUNTAIN
Aus ehemals ATC wird mit der K-Series „ALL MOUNTAIN”: Diese Karkasse entspricht in ihrem Aufbau der bisherigen ATC-Karkasse und hat einen 120 TPI-Aufbau. Für mehr Pannenschutz hat die ALL MOUNTAIN- Karkasse neben der Seitenwandschutz im Gegensatz zur TRAIL-Karkasse auch eine Schutzeinlage an der Lauffläche. Der Pannenschutz der Lauffläche sollte daher bei der ALL MOUNTAIN-Karkasse etwas höher ausfallen. Das von uns getestete Modell liegt nur knapp oberhalb der 1.000-Gramm-Grenze und gehört damit zu den leichtesten Reifen im Test. Beim Durchschlagversuch ordnet sich die leichte All MOUNTAIN Karkasse im Vergleich zum Testfeld im unteren Bereich ein. Der Schutz gegen Durchstiche an der Lauffläche ist jedoch vergleichsweise gut.
Advanced Enduro Casing (AEC)
Beim Advanced Enduro Casing setzt Kenda im Unterschied zur ATC-Karkasse auf deutlich robustere und schwerere Schutzeinlagen. Die Vector Shield genannten Gewebe unter der Lauffläche und auf der Seitenwand sollen fast dreimal mehr Schnittschutz bieten als die Gewebe in der ATC-Karkasse. Die 60-TPI-Karkassenkonstruktion rangierte bisher zwischen der gewichtsoptimierten ATC-Karkasse und der robusten AGC-Karkasse und bot in der Vergangenheit ein gutes Verhältnis aus Pannenschutzleistung und Gewicht. Die AEC-Karkasse wird künftig durch die neue ENDURO-Karkasse ersetzt.
ENDURO
Das neue ENDURO-Casing der K-Series kommt weiterhin mit einem 60-TPI-Aufbau und soll leichter und pannensicherer als die AEC sein. Auch die Dual Layer-Gummimischung ist mit dem neuen Casing verändert worden. Sie soll 30 % schneller rollen und gleichzeitig 50 % länger halten als der in der AEC-Karkasse verwendete Compound.
Gegenüber der leichteren ALL MOUNTAIN-Karkasse bietet die ENDURO-Karkasse in unserem Labortest ein deutliches Plus an Schutz bei Durchschlägen und Durchstichen an der Seitenwand, wo die ENDURO-Karkasse gute Werte erzielt. Das geht mit einem Mehrgewicht von etwas über 200 Gramm einher. Der Schutz gegen Durchstiche an der Lauffläche bleibt auf einem ähnlichen Niveau wie bei der leichteren ALL MOUNTAIN-Karkasse. Insgesamt bietet die neue ENDURO-Karkasse von Kenda ein sehr gutes Ergebnis beim Pannenschutz. Auch das Gewicht fällt vergleichsweise niedrig aus.
Einziges Manko: Die Karkasse erweist sich auf dem Trail als relativ hart, wodurch sie in puncto Dämpfung hinter anderen zurückbleibt.
Advanced Gravity Casing (AGC)
Das Advanced Gravity Casing (AGC) war bisher die robusteste Karkasse bei Kenda. Den zusätzlichen Schutz im Vergleich zur AEC-Karkasse erreicht Kenda nicht etwa durch die Erhöhung der Karkassengewebelagen, sondern durch den Zusatz eines 20 mm breiten Apex am Reifenwulst.
DOWNHILL
Wie auch beim neuen ENDURO-Casing handelt es sich bei der DOWNHILL-Karkasse um eine 60-TPI-Konstruktion. Sie entspricht der bisherigen AGC-Karkasse.
Die Gummimischungen im Überblick
Kenda hat Einfach-, Zweifach- sowie bald auch Dreifachgummimischungen im Angebot. Für die Mountainbike-Reifen setzt Kenda hauptsächlich auf Zweifach- und mit der bald erhältlichen ALL MOUNTAIN-Karkasse beim „Double Black”-Reifen erstmals auf eine Dreifachgummimischung. Die Gummimischung ist bei Kenda immer an die entsprechende Karkasse geknüpft und nicht unabhängig davon wählbar.
Single Tread Compound
Auch bei Kenda gibt es Einfachgummimischungen, bei denen das gesamte Profil aus einer homogenen Mischung besteht. Der Single Tread Compound findet bei Kenda allerdings nur in wenigen Mountainbike-Reifen Verwendung.
Dual Tread Compound
Der Dual Tread Compound nutzt in der Mitte der Lauffläche eine festere Mischung, um den Rollwiderstand zu verbessern, während im Übergangsbereich und an der Schulter des Reifens eine weichere Mischung für bessere Kurvenkontrolle und Grip zum Einsatz kommt. Diese Mischung wurde bisher für Reifen mit ATC-Karkasse eingesetzt.
