Die Tubeless-Technologie hat die Mountainbike-Welt in den letzten Jahren revolutioniert. Sie erlaubt es uns, mehr Performance aus unseren Reifen herauszukitzeln, erhöht die Pannensicherheit und spart Gewicht. Ihr spielt mit dem Gedanken, auf Tubeless umzusteigen? Perfekt – hier erfahrt ihr alles, was ihr wissen müsst zu den Themen Tubeless-Setup, Ventile, Dichtmilch, Felgenband und mehr!

Inhaltsverzeichnis

Ein Tubeless-Setup erlaubt es euch, auf Schläuche zu verzichten und mehr Performance aus euren Reifen herauszuholen

Wie der Name schon sagt: Wenn ihr euer MTB tubeless aufgebaut habt, erlaubt euch das, auf die Schläuche im Reifen zu verzichten. Das bringt einige echte Vorteile mit sich – nicht zuletzt verbesserten Grip und höhere Pannensicherheit. Wenn ihr überlegt, auf ein Tubeless-Setup umzusteigen, werdet ihr vermutlich bereits über den Begriff „Tubeless-ready“ gestolpert sein. Tubeless-ready (oft als TR oder TC bezeichnet) bedeutet, dass die so gekennzeichneten Komponenten – Reifen bzw. Laufräder – so konzipiert wurden, dass sie sowohl mit als auch ohne Schlauch funktionieren. Beispielsweise verfügt ein Tubeless-ready Reifen über eine speziell designte Reifenwulst, die bei der Abdichtung der Felge hilft. Doch ihr benötigt für einen erfolgreichen Umbau auf Tubeless noch einige weitere Accessoires, wie Ventile, Tubeless-Tape und Dichtmittel.

Ein paar kurze Definitionen der geläufigsten Tubeless-Begriffe:

Tubeless-Setup – Ein geschlossenes System, das es euch erlaubt, euer Laufrad ohne einen Schlauch zu nutzen.
Dichtmilch – Tubeless-Dichtmilch verschließt kleine Undichtigkeiten innerhalb des Tubeless-Systems. Sie bildet außerdem einen dünnen Film auf der Innenseite des Reifens und dichtet die Reifenwulst bzw. das Felgenbett ab, um Luftverlust zu verhindern.
Tubeless-Ventile – Tubeless-Ventile sind essenziell für euer Tubeless-Setup. Sie werden einfach in den bereits vorhandenen Ventillöchern installiert und mit einer Sicherungsmutter befestigt.
Tubeless-Felgenband – Felgenband spielt eine entscheidende Rolle innerhalb eines Tubeless-Systems und sorgt dafür, dass das Felgenbett abgedichtet ist und Luftverlust durch die Speichenlöcher verhindert wird.
Tubeless-ready – Dieser Begriff signalisiert, dass ein Produkt so konzipiert wurde, dass es sowohl mit als auch ohne Schlauch funktioniert und somit bereit ist für einen Tubeless-Umbau.
Reifenwulst – Die Reifenwulst ist der Rand des Reifens, der auf der Felge sitzt und den Reifen in einem Tubeless-System abdichtet.
Reifen-Seitenwände – Die Seitenwände sind die glatten Flanken des Reifens zwischen der Kante des Profils und der Reifenwulst. Einige Seitenwände sind ein wenig porös und benötigen Dichtmittel, um die Luft halten zu können, wohingegen andere bereits ohne zusätzliche Hilfsmittel luftdicht sind.
Reifen-Karkasse – Das Rückgrat eines jeden Reifens. Die Karkasse verleiht dem Reifen seine Form und Struktur und beeinflusst erheblich seine Kurvenstabilität, Pannensicherheit und sein Gewicht.

Hier bei ENDURO sind alle Redakteure große Fans von Tubeless-Setups. Wir können Tubeless-Aufbauten als günstiges und effektives Upgrade für die allermeisten Fahrer nur empfehlen. Doch eine kleine Zahl an Fahrern ist nach wie vor mit Schläuchen besser bedient. Lest weiter, um die Vor- und Nachteile von Tubeless zu erfahren und herauszufinden, ob ihr euer Mountainbike umrüsten und ohne Schläuche nutzen solltet!

Es gibt sowohl Vorteile als auch Nachteile mit dem Tubeless-Setup. Für uns überwiegen definitiv die Vorzüge!

