„Work less, ride more!“ Das war schon immer das Motto von OneUp Components und vor über sechs Jahren auch der Grund, weshalb sich Jon, Sam und Chris mit ihrer Firma selbstständig gemacht haben. Ob sie wirklich mehr auf dem Rad sitzen und wie es bei OneUp Components sonst so läuft, haben wir bei einem Besuch herausgefunden.

Genau für solche Momente haben Jon, Sam und Chris ihre Firma OneUp-Components gegründet. Aber schaffen sie es selbst noch oft genug aufs Bike?

Rückblende: Als wir die Jungs von OneUp Components vor etwas über vier Jahren das erste Mal besucht haben, war die Marke vor allem für ihre Upgrade-Kettenblätter bekannt. Mit ihnen ließ sich mehr Bandbreite aus einem 10- oder 11-fach-Antrieb kitzeln. Damals haben wir uns gefragt, was die Jungs wohl machen würden, wenn Shimano und SRAM einmal Schaltungen vorstellen, die ein Upgrade unnötig machen. Heute besitzt jedes Rad serienmäßig eine 12-fach-Schaltung und wir haben die Antwort auf unsere Frage: Jon, Sam und Chris entwickeln einfach die Produkte, auf die sie selbst am meisten Bock haben. Sei es das EDC-Tool, mit dem sich das wichtigste Werkzeug im Steuerrohr verstauen lässt, eine Sattelstütze mit enormem Verstellbereich zum fairen Preis oder ein Lenker mit angenehmem Flex für mehr Komfort und Kontrolle.

Real-World-Testing: Die Touren werden natürlich genutzt, um neue und bestehende Produkte zu testen.
Jon ist einer der drei Gründer von OneUp-Components.
Sam hat Bock! Trotz massig Nebel und kühler Temperaturen startet er im Tanktop – und packt auch ganz ohne Sonne die Waffen aus. #sunsoutgunsout
Ob ENDURO-Testfahrerin Toni zu diesem Zeitpunkt schon wusste, worauf sie sich eingelassen hat?

Eine Firmengeschichte wie aus dem Buch

Was hat OneUp-Components mit einem Independent-Musiklabel gemeinsam? Eigentlich nichts, doch wenn man sich das Buch „Anything you want – 40 Lessons for a New Kind of Entrepreneur“ von Derek Sivers durchliest, entdeckt man in seiner Geschichte unzählige Parallelen zur Geschichte von Jon, Sam und Chris. Derek hat die Plattform CD Baby eigentlich nur gegründet, um seine eigene CD zu vertreiben. Daraus ist heute ein Multimillionen-Dollar-Unternehmen geworden, mit dem er Independent-Musikern einen Vertriebskanal bietet. Doch das war nie seine Intention. Der Erfolg von Derek kam, weil er seine Kunden stets in den Mittelpunkt gestellt hat. Seine wichtigsten Ziele waren immer, sie glücklich zu machen und dabei seine Ideale nicht zu verraten. Einen Businessplan brauchte er dazu nicht, verrät er in seinem Buch. Ganz ähnlich ist es bei den Jungs von OneUp Components. Sie haben ihre Firma nicht gestartet, um möglichst schnell reich zu werden. Sondern um mehr Zeit zum Biken, für ihre Familien und ihre Freunde zu haben. Statt täglich nach Vancouver zu pendeln, wollten sie in Squamish leben und arbeiten.

Biken gehört für das Team von OneUp zum Job dazu. Jeden zweiten Freitag machen die Jungs frei und schwingen sich aufs Bike.
Steil ist geil! Jon weiß nicht nur, wie man Komponenten entwickelt, er fährt auch extrem gut Rad.

Wer wachsen will, muss loslassen

Als wir Chris, Sam und Jon das erste Mal besucht haben, gab es in ihrer Firma eine Regel: Jeden zweiten Freitag Nachmittag wird freigemacht. Dann ist Bike-Zeit und der Schreibtisch wird gegen den Trail getauscht. Doch klappt das auch, wenn eine Firma über die Jahre wächst? Wenn der Umsatz steigt und die Verpflichtungen zunehmen? Um es kurz zu machen: Ja, das tut es. Auch wenn die drei zugeben, dass es nicht immer leicht ist. Denn auch sie mussten erst lernen, auch mal loszulassen und Arbeit abzugeben. In den ersten Jahren herrschte bei OneUp totale Start-up-Atmosphäre. Jeder im Team hat sich um alles gekümmert. Die Jungs waren drei Ingenieure, die nebenbei noch Social Media und Marketing gemacht, Lieferketten aufgebaut und die Logistik verwaltet haben. Das ist nicht nur suboptimal, um eine Firma auf gesunde Beine zu stellen, sondern war für jeden Einzelnen auch sehr zeitintensiv. Und das Ziel war ja eigentlich, durch die Gründung der eigenen Firma mehr davon zu haben! Deshalb ist das Team von OneUp Components über die letzten Jahre auch ordentlich gewachsen. „Aktuell sind es 13 Mitarbeiter und es wird nicht mehr lange dauern, dann sind wir 15“, erzählt uns Sam. Die drei Gründer suchen für die Aufgaben, von denen sie wenig verstehen, die richtigen Experten und verstärken das Team gezielt in verschiedenen Bereichen. Allerdings gibt es für Bewerber eine Grundvoraussetzung: Es müssen passionierte Biker sein!

Die ersten Jahre haben die drei Gründer alles alleine gemacht. Nun unterstützen Leute wie Dennis (links) Sam (rechts) und Co. bei der Arbeit und das Team wächst kontinuierlich.

