Mit drei Luftkammern steht die Manitou Mezzer Pro beeindruckend hoch in ihrem Federweg und hebt Tuning-Möglichkeiten auf ein neues Level. Kann man aber auch zu viele Einstellmöglichkeiten haben? Oder schließt die Manitou die Lücke zwischen konventionellen und super steifen Federgabeln?

Manitou Mezzer PRO | 2,1 kg | 1.050 € | Hersteller-Website

Bei ihrer Veröffentlichung im letzten Jahr war die Manitou Mezzer die erste Federgabel, die sich im Enduro-Sektor jenseits der 36 mm wagte. Mit stämmigen 37-mm-Standrohren und dem charakteristischen umgekehrten Brücken-Design macht die Mezzer keine halben Sachen. Das einzigartige Design hat zur Folge, dass die Brücke niedriger sitzt und so weniger Material benötigt wird, um dieselbe Steifigkeit zu erreichen. Auch auf der Waage zeigt sich das, denn die Nadel bleibt bei 2,1 kg stehen. Die Mezzer Pro ist sowohl für 27,5”- als auch 29”-Laufräder erhältlich und der Federweg lässt sich intern mithilfe der mitgelieferten Spacer mühelos in 10-mm-Schritten, von 140 bis 180 mm, einstellen. In ihrem Inneren beherbergt die Mezzer eine einzigartige Technologie, beginnend mit dem hydraulischen Durchschlagsschutz, der in den letzten 25–30 mm an Federweg zum Tragen kommt. Dieser ist ausgeklügelter als ein fester Bumper und besitzt durch die Fließgeschwindigkeit des Öls noch eine Geschwindigkeitskomponente – je schneller der Schlag, desto ausgeprägter die Wirkung des hydraulischen Durchschlagsschutzes. Das Herz der Manitou Federgabel ist jedoch ohne Zweifel die Infinite Rate Tune-Kammer, kurz IRT-Kammer. Diese ist eine zusätzliche Luftkammer, die über der Positivluftkammer sitzt. Da die IRT-Kammer mit einem höheren Luftdruck arbeitet, übt der IRT-Kolben eine Kraft auf die Hauptkammer aus und beeinflusst so deren Federhärte. Im Prinzip funktioniert die IRT-Kammer etwa so, als würde man Tokens verbauen, jedoch weitaus dynamischer. Die IRT verleiht dem Fahrer Kontrolle über das Gefühl des mittleren Federwegs, unabhängig vom Ansprechverhalten. Das neueste Modell, das wir aktuell getestet haben, besitzt außerdem zwei „Trailside Relief“-Schrauben an der Rückseite des Castings. Löst man diese, kann bei großen Höhenänderungen im Casting aufgebauter Druck entweichen – genau wie bei der FOX 36 und 38. Obwohl sie zweifellos zu den großen Kalibern im Federgabel-Business gehört, ist die Manitou Mezzer leider nicht für den Gebrauch der großen 220-mm-Bremsscheiben freigegeben. Die Federgabel nutzt eine Hexlock SL2-Achse, die sich mit einem 6-mm-Inbus befestigen lässt.

Das Herz der Manitou Mezzer ist ihre IRT-Kammer. Mit ihr lässt sich der mittlere Federwegsbereich tunen, ohne dabei die Sensitivität bei kleinen Schlägen zu beeinträchtigen.
Das umgekehrte Brücken-Design der Manitou Mezzer benötigt weniger Material und reduziert das Gewicht, ohne die Stabilität zu beeinträchtigen.