Tubeless-Reifen: Vorteile und Nachteile

Es ist wahr, Tubeless hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Doch für die meisten Fahrer überwiegen die Vorteile von Tubeless. Solltet auch ihr auf Tubeless umrüsten, oder gibt es Gründe, auf schlauchlose Reifen zu verzichten? Hier findet ihr die Pros und Kontras eines Tubeless-Setups:

Die Vorteile von Tubeless

Eine Zusammenfassung der größten Vorteile von Tubeless?
Mehr Grip und weniger Platten!

Ein Tubeless-Setup erlaubt es euch, die maximale Performance aus euren Reifen herauszukitzeln. Ihr könnt eure Reifen damit außerdem mit niedrigeren Luftdrücken fahren, was euch mehr Grip und Komfort beschert. Ein Tubeless-System ist außerdem weniger pannenanfällig (selbst mit niedrigeren Luftdrücken) als ein Reifen mit Schlauch, da bei Tubeless eben kein Schlauch zwischen einem Hindernis und der Felge eingeklemmt werden kann – der Grund für die gefürchteten Snakebites. Schläuche sind teuer und wenn ihr bei euren Ausfahrten regelmäßig Probleme mit Snakebites habt, dürfte es langfristig vermutlich günstiger sein, tubeless zu fahren. Jeder kleine Durchstich wird zudem sofort vom Dichtmittel verschlossen. Tatsächlich kann ein Tubeless-Setup an eurem MTB neben der Pannenanfälligkeit auch euren Rollwiderstand verringern. Mit weniger Luftdruck kann der Reifen sich beim Überrollen von Hindernisse besser verformen, was es ihm erlaubt, weniger stark von dem Hindernis abgebremst zu werden und leichter darüber hinweg zu kommen. Zum Vergleich: Bei höheren Luftdrücken und damit härteren Reifen (mit Schlauch) „schluckt“ nicht einfach der Reifen das Hindernis, sondern das gesamte Bike muss sich erst nach oben und über die Unebenheit hinweg bewegen. Mit weniger Reifendruck spart ihr also auch Energie.

Die Vorteile von Tubeless auf einen Blick:

  • mehr Grip
  • mehr Pannenschutz
  • System dichtet sich selbstständig ab
  • weniger Rollwiderstand
  • für viele Fahrer vermutlich günstiger

Die Nachteile von Tubeless

Die einzigen wirklichen Nachteile eines Tubeless-Systems gegenüber Schläuchen sind die erhöhte Komplexität der Montage und der höhere Service-Aufwand

Die größten Nachteile eines Tubeless-Systems sind die erhöhte Komplexität der Montage und der höhere Wartungsaufwand. Wenngleich die Anschaffungskosten für Ventile, Felgenband und Dichtmilch nicht besonders hoch sind, können die Gesamtkosten schnell durch die Decke gehen, falls eure Reifen und Felgen nicht bereits Tubeless-ready sind. Wie auch jedes andere Teil an eurem Bike muss ein Tubeless-Setup regelmäßig gewartet werden. Lässt man das schleifen, kann das dazu führen, dass die Dichtmilch eintrocknet und die Ventile verstopfen. Natürlich leiden darunter dann die Performance und die Dichtigkeit. Einige Reifen-/Felgenkombinationen benötigen eine spezielle Tubeless-Inflator-Pumpe oder einen Kompressor für die erstmalige Installation. Tubeless montierte Reifen neigen außerdem dazu, zwischen den Ausfahrten ein wenig Luft zu verlieren, daher solltet ihr vor jeder Fahrt den Luftdruck eurer MTB-Reifen prüfen. Damit ihr eine Orientierung habt, welcher Luftdruck ideal ist, haben wir diesen Guide erstellt.

Die Nachteile von Tubeless auf einen Blick:

  • Setup kann teuer werden
  • erfordert mehr Wartungsaufwand
  • komplexer zu installieren als ein Schlauch
  • Luftverlust, wenn man länger nicht fährt

Wir empfehlen Tubeless jedem, der mit seinem Mountainbike regelmäßig im Gelände unterwegs ist. Die Vorteile von Tubeless sind enorm und wer sich maximale Performance wünscht, kommt um einen schlauchlos montierten Reifen nicht herum. Wenn ihr euer Bike nur unregelmäßig nutzt und die Performance-Vorteile von Tubeless nicht braucht, dann ist ein System mit Schlauch leichter zu installieren und erfordert wenig bis gar keinen Wartungsaufwand.

