Mittlerweile erfreuen sich Tubeless-Reifen immer größerer Beliebtheit, denn die Vorteile dieses Systems liegen auf der Hand: Deutlich niedrigere Pannenanfälligkeit, niedrigeres Gesamtgewicht und mehr Grip durch weniger Luftdruck bei gleichzeitig geringerem Rollwiderstand, sind die Hauptargumente, denen man sich nur schwer entziehen kann.

Nach anfänglich großer Skepsis haben sich diese Systeme mittlerweile am Markt etabliert, auch wenn die korrekte Montage und Handhabung für viele immer noch ein großes Problem darstellt. Im folgenden Workshop wollen wir ein wenig Licht ins Dunkel bringen und so manchen Fehler beseitigen. Dazu haben wir uns die professionelle Unterstützung durch Pete Michaliszyn, seines Zeichens Mechaniker im GT Factory Team, geholt.

Very rude Pete!
Klare Ansage, Pete!

Schwierigkeitsgrad

leicht

Benötigtes Werkzeug

  • Reifenheber
  • Schere
  • Rim Tape
  • Spike
  • Felgenband
  • Dorn
  • Tubeless Milch
  • Tuch/Lappen
  • Putzmittel
tubless3

Pete ist nun schon einige Jahre im GT Factory Team und somit an die Arbeit unter stressigen Rennbedingungen gewöhnt. Wenn also jemand weiß, wie man schnellstmöglich und effizient einen Schlauchlosreifen montiert, dann er. Um die volle Wahrheit über das Thema aus erster Hand zu erfahren, schauten wir kurzerhand in der Zentrale des GT Factory Teams in North Wales vorbei um mit einem Mann zu sprechen, der normalerweise nicht so oft im Rampenlicht steht.

Schritt 1: Felge und Reifen vorbereiten

Um zu verhindern, dass der Reifen später ständig Luft verliert, darf dieser nur sehr streng über die Felge gehen. Idealerweise ist eine Montage mit der bloßen Hand nicht möglich. Am Anfang sollte man darauf achten, dass sowohl Reifen und Felge absolut sauber sind, das heißt jeglicher Staub, Schmutz oder die Reste alter Dichtmilch müssen sorgfältig entfernt werden. Anschließend die Felge gut entfetten, damit das Felgenband besser haftet. Bei der Montage des Felgenbands beginnt man auf der gegenüberliegenden Seite der Ventilbohrung und verklebt anschließend mindestens zwei Lagen Felgenband relativ stramm und möglichst ohne Luftblasen. Beim gelben No Tubes Felgenband sollten zwei Lagen und das Flow EX Gummiband ausreichen um dem Reifen guten Halt zu bieten. Bei der Budgetversion mit Gorillatape werden abhängig von Felgenmodell eventuell mehrere Lagen Tape notwendig.

Zuerst werden Mantel und Schläuche entfernt.
Zuerst werden Mantel und Schläuche entfernt.
Vor der Montage des Gummibands so viel Tape anbringen, dass sich der Reifen mit bloßen Händen nicht mehr an den Felgenrand drücken lässt. Zwei Lagen sollten aber im Normalfall reichen.
Vor der Montage des Gummibands so viel Tape anbringen, dass sich der Reifen mit bloßen Händen nicht mehr an den Felgenrand drücken lässt. Zwei Lagen sollten aber im Normalfall reichen.
Das Loch für das Ventil so klein vorstechen, dass dieses gerade noch hindurchpasst.
Das Loch für das Ventil so klein vorstechen, dass dieses gerade noch hindurchpasst.

Schritt 2 – Reifenmontage

Nun stellt man die Felge in den Reifen und bettet einen Reifenwulst in die Felge. Dieser Schritt sollte noch ohne Werkzeug möglich sein.

Re-apply tyre starting at the point furthest away from the valve

Mit der Reifenmontage beginnt man auf der dem Ventil gegenüberliegenden Seite.
Nachdem die Dichtmilch kräftig und ausgiebig geschüttelt wurde, gießt man die herstellerseitig empfohlene Menge in den Reifen. Dabei sollte man darauf achten, die Flasche wirklich auf den Kopf zu stellen, da sonst die wirksamen Kristalle in der Flasche verbleiben und den Reifen nicht richtig versiegeln. Anschließend wird mithilfe eines Reifenhebers aus Kunststoff der zweite Reifenwulst über das Felgenhorn gehebelt.

Add manufacturers amount of tubeless solution, holding the bottle fully upside down after a good shake
Die Dichtmilch gut schütteln und die vom Hersteller empfohlene Menge einfüllen.

Aus Gewichtsgründen verwendet Pete nur so viel Dichtmilch wie unbedingt nötig, und da er die Reifen täglich wechselt, geht er damit auch kein großes Sicherheitsrisiko ein. Für den Ottonormalverbraucher ist dies allerdings nicht zu empfehlen. Idealerweise richtet man sich nach den Herstellerempfehlungen auf der Flasche. Auch sollte man die Konsistenz der Dichtmilch in den Reifen von Zeit zu Zeit überprüfen und fehlende Mengen wieder auffüllen.

Pump up to 40psi to make sure tyre pops into place
Den Reifen mit ca. 3 bar aufpumpen, bis der Reifenwülste in Position rutschen.

Bevor der Reifen montiert wird, sollte man noch einmal auf die korrekte Lage des Felgenbandes achten. Interessanterweise benetzt Pete nun noch die Außenwände des Reifens mit Dichtmilch. Der Reifen soll damit leichter in Position rutschen. Zusätzlich erreicht er damit eine noch bessere Versiegelung des Reifens. Aber auch Wasser mit etwas Spülmittel kann bei der Positionierung des Reifens gute Dienste leisten.
Nun wird der Reifen erstmalig mit etwa 3 bar aufgepumpt, bis die Reifenwülste hörbar in ihre Position rutschen. Bei der Verwendung einer Standpumpe hilft es, den Reifen dabei auf der Ventilseite etwas niederzudrücken.

Remove some of the air, so the tyre can be pulled back enough  to inspect the rim tape is still in the correct place
Anschließend wird wieder etwas Luft abgelassen und der korrekte Sitz des Felgenbandes überprüft.
Pour a bit of the tyre solution between the outer tyre wall and rim whilst pushing tyre away from rim
Mit etwas Dichtmilch zwischen Felge und Reifenseitenwand erreicht man eine zusätzliche Versiegelung.
To help aid the tyre to seat once pumped back up to desired running psi, tap the side of the tyre on the floor, working it round, this will help the solution fill any air gaps
Damit der Reifen beim Aufpumpen auf den gewünschten Luftdruck wieder sauber in Position rutscht, hilft es, das Laufrad mit dem Reifen rundherum auf den Boden zu tippen. So werden auch kleinste Löcher versiegelt.
Wash off excess sealant
Überschüssige Dichtmilch einfach abwaschen.

Nachdem nun die überflüssige Dichtmilch abgewaschen wurde, hat Pete noch einen weiteren Trick auf Lager. Rundherum tippt er das Rad mit dem Reifen auf den Boden auf, damit auch kleinste Lecks und Hohlräume mit der Dichtmilch versiegelt werden.

Abschließend rät er uns noch einmal, für eine einwandfreie Funktion des Systems sowohl Konsistenz und Füllstand der Dichtmilch regelmäßig zu überprüfen.

Ein großes Dankeschön an Pete Michaliszyn, dass er sich trotz der Vorbereitung auf die EWS und den Downhill Worldcup für uns Zeit nehmen konnte.

Text: Jim Buchanan | Bilder: Doc Ward