Wenn ihr technische Defekte und kostspielige Servicearbeiten an eurer Teleskopstütze minimieren wollt, dann zahlt es sich aus, sie gut zu pflegen. Wir verraten euch ein paar Geheimnisse, wie eure Sattelstütze in Bestform bleibt.

Vielleicht habt ihr euch nach sorgfältigem Studium unseres Vergleichstests für eine der besten Teleskopsattelstützen des Jahres 2020 entschieden und eine funkelnagelneue Sattelstütze für euer Bike gegönnt? Oder ihr habt euch noch gar nicht so richtig Gedanken um eure bestehende Stütze gemacht? Dann wird es Zeit herausfinden, wie ihr dafür sorgen könnt, dass eure Dropper Post in Bestform bleibt. Dass man seine Kette im allerbesten Fall nach jeder Fahrt reinigen und schmieren sollte, mag noch jedem bekannt sein. Doch was ist mit der stark belasteten Teleskopstütze? Von einer hochwertigen Stütze erwartet man, dass sie den direkten Beschuss durch euer Hinterrad mit allerlei Schlamm, Dreck und Wasser klaglos übersteht. Sollte sie dann aufgrund mangelnder Pflege doch einmal versagen, beschweren wir uns inbrünstig und erzählen all unseren Freunden von der schrecklichen Konstruktion. Das Leben einer Teleskopsattelstütze ist kein leichtes.

Dabei können wir ihr das Leben doch so viel leichter machen – und erheblich länger. Wir geben euch einen Überblick über die wesentlichen Pflegerituale nach jeder Ausfahrt und beantworten die häufigsten Fragen zur Wartung von Teleskopsattelstützen.

Verschiedene Konstruktionen, ähnliche Probleme

Auf dem Markt gibt es zahlreiche verschiedene Designs, und alle Teleskopsattelstützen besitzen eigene, spezifische Wartungsintervalle und Besonderheiten. Doch bei den meisten Teleskopstützen kommen Bauteile wie Dichtungen, Buchsen, Auslöseeinheiten und Züge zum Einsatz, die ähnliche Wartungsroutinen erfordern, um das Beste aus ihnen herauszuholen.

Wie man seine Teleskopsattelstütze pflegt

Die beste Herangehensweise an das Thema „Pflege einer Teleskopstütze“ besteht darin, sie als Teil des Fahrwerks anzusehen. Die glatte Oberfläche ihres Schafts gleitet hinauf und hinab und passiert dabei eine Abstreifer-Dichtung, die Schlamm und Schmutz zurückhält. Im Inneren der meisten höhenverstellbaren Sattelstützen befinden sich zwei Komponenten: Eine Dämpfungskartusche sowie eine Luftfeder, die die Stütze wieder ausfährt. Auch wenn die Kernbauteile der meisten Teleskopstützen sich oftmals nicht vom Benutzer warten lassen, kann man eine Menge zur längeren Funktionsfähigkeit und Haltbarkeit beitragen.

Pflege der Stütze nach der Fahrt

Als erste Regel gilt: Teleskopsattelstütze sauber halten. Es ist essenziell, dass ihr nach jeder Fahrt schonend sämtlichen Schlamm und Schmutz vom Schaft der Stütze entfernt. Genau wie bei all den anderen empfindlichen Bauteilen eures Bikes empfiehlt es sich, die Abstreifer-Dichtung nicht mit einem Hochdruckreiniger zu waschen. Damit der Staubabstreifer in gutem Zustand bleibt, ist es zudem empfehlenswert, nach dem Reinigen etwas Gabelöl aufzutragen, damit das Ganze wie geschmiert läuft. Lasst jedoch die Finger von Fettlösern und Kriechölen, da sie die herstellerseitige Schmierung der Abstreifer herauslösen und damit die Lebensdauer reduzieren können!

