Wie bekommt man aus einem Cross-Country Race-Bike ordentlich Trail-Performance? Das MERIDA NINETY-SIX 8000 möchte durch gepimpte Ausstattung und aufgebockte Federgabel bessere Abfahrts-Performance bieten. Ob das dem 7.049 € teuren Bike mit seinem auffälligen Farbkonzept gelingt? Und stellt es bergauf das ganze Testfeld in den Schatten?

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Mountainbike 2021 – 22 Modelle im Test

MERIDA NINETY-SIX 8000 | 120/100 mm (v/h)
11,66 kg in Größe L | 7.049 € | Hersteller-Website

Das MERIDA NINETY-SIX 8000 sticht auf den ersten Blick aus der Masse heraus. Mit der super niedrigen Front und dem hohen Sitzrohr erinnert es stark an ein Cross-Country Race-Bike. Das schicke und konsequent durchgezogene Farbkonzept mit der passenden RockShox SID Ultimate-Federgabel mit 120 mm Federweg lassen das MERIDA verdammt gut aussehen. Der Flex-Pivot-Hinterbau arbeitet gemeinsam mit einem RockShox SIDLuxe Ultimate-Dämpfer und generiert 100 mm Federweg. Ähnlich wie beim Specialized Stumpjumper verzichtet MERIDA bei seinem Hinterbau auf Lager zwischen Sitz- und Kettenstrebe und arbeitet mit der Nachgiebigkeit der Streben. Das spart zusätzlich Gewicht und in Kombination mit der hochwertigen Ausstattung schafft es das MERIDA NINETY-SIX auf nur 11,66 kg in Größe L. Die Leitungen für Schaltung, Hinterradbremse und Sattelstütze werden clever durch die Steuersatzkappe in das Innere des Rahmens geleitet. Dennoch sorgen sie in Kombination mit den weiteren Leitungen für Gabel- und Dämpfer-Lockout sowie die Vorderradbremse für ein chaotisches Cockpit. Bikes wie das Specialized Stumpjumper können hier mit sehr viel aufgeräumteren Cockpits glänzen. Am Rahmen befindet sich Platz für zwei große Flaschen sowie einen Mount am Oberrohr, wo mit dem passenden Adapter zwei CO2-Kartuschen und ein Schlauch sicher verstaut werden können. Ein großes Problem stellt jedoch die Position der Bremshebel dar, denn wenn der Lenker zu weit eingedreht wird – z. B. bei einem Crash –, schlagen diese gegen den Carbon-Rahmen und beschädigen ihn. Ein absolutes No-Go! Hier wäre ein Lenkanschlag wie beim Trek Top Fuel oder Canyon Neuron sinnvoll.

Mutig – Die Ausstattung des MERIDA NINETY-SIX 8000

Das für 7.049 € erhältliche MERIDA NINETY-SIX 8000 hat so einige Überraschungen in Sachen Ausstattung parat. Als einziges Bike im Test setzt es auf eine RockShox SID Ultimate-Gabel, die wie die FOX 34 Step-Cast im Trek Top Fuel 120 mm Federweg besitzt. Um Gewicht zu sparen, ist der Rebound mit einem integrierten Inbus verstellbar. Der entnehmbare Inbus dient dann auch als Werkzeug zur Verstellung des Rebounds am RockShox SIDLuxe Ultimate-Dämpfer. Beide werden mit dem SRAM TwistLoc durch einfaches Drehen des Griffs im Cockpit geschlossen und durch einen Knopfdruck wieder geöffnet. Durch das simple Dreh-System besteht keine Verwechslungsgefahr wie bei dem SCOTT Ransom oder dem Trek Top Fuel und es stört beim Fahren auf dem Trail nicht – top. Im Gegensatz zum Yeti SB115 und Trek Top Fuel mit ihren breiten Lenkern kann das MERIDA-Cockpit mit super schmalem 740 mm Cross-Country-Lenker keine Sicherheit vermitteln. Als Sattelstütze dient die hauseigene MERIDA Expert TR mit 170 mm Hub.

Gebremst wird mit einer Shimano XT-Bremse: Vierkolbenbremse in Front, Zweikolben am Heck. Sie wird mit Shimano ICE-TECH-Bremsscheiben mit 180-mm-Durchmesser an der Front und 160 mm Durchmesser am Heck kombiniert. Montiert ist die Hinterradbremse mit einem Flatmount zwischen Sitz- und Kettenstrebe. Das sieht schick aus, limitiert allerdings die Größe der Bremsscheibe auf maximal 180 mm. In Summe liefert die Bremse am MERIDA zu wenig Bremspower und Temperaturstabilität. Angetrieben wird das NINETY-SIX 8000 von einer Shimano XT 12-fach-Schaltgruppe, die eine kleine Kettenführung besitzt. Als große Besonderheit sind am MERIDA mit seinen CC-Race Genen die verhältnismäßig wuchtigen MAXXIS Minion DHRII-Reifen mit EXO-Karkasse und MaxxTerra-Mischung an Front und Heck verbaut. So zeigt das MERIDA deutlich, dass es auf Fahrspaß und Sicherheit gepoolt ist und nicht auf Bestzeiten im Uphill, wie sein Konkurrent Trek Top Fuel. Als Laufradsatz dient der Reynolds Carbon TR 309 S. Um Durchschläge auf die Carbon-Felge am Heck zu vermeiden, sollten schwere Fahrer einen höheren Luftdruck fahren.

