Die Zahl der weiblichen Bikerinnen wächst! Welchen Einfluss haben Light-E-MTBs dabei und sind sie – absichtlich oder unabsichtlich – perfekt für die Frauenwelt gemacht? Zwischen den Hügeln der Vorurteile und Kurven der Realität tauchen wir durch das objektive Auge der Frauen in die Welt der Light-E-MTBs ein.

Keuchend, schwitzend und dazu ein hochroter Kopf. Ihr kommt einfach nicht hinterher. Frustrierend, nicht wahr? Man zieht mit einer Gruppe los, die bereits seit Ewigkeiten im Sattel sitzt – meistens Männer mit massig Bike-Erfahrung, die im Uphill eine Show abziehen. Ihr werdet gnadenlos abgehängt, habt keine Chance, Schritt zu halten. Ätzend, denn so macht das keinen Spaß. Na, wer erkennt sich wieder?

Okay, okay, wir wissen, dass wir hier manchen auf die Füße treten werden, aber wir glauben, dass wir dieses Thema ansprechen müssen, weil viele Girls es eben so empfinden. Auch wenn sie sich nicht ganz wohl dabei fühlen, das zuzugeben.

Auf einem analogen Bike braucht es einiges an Kraft, um im Uphill voranzukommen. Das schreckt vor allem Neulinge – die nicht gerade Marathonläufer sind – schnell ab. Was Kraft angeht, sind besonders wir Girls oft im Nachteil. Die genetischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen lassen sich leider nicht leugnen. Zudem haben wir Girls im Schnitt deutlich weniger Muskelmasse und bauen sie schwerer auf als die Herren der Schöpfung. Aber auch schlanke Männer können die Vorteile eines Light-E-MTBs für sich nutzen. Deshalb ist das Bike-/Körper-Gewichts-Verhältnis für uns Frauen viel relevanter, weil wir im Vergleich dasselbe Bike mit weniger Muskeln bewegen müssen. Fullpower-E-MTBs gleichen zwar die Leistungsunterschiede aus, können aber durch ihr hohes Gewicht für leichte Rider ein Problem im Handling darstellen.

Der Uphill ist mit einem Light-E-MTB plötzlich zu meistern und kann sogar Spaß machen. Da kommen die Jungs mit dem analogen Bike fast nicht mehr hinterher.

Ein Baum auf dem Trail? Eine Schlüsselstelle, die ihr lieber schieben wollt? Das geliebte Bike soll mit hoch in die Wohnung? Es ist regelrecht ein Kampf, wenn man selber klein und zierlich ist.

Die Lösung: Ein Light-E-MTB! Durch ihr niedriges Systemgewicht bringen Light-E-MTBs ein einfacheres Handling im Alltag mit sich. Sei es direkt auf dem Trail oder beim Verladen. Ein leichter Schub im Uphill, um anderen hinterherzukommen und nicht vollkommen am Ende seiner Kräfte zu sein, hilft viel.

Mondraker NEAT RR SL und SCOTT Voltage eRIDE 900 Tuned sind dank des TQ-HPR50 Light-Motors kaum als E-MTBs erkennbar.

Light-E-MTB: Die Geheimwaffe für Frau – und Mann?

Warum reden wir hier denn die ganze Zeit mehr von uns Frauen als von Männern? Dank unserer Leserbefragung wissen wir, dass immer noch 95,7 % der Enduro-Leser männlich sind. Aber der Trend, dass immer mehr Frauen mit dem Mountainbiken anfangen, ist unaufhaltsam!

Um mühelos die Berge hinauf zu fliegen, braucht es viel Training. Als Einsteiger mit einem Freundeskreis, der diese Trainingszeit bereits hinter sich hat, hilft im Zweifel etwas elektrischer Rückenwind. Aber das heißt nicht automatisch, dass Light-E-MTBs nur was für Neulinge im MTB-Sport sind. Prinzipiell sind sie die Geheimwaffe für jedermann/frau. Wer nicht gerne Berge hochpedaliert und daran einfach keinen Spaß findett oder wer mit Wehwehchen zu kämpfen hat, die einfach nicht mit anstrengendem Pedalieren zusammenpassen …. Ihr seht, Gründe gibt es viele.

Letztlich lautet die Devise: Alles, was euch hilft, mehr Spaß beim Biken zu haben, ist die richtige Wahl! Falls ihr noch nie auf einem Light-E-MTB gesessen habt – dann solltet ihr das schleunigst ändern ;)

Kurze Pause für den Partner mit analogem Bike. Der muss mehr treten als ihr mit eurem TQ-HPR50-Motor.
Kurz eine Verschnaufpause einlegen und ein paar Sonnenstrahlen einfangen.

Bridge the Gap – Light-E-MTB zwischen Analog und Fullpower-E-MTB

Bridge the Gap… Wo genau bewegen wir uns mit dem Light-E-MTB zwischen Analogen und Fullpower-E-Mountainbikes?