Regelmäßiger Service eurer Teleskopstütze

Wenn ihr nach jeder Fahrt bei der regelmäßigen Pflege gewissenhaft vorgeht, dann leistet ihr bereits eine Menge, um die Funktionsfähigkeit eurer Sattelstütze beizubehalten. Die meisten Hersteller empfehlen außerdem, in regelmäßigen Zeiträumen einen Service durchzuführen. Die Häufigkeit solcher Services hängt dabei ganz davon ab, wie oft und unter welchen äußeren Bedingungen ihr unterwegs seid. Die meisten Teleskopsattelstützen verfügen über einen abnehmbaren Klemmring, der euch somit den Zugang zum Hauptabstreifer ermöglicht. Wir empfehlen euch wärmstens, regelmäßig eine Schmierung auch unterhalb des Abstreifers vorzunehmen, damit die Funktionsfähigkeit eurer Stütze voll erhalten bleibt. Die meisten Hersteller bieten eine ganze Fülle an Online-Service-Anleitungen und Videos, die euch über die besonderen Service-Bedürfnisse eurer jeweiligen Teleskopstütze spezifisch aufklären.

Nachfolgend findet ihr eine Tabelle hinsichtlich der empfohlenen Serviceintervalle von gängigen Herstellern.

Hersteller Modell Reinigen, Sichtprüfung und Schmierung kompletter Service*
Fox Transfer nach jeder Fahrt alle 125 Stunden
Bike Yoke Revive nach jeder Fahrt alle 6 Monate
RockShox Reverb nach jeder Fahrt alle 200 Stunden
KS Lev nach jeder Fahrt alle 6 Monate
Crankbrothers Highline nach jeder Fahrt alle 150 – 175 Stunden

*Der Service-Umfang hängt vom jeweiligen Design der Stütze ab. Einige Teleskopstützen benötigen lediglich eine Schmierung der Dichtungen, während es bei anderen erforderlich ist, die Stützen für eine Generalüberholung einzuschicken. Bitte werft dahingehend einen Blick in euer Benutzerhandbuch.

Vergesst nicht, die Auslöseeinheit zu warten

Nahezu alle Teleskopsattelstützen mit innenverlegten Zügen – also nicht die hydraulischen und kabellosen Stützen – verfügen über einen Mechanismus am unteren Ende der Stütze, über den das Schaltseil mit der Stütze verbunden ist. Ihr wärt überrascht, wenn ihr wüsstet, wie viel Wasser in euren Rahmen gelangt, wenn ihr euer Bike wascht. Und genau wie das Tretlager ist auch die Auslöseeinheit der Sattelstütze dem Wasser ausgesetzt. Wir würden euch daher empfehlen, die Stütze wenigstens einmal pro Saison aus dem Rahmen zu ziehen, zu reinigen und die Auslöseeinheit zu schmieren, damit die Funktion geschmeidig und störungsfrei bleibt. Wenn ihr die Stütze aus dem Rahmen gezogen habt, solltet ihr auch gleich noch den Luftdruck in der Luftfeder überprüfen (falls eine solche vorhanden ist). Einige Stützen verlieren mit der Zeit an Druck, wodurch die Ausfahrgeschwindigkeit reduziert wird. Macht euch beim Hersteller eurer Sattelstütze schlau, wie der richtige Luftdruck zu lauten hat. Wir würden ebenfalls dazu raten, bei dieser Gelegenheit auch gleich einen neuen Schaltzug für den Hebel zu montieren, sofern die Stütze über eine Anlenkung per Kabel verfügt – so bleibt die Funktion seidenweich. Falls ihr einen neuen Hebel braucht, findet ihr hier

Häufige Fragen zur Pflege einer Teleskopsattelstütze

Sollte man sein Bike an der Sattelstütze klemmen?

Eine weitere Frage, die uns oft gestellt wird, lautet: Sollte man sein Bike am Schaft der Sattelstütze an den Montageständer hängen? Wir haben dazu einige der bekanntesten Hersteller befragt – RockShox, Fox und Kind Shox – und alle haben mit einem übereinstimmenden „Ja, das ist okay“ geantwortet. Doch es gibt eine Bedingung: Auch wenn eine Teleskopstütze in der Lage ist, den Kräften standzuhalten, die beim Aufhängen eines Bikes an einem hochwertigen Montageständer auftreten, ist es das Beste, ein sauberes, weiches Tuch zwischen den Klemmbacken und dem Schaft der Sattelstütze zu platzieren. Somit wird die beschichtete Oberfläche vor Schmutz in der Klemme eures Montageständers geschützt. Es ist außerdem entscheidend, dass ihr die Stütze nur im ausgefahrenen Zustand klemmt – denn falls ihr das nicht tut, wird das Gewicht des am Montageständer aufgehängten Bikes bewirken, dass die Sattelstütze sich ausfährt und Luft vorbei an den internen Dichtungen ins Innere der Stütze gelangt.