Wie montiert man einen Reifen tubeless und was braucht man dafür?

Mit dem passenden Equipment und der richtigen Technik ist die Tubeless-Montage eine einfache Angelegenheit. Allerdings benötigt ihr fürs erste Mal wahrscheinlich eine Inflator-Pumpe oder einen Kompressor.

Bevor ihr die Montage eines Tubeless-Reifens in Angriff nehmt, solltet ihr sicherstellen, dass ihr dafür alle notwendigen Teile und Geräte zur Hand habt. Ihr braucht Felgen und Reifen, die Tubeless-ready sind (checkt unsere Reifen-Vergleichstest, um den besten Tubeless-Reifen für euch zu finden), Dichtmittel und einen Satz Tubeless-Ventile. Wenn eure Felgen nicht bereits mit Tubeless-Felgenband ausgestattet sind, müsst ihr zunächst Tubeless-spezifisches Felgenband installieren, da sonst euer Felgenbett nicht luftdicht ist. Um den Reifen aufzupumpen, braucht ihr zudem gegebenenfalls eine Inflator-Pumpe. Der Prozess der Montage eines Tubeless-Reifens ist relativ unkompliziert, aber kleinere Komplikationen können euch das Leben schwer machen. Seht euch daher unsere Anleitung zur Schritt-für-Schritt-Installation von Tubeless-Reifen an – diese beinhaltet alles, was ihr wissen müsst! Der gesamte Prozess sollte nicht mehr als 20 Minuten pro Laufrad in Anspruch nehmen und ist mit etwas Geschick eine saubere Sache. Nützliche Tipps und Tricks findet ihr ebenfalls in unserem Guide!

Kurze Checklist – Das braucht ihr für die Tubeless-Montage

  • kompatible Felgen + Reifen
  • Dichtmilch
  • Pumpe
  • Ventile
  • Tubeless-Felgenband (wenn nicht bereits installiert)
  • Reifenheber

Welchen Luftdruck soll ich in meinen Tubeless-Reifen fahren?

Der Reifendruck muss von jedem Fahrer individuell gewählt werden. Die Tubeless-Montage hilft euch, euren Luftdruck für mehr Grip und bessere Performance etwas zu senken.

Ein Tubeless-System erlaubt es euch, mit einem niedrigeren Reifendruck zu fahren als bei einem Setup mit Schlauch – ohne dabei jedoch die generelle Pannensicherheit eures Setups zu beeinträchtigen. Das liegt daran, dass kein Schlauch mehr vorhanden ist, der durch das Einklemmen zwischen Hindernis und Felge Schäden davontragen kann. Die Möglichkeit, mit niedrigeren Reifendrücken unterwegs zu sein, ist ein gewaltiger Vorteil von Tubeless und erlaubt es euch, eine bessere Performance sowie mehr Grip und Komfort von euren Reifen zu erhalten. Um diese Vorteile voll auszunutzen, müsst ihr den für euch perfekten Tubeless-Reifenluftdruck finden. Seht euch dazu unseren detaillierten Leitfaden zum Thema „Wie finde ich den richtigen Reifendruck am MTB“ an. Vergesst dabei nie: Auch wenn ihr für den ersten Aufbau womöglich eine spezielle Tubeless-Inflator-Pumpe benötigt, könnt ihr fürs einfache Aufpumpen oder reguläre Prüfen des Luftdrucks jede Standard-Pumpe nutzen.

Wie repariere ich auf dem Trail und zuhause eine Reifenpanne bei Tubeless?

Glücklicherweise sind Reifenpannen mit Tubeless selten und oftmals leicht zu beheben – vor allem, wenn ihr das richtige Know-how besitzt!

