Trotz lediglich 130 mm Federweg war das Nukeproof Reactor 290C RS in diesem Vergleichstest bergab eines der potentesten Bikes. Seine Ausstattung lässt keinerlei Zweifel aufkommen, die Geometrie trifft zielsicher ins Schwarze – aber wenn das Rad so toll ist, warum ist es dann nicht Testsieger geworden?

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Trail-Bike im Test

Nukeproof Reactor 290 | 29″ | 150/130 mm | 14,60 kg | 5.399 € | Hersteller-Website

Die Bikes von Nukeproof machen bei jedem unserer Vergleichstests eine sehr gute Figur und auch das brandneue Reactor weiß schon im Stand zu gefallen. Anders als beim Enduro-Modell Mega passt beim neuen Reactor ein Flaschenhalter ins Rahmendreieck. Nukeproof bietet das Reactor sowohl mit 27,5”- als auch mit 29″-Laufrädern an. Wir haben für den Test die RS-Version mit großen Laufrädern erhalten. Dieses Bike besitzt 10 mm mehr Federweg in Front und eine besonders robuste Ausstattung, so kommt unter anderem eine Lyrik Ultimate zum Einsatz – leider mit RCT3 und nicht mit RC2-Kartusche. Kraftvolle SRAM CODE RSC-Bremsen und die robuste MAXXIS ASSEGAI/Minion DHR II-Kombi unterstreichen den Fokus auf Abfahrtsperformance. Richtig gut gefallen hat uns am Reactor auch das hauseigene Horizon-Cockpit, das sowohl optisch als auch mit seinen Abmessungen überzeugen konnte. Kritik ernteten im Testverlauf nur die Mavic Deemax DH-Laufräder. Sie sind zwar robust und zuverlässig, kosten das Bike aber viel Spritzigkeit im Antritt. Den Hinterbau des Reactor hat Nukeproof so konzipiert, dass er möglichst sensibel anspricht, gleichzeitig aber möglichst viel Gegenhalt besitzt. Dafür wurde unter anderem der Anti-Squat etwas niedriger ausgelegt.

Nukeproof Reactor 290

5.399 €

Ausstattung

Federgabel RockShox Lyrik Ultimate RCT3
Dämpfer RockShox Super Deluxe Ultimate RCT
Sattelstütze RockShox Reverb 175 mm
Bremsen SRAM CODE RSC 200/180 mm
Schaltung SRAM X01 Eagle 30/10-50
Vorbau Nukeproof Horizon 50
Lenker Nukproof Horizon Carbon 800 mm
Laufradsatz Mavic Deemax DH
Reifen MAXXIS Assegai/Minion DHR II EXO+ 2,5/2,4

Technische Daten

Größe M L XL
Gewicht 14,6 kg
Laufradgröße 29"
Federweg (v/h) 150/130 mm

Warum?
Das RS-Modell des Reactor ist mit extra robusten Parts voll auf Abfahrtsspaß getrimmt. Da muss man sich fragen, warum Nukeproof statt einer Lyrik Ultimate RC2 ein RCT3-Modell ohne einstellbare Highspeed-Druckstufe verbaut. Niemand braucht die drei Trail-Modi!
Viel Drop
Nukeproof stattet das Reactor in Größe Large mit einer 170 mm langen Sattelstütze aus. Das schafft viel Bewegungsspielraum und sorgt so für Fahrspaß und Sicherheit.
Hochwertig und edel
Häufig fallen hauseigene Komponenten von Bike-Herstellern billig und lieblos aus. Nicht so das Horizon-Cockpit am Reactor – wir würden uns den Vorbau und Lenker auch an andere Bikes montieren.
Endlich!
Darauf haben Nukeproof-Fans lange gewartet: einen Flaschenhalter im Rahmendreieck!
Trail oder Rail?
Wir haben uns beim Flip-Chip für die Rail-Einstellung entschieden. Auch so klettert das Reactor noch komfortabel, bietet bergab aber noch mehr Reserven. Top: Der Flip-Chip ist einfach zu verstellen. Flop: der Lackplatzer.
Massig Reserven
Trotz der überschaubaren 130 mm Federweg besitzt der Hinterbau des Reactor massig Reserven.

Die Geometrie des Nukeproof Reactor 290C RS

Über einen Flip-Chip kann die Geometrie des Nukeproof Reactor von der Trail- in die Rail-Position gebracht werden. Dann ist das Tretlager um 6 mm tiefer, der BB-Drop beträgt 36 mm, und der Lenk- und Sitzwinkel werden je um 0,5° abgeflacht auf 65° bzw. 74,6°. Typisch für Nukeproof, fallen die Kettenstreben mit 440 mm verhältnismäßig lang aus – doch das ist bei diesem Bike etwas Positives!

Das Nukeproof Reactor ist ein Mini-Enduro, das es trotz geringem Federweg mit den härtesten Trails aufnehmen kann!