Blickfang
Farblich macht das MERIDA NINETY-SIX 8000 ganz schön was her. Der schicke Blauton zieht sich durch das gesamte Bike und wird durch die passende RockShox SID-Federgabel abgerundet.
Gashahn
Ja, wir wissen, dass er auf der falschen Seite ist. Wer hier dreht, marschiert dennoch richtig vorwärts. Verwechslungsgefahr mit anderen Hebeln gibt es keine und auf dem Trail stört er nicht – top!

MERIDA NINETY-SIX 8000

7.049 €

Ausstattung

Federgabel RockShox SID Ultimate 120 mm
Dämpfer RockShox SIDLuxe Ultimate 100 mm
Sattelstütze MERIDA Expert TR 170 mm
Bremsen Shimano XT M8120/FM 180/160 mm
Schaltung Shimano XT 1x12
Vorbau MERIDA Team CC 60 mm
Lenker MERIDA Team CC 740 mm
Laufradsatz Reynolds Carbon TR 309 S 29"
Reifen MAXXIS Minion DHRII EXO 3C MaxxTerra/DHRII EXO 3C MaxxTerra 2,3

Technische Daten

Größe S M L XL
Gewicht 11,66 kg


Totalschaden möglich
Die vielen Leitungen für Bremsen, Sattelstütze und Lockout sorgen für ein unaufgeräumtes Cockpit. Wer dann noch unaufmerksam ist oder auch stürzt, zerstört mit dem Bremshebel das Oberrohr – uncool!
Süß …
… die kleine Shimano XT-Zweikolbenbremse, die ihren Platz zwischen Sitz- und Kettenstrebe findet und viel zu schwache Bremsleistung bringt.

Race-Feeling – Die Geometrie des MERIDA NINETY-SIX 8000 im Detail

Das MERIDA NINETY-SIX 8000 hat klare Wurzeln im Cross-Country und zeigt diese auch bei seiner Geometrie. Das in vier Größen von S–XL erhältliche Bike kommt mit einem Stack von 605 mm in Größe L und hat damit die niedrigste Front in unserem Vergleichstest. Die Kombination mit einem Reach von 460 mm. Dazu kommt das mit 470 mm sehr hohe Sitzrohr, das die Bewegungsfreiheit einschränkt. Wer sein Bike anhand der Länge wählen möchte, sei gewarnt, denn bereits die nächste Größe hat eine Sitzrohrlänge von 500 mm. Wird die Sattelstütze ausgefahren, wird man durch die ordentliche Sattelüberhöhung in eine extrem sportliche Sitzposition gebracht. Diese bietet wenig Komfort und eignet sich nicht für längere Touren, soll jedoch auf steilen Rampen das Anheben des Vorderrads vermeiden.

Verdrehte Welt – der limitierende Faktor liegt beim MERIDA NINETY-SIX 8000 in der Uphill-Performance.

Größe S M L XL
Sattelrohr 400 mm 440 mm 470 mm 500 mm
Oberrohr 581 mm 601 mm 624 mm 648 mm
Steuerrohr 95 mm 95 mm 105 mm 115 mm
Lenkwinkel 67,0° 67,0° 67,0° 67,0°
Sitzwinkel 75,0° 75,0° 75,0° 74,5°
Kettenstrebe 435 mm 435 mm 435 mm 435 mm
BB Drop 36 mm 36 mm 36 mm 36 mm
Radstand 1.136 mm 1.156 mm 1.180 mm 1.203 mm
Reach 420 mm 440 mm 460 mm 480 mm
Stack 595 mm 595 mm 605 mm 614 mm
Helm POC Octal MIPS | Brille 100% Glendale | Shirt 100% Airmatic
Shorts 100% Airmatic Short | Schuhe Giro Sector

Sonderfall – Das MERIDA NINETY-SIX 8000 auf dem Trail

Wer glaubt, das MERIDA NINETY-SIX 8000 sei mit seinen Cross-Country Race-Bike-Genen stark bergauf, täuscht sich leider. Der flache Sitzwinkel von 75° verlagert das Gewicht des Fahrers über das Hinterrad und sorgt dafür, dass der Hinterbau selbst auf flachen Forststraßen stark im Federweg versackt. Abhilfe schafft hier nur der Lockout. Das daraus resultierende super straffe Fahrwerk kann auf Forststraßen die Pedalkraft direkt auf den Boden bringen und sorgt so für eine richtig gute Beschleunigung. Wird der Untergrund jedoch uneben oder führt der Uphill über einen Trail, wird man durch den harten Dämpfer von Hindernis zu Hindernis geworfen und benötigt eine aufmerksame Fahrweise, um nicht vollständig hängen zu bleiben oder zum Stillstand zu kommen. So wird es von seinen Konkurrenten, dem Trek Top Fuel oder Yeti SB115, abgezogen.