Auch wenn ein Tubeless-System deutlich pannensicherer ist als ein Reifen mit Schlauch, besteht natürlich trotzdem die Möglichkeit, dass die Dinge auf dem Trail etwas aus dem Ruder laufen. Das häufigste Problem ist ein Durchstich im Profil oder in der Seitenwand, der jedoch zu groß ist, um vom Dichtmittel allein verschlossen zu werden. Dafür verantwortlich sind oftmals Dornen oder spitze Steine. Diese Durchstiche lassen sich schnell und einfach mit einem sogenannten Reifen-Plug reparieren. Dieser wird in das Loch gesteckt und dichtet es dann gemeinsam mit der Dichtmilch ab. Ein weiteres verbreitetes Problem ist das „Burping“ des Reifens. Das passiert, wenn der Reifen in einer starken Kompression von der Felge rutscht, wie etwa in einem engen Anlieger. Dabei wird die Reifenwulst für einen Sekundenbruchteil vom Felgenhorn gezogen und erlaubt ein kurzzeitiges Entweichen der Luft, bevor das System wieder versiegelt ist. Alles, was ihr tun müsst, falls ein solches Burping euren Reifen einmal in die Knie zwingt: Pumpt ihn wieder bis zum gewünschten Reifendruck auf. Große Risse in der Seitenwand und Luftverlust, der aus einer beschädigten Felge resultiert, sind auf dem Trail hingehen deutlich schwieriger zu reparieren. Hier müsst ihr meist einen Schlauch installieren und das Problem zuhause beheben. Seht euch dazu unsere Anleitung und Tipps und Tricks zur Reparatur eines Tubeless-Reifen an. Dort erhaltet ihr eine detaillierte Anleitung, wie sich die Probleme beheben lassen, die auf euch zukommen können.

Wie muss ein Tubeless-Setup gewartet werden?

Genau wie jedes andere System an eurem Bike erfordert auch ein tubeless montierter Reifen etwas Wartung, um seine maximale Performance und Effizienz beizubehalten. Zum Glück ist die Wartung eines Tubeless-Systems unkompliziert und nicht sehr arbeitsaufwendig. Hier sind die wesentlichen Punkte, die es zu beachten gilt:

Ventil-Service

Es ist wichtig, sich um seine Ventile zu kümmern. Sie sind ein entscheidender Teil des Tubeless-Systems.

Es ist wichtig, ein Auge auf den Zustand eurer Tubeless-Ventile zu haben. Stellt sicher, dass der Ventilkern nicht verbogen ist und Luft problemlos durch das Ventil strömen kann. Ventilkerne können sich zudem mit Dichtmittel zusetzen und den Luftdurchsatz verringern. Wenn das passiert, entfernt vorsichtig den Ventilkern – dabei wird natürlich die gesamte Luft aus dem Reifen strömen. Reinigt den Ventilkern dann gründlich bzw. ersetzt ihn, falls die Verkrustungen sich überhaupt nicht mehr lösen lassen.

Luft zu verlieren, ist normal!

Wenn euer Mountainbike für eine längere Zeit nur herumsteht (manchmal reicht dafür schon eine Nacht!), dürfte euch vielleicht auffallen, dass euer Tubeless-System etwas Luft verliert. Doch keine Panik, denn das ist völlig normal! Checkt einfach euren Reifendruck vor jeder Fahrt.

Wie oft muss ich das Dichtmittel erneuern und wie fülle ich es ein?

Tubeless-Dichtmilch kann mit der Zeit eintrocknen und die Effektivität des Systems verringern. Wie schnell das Ganze austrocknet, hängt von einer Vielzahl an Faktoren ab, beispielsweise wie oft ihr fahrt und wie warm das Klima bei euch ist. Wenngleich es unmöglich ist, ein genaues Service-Intervall festzulegen, würden wir euch empfehlen, wenigstens alle sechs Monate das Dichtmittel nachzufüllen. Um die Menge an Dichtmilch zu überprüfen, nehmt das Laufrad in die Hand und schüttelt es. Wenn ihr ein schwappendes Geräusch hört, dann sollte noch genügend Dichtmittel vorhanden sein. Wenn ihr jedoch keinerlei Geräusche aus dem Inneren des Reifens vernehmen könnt, lasst die Luft eures Reifens ab und zieht einen kleinen Teil der Reifenwulst von der Felge. Seht dann am tiefsten Punkt des Laufrads in den Reifen hinein und checkt, ob ihr noch Dichtmilch sehen könnt.

