Privateers erstes Bike, das radikale 161 Enduro, ist ein verdammt potentes Bike. Es vereint einen fairen Preis und eine unzerstörbare Ausstattung und wurde so in der Core-Szene schnell äußerst beliebt. Doch aufgrund seiner radikalen Geometrie ist das 161 ein Nischenprodukt. Mit dem neuen 141 Trail-Bike verspricht Privateer nun erschwinglichen Nervenkitzel für eine breitere Zielgruppe!

Privateer ist eine junge Marke, die erst kürzlich mit ihrem 161 Enduro-Race-Bike die Bühne betreten hat. Dieses Bike vereinte eine radikale Geometrie, eine race-ready Ausstattung und einen erstaunlich bezahlbaren Preis. Doch seine extreme Geometrie entpuppte sich für das 161 als zweischneidiges Schwert, da das Bike durch seinen ultra steilen 80°-Sitzwinkel nicht für jeden perfekt ist. Doch nun, ein Jahr später, ist Privateer Bikes zurück mit einem neuen Modell: dem Privateer 141 Trail-Bike!

Privateer 141 | 150/141 mm Federweg (Front/Heck) | 29” | 1.739 € (Rahmen + Dämpfer) | 14,9 kg (Größe P3) | Herstellerwebsite

Ganz dem eigenen Ethos entsprechend wollte Privateer auch das neue 141 zum fairen Preis anbieten. Und wie auch schon mit dem 161 haben sie das geschafft, indem sie so viele Rohre des Rahmens wie möglich von der Stange verwenden. Dadurch konnte Geld gespart werden, um bessere Komponenten für einen attraktiven Preis zu verbauen.

Was kann das Privateer 141?

Mit dem komplett neuen Privateer 141 macht die Marke aus UK ihre bezahlbare Performance für eine breitere Zielgruppe zugänglich. Mit kleinerem Federweg, einer weniger extremen Geometrie, aber einem genauso beeindruckenden Preis ist das Privateer 141 wie gemacht für Fahrer, die ein aggressives Trail-Bike für jeden Anlass suchen.

Privateer 141

3.489 €

Ausstattung

Federgabel FOX 36 Performance Elite 150 mm
Dämpfer FOX DPX2 Performance Elite 141 mm
Sattelstütze OneUp V2 Dropper 180 mm
Bremsen Magura MT5 203/180 mm
Schaltung Shimano SLX 34/10-51
Vorbau Race Face Aeffect R 40 mm
Lenker Race Face Turbine R 800 mm
Laufradsatz HUNT Trail Wide 29"
Reifen Schwalbe Magic Mary/Hans Damf 2.4"

Technische Daten

Größe P1 P2 P3 P4
Gewicht 14,9 kg

Wieder einmal sieht die Ausstattung des Privateer 141 so aus, als würde sie perfekt zum Einsatzzweck des Bikes passen. Auch wenn nichts an dem nüchternen Aufbau luxuriös wirkt, schafft es jede Komponente, die perfekte Balance zwischen Performance und Preis zu treffen. Der FOX 36 Performance Elite zum Beispiel mag es zwar am glänzenden Kashima-Coating mangeln, doch ihr GRIP2-Innenleben ist topaktuell und identisch zu den Flaggschiff-Modellen von FOX. Dasselbe lässt sich über einen Großteil der Ausstattung sagen, wie etwa den FOX DPX2 Performance Elite-Dämpfer, den Shimano SLX/XT-Antrieb und die kraftvollen und zugleich günstigen Magura MT5-Bremsen.

Die verbaute FOX 36 Performance Elite ist die perfekte Wahl für das Bike und seinen Einsatzzweck.
Der FOX DPX2 Performance Elite-Dämpfer bietet eine solide Performance und lässt sich einfach einstellen
Gigantischer Verstellweg: Die OneUp V2-Teleskopstütze bietet gewaltige 180 mm Verstellweg und eine beeindruckend niedrige Stack-Höhe. Bewegungsfreiheit en masse!
Wo Performance auf Vernunft trifft: Die Magura MT5-Bremsen am 141 werden standardmäßig mit kurzen Hebeln ausgeliefert und funktionieren ausgezeichnet.

Auch wenn nichts an dem nüchternen Aufbau luxuriös wirkt, schafft es jede Komponente, die perfekte Balance zwischen Performance und Preis zu treffen.

Die Geometrie des Privateer 141

Privateer ging mit der Geometrie des 161-Race-Bikes wirklich an die Grenzen. Und zwar so weit, dass das Bike zu speziell für viele Fahrer ausfiel. Wenngleich die Geometrie des neuen Privateer 141 keineswegs konservativ ist, wurde sie im Vergleich zum 161 ein klein wenig moderater gestaltet. Dadurch spricht das 141 eine breitere Zielgruppe an Fahrern an, die sich eine Allround-Performance wünschen, ebenso wie eine Maschine fürs Grobe.