Mit einer aktiven Fahrweise und einem geübten Piloten kann man mit dem MERIDA richtig Spaß haben. Viel Sicherheit vermittelt es allerdings nicht.

Tuning-Tipps: größere Bremsscheibe am Heck | breiteres und höheres Cockpit

Bergab fordert das MERIDA NINETY-SIX 8000 einen geübten Fahrer mit sauberer Fahrtechnik. Denn es zieht den Fahrer durch seine Geometrie und dem flachen Lenker weit über die Front. Das sorgt für ein super direktes Handling, vermittelt aber in steileren Passagen Überschlagsgefühle. Auf flacheren Trails können die griffigen Reifen mit ihrem guten Grip Lenkimpulse direkt auf den Trail umsetzen und ermöglichen so eine flotte Fahrweise. Damit hat sich der Mut, dickere Reifen auf ein solches Bike zu packen, ausgezahlt. Denn mit dem richtigen Piloten kann es bergab am Top Fuel vorbeiziehen und liefert mehr Fahrspaß. Wird der Trail jedoch schneller oder besitzt er größere Stufen und kleinere Sprünge, ist das NINETY-SIX 8000 überfordert und vermittelt zu wenig Sicherheit, um richtig Spaß auf dem Trail zu haben. Bikes wie das Yeti SB115 können hier durch ihr Cockpit deutliche Vorteile ausspielen und besitzen zusätzlich ein besseres Fahrwerk mit mehr Reserven. So eignet sich das MERIDA NINETY-SIX hauptsächlich für kurze, knackige Runden auf einfachen Singletrails.

Fahreigenschaften

12

Uphill

1
  1. schwerfällig
  2. effizient

Agilität

2
  1. träge
  2. verspielt

Laufruhe

3
  1. nervös
  2. laufruhig

Handling

4
  1. fordernd
  2. gutmütig

Fahrwerk

5
  1. unsensibel
  2. feinfühlig

Fahrspass

6
  1. langweilig
  2. lebendig

Value for money

7
  1. schlecht
  2. sehr gut

Einsatzbereich

XC

8

Trail

9

Enduro

10

Downhill

11

Fazit

Das Gesamtkonzept des MERIDA NINETY-SIX 8000 aus einem Cross-Country Race-Bike mit ordentlich Trail-Performance geht nicht auf. Limitierender Faktor ist hier jedoch die Uphill-Performance. Der stark wippende Hinterbau in Kombination mit der für längere Touren untauglichen Sitzposition lassen das MERIDA ans Ende des Testfelds rutschen. Bergab erfordert das NINETY-SIX 8000 einen geübten Piloten, um wirklich schnell, sicher und spaßig über die Trails zu fliegen. Einsteigern bietet es zu wenig Sicherheit und Reserven.

Stärken

  • konsequentes Farb- und Designkonzept
  • 2 Flaschenhalter und ein Tool-Mount am Rahmen

Schwächen

  • Gesamtkonzept geht durch die schlechte Uphill-Performance nicht auf
  • fordernd Bergauf und Bergab
  • Zweikolben-Hinterradbremse überfordert

Mehr Informationen findet ihr unter merida-bikes.com

Das Testfeld

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Text: Peter Walker Fotos: Diverse

Über den Autor

Peter Walker

Peter ist als technischer Redakteur nicht nur ein Mann der Worte, sondern auch der Taten. Mit ernsthaften Bike- und Schrauber-Skills, seiner Motocross-Historie, diversen EWS-Teilnahmen und über 150 Bikepark-Tagen in Whistler – ja, der Neid der meisten Biker auf diesem Planeten ist ihm gewiss – ist für Peter kein Bike zu kompliziert und kein Trail zu steil. Gravel und Rennrad kann er übrigens auch! Das für unsere redaktionelle Arbeit wichtige Thema Kaufberatung hat Peter in Vancouvers ältestem Bike-Shop von der Pike auf gelernt und setzt sein Know-how auch im journalistischen Alltag um. Wenn er nicht gerade die Stuttgarter Hometrails auf neuen Test-Bikes unsicher macht, genießt er das Vanlife mit seinem selbst ausgebauten VW T5. Dass er dazu noch ausgebildeter Notfallsanitäter ist, beruhigt seine Kollegen bei riskanten Fahrmanövern. Zum Glück mussten wir Peter bislang nie bei seinem Spitznamen „Sani-Peter“ rufen. Wir klopfen auf Holz, dass es dazu auch nie kommen wird!