Northwave wurde in der kleinen norditalienischen Stadt Montebelluna gegründet, die auch als Stadt der Skistiefel bekannt ist. Das Thema Passform hat man dort also in den Genen.
Für ausgedehnte MTB-Abenteuer ist gerade diese Passform wichtig, genauso aber wünschen wir uns Schutz, Support und Grip beim Laufen, gute Belüftung und einfaches Handling für einen Schuh im Enduro-Segment.

Genau das will Northwave mit dem Enduro Mid 2-Clipless-MTB-Schuh bieten. Dabei haben die schnelle Verstellbarkeit, der sehr gute Schutz und die Sohle mit Reifenprofil unsere Neugier geweckt. Ob der italienische Mid-Cut-Schuh auf langen Trail-Tagen ebenso überzeugt wie in ruppigen Abfahrten, haben wir im Praxistest herausgefunden.
Details zum Northwave Enduro Mid 2-Clippless-MTB-Schuh
Mit einem Preis von 179,99 € liegt der Northwave schon eher hoch für einen Schuh ohne Membran, macht dabei aber einen sehr wertigen Eindruck und ist gerechtfertigt, wenn er einige Jahre durchhält, ohne dass Klebungen sich lösen oder Nähte aufgehen (von welchen er nur wenige hat). Neben der Farbe Schwarz für die Freunde des Understatements wird der Schuh auch in Forest Green angeboten und ist dann immer noch angenehm dezent, aber mit gelber Schrift und Sohlenteilen etwas poppiger. Angebotene Größen sind 38 bis 48. Das Gewicht von 1.207 g pro Paar in Größe 47 ist vergleichsweise hoch und entspricht dem soliden Eindruck des Schuhs.
Eines der Highlights sind der hauseigene SLW3-Drehknopf-Verschluß sowie der integrierte Klettriemen. Ein besonderes Feature ist zudem das schrittweise Lösen des Verschlusses, um nach der Abfahrt die Füße wieder etwas schonen zu können. Die Michelin X-Fire-Sohle hat kräftige Stollen an der Schuhspitze sowie der Ferse und ein feines Profil im Pedal-Kontaktbereich. Damit verspricht sie guten Grip auf Waldboden und Fels aber auch auf dem Pedal, wenn man noch nicht eingeklickt ist. Auf der Innenseite des Enduro Mid 2 schützt ein dickes hochgezogenes Polter die Knöchel vor hartem Kontakt mit den Kurbeln. Die Zehen werden durch eine robuste Kappe an der Schuhspitze vor Bodenkontakt und Steinen geschützt. Dazwischen gibt es im Obermaterial viel Perforation, was eine gute Belüftung verspricht.


Der Northwave Enduro Mid 2-Clippless-MTB-Schuh im Test
Nach dem Anziehen gefällt die Passform, die zu den eher schlanken Füßen unseres Testers Ingo passt. Die Größenangabe ist bei 47 ca. eine halbe Größe zu groß, der Schuh macht zumindest gleich nach dem Anziehen einen etwas kleineren Eindruck, dann nämlich haben die Fußzehen weniger Luft in der Schuhspitze als bei anderen Schuhen der gleichen Größe.
Der XLW3-Drehverschluss macht Schnüren des vorderen Bereichs zum Kinderspiel, auch mit Handschuhen. Das ist super zum Nachspannen während der Tour und geht sogar beim Fahren. Das Nachspannen ist auch nötig, da das teils dicke Polstermaterial mit Erwärmung durch den Fuß und über die Zeit etwas nachgibt und der Schuh dann lockerer sitzt. Lediglich die Platzierung des Öffners auf der Oberseite ist nicht ideal zum Nachspannen, da dort der Daumen aufgelegt wird und der Öffner damit ein gutes Umgreifen des Drehrades behindert. Eine Platzierung auf der Vorderseite wäre geschickter, auch wenn man dann zum Öffnen etwas tiefer greifen müsste. Um den Verschluss komplett zu öffnen, zieht man den Öffner. Ein starkes Feature ist das stufenweise Öffnen, für das man den Öffner mehrfach drückt.
