Schon immer gab es eine natürliche Weltordnung: weißer Wein zu Fisch, roter Wein zu Fleisch und Bier zu allem. Ähnlich aufgeräumt war das auch bei Federbeinen: Luft für Trail und Stahl für Downhill. Oder stimmt das alles gar nicht mehr?

Man muss keinen Doktortitel in Physik haben um zu wissen, dass Stahl schwerer ist als Luft, und tatsächlich waren die bisherigen Stahlfederdämpfer bleischwer. Allerdings ermöglicht es die neueste Generation der markant orangenen SLS-Federn (Super Light Steel) von FOX, dass das DH2X-Stahlfederbein mit beachtlichen 595 g nur 101 g mehr auf die Waage bringt als das Luftfeder-Topmodell FLOAT X2 mit 494 g. Die Ergänzung des Verstellhebel, um die Plattform zu aktivieren, ist ebenfalls ein sehr verlockendes Angebot an ambitionierte Trailrider. Aber ist ein Stahlfederbein immer besser als ein Luftdämpfer?

FOX DH2X oder FOX Float X2, welcher Dämpfer hat die Nase vorn?

Feder ist Feder, oder?

Auf den ersten Blick gibt es viele Gemeinsamkeiten zwischen Luft- und Stahlfederdämpfern. Beide nutzen eine Feder, um die Energie eines Einschlags aufzunehmen. Beide speichern diese Energie und wandeln sie – bereit für den nächsten Schlag – in Reibung und Wärme um. Dafür nutzen sie den Ölfluss durch den Dämpfer. Allerdings enden hier auch schon die Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Systemen. Eine Stahlfeder hat eine lineare Federhärte, das bedeutet, dass sich die zur Kompression benötigte Kraft linear zur Kompression verhält. Wenn man 300 lbs benötigt, um eine Stahlfeder halb zu komprimieren, braucht es 600 lbs, um sie ganz zu komprimieren. Eine Ausnahme zu dieser Regel stellen nur progressiv gewundene Stahlfedern dar. Eine Luftfeder hingegen ist immer progressiv: Die zur Kompression benötigte Kraft nimmt exponentiell durch den Federweg hindurch zu, was es schwerer macht, die Feder zum Ende des Federwegs hin zu komprimieren.

Der Wechsel von Luft zu Stahl und vice versa umfasst dementsprechend deutlich mehr, als nur einen anderen Dämpfer an irgendeinen Rahmen zu montieren. Die meisten Trailbikes sind mit einer eher linearen Kennlinie konstruiert, um einen Vorteil aus der progressiven Kennlinie einer Luftfeder zu ziehen. Der Wechsel zu einer Stahlfeder würde an diesen Bikes nur dazu führen, dass der Dämpfer zu leicht durch den Federweg rauscht. Es ist also sehr schwer für die Konstrukteure einen Rahmen zu entwickeln, der sowohl mit einer Luft- als auch einer Stahlfeder gut funktioniert – aber es gibt ein paar Modelle, die auch mit einer Stahlfeder arbeiten. In diesem Test haben wir zwei Pole EVOLINK 140 benutzt, deren Kennlinie nach ein wenig Tuning ziemlich gut sowohl mit Luft als auch mit Stahl harmonierte. Also worin bestehen die jeweiligen Vorteile?

Luft vs. Stahl: Luft

Wenn ein Luftfederbein ein Superheld wäre, wäre seine Superkraft die Einstellbarkeit. Bei einem Luftfederbein hat man die Möglichkeit, jeden Aspekt der Dämpferfunktion einzustellen. Durch die Variation von Volumenspacern kann man die Federkennlinie anpassen, um mehr oder weniger Progression zu erreichen. Zusätzlich kann man auf verschiedene Fahrergewichte, schwere Rucksäcke o. ä. reagieren, indem man den Luftdruck genau anpasst. Die neueste Generation von Luftfederdämpfern hat außerdem eine größere Negativfeder, um die Sensibilität bei kleinen Schlägen zu verbessern.

