
Im Juni 2025 tauchte er erstmals im World Cup auf: ein bis dahin unbekannter MAXXIS-Prototyp am Santa Cruz V10 von Jackson Goldstone. Noch ohne offiziellen Namen, aber mit einem deutlich eigenständigen Profil, sorgte der Reifen im Fahrerlager schnell für Spekulationen. Was danach folgte, hätte MAXXIS kaum besser planen können: Goldstone fuhr eine überragende Saison, gewann den Weltcup-Gesamttitel und krönte sich zusätzlich zum Weltmeister. Ab heute ist klar: Aus dem erfolgreichen Prototyp ist der neue Minion DHX geworden. Damit wächst eine der bekanntesten Reifenfamilien im Gravity-Segment weiter, und die Dauerbrenner Minion DHF und DHR II bekommen erstmals seit Langem ernsthaften Nachwuchs. Doch ist der DHX mehr als ein clever inszenierter World-Cup-Reifen? Oder kann er auch abseits abgesperrter Rennstrecken überzeugen?
Der neue MAXXIS Minion DHX-Reifen im Detail
MAXXIS positioniert den neuen Minion DHX als kompromisslosen Gravity-Reifen für trockene Bedingungen, ruppigste Trails und maximale Geschwindigkeit. Ein Blick auf das Profil reicht aus, um diese Ansage zu verstehen: Massive Mittelstollen, breit abgestützte Schulterstollen und zahlreiche Lamellen prägen die Lauffläche. Während die großen Stollen für hohe Bremstraktion und Kurvenstabilität sorgen, erhöhen die Lamellen die Flexibilität der Profilblöcke. Dadurch sollen sie sich besser an Wurzeln, Felsen und unebenen Untergrund anpassen und zusätzlichen mechanischen Grip erzeugen.
Interessant ist dabei die Positionierung innerhalb des Portfolios: Der DHX wurde weder als reiner Vorder- noch als spezieller Hinterreifen entwickelt, sondern soll an beiden Laufrädern gleichermaßen überzeugen. Auch beim Einsatzgebiet zeigt sich MAXXIS breit aufgestellt. Ob Downhill-Rennstrecke, Bikepark oder schweres E-Mountainbike – überall dort, wo trockene Bedingungen und maximaler Grip gefragt sind, soll der DHX seine Stärken ausspielen.

Laut MAXXIS erreicht der DHX beim Rollwiderstand und der Brems-Performance das Niveau des Minion DHR II. In Kurven soll der Neuzugang jedoch noch mehr Reserven bieten und sich insbesondere bei hohen Schräglagen präziser und berechenbarer fahren lassen. Gleichzeitig soll der Übergang von den Mittel- zu den Schulterstollen besonders harmonisch ausfallen und so das Einlenken berechenbarer machen. Einen universellen Allrounder möchte MAXXIS aus dem DHX allerdings nicht formen: Sobald die Bedingungen nass und schlammig werden, sieht der Hersteller den ASSEGAI mit seiner besseren Selbstreinigung im Vorteil.

Zum Marktstart kombiniert MAXXIS den DHX ausschließlich mit dem neuen DH-Casing, das mit seiner progressiven Seitenwandsteifigkeit die hohen Kurven- und Bremskräfte des Reifens optimal unterstützen und bis zu 0,2 bar weniger Reifendruck ermöglichen soll. Auch die Gummimischung ist mit dem weichen 3C MaxxGrip-Compound zur Einführung klar abfahrtsorientiert ausgelegt.
Im Laufe dieses Jahres sowie im ersten Quartal 2027 soll das DHX-Portfolio deutlich anwachsen. Geplant sind Varianten mit der aktualisierten MaxxTerra-Gummimischung sowie den leichteren Double Down- und EXO+-Karkassen. Damit dürfte künftig für nahezu jedes Einsatzgebiet und jeden Fahrstil die passende DHX-Version verfügbar sein.
Den Minion DHX erhaltet ihr sowohl mit 27,5” und 29” Durchmesser mit einer fixen Breite von 2,5”, was der des ASSEGAI entspricht.
Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 79,90 € rangiert der DHX auf dem Niveau der übrigen Premium-Gravity-Reifen von MAXXIS. Zum Marktstart soll der Reifen in Deutschland allerdings nur in begrenzter Stückzahl verfügbar sein.