Das analoge Design der Light-E-MTBs

Light-E-MTBs sind im Vergleich zu Fullpower-E-MTBs in puncto Optik deutlich schlanker. Optisch reiht man sich mit dem Light-E-MTB also eher bei den analogen MTBs ein. Schaut man sich das SIMPLON Rapcon Pmax TQ und das analoge SIMPLON Rapcon im Vergleich an, ist quasi kein Unterschied zu sehen. Da sind die Fullpower-Bikes hingegen noch ordentliche Brummer.

Canyon Spectral CF LTD 2024 vs. Mondraker NEAT RR SL – kaum ein Unterschied zu erkennen. Wo versteckt sich der TQ-HPR50-Motor?

Light-E-MTBs im Uphill

Wie viel Power hat ein Light-E-MTB? Wann braucht ihr wie viel Unterstützung? Schwere Rider haben gerade im Uphill den Nachteil, da sie fast immer einen höheren Akku-Verbrauch haben. Auf dem Light-E-MTB bedeutet das: mehr Eigenleistung! Leichte Girls mit leichten Bikes kommen mit den 50 Nm des TQ-HPR50-Motors selbst mit wenig Kraft aus den Beinen zügig den Berg hoch. Vor allem technische Uphills sind mit dem Light-E-MTB im Vergleich zum analogen Bike einfacher zu meistern, da der leichte Schub durch die Motorunterstützung in kniffligen Passagen dabei helfen kann, Wurzeln zu überrollen. Das Gefühl, nicht ständig abgehängt zu werden, führt zu mehr Selbstbewusstsein auf dem Bike – ganz egal, ob da noch ein Motor mitschiebt. Aber auch sportliche Trail-Enthusiasten, die nur leichte Unterstützung wollen, profitieren von der Mischung aus Komfort und Leistung. So oder so müsst ihr euch keine Gedanken darüber machen, mit welcher Gruppe ihr fahren könnt oder nicht: Bridge the Gap!

Wird es im Uphill mal wurzelig …
… ist der technische Uphill mit dem Light-E-MTB direkt besser zu meistern als mit einem analogen Bike.

Euer Akku vs. Bike-Akku

Ein wichtiger Punkt ist eure Akku-Kapazität vs. der von eurem Bike. Die Reichweite hängt letztlich immer auch von euch ab: Gewicht und Eigenleistung spielen auf dem Light-E-MTB eine besonders große Rolle. Wer mehr Eigenleistung erbringt, kann eine kleinere Unterstützungsstufe fahren, um dieselbe Geschwindigkeit zu halten. Mit einem Light-E-MTB habt ihr also eine gute Reichweite, sofern ihr vorzugsweise in niedrigen Unterstützungsmodi fahren könnt. Euer eigener Akku leert sich definitiv langsamer als mit dem analogen MTB. Nicht zu vergessen, viele Light-E-MTBs bieten die Option eines Range Extenders, wodurch ihr eure Tour nochmal um einiges verlängern könnt. Falls ihr lieber intensive und sehr lange Touren fahren wollt, bieten die Fullpower-E-MTBs Vorteile, da ihr aufgrund des großen Akkus definitiv keine Reichweitenangst entwickelt. Bei einem soliden Tagesausflug mit mehreren Auf- und Abfahrten reicht euch ein kleiner Akku mit geringer Unterstützung in den meisten Fällen aus. Wählt ihr ein analoges Bikes ohne Motor, ist euer eigener Akku ohne die notwendige Fitness womöglich direkt leer!

Den Akku könnt ihr dauerhaft im Blick behalten und solltet ihr auch, falls doch mal eine längere Tour geplant ist. Zur Not: Range Extender mitnehmen, wenn vorhanden.
Zur kleinen Stärkung zwischendurch sagt aber niemand nein. Egal ob Analog, Light-E-MTB oder Fullpower-E-MTB.

Handhabung eines Light-E-MTBs im Alltag

Für uns Frauen spielt die Handhabung eines Bikes eine entscheidende Rolle, insbesondere wenn es um das Gewicht geht. Ein leichtes Bike erleichtert das Leben in vielerlei Hinsicht. Wer beispielsweise das Bike in den Keller oder die Wohnung tragen muss, um es zu verstauen oder zu laden, für den ist ein leichtes Bike ein Segen. Es ermöglicht, die alltäglichen kleinen Aufgaben mühelos zu bewältigen.

Das Aufladen auf den Heckträger ist mit einem Light-E-MTB gut machbar!

Auch auf dem Weg zum Bikepark mit der Gondel oder dem Lift macht sich das geringere Gewicht bemerkbar. Es erleichtert das Verladen auf den Träger des Autos und reduziert den Kraftaufwand beim Ein- und Aussteigen in eine Gondel. Wer keinen Heckträger hat und ganz oldschool noch das Vorderrad ausbaut und das Bike im Kofferraum verstaut, tut sich beim Einladen ins Auto mit einem Light-E-MTB deutlich leichter als mit einem Fullpower-E-MTB.