Setup der Manitou Mezzer Pro

Falls ihr euch wundert, warum wir bis dato keinen Test der Mezzer veröffentlicht haben: Unsere ersten Erfahrungen mit der Manitou Mezzer Pro waren nicht gerade positiv und wir mussten mehrere Federgabeln als Garantiefälle zurückschicken, da die Buchsen Spiel hatten. Manitou scheint das Problem mittlerweile im Griff zu haben und unsere aktuelle Federgabel funktionierte problemlos. Was das Setup der Mezzer angeht, so müsst ihr zunächst einmal getrost das alte Regelbuch aus dem Fenster werfen und Manitous Anleitung beachten. Bei drei Luftkammern in der Federgabel, die alle relativ niedrige Luftdrücke besitzen, müsst ihr mit eurer Dämpferpumpe verdammt genau arbeiten. Denn wenn der Luftdruck eurer Hauptfeder gerade einmal 50 psi beträgt, dann fällt eine Abweichung von 5 psi bereits erheblich ins Gewicht. Wenn ihr euer Bike gern nach dem Motto „passt schon“ einstellt, dann wird euer Federgabel-Setup völlig daneben liegen. Durch die Position der Druckausgleichs-Ports müsst ihr zudem darauf achten, dass die Federgabel nicht belastet ist, wenn ihr den Luftdruck einstellt, und eventuell sogar an der Gabel ziehen. Es dauerte insgesamt ein wenig länger, die Mezzer nach unserem Geschmack einzustellen. Ist die Gabel einmal aufgepumpt, reagiert die IRT äußerst sensibel auf Druckänderungen: Ein Wechsel von 80 auf 90 psi in der IRT (Hauptkammer 58 psi) resultierte in einem dramatischen Anstieg des Supports im mittleren Federwegsbereich, der bereits relativ früh im Federweg beginnt. Das IRT-Tuning-System hat einen weitaus größeren Einfluss als jedes existierende Token-System bei den anderen Federgabeln und erlaubt es euch, von super linear bis hin zu überaus progressiv und straff alle Einstellungen vorzunehmen. In jedem Fall müsst ihr auf die Luftdrücke achten, damit alles im Gleichgewicht bleibt. Das Ganze ist nicht wirklich kompliziert, aber die Mezzer ist wahrscheinlich eher eine Federgabel für Leute, die gern Zeit in ihr Setup investieren.

Die Federgabel sieht fantastisch aus: Ihre Retro-Grafiken kombiniert mit den mächtigen 37-mm-Standrohren und der eleganten und kompakten Brücke sind super schick.

Die Manitou Mezzer Pro auf dem Trail

Einmal eingestellt ist die Manitou Mezzer auf dem Trail eine spitzenmäßige Federgabel mit einigen klaren Highlights. Wenn es in Kurven ans Eingemachte geht, dann ist der Support der Federgabel enorm. Die IRT-Kammer arbeitet außerordentlich gut und hält die Federgabel hoch in ihrem Federweg – höher als jede andere Federgabel in unserem Test. In steilen Kurven und beim starken Bremsen bietet sie eine stabile Performance. Das Casting der Federgabel ist steif und kräftig – steifer als das der FOX 36 und auf Augenhöhe mit der RockShox Lyrik. Die Mezzer Pro lenkt mit Nachdruck ein und hält auch harte Linien, wenn man die Kraft besitzt, sie in der Spur zu halten. Auch bei den heftigsten Stößen vermittelt die Mezzer Pro mächtig Selbstvertrauen, schluckt kantige Schläge ohne Murren und gleitet butterweich und unmerklich bis ans Ende ihres Federwegs. Wir nehmen an, der hydraulische Bumper trägt hier einen entscheidenden Teil bei. Doch selbst nach einigen Tagen mit der Federgabel im Fokus, zahllosen Experimenten mit den Luftdrücken und dem Tuning der High- und Low-Speed-Druckstufe kamen wir nicht zum perfekten Setup. Denn wenn wir ein Setup mit viel Gegenhalt und Reserven für hohe Geschwindigkeiten wollten, konnte das Ansprechverhalten und der Grip nicht mit den Gabeln von FOX oder RockShox mithalten. Die Dämpfung erlaubte nie so wirklich die extreme Sensitivität, die sich bei den Besten in diesem Bereich finden ließ. Racer und kraftvolle Fahrer, die größere Kräfte generieren, werden mit dieser Federgabel am besten zurechtkommen.

Die Dämpfung erlaubte nie so wirklich die extreme Sensitivität, die sich bei den besten in diesem Bereich finden ließ. Dafür passen der riesige Support und Gegenhalt am besten zu Racern und schwereren Fahrern.