Wir empfehlen die regelmäßige Kontrolle und das Auffüllen eures Dichtmittels, um maximale Performance beizubehalten

Es gibt zwei Arten, Tubeless-Dichtmilch in den Reifen zu bekommen. Bei der ersten Methode lasst ihr die Luft eures Reifens ab und zieht einen Teil der Reifenwulst von der Felge. Ihr könnt dann die Dichtmilch einfach am Boden des Reifens einschütten, bevor ihr die Reifenwulst wieder komplett aufzieht und den Reifen aufpumpt. Die zweite Methode ist einfacher, schneller und sauberer, aber ihr benötigt dafür eine Spritze oder einen Dichtmittel-Injektor. Pro-Tipp: Die meisten kleinen Dichtmittel-Fläschchen (ca. 100 ml) besitzen eine schmale Ausgussöffnung, die perfekt in den Ventilkörper passt, sodass ihr die Flüssigkeit mit ihnen kinderleicht einfüllen könnt. Um auf diese Weise nachzufüllen, lasst die Luft des Reifens komplett ab und entfernt den Ventilkern. Nutzt dann die Spritze bzw. den Dichtmittel-Injektor und füllt die Dichtmilch direkt durch das Ventil ein. Wenn ihr genügend Flüssigkeit nachgefüllt habt, schraubt einfach den Ventilkern wieder ein und pumpt den Reifen auf – fertig.

Wohin ist all meine Tubeless-Dichtmilch verschwunden?

Wenn ihr den Füllstand längere Zeit nicht überprüft habt, kann das Dichtmittel eintrocknen und scheinbar verschwinden, indem es einen dünnen Film auf der Innenseite des Reifens bildet oder sich in stachelige Dichtmittel-Kügelchen verwandelt. Wenn das passiert, hat die Dichtmilch keine Wirkung mehr und muss ersetzt werden.

Reifen-Inserts und Tubeless – Die ultimative Kombination?

Tubeless-Inserts sind aktuell der letzte Schrei in der Mountainbike-Welt und es gibt unzählige Optionen und Designs auf dem Markt. Diese Schaum-Einlagen sind so konzipiert, dass sie eine dämpfende Schutzschicht über der Felge bilden und so Einschläge von Steinen oder Wurzeln absorbieren, die den Reifen durchschlagen. Ihre Effektivität zu testen bzw. zu kommentieren ist äußerst schwierig, aber derartige Tubeless-Reifen-Inserts haben Vor- und Nachteile.

Tubeless-Inserts bieten erhöhten Aufprallschutz für Felge und Reifen, haben allerdings auch einige Nachteile …

Der größte Vorteil eines Tubeless-Inserts ist der verbesserte Durchschlagschutz, da ein solches Insert sowohl die Felge, als auch den Reifen effektiv abdämpft. Die besten Inserts verbessern zudem die Stabilität der Seitenwände und reduzieren die Chance auf Burping des Reifens. Sie erlauben es euch außerdem, mit noch niedrigeren Luftdrücken zu fahren, da sie Felge und Reifen gleichermaßen schützen. Wenn ihr es schafft, trotz installiertem Insert einen Platten zu haben, könnt ihr in der Regel mit dem platten Reifen immerhin noch weiterrollen, wenn nötig.

Die Nachteile sind ebenfalls zahlreich. Inserts sind oftmals schwerer als ein Upgrade des Reifens auf eine stabilere Karkasse. Zudem ist ihre Installation häufig eine Qual, genauso wie ihre Demontage (je besser sie funktionieren, desto schwerer sind sie auf die Felge zu bekommen). Dadurch sind Reifenpannen direkt auf dem Trail äußerst mühsam. Inserts saugen außerdem eine Menge Dichtmittel auf, denn selbst wenn sie aus geschlossenporigem Schaum gefertigt sind, bedeckt das Dichtmittel ihre große Oberfläche. Im Falle eines Durchstichs kann es daher vorkommen, dass nicht genügend Dichtmilch zur Verfügung steht. Inserts sind zudem sehr teuer. Auch wenn einige Fahrer sicher die verbesserte Stabilität des Reifens und den zusätzlichen Pannenschutz wertschätzen, den die Inserts versprechen, glauben wir, dass die extra Kosten, das zusätzliche Gewicht und die verzwickte Installation sie für einen Großteil der Biker zu einem ineffizienten Upgrade machen.