Auf der Waage zeigt sich der kompromisslose Charakter des neuen Reifens. Unser Testreifen bringt in der 27,5”-Version 1.425 g, in 29” stolze 1.549 g auf die Waage. Zum Vergleich: Ein vergleichbarer ASSEGAI, ebenfalls mit neuem DH-Casing und 3C MaxxGrip-Mischung, wiegt 1.510 g, der Minion DHR II landet bei 1.420 g und der High Roller III bringt in dieser Konfiguration 1.459 g auf die Waage. Der DHX gehört damit zu den schwersten Gravity-Reifen im MAXXIS-Portfolio – angesichts der massiven Stollen und des klaren Fokus auf maximalen Grip überrascht das allerdings kaum.
| Reifenmodell* | Gewicht [g] |
|---|---|
| Minion DHX 29 x 2,5″ | 1.549 |
| ASSEGAI 29 x 2,5″ | 1.510 |
| High Roller 3 29 x 2,4″ | 1.459 |
| Minion DHR II 29 x 2,4″ | 1.420 |
* jeweils mit neuem DH-Casing und 3C MaxxGrip-Gummimischung
Der neue MAXXIS Minion DHX-Reifen auf dem Trail
Den Großteil unserer Tests absolvierte der Minion DHX auf kanadischem Boden. Rund dreieinhalb Wochen lang rollte er als Vorderreifen am Santa Cruz Nomad – kombiniert mit einem Minion DHR II am Hinterrad – über steile Loam-Trails und ruppige Bikepark-Strecken im Whistler Mountain Bike Park. Anschließend sammelte der DHX beim Press Camp in Leogang auf dem Cannondale Bad Habit sowie über weitere zwei Monate auf unseren Home-Trails im Schwarzwald zusätzliche Testkilometer. Dabei fuhren wir ihn sowohl am Vorder- als auch am Hinterrad.
Bergauf gehört der DHX naturgemäß nicht zu den effizientesten Reifen. Die Kombination aus DH-Casing, weicher MaxxGrip-Gummimischung und den ausgeprägten Stollen rollt spürbar träger als leichtere Trail- und Enduro-Reifen aus der Familie. Wer sich bewusst für einen kompromisslosen Gravity-Reifen entscheidet, nimmt diesen Nachteil jedoch sicher in Kauf. An einem Downhill-Bike spielt der Rollwiderstand ohnehin kaum eine Rolle. An Enduro- oder E-Mountainbikes würden wir hingegen künftig die MaxxTerra-Version am Hinterrad bevorzugen, um den Rollwiderstand und den Verschleiß etwas zu reduzieren.
Bergab spielt der Minion DHX seine größten Stärken aus. Bereits auf den ersten Metern fällt die hohe Eigendämpfung auf, die in Kombination mit dem neuen DH-Casing und der weichen MaxxGrip-Mischung für ein besonders ruhiges und sattes Fahrgefühl sorgt. Der Reifen schluckt Schläge spürbar, klebt förmlich am Untergrund und vermittelt selbst in ruppigem Gelände viel Bodenkontakt und dadurch Kontrolle.
Überzeugen kann der neue Minion DHX zudem mit seiner hohen Bremstraktion. Selbst bei harten Bremsmanövern bleibt der Reifen äußerst stabil und vermittelt ein hohes Maß an Vertrauen. Auch in Kurven zeigt der DHX seine Klasse. Trotz der massiven Stollen knicken diese selbst auf Hardpack oder in stark belasteten Anliegern nicht weg und bieten in Schräglage die notwendige Unterstützung.
Bei der Berechenbarkeit ordnet sich der DHX für uns zwischen dem extrem gutmütigen ASSEGAI und dem etwas direkter abgestimmten High Roller III ein. Er bietet enorme Grip-Reserven, bleibt dabei aber jederzeit kontrollierbar und gibt frühzeitig Rückmeldung, wenn sich das Grip-Limit nähert.
Unterm Strich ist der Minion DHX in der zum Marktstart erhältlichen Kombination aus neuem DH-Casing und 3C MaxxGrip-Gummimischung für uns der Inbegriff eines Bikepark-Sommerreifens. Solange – wie in unserem Testszenario – die Bedingungen trocken sind, kombiniert er hohen Dämpfungskomfort, enorme Bremstraktion, präzises Fahrgefühl und viel Gegenhalt in schnellen Kurven zu einem exzellenten Gesamtpaket.
Beim Verschleiß zeigt sich das bekannte Bild der 3C MaxxGrip-Mischung. Am Hinterrad nutzt sich der weiche Compound erwartungsgemäß schnell ab, weshalb eine Bewertung der Haltbarkeit dort kaum fair wäre. Umso spannender wird sein, wie sich der Minion DHX in dieser Disziplin künftig mit dem MaxxTerra-Compound schlägt.
Am Vorderrad ist der Abrieb ebenfalls etwas höher, bewegt sich aber im erwartbaren Rahmen und fällt nicht negativ auf. Generell hängt das Thema Verschleiß weit mehr von der Gummimischung ab als vom Profil.
Fazit zum neuen MAXXIS Minion DHX-Reifen
Mit dem Minion DHX erweitert MAXXIS seine legendäre Gravity-Reifenfamilie um einen überzeugenden Neuzugang. Der Reifen begeistert mit enormer Bremstraktion, hoher Kurvenstabilität und einem präzisen Fahrgefühl. Auf trockenen Trails spielt der DHX seine Stärken aus und empfiehlt sich als echter Bikepark-Sommerreifen. Die Kehrseite: Die zu Beginn ausschließlich verfügbare Variante mit DH-Casing und 3C MaxxGrip-Mischung rollt spürbar träge und verschleißt am Hinterrad erwartungsgemäß schnell. Mit den angekündigten MaxxTerra- sowie Double Down- und EXO+-Varianten dürfte der DHX seinen Einsatzbereich deutlich erweitern. Dann können wir ihn uns nicht nur im Bikepark oder am Downhill-Bike, sondern auch an Enduro-, Trail- und E-Mountainbikes mit klarer Abfahrtsorientierung sehr gut vorstellen.
Tops
- enorme Bremstraktion und hoher Kurvengrip
- berechenbares Fahrverhalten
- kein Einknicken der massiven Stollen, selbst auf Hardpack
Flops
- zum Marktstart zunächst nur in wenigen Varianten erhältlich
Alle weiteren Infos findet ihr auf der Website von MAXXIS.
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Text: Lars Engmann Fotos: MAXXIS, Lars Engmann