Dual Layer Compound
Der Dual Layer Compound verwendet eine steife Mischung als Basis, überzogen von einer weicheren Mischung, die sich über die gesamte Lauffläche erstreckt und für den nötigen Grip sorgt. Diese Konstruktionsweise soll die Stollen beim Bremsen und in Kurvenfahrten widerstandsfähiger machen. Die Dual-Layer-Mischung wird ausschließlich in Reifen mit AGC- und AEC-Karkasse verwendet bzw. ab sofort in den Karkassen TRAIL, ENDURO und DOWNHILL.
Triple Compound
Der Triple Compound ist neu bei Kenda, und es wird ihn unseren Informationen nach aktuell nur beim neuen Double Black Pro-Modell geben. Wie bei einem Triple Compound üblich, dient eine unterhalb der Kontaktfläche liegende Basismischung als Abstützung für die darüberliegenden härteren Mittelstollen sowie weicheren Außenstollen.
Damit wird praktisch der Aufbau vom Dual Tread Compound und Dual Layer Compound miteinander kombiniert. Der Triple Compound wird künftig bei Reifen mit neuer ALL MOUNTAIN-Karkasse eingesetzt und rollt im Labortest deutlich besser als der Dual Layer Compound.
Die Profile im Überblick
Mit Einführung der neuen Karkassen ändert sich künftig auch die Bezeichnung der Reifen. Das Hotpatch – also die thermisch aufgebrachte Beschriftung von Marke und Modell auf der Seitenflanke – wurde neu gestaltet. Reifen der K-Series sind am roten „K” erkennbar, das vor der angepassten Modellbezeichnung (der Zusatz „Pro“ entfällt für Reifen der K-Series) sowie der Karkassenbezeichnung steht. Auch wenn die Double Black-Reifen in unserem Test noch das „alte” Hotpatch mit „ATC”- bzw. „AEC”-Karkassenbezeichnung trugen, waren sie technisch gesehen bereits neue Modelle der K-Series.

Double Black
Mit dem Namen Double Black spielt Kenda auf die höchste Schwierigkeitsstufe von Trails an, die mit dem ab Herbst neu erhältlichen Pneu machbar sein sollen. Als Allrounder unter den Gravity-Reifen soll er die Lücke zwischen Hellkat und Pinner schließen und damit sowohl harte als auch lose Untergrundbedingungen meistern. In der Tat hat uns der Double Black mit seiner Berechenbarkeit und seinem guten Grip überzeugen können.
Kenda verspricht außerdem schnelle Rolleigenschaften, die unser Labortest – zumindest mit der ALL MOUNTAIN-Karkasse mit Triple Compound – bestätigen konnte. Mit ENDURO-Karkasse und Dual Layer Compound steigt der Rollwiderstand um über 10 Watt an. Die Dämpfung ist mit ALL MOUNTAIN-Karkasse zwar nicht auf Spitzenniveau, aber deutlich besser als die des Tough Casing von WTB.
Den Double Black wird es ab Herbst 2025 in einer Vielzahl an Optionen geben: Vier unterschiedliche Karkassenausführungen sind angedacht, sowie zwei Breiten (2,4” und 2,6”) und zwei Laufradgrößen (27,5“ und 29”). Zum Release wird der Reifen im Unterschied zu unserem Modell mit dem Hotpatch der K-Series versehen. Die TRAIL-, ENDURO- und DOWNHILL-Modelle nutzen einen Dual Layer Compound, während die Variante mit ALL MOUNTAIN-Karkasse vom Triple Compound profitieren soll. Die Version mit neuer DOWNHILL-Karkasse wird jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt erhältlich sein.
Pinner
In Zusammenarbeit mit Aaron Gwin wurde der Pinner speziell für den Einsatz auf Hardpack-Strecken entwickelt, wo dieser gut berechenbar sein soll. In unserem letzten Test haben wir Kenda dafür kritisiert, dass es den Pinner nur in der schweren AGC- oder der leichten, aber pannenanfälligen ATC-Karkasse gibt. Unsere Worte „Hoffentlich legt Kenda bald ein Modell mit dem Advanced Enduro Casing (AEC) nach” scheinen erhört worden zu sein: Der Pinner in unserem Test kommt mit der neuen ENDURO-Karkasse daher! Mit vergleichbarer Karkasse rollt der Pinner noch ein bisschen besser als der Double Black. Hinsichtlich Grip und Traktion bevorzugen wir jedoch die Fahreigenschaften des Double Black. Mit seinen besseren Rolleigenschaften können wir den Pinner dennoch als Hinterradreifen in Kombination mit dem Double Black an der Front empfehlen.
Unsere Empfehlung
Enduro – Allround (v/h): Double Black ENDURO/Pinner ENDURO
Trail – leicht rollend (v/h): Double Black ALL MOUNTAIN/Pinner ALL MOUNTAIN
Alle weiteren Informationen findet ihr auf der Website von Kenda.
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Text: Lars Engmann Fotos: Peter Walker