Tubeless Nerd-Wissen

CO2 und Tubeless – Funktionieren beide zusammen?

Wenngleich CO2 dabei hilft, den Reifen bei einem Durchstich wieder aufzupumpen, kann es negative langfristige Effekte auf eure Dichtmilch haben. Wenn das CO2 aus seiner unter Druck stehenden Kartusche freigesetzt wird und in den Reifen mit seinem weitaus größeren Volumen strömt, kommt es zu einem drastischen Temperaturabfall. Dieser Temperatursturz aktiviert das Gerinnungsmittel einiger Dichtmittel, lässt sie erstarren und formt große Latex-Klumpen im Inneren des Reifens. Das Dichtmittel muss dann getauscht werden.

Ist Tubeless schlecht für die Umwelt?

Die meisten Tubeless-Dichtmittel basieren auf natürlichem oder synthetischem Latex, welches abbaubar ist. Allerdings mischt jeder Hersteller seiner Dichtmilch andere Zusatzstoffe und Partikel bei, um dessen Performance zu verbessern. Daher ist es wichtig, genauestens zu prüfen, wie umweltfreundlich ein Dichtmittel ist, da sich dies von Marke zu Marke unterscheidet.

Warum werden viele Bikes nicht Tubeless verkauft?

Tubeless-Dichtmittel verlieren mit der Zeit an Wirksamkeit und werden unbrauchbar. Dieser Prozess wird sogar noch beschleunigt, wenn das Bike für eine längere Zeit nicht genutzt wird. Daher versenden die meisten Bike-Hersteller ihre Bikes nicht tubeless, da das Dichtmittel bis zum Eintreffen des Bikes beim Kunden bereits eingetrocknet sein könnte. Heutzutage installieren einige Hersteller, wie z. B. GIANT, bereits Tubeless-Ventile und Reifen, sodass ihr nur noch das Dichtmittel hinzufügen müsst. Die meisten anderen Hersteller werden euch beim Kauf alles bereitstellen, was ihr für den Tubeless-Aufbau des Bikes benötigt.

Kann ich Tubeless-Dichtmittel mischen?

Wir würden es euch nicht empfehlen, Tubeless-Dichtmittel zu mischen, selbst wenn beide Latex-basiert sind. Denn die verschiedenen Hersteller nutzen unterschiedliche Zusätze und Partikel, die eventuell zur Gerinnung oder Zersetzung der Flüssigkeiten führen und somit natürlich beim Mischen die Performance beeinträchtigen können.

Ist ein Tubeless-Setup teuer?

Wenn eure Felgen und Reifen bereits Tubeless-ready sind, ist der Tubeless-Umbau relativ preiswert. Alles, was ihr braucht, sind ein Paar Ventile (ca. 15 €) und Dichtmilch (ca. 20 € für eine große Flasche oder 5 € für eine kleine, zum einmaligen Gebrauch). Möglicherweise müsst ihr auch noch Felgenband kaufen, was ungefähr 8 € kostet.

DIY-Tubeless – Was taugen Bastel-Lösungen?

Es ist grundsätzlich möglich, seinen Reifen tubeless zu montieren, ohne etwas für spezielle Komponenten zu zahlen. Dazu muss man sich einen Selbstbau-Tubeless-Inflator basteln, die Felgen mit Panzertape abdichten und die Ventile aus einem alten Schlauch herausschneiden. Allerdings würden wir das Ganze natürlich nicht empfehlen, weil dabei unerwartete Probleme auftreten können, was dann stark an die Nerven geht.

Text: Finlay Anderson Fotos: ENDURO Team

Über den Autor

Finlay Anderson

Finlay ist nicht nur im Beruf, sondern auch auf dem Bike ein Überflieger. Der Jüngste im Team lässt es auf dem Bike gerne so richtig krachen. Finlay war nicht weit von einer professionellen Rennsportkarriere entfernt, hat sich dann jedoch für einen „vernünftigen“ Job entschieden: Als Redakteur Bikes testen, fotografieren und texten – all das macht er auf höchstem Niveau und hat sich schnell zum festen Bestandteil unseres internationalen Teams entwickelt. Wenn er gerade nicht auf dem Bike sitzt, dröhnt das Mountain Reggae Radio aus seinen Boxen oder er cruist mit dem Skateboard durch die Straßen.