+ hochgradig einstellbar
+ anpassbare Federhärte
+ leichter
+ progressiv

– mehr Dichtungen
– Wärmeentwicklung

Luft vs. Stahl: Stahl

Stahlfederdämpfer müssen nicht unter hohem Druck Luft in einer Kammer halten und benötigen daher weniger Dichtungen. Dichtungen erhöhen die Reibung, deshalb haben Stahlfederbeine ein geringeres Losbrechmoment, bevor sie zu arbeiten beginnen, und reagieren dadurch sensibler bei kleinen Schlägen und Unebenheiten. Die erhöhte Sensibilität unterstützt den Grip und hält das Hinterrad am Boden, was die Traktion und die Kontrolle verbessert. Ein Stahlfederbein hat ein besseres Wärmemanagement bei langen Abfahrten und ist im Allgemeinen leichter zu warten. Der Nachteil ist, dass ein anderes Fahrergewicht häufig den Kauf einer neuen Stahlfeder mit anderer Federhärte nach sich zieht.

+ Empfindlichkeit bei kleinen Schlägen
+ enorme Bodenhaftung
+ minimale Wärmeentwicklung
+ einfachere Arbeitsweise

– nicht für alle Rahmen geeignet
– schwerer

Eine Stoppuhr lügt nicht

Kann also ein Flaggschiff-Luftfederbein auf harten Trails mit der Performance einer Stahlfeder mithalten? Bewaffnet mit zwei Rädern des gleichen Modells, zwei schnellen Fahrern, zwei Federbeinen und einer Zeitmessvorrichtung machten wir uns auf zu dem heftigsten Trail, den wir kennen: Er ist übersät mit Steinen in der Größe von Mikrowellenbacköfen, hat mehr spitze Kanten hat als ein Sack voller Legosteine, und ein schneller Run dauert knapp unter einer Minute. Die Strecke ist lang genug, um Unterschiede hervorzuheben, aber kurz genug, damit die Fahrer die gleichen Lines immer und immer wieder ohne Fehler nehmen können.

Nachdem sie einen ganzen Tag die Strecke kennengelernt, Linien gewählt und die Dämpfer ausgiebig optimiert hatten, hielten beide Fahrer konstant ihre Zeiten in aufeinanderfolgenden Abfahrten. Die Ergebnisse der jeweiligen Runs lagen nur noch etwa eine Sekunde auseinander. Wir wussten, dass die Zeiten bei etwas so Sensiblem wie der Federungsperformance sehr nah beieinander liegen würden und dass daher die Wiederholungen den Ausschlag geben würden. Im Laufe der zwei Tage wurden über 50 Läufe auf der Strecke mit genauer Zeitnahme und ausgiebigem Feedback aufgenommen. Die Federbeine wurden im laufenden Betrieb ständig zufällig getauscht, um eine Verzerrung der Ergebnisse durch Gewöhnung und Ermüdung zu vermeiden. Die Zeitmessung war blind und die Fahrer fuhren in einer Geschwindigkeit, die es erlaubte, die gleichen Lines immer wieder ohne Abweichung genau zu treffen. Je besser die Federung arbeitete, desto schneller konnten die Fahrer akkurat fahren.

Also was ist jetzt schneller? Luft oder Stahl?

Runde für Runde wurden die Zeiten genommen. Wenn eine Line verfehlt oder ein Fehler gemacht wurde, wurde der Lauf gestrichen. Kurze Tretpassagen offenbarten jede Ineffizienz und wilde, kantige Schläge hämmerten die O-Ringe an das Ende der Schäfte. Bei der Berechnung der Ergebnisse war es knapp … sehr knapp. Beim schnelleren Fahrer wurde eine durchschnittliche Zeit von 52,76 ±1,20 s mit dem FOX FLOAT X2-Luftfederdämpfer gemessen und 51,66 ±1,02 s mit dem FOX DHX2-Stahlfederdämpfer – interessant, aber kaum ein signifikantes Ergebnis. Beim zweiten Fahrer wurden mit 64,51 ±3,60 s mit Luftfeder und 62,68 ±3,57 s mit Stahlfeder ähnliche Ergebnisse gemessen. Beide Fahrer hatten ihren schnellsten Lauf mit der Stahlfeder. Ist die Schlacht nun entschieden? Sollen wir alle zu Stahlfederdämpfern wechseln?