Die Geometrie des Privateer 141 ist kein Stück konservativ. Bei diesem Bike geht es einzig und allein darum, es auf den Trails krachen zu lassen und einen Heidenspaß zu haben!

Das 141 ist in vier Größen erhältlich, von P1 bis P4. Wir haben Größe P3 getestet, mit einem Reach von 485 mm, einem Radstand von 1.266 mm und 446 mm langen Kettenstreben. Der Lenkwinkel beträgt flache 64,5° und der effektive Sitzwinkel an der Größe P3 lautet 78,7°. Wie schon beim 161 finden an der kleinsten Rahmengröße P1 27,5”-Laufräder Verwendung, wohingegen die drei größeren Modelle (P2-P4) auf 29”-Laufrädern rollen.

Größe P1 P2 P3 P4
Sattelrohr 400 mm 420 mm 450 mm 480 mm
Oberrohr 559 mm 590 mm 612 mm 639 mm
Steuerrohr 130 mm 120 mm 130 mm 140 mm
Lenkwinkel 64.5° 64.5° 64.5° 64.5°
Sitzwinkel 78.9° 78.8° 78.7° 78.7°
Kettenstrebe 434 mm 440 mm 446 mm 452 mm
Tretlagerabsenkung 15 mm 30 mm 30 mm 30 mm
Radstand 1197 mm 1236 mm 1266 mm 1301 mm
Reach 440 mm 465 mm 485 mm 510 mm
Stack 607 mm 628 mm 637 mm 646 mm
Spaß haben und den ganzen Tag auf Trails herum heizen – genau darum geht es beim 141

Wie fällt die Geometrie des Privateer 141 im Vergleich zu seinem rennlastigeren Pendat aus? Auch wenn die nackten Zahlen auf dem Papier sich nicht um Welten unterscheiden, so sind es genau diese kleinen Veränderungen, die in Summe doch einen Unterschied machen. Der Sitzwinkel wurde leicht abgeflacht, der Lenkwinkel fällt 0,5° steiler aus und Reach sowie Radstand wurden ebenfalls ein wenig zusammengeschrumpft. Doch verleihen diese Optimierungen dem 141 eine trail-freundlichere Geometrie? Lest weiter, um es herauszufinden.

Die Geometrie des 141 wurde so konzipiert, dass sie dem Bike die Eigenschaften eines echten Allrounders verleiht und auch wenn die Geometrie noch immer progressiv ist, fällt sie im Vergleich zum 161 ein wenig konservativer aus

Das Privateer 141 auf dem Trail

Nach dem beeindruckenden Auftritt des 161 konnten wir es natürlich kaum erwarten, Privateers neues Trail-Bike zu testen. Als uns das Vorserienmodell erreichte, verliebten wir uns auf der Stelle in die pistaziengrüne Lackierung und den modernen Look. Man kann ohne Zweifel behaupten, dass das Privateer 141 wie eine absolute Trail-Rakete aussieht, daher bauten wir es sofort auf und nahmen es mit auf die Trails!

Als wir den ersten Anstieg des Tages hinauf pedalierten, waren wir angenehm überrascht von der Sitzposition auf dem 141. Der Sitzwinkel ist mit seinen 78,7° zwar zweifellos steil, aber in unseren Augen trifft er die perfekte Balance zwischen einer komfortablen Sitzposition und der für viele zu krassen Position auf dem 161 mit seinem 80° steilen Sitzrohr. Wie auch beim 161 bietet der Hinterbau des 141 guten Support und ist äußerst effektiv zu Pedalieren. Zudem hält er das Wippen auf einem absoluten Minimum. Auch wenn es mit 14,9 kg gewiss nicht das leichteste Trail-Bike ist, beschleunigt das 141 gut und sprintet straff und zackig voran.

Der Sitzwinkel des Privateer 141 ist mit 78,7° steiler als üblich, doch er fällt genau richtig aus und verleiht eine komfortable und moderne Sitzposition

Wagt man sich mit dem 141 in flowiges Trail-Center-Terrain, dann erwacht es so richtig zum Leben und fetzt durch schnelle Anlieger wie ein Porsche 911 über eine kurvenreiche Landstraße. Es fühlt sich einfach überragend an! Der Horst-Link-Hinterbau des Privateer wird vom FOX DPX2 Performance Elite-Dämpfer in Zaum gehalten, liefert massenhaft Support im mittleren Federwegsbereich und eimerweise Pop, sodass ihr euch auch aus den engsten Anliegern herauskatapultieren könnt und auf jedem Trail neue Doubles (oder sogar Triples) findet. Völlig egal, wie hart ihr eine Kurve hinein hämmert – der Hinterbau des 141 hat stets genug Support übrig und ist allzeit bereit, euch wie eine Rakete aus jeder Kompression zu feuern.