Größe Medium Large Extra Large
Sattelrohr 420 mm 460 mm 510 mm
Oberrohr 611 mm 641 mm 676 mm
Steuerrohr 105 mm 110 mm 115 mm
Lenkwinkel 65° 65° 65°
Sitzwinkel 74,6° 74,6° 74,6°
Kettenstrebe 440 mm 440 mm 440 mm
BB Drop -36 mm -36 mm -36 mm
Radstand 1.209 mm 1.239 mm 1.275 mm
Reach 446 mm 475 mm 509 mm
Stack 618 mm 623 mm 629 mm

Das Reactor 290C im Test

Wir sind das Reactor bei unserem Test nahezu die ganze Zeit in der flachen Rail-Position am Flip-Chip gefahren. Trotz des flachen Sitzwinkels sitzt man zentral auf dem Bike. Ein Grund dafür ist das relativ gerade Sattelrohr, wodurch sich der Winkel bei zunehmendem Sattelauszug nicht übermäßig abflacht. Die Sitzposition ist genau richtig und ideal für lange Touren oder steile Anstiege. Tritt man kraftvoll in die Pedale, wippt das Heck trotz niedrigem Anti-Squat kaum, das Reactor sprintet aber dennoch nicht so willig nach vorn wie die besten Bikes im Test. Der Grund hierfür sind vermutlich die schweren Laufräder und das mit 14,6 kg insgesamt hohe Gewicht. In technischen Uphills überzeugt das Bike mit viel Traktion und einem einfachen Handling.

Balance ist King! Dank seines ausgewogenen Fahrverhaltens ist man auf dem Nukeproof Reactor immer Herr der Lage – das macht das Rad verdammt schnell bergab!

Die große Stunde des Nukeproof Reactor 290C RS schlägt, sobald man die 170 mm lange RockShox Reverb absenkt! Ab dem ersten Meter bergab fühlt man sich sicher und perfekt integriert zwischen den großen Laufrädern. Trotz lediglich 130 mm Federweg besitzt das Heck enorme Traktion und das Rad gleitet förmlich über die fiesesten Steinfelder und Wurzelteppiche hinweg. In Kurven fährt sich das Reactor absolut ausgewogen, einfach und präzise. Linie anvisieren, einlenken und durchziehen – so einfach geht’s! Dank der ausgewogenen Geometrie und dem guten Gegenhalt aus dem Fahrwerk steht man immer zentral und hat eine sehr gute Lastverteilung zwischen beiden Laufrädern. An Kanten und Wellen setzt das Rad den Input des Fahrers direkt und präzise um und sackt dabei nicht weg – das sorgt für guten Pop und ein spaßiges Handling.

Tuning-Tipp: leichtere Laufräder

Kleidung | Helm Smith Forefront | Brille Oakley Jawbreaker | Jersey Fasthouse Dropper MTB Jersey | Hose Giant Transfer MTB Shorts

Wie fährt sich das Nukeproof Reactor im Vergleich zur Konkurrenz?

In diesem Vergleichstest spielt das Nukeproof ganz vorne mit. Bergab besitzt es mehr Gegenhalt als das YT JEFFSY und fährt sich insgesamt etwas ausgewogener. Als Fahrer steht man auf dem Nukeproof zentraler, das JEFFSY fährt man stärker von hinten und driftet mehr in Kurven, wohingegen man sie mit dem Reactor durchrollt, als würde man an einer Leine gezogen. Im Uphill landet das Reactor aufgrund seines Gewichts leider im Mittelfeld. Zwar ist seine Sitzposition super und deutlich komfortabler als die des Radon oder des Cannondale. Mit der Performance des Ibis, Santa Cruz oder Trek kann es aber insgesamt nicht mithalten.

Fahreigenschaften

12

Uphill

1
  1. schwerfällig
  2. effizient

Agilität

2
  1. träge
  2. verspielt

Laufruhe

3
  1. nervös
  2. laufruhig

Handling

4
  1. fordernd
  2. gutmütig

Fahrwerk

5
  1. unsensibel
  2. feinfühlig

Fahrspass

6
  1. langweilig
  2. lebendig

Value for money

7
  1. schlecht
  2. sehr gut

Einsatzbereich

XC

8

Trail

9

Enduro

10

Downhill

11

Unser Fazit zum Nukeproof Reactor 290C RS

Das Nukeproof Reactor 290C RS ist ein grandioses Do-it-All-Bike. Es macht auf einfachen Trails viel Spaß, schreckt aber auch vor einem Enduro-Rennen nicht zurück. Highlights sind der klasse Hinterbau und das super ausgewogene Handling, wodurch es trotz lediglich 130 mm Federweg selbst härteste Trails problemlos meistert. Das hohe Gewicht der RS-Version kostet allerdings Spritzigkeit – wer es leichter will, greift besser zur Factory-Variante.

Stärken

  • fährt in Kurven wie auf Schienen
  • super Hinterbau
  • Rundum-Sorglos-Paket

Schwächen

  • nicht sehr spritzig im Antritt
  • RockShox Charger RCT3 statt RC2-Kartusche

Mehr Informationen findet ihr unter nukeproof.com

Das Testfeld

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Trail-Bike im Test

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Text & Fotos: Christoph Bayer

Über den Autor

Christoph Bayer

Abwechslung – das ist für Christoph das Wichtigste. Sowohl auf dem Bike als auch bei seiner Tätigkeit für ENDURO. Er kümmert sich federführend um das sechs Mal im Jahr erscheinende Magazin und ist dort gleichzeitig Fotograf und Redakteur. Auf dem Rad trifft man ihn vor allem im alpinen Terrain an, wo er neben flowigen Trails auch gerne mal eng verwinkelte oder verblockte Strecken in Angriff nimmt.