Setup*

2018 Factory-Modelle Feder HSC LSC HSR LSR
Gabel: FOX 36 Float 73,4 psi 14 14 11
Luft: FOX Float X2 160 psi 18 18 6 20
Stahl: FOX DHX2 500 lb 10 11 10 20

* Fahrfertiger Fahrer mit 78 kg, alle Einstellungen sind Klicks aus Richtung voll geschlossen.

Wenn man die optimierten Setups sowohl bei Luft als auch bei Stahl betrachtet, wird Folgendes deutlich: Wir haben den Highspeed-Rebound recht langsam eingestellt, um das Verhalten des Bikes nach den großen Schlägen der kantigen Felsen zu kontrollieren. Der Lowspeed-Rebound war sehr schnell eingestellt, um in den flachen und abfälligen Kurven die Traktion zu erhöhen. Am Stahlfederbein mussten wir etwas mehr High- und Lowspeed-Druckstufe wählen, um den lineareren Verlauf des Federbeins bei großen Schlägen zu kontrollieren.

Was zählt, ist das Gefühl

Die gemessenen Zeiten mögen sich zwar geähnelt haben – aber das Wechseln der Dämpfer zeigte eindeutig, dass die zwei Systeme alles andere als ähnlich arbeiten. Mit seinen Downhillreferenzen bewegt sich der FOX DHX2 in seiner eigenen Klasse, wenn es darum geht, große, kantige Schläge wegzustecken – das Bike floss geradezu wie Wasser über die Felsen. Die unglaublich große Sensibilität der Stahlfeder bei kleinen Schlägen generiert enormen Grip in flachen Kurven und folgt dem Untergrund genauer. Doch sie ließ die Tester auch mit dem Gefühl zurück, am Boden festgeklebt zu sein. Der FOX FLOAT X2 mit Luftfeder mag nicht ganz so sensibel ansprechen. Dennoch merkten beide Tester an, dass er mehr Support gab, ein verspielteres Handling ermöglichte und es einfacher machte, das Bike in die Luft zu bekommen. Und er war ganz knapp an der Stahlfeder dran, wenn es um die Sekundenjagd geht!

Die Siegerehrung

Die Hypothese ist belegt: Mit der Stahlfeder waren wir auf unserer eindrucksvollen Teststrecke schneller unterwegs. Wenn es allerdings zur Schlacht um die Trailbike-Vorherrschaft geht, kann es nur einen Gewinner geben – und der heißt FOX FLOAT X2, also Luft. Warum? Wenn man das Fahrgefühl und die Vielseitigkeit mit in Betracht zieht, bietet der FOX FLOAT X2 als Allround-Dämpfer für ambitionierte Trailrider mehr Einstellmöglichkeiten mit einem lebendigeren Fahrgefühl, das leichter zu optimieren ist. Und wenn es um die Zeit geht, ist alles extrem knapp. Luft ist der Sieger der Massen: schnell, vielseitig und verspielt. Aufgrund seiner reduzierten Anpassbarkeit ist der Stahlfederdämpfer nur für die Fahrer spannend, die auf der Suche nach dem letzten Quäntchen Performance und wichtigen Millisekunden sind.

Text & Fotos: Trev Worsey Übersetzung: Ludwig Schorr

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Über den Autor

Trev Worsey

Seit den frühen 90ern mit dem Bike-Virus infiziert, arbeitete Trev zunächst als Wissenschaftler und Statistiker, bevor ihn Bikes und Berge endgültig zu sich riefen. Nach sieben Jahren als Mountainbike-Guide wechselte er dann zu ENDURO, wo er sich seitdem von unserem UK-Office aus um News, Storys und Testberichte für unsere Website und die Ausgaben kümmert.