Unerhört spaßig – das Privateer 141 verspeist Schnelle Flow-Trails zum Frühstück
Das 141 geht spielerisch in die Luft und erlaubt es euch so, neue Gaps zu entdecken und an jeder Kante abzuziehen
Trotz seines kurzen Federwegs verfügt das 141 selbst in den härtesten Kurven über genug Reserven

Beeindruckt von der Dominanz des 141 im Trail-Center waren wir natürlich umso neugieriger, wie sich das Bike jenseits der bekannten Pfade auf härteren Trails schlagen würde. Und wir hatten wirklich damit zu kämpfen, einen Trail zu finden, der die Fähigkeiten des 141 wirklich übersteigt. Ab einem bestimmten Level an Grobheit erfordert das 141 zwar einiges an Einsatz, um die Linie zu halten. Sein Support-reicher Hinterbau macht einen fantastischen Job darin, Grip zu liefern, gibt dem Fahrer jedoch ein hohes Maß an Feedback, statt ihm vom Trail zu isolieren. Dieser Wesenszug ist für erfahrene Biker zwar spitze, doch einige dürften das herausfordernde Fahrgefühl des 141 ein wenig anstrengend finden, vor allem auf ruppigen Trails.

Wenngleich die Geometrie des Privateer mehr als in der Lage dazu ist, es mit jedem vorstellbaren Trail aufzunehmen, kommt der straffe Federweg am Heck mit seinen 141 mm irgendwann an seine Grenzen. Wir haben es geschafft, das 141 bei einigen wirklich bösen Schlägen zu herben Durchschlägen zu bewegen. Doch zu dessen Verteidigung sollte erwähnt werden, dass wir dabei auf Strecken unterwegs waren und Gaps sprangen, die normalerweise für Enduro-Schlachtschiffe mit 170 mm Federweg reserviert sind.

Das Limit der flachen Geometrie des 141 konnten wir nie erreichen. Stattdessen ist es der geringe Federweg, der im sehr anspruchsvollen Terrain den limitierenden Faktor darstellt.

Auf den Trail lassen sich kaum Schwächen an der robusten Ausstattung des Privateer 141 feststellen. Das Fahrwerk ist stimmig, die Bremsen sind kraftvoll genug, um es mit der Temposucht des 141 aufzunehmen und die sonstigen Komponenten (wie etwa die 180 mm lange OneUp V2-Teleskopstütze) sind durch die Bank weg super durchdacht.

Fazit

Also für wen ist das Privateer 141 gemacht? Ist es eine lohnende Erweiterung für Privateers Lineup? Und wird es seinem Hype gerecht? Wenn ihr auf der Suche nach einem agilen, direkten Alleskönner-Trail-Bike seit, das eine durchdachte Ausstattung und einem super spaßigen Handling zu einem attraktiven Preis vereint, dann sollte das Privateer 141 weit oben auf eurer Liste stehen! Es macht auf Flowtrails unglaublich viel Spaß und nimmt es auch mit anspruchsvollen Trails auf. Allerdings braucht es hier einen beherzten Fahrstil. Wer ein gutmütiges und einfach zu fahrendes Trail-Bike sucht das auch mit wenig Input viel Fahrspaß liefert wird hier ebenso wenig fündig, wie Gewichts-Fetischisten auf der Suche nach einer XC-Rakete.

Stärken

  • flache Geometrie macht das Rad sehr potent
  • durchdachte Ausstattung zu einem fantastischen Preis
  • super vielseitig und spaßig auf allen Trails

Schwächen

  • mit 14,9 kg (Größe P3) nicht gerade ein Leichtgewicht

Mehr Infos gibt’s auf privateerbikes.com

Text & Fotos: Finlay Anderson

Über den Autor

Finlay Anderson

Finlay ist nicht nur im Beruf, sondern auch auf dem Bike ein Überflieger. Der Jüngste im Team lässt es auf dem Bike gerne so richtig krachen. Finlay war nicht weit von einer professionellen Rennsportkarriere entfernt, hat sich dann jedoch für einen „vernünftigen“ Job entschieden: Als Redakteur Bikes testen, fotografieren und texten – all das macht er auf höchstem Niveau und hat sich schnell zum festen Bestandteil unseres internationalen Teams entwickelt. Wenn er gerade nicht auf dem Bike sitzt, dröhnt das Mountain Reggae Radio aus seinen Boxen oder er cruist mit dem Skateboard durch die Straßen.