Stairway to heaven – das perfekte Szenario in der Mitte der Fahrt, kurz bevor man den Aussichtspunkt erreicht. Wir sind froh über die paar Kilos weniger, die wir hochschieben müssen.
Geschafft!

Wie schlagen sich die Light-E-MTBs im Downhill?

Für uns Frauen ist das Erlebnis des Downhill-Fahrens eine Mischung aus Adrenalin, manchmal Angst und vor allem Spaß. Die Performance unseres Bikes auf den Trails hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab, die sich nicht einfach in eine einzige Kategorie einordnen lassen. Doch das Gewicht spielt eine nicht zu vernachlässigende Rolle, und das aus gutem Grund. Ein schweres Bike bietet in bestimmten Situationen klare Vorteile. Wenn es z. B. darum geht, mehr Sicherheit zu erlangen und einen besseren Kontakt zum Boden zu halten, kann ein höheres Gewicht des Bikes einen positiven Unterschied machen. Besonders auf schnellen, geraden Abschnitten oder bei roughen Untergründen sorgt das zusätzliche Gewicht für Stabilität und ein ruhigeres Fahr-Feeling, was uns Frauen ein Gefühl von Vertrauen und Kontrolle vermittelt.

Egal, ob analoges oder Light-E-MTB, Hauptsache ihr habt Spaß!

Auf Trails mit vielen Spitzkehren und engen Passagen ermöglicht ein geringeres Gewicht ein agileres Fahrverhalten und eine schnellere Reaktion auf jede Bewegung der leichten Riderin. Beim Umsetzen des Bikes oder beim Bewältigen von Sprüngen können wir ebenfalls von einem leichteren Bike profitieren, da es sich einfacher in die Luft bringen lässt. Ein Light-E-MTB ist ein guter Kompromiss: schwerer als ein analoges Bike und damit satter auf dem Trail, und leichter als ein Fullpower-E-MTB und damit auch mit wenig Körpergewicht und Kraft in den Armen wendig genug, um in engen Kurven zu überzeugen.

Wird’s doch mal eng und knifflig in einer Trailpassage, bringt ein geringeres Gewicht mehr Agilität ins Spiel und macht es euch leichter!
Trotzdem vermittelt es noch genügend Sicherheit und Bodenkontakt, da es noch nicht ganz so leicht wie ein analoges Bike ist.
Abziehen an Kanten? Oder doch den ein oder anderen Sprung mitnehmen? Mit einem Light-E-MTB gar kein Problem!

Auch bei der Bewältigung von unerwarteten Herausforderungen auf dem Trail ist ein Light-E-MTB dem Fullpower-E-MTB überlegen. Ihr steht an einer schwierigen Passage und Steine und Wurzeln machen es euch schwer. Läuft es ganz doof, ist alles etwas nass vom Regen am Vortag. Der Kopf macht dicht und ihr traut euch einfach nicht, obwohl ihr wisst, dass ihr es könnt. Ihr entscheidet euch dieses Mal doch lieber für den sicheren Weg und schiebt die schwierige Passage. Nicht selten kommt es vor, dass Hindernisse wie ein Baum euch den Weg versperren und nix anderes hilft, als ihn zu übersteigen. Ein Light-E-MTB ist hier einfacher zu handhaben und erfordert weniger Kraftaufwand.

Habt ihr eine Passage, die ihr euch nicht zutraut, muss das Bike kurz angehoben und getragen werden.
Danach kann es mit einem Grinsen im Gesicht weitergehen, und eure Kraftreserve für den Downhill ist immer noch voll.

Light-E-MTBs stellen eine Brücke zwischen analogen und Fullpower-E-MTBs dar. Ihr schlankes Design hebt sich kaum von analogen Bikes ab, und sie geben den notwendigen Push bergauf, ohne unsere eigene Leistung zu überdecken. Kleine Tagestouren und ein einfaches Handling im Alltag sind all-inclusive. Selbst beim Downhill zeigen Light-E-MTBs ihre Vielseitigkeit, indem sie ein gutes Fahrverhalten ermöglichen und in Notsituationen das Anheben des Bikes erleichtern.

Gut lachen: Jeder soll Spaß haben, egal ob analog, Light-E-MTB oder Fullpower-Bolide.
Egal, ob weiblich oder männlich: Am Ende geht es darum, dass man gemeinsam Biken gehen kann.

Unser (weibliches) Fazit zu Light-E-MTBs

Bridge the Gap! So lautet das Motto der Light-E-MTBs. Sie sind das Bindeglied zwischen analogen und Fullpower-E-MTBs und bringen alle, egal ob uns Frauen oder Männer, leicht oder schwer, kräftig oder weniger kräftig, zusammen. Jeder Fahrertyp kann von Light-E-MTBs profitieren, aber besonders wir Frauen haben einen großen Vorteil. Also ab auf die Light-E-Mountainbikes und raus auf die Trails!


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Text: Antonia Feder Fotos: Mike Hunger