Der Klettriemen zur Fixierung des hinteren Bereichs ist im Prinzip super, nur erfordert der recht dicke und damit starre Riemen ordentlich Kraft, um im 180° gebogenen Zustand durch die Öse gezogen zu werden. Die Sohle des Northwave Enduro Mid 2 ist sehr sehr steif, schon fast Rennschuh-Niveau. Zum Fahren ist das top, zum Laufen gibt es allerdings bessere Kompromisse. Stark sind auch die Schutzwirkung der sehr steifen Zehenkappe und der wirklich funktionelle Knöchelschutz, der schmerzhafte Kontakte mit der Kurbel vermeidet, was insbesondere auf ruppigen Trails und an rutschigen Tagen häufiger vorkommt.
Schutz vor großen Wassermengen bietet der Schuh aufgrund des gelochten Obermaterials dagegen nicht, ist damit aber auch für Sommertage ausreichend gut belüftet. Klimatisch ist er von Frühjahr bis Herbst eine gute Wahl, unter 5 °C sind warme Socken anzuraten.
Der Northwave Enduro Mid 2-Schuh auf dem Trail
Bei Verwendung mit Clickpedalen mit Plattform ist uns aufgefallen, dass die Schuhplatte sehr tief im Profil sitzt und dadurch das Einklicken erschwert werden kann. Der Cleat-Kanal ist ca. 1–2 mm tiefer als z. B. bei einem Shimano-Schuh. Mit Distanzplatten kann das Problem gelöst werden. Diese sind von Shimano separat erhältlich oder bei Crankbrothers bei allen Cleats dabei. Clickpedale ohne Plattform waren hier unauffällig. Für meinen Geschmack war der Cleat-Kanal zur Schuhspitze hin etwas kurz ausgeführt, sodass beim Einklicken von hinten das Sohlenprofil gerne mal am vorderen Rasthaken der SPD-Pedale hing und der Schuh eben nicht einfach nach vorn gerutscht ist.
Das Sohlenprofil mit Michelin-Gummi ist ansonsten sehr gelungen, mit einem fein profilierten Bereich in der Mitte, der für einen homogenen Kontakt mit größeren Pedalkörpern wie dem Crankbrothers Mallet sorgt. Grobe Stollen vorne und hinten sorgen dagegen beim Laufen und Klettern am Hang für guten Halt. Zum Schluss noch unsere Einschätzung zum Thema Reinigung: Die funktioniert deutlich einfacher als mit Schnürsenkeln, weil Schmutz vom Zugseil des Drehverschlusses einfacher zu entfernen ist.
Fazit zum Northwave Enduro Mid 2-Schuh
Der Northwave Enduro Mid 2 ist ein bequemer und sehr sicherer Schuh mit durchdachtem Sohlenprofil und race-tauglicher Sohlensteifigkeit. Sein Verschluss ist in Summe gut bedienbar und erlaubt ein schnelles Nachspannen und stufenweises Lösen. Seine Optik ist ansprechend, wenngleich sie mit den hervorstehenden Seitenstollen und dem präsenten Drehverschluss auch recht technisch wirkt. Der Preis von 179,99 € ist selbstbewusst, wird aber durch die starke Gesamtperformance, die hochwertige Verarbeitung und den hohen Tragekomfort untermauert.
Tops
- komfortabler Schuh für lange Enduro-Tage
- Verschlusssystem schnell nachzuspannen auch während der Fahrt
- guter Schutz von Zehen und Knöchel
- Sohlenprofil gut durchdacht und funktionell
Flops
- Sohle zum Laufen etwas steif
- Drehverschluss ist beim festen Schließen etwas im Weg
- tiefer Cleat-Kanal, bei Pedalen mit Plattform sind Abstandsplatten erforderlich
- relativ schwer (ca. 200 g mehr als z. B. ein Paar Shimanos)
Mehr Infos findet ihr unter northwave.com.
Tester: Ingo Karb
Einsatzbereich: MTB, E-MTB
Testdauer: 6 Monate
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Text: Ingo Karb Fotos: Peter Walker