Die kleinen Entlüftungsschrauben erlauben ein Entweichen von aufgebautem Druck aus den Tauchrohren.
Die Mezzer ist eine Federgabel, die gern Vollgas gibt, riesigen Support bietet und am besten zu Racern oder schwereren Fahrern passt.

Wie schlägt sich die Manitou Mezzer Pro im Vergleich zur Konkurrenz?

Die Manitou Mezzer Pro ist eine mega schicke Federgabel, die genau den Sweet Spot trifft, was Chassis-Steifigkeit und Nachgiebigkeit angeht. Das führt – verglichen mit der ZEB oder FOX 38 – zu weniger Ermüdung bei trotzdem ausreichenden Reserven, um es auch einfach mal laufen zu lassen. Verglichen mit den anderen Federgabeln in diesem Test war die Manitou Mezzer mit ihren beiden fein einstellbaren Luftkammern, die in starker Wechselwirkung stehen, die Gabel mit dem schwierigsten Setup. Einmal eingestellt lieferte die Mezzer Pro aber eine fantastische Performance mit riesigem Support und reihte sich in puncto Grip und Ansprechverhalten direkt hinter den besten Federgabeln von FOX und RockShox ein. Mit vergleichbarer Technologie wie die Öhlins fällt auch das Fahrgefühl ähnlich aus: Es ist besser für schnelle Fahrer, die starke Kräfte beim Fahren generieren und den gebotenen Support im mittleren Federwegsbereich am besten nutzen können.

Fazit

Die Manitou Mezzer Pro wählt eine völlig andere Herangehensweise an das Setup und erfordert etwas mehr Aufmerksamkeit, um eine optimale Performance zu erreichen. Tuner oder Fahrer, die ein bestimmtes Setup bevorzugen, werden die Manitou Mezzer lieben, da sie unbegrenzte Kontrolle bietet. Für schwere Fahrer bietet ihr Casting genau die richtige Nachgiebigkeit. Wir konnten massig Support im mittleren Federwegsbereich erreichen, ohne dabei den Endbereich zu beeinträchtigen, doch wir haben es nie geschafft, das feine Ansprechverhalten bei kleinen Schlägen zu erhalten, das die besten Federgabeln in diesem Test boten.

Stärken

  • unendliche Tuning-Optionen
  • fantastische Kontrolle über Mittel- und Endbereich des Federwegs
  • leicht und nachgiebig

Schwächen

  • more involved setup
  • etwas komplexeres Setup
  • Sensitivität ist zwar gut, aber nicht herausragend

Mehr Infos gibt es auf der Hersteller-Website. Ihr wollt wissen wie sich die Manitou Mezzer Pro im Vergleich zur Konkurrenz schlägt? Dann seid ihr hier fündig!

Alle Federgabeln im Test: DVO Onyx SC D1 | FOX 36 2021 Grip2 Factory | FOX 38 2021 Grip2 Factory | Manitou Mezzer PRO | Marzocchi Bomber Z1 Coil | MRP Ribbon Coil | Öhlins RXF36 M2 Air | RockShox Lyrik Ultimate 2021 | RockShox ZEB Ultimate

Text: Trev Worsey Fotos: Finlay Anderson

Über den Autor

Trev Worsey

Trevor liebt Whisky, das Biken und alles dazwischen. Er wurde zwar in England geboren, fühlt sich aber als waschechter Schotte. Dementsprechend ist er nicht nur schlechtes Wetter gewöhnt, sondern ist auch ein echter Spezialist, wenn es um steile und anspruchsvolle Trails geht. Mit über 40 muss er sich eigentlich nichts mehr beweisen, kann jedoch trotzdem mit vielen jungen Wilden mithalten. Damit das nicht allzu sehr überhandnimmt, steht „Think about Brook“ auf seinem Oberrohr. Sein Sohn Brook wurde von Anfang an mit dem Bike-Virus infiziert. Gemeinsam mit seiner jungen Familie und den zwei Hunden sieht man Trevor fast ausschließlich draußen, sei es beim Biken, Graveln, Wandern, Surfen oder Kanu fahren – egal bei welchem Wetter. Ein echter Schotte eben.