Sollte man seine Sattelstütze mit einer schützenden Hülle umwickeln?

Bei all der Sorge um eine lange Lebensdauer ihrer Teleskopstützen gehen einige Fahrer sogar so weit, ihre Sattelstützen mit einer schützenden Hülle zu umwickeln. Das kann allerdings mehr Schaden als Nutzen anrichten, denn eine solche kann Wasser und Schmutz gefangen halten, gegen eure Stütze arbeiten und schlimmstenfalls Verschleiß sowie eine erhöhte Beanspruchung der internen Abstreifer verursachen. Wir raten euch daher ab, eure Sattelstütze mit Schutzhüllen jeglicher Art zu verkleiden.


Sollte man sein Bike mit ein- oder ausgefahrener Stütze lagern?

Am besten lagert ihr euer Bike mit ausgefahrener Teleskopstütze. Alle höhenverstellbaren Sattelstützen nutzen eine Feder, um den Sattel nach oben auszufahren. In einigen Stützen sind diese Luftfedern sehr klein und stehen unter relativ hohem Druck (ca. 200 – 250 psi). Wenn die Stütze sich in der abgesenkten Position befindet, herrscht in der Luftfeder ein bis zu dreimal größerer Druck. Ein Bike mit abgesenkter Teleskopstütze zu lagern, setzt die internen Dichtungen erheblich größerem Druck aus und erhöht damit die Gefahr, dass die Dichtungen nicht mehr einwandfrei funktionieren. Wir raten euch daher, die Stütze in der ausgefahrenen Position zu lagern.


Sollte man sein Bike an der Sattelstütze hochheben, wenn die Stütze versenkt ist?

Ein weiterer typischer Fehler im Umgang mit einer Teleskopstütze besteht darin, das Bike am Sattel hochzuheben oder aufzuhängen, während die Sattelstütze sich in abgesenkter Position befindet. Bei einigen Stützen kann dies dazu führen, dass Luft an den internen Dichtungen vorbei ins Innere des Hydrauliksystems gezogen wird und sich dort mit dem Öl der Dämpfung mischt. Dadurch entsteht die Problematik der „schwammigen“ Teleskopsattelstütze, bei der die Stütze zu Beginn ihres Verstellwegs Spiel entwickelt und einen Service benötigt. Wir empfehlen euch, euer Bike niemals am Sattel hochzuheben oder es daran aufzuhängen, wenn die Stütze versenkt ist. Einige Lifte in Bikeparks befördern eure Bikes am Sattel hängend, also achtet darauf, eure Sattelstütze maximal auszufahren, bevor ihr das Bike an den Sessellift hängt.

Und das war’s auch schon – mit diesen simplen Tricks könnt ihr mit Gewissheit die Lebensdauer eurer Sattelstütze verlängern. Doch wenn eure aktuelle Stütze auch mit dem kompliziertesten Service nicht mehr zu retten ist und ihr auf der Suche nach einer neuen seid, dann haben wir hier die besten Modelle für euch getestet.

Text & Fotos: Trev Worsey

Über den Autor

Trev Worsey

Trevor liebt Whisky, das Biken und alles dazwischen. Er wurde zwar in England geboren, fühlt sich aber als waschechter Schotte. Dementsprechend ist er nicht nur schlechtes Wetter gewöhnt, sondern ist auch ein echter Spezialist, wenn es um steile und anspruchsvolle Trails geht. Mit über 40 muss er sich eigentlich nichts mehr beweisen, kann jedoch trotzdem mit vielen jungen Wilden mithalten. Damit das nicht allzu sehr überhandnimmt, steht „Think about Brook“ auf seinem Oberrohr. Sein Sohn Brook wurde von Anfang an mit dem Bike-Virus infiziert. Gemeinsam mit seiner jungen Familie und den zwei Hunden sieht man Trevor fast ausschließlich draußen, sei es beim Biken, Graveln, Wandern, Surfen oder Kanu fahren – egal bei welchem Wetter. Ein echter Schotte eben.