Nur ein kurzer Shuttle-Run …

Bei unserem ersten Besuch 2016 sind wir gemeinsam mit Jon, Chris und Sam die ganzen Squamish-Klassiker hinter dem Office gefahren. Legendäre Trails wie Angry Midget, Half Nelson oder 19th Hole. Diesmal hatten sich die Jungs etwas anderes einfallen lassen: Als wir morgens ins Office kamen, wurden die Bikes bereits auf zwei Pick-ups geladen. Ein paar letzte Handgriffe und kurz ein verbogenes Schaltauge gerichtet. Schnell noch eine Runde Kaffee und schon konnte es losgehen! Die ganze Zeit sprachen die drei von einem coolen Shuttle-Run. Dass wir trotz Uphill-Support am Ende eine richtig lange, harte Tour unternehmen würden, war zumindest uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar. Entsprechend klein waren unsere Trinkflaschen und auch Snacks hatten wir keine eingepackt. #trustthelocals

Abfahrt oder Uphill? Auf unserer Tour ging es jedenfalls etliche Male technisch bergauf.

Steil, steiler, Kanada

Was an diesem Tag folgte, war pures Trail-Gold made in Canada! Unglaublich fluffiger Waldboden, unfassbar schöne Felsformationen und Rock-Roller, die uns das Fürchten lehrten. Die Trails hatten starkes Gefälle, waren technisch und extrem anspruchsvoll. Manche Features waren so steil, so lang und so gefährlich, dass wir nicht im Traum daran gedacht hätten, sie zu fahren – unsere Mitfahrer Dennis, Corey und Jessie sahen das jedoch anders. Beide gehören zum wachsenden Team von OneUp Components. Statt wie erwartet mit dem Auto zum höchsten Punkt zu shutteln und dann in die Abfahrt zu starten, bestand unsere Tour aus mehreren Trails, zwischen denen es immer wieder bergauf ging. Die Uphills waren technisch und kräftezehrend. Irgendwann wurde uns klar, dass wir hier deutlich länger unterwegs sein würden als bei Tourstart gedacht. Der zu dem Zeitpunkt verbleibende Minirest Flüssigkeit in der Trinkflasche wurde maximal rationiert. Wer aber glaubt, wir hätten nur bergauf geschwitzt, der irrt: Auch die Trails bergab waren so verblockt, steil und technisch, dass der Puls permanent an die Schädeldecke hämmerte.

Bilder lügen eben doch! Es kommt nicht annähernd rüber, wie steil es war! Dicker Respekt an Dennis, der sich hier so runtergestürzt hat.

Genau das hat die Tour am Ende aber auch so grandios und die Eindrücke so unvergesslich gemacht. Noch heute ploppen bei jedem von uns immer wieder Bilder aus diesen Tagen im Kopf auf. Der Blick aufs Meer vom markanten Aussichtsfelsen, der Moment voll im Fokus, als es steil und ausgesetzt einen Rock-Roller herunterging, aber auch der verdammmt verlockende Anblick des kühlen Biers, das wir nach der Tour in der A-FRAME Brewery bestellt haben.

Die Belohnung nach der Tour – ein erstes Fat Tug IPA. Dank der Anstrengung des Tages ging das auch direkt in den Kopf.

Dort saßen wir zusammen, haben den Tag Revue passieren lassen und uns über die Zukunft von OneUp Components unterhalten. Wie soll es weitergehen? Träumen die Jungs nach ihrem Erfolg davon, die Firma schnell zu skalieren, um sie dann zu verkaufen? Nein. Jon, Sam und Chris haben noch immer die gleichen Ziele, für die sie OneUp einst gegründet haben: viel Biken gehen, Zeit mit der Familie verbringen und das tun, was ihnen selbst Spaß macht. Zieht man wieder die Parallele zum Musikgeschäft und zu Derek Sivers, ist genau dieses Selbstverständnis ihr Schlüssel zum Erfolg. Die drei entwickeln und produzieren Produkte nicht zur Gewinnmaximierung. Sie tun es, um eine bessere Zeit auf dem Bike zu haben. Sie schaffen Lösungen, auf die sie selbst Bock haben, und helfen so auch ihren Kunden. Obwohl heute keiner mehr das Ursprungsprodukt von OneUp Components – das Zusatzritzel – benötigt, geht es der Firma besser denn je.

Ein adäquates Ende für einen genialen Bike-Tag. Cheers!

Der Schlüssel zum Erfolg von OneUp Components liegt noch immer im Firmenmotto: „Work less, ride more!“ Denn diese Philosophie sorgt dafür, dass Jon, Sam und Chris die Bedürfnisse ihrer Kunden kennen, und erst dadurch können sie die passenden Lösungen für konkrete Probleme auf dem Trail finden. Es ist deshalb nicht nur eine Belohnung, viel auf dem Bike zu sitzen, sondern quasi ein unternehmerisches Muss! Wir sind gespannt, was den drei auf den Trails dieser Welt als Nächstes einfällt.

No more words needed! Wenn das Team von OneUp Components dieses Motto beibehält, ist es auch weiterhin erfolgreich – davon sind wir überzeugt.

Text & Fotos: Christoph Bayer

Über den Autor

Christoph Bayer

Wenn sich Arbeit nicht nach Arbeit anfühlt, dann hat man alles richtig gemacht – und das hat Christoph geschafft! Er liebt das Biken, ist ein Fan von Tech-Talk (zum Leid seiner Freundin Toni), hat super viel Spaß an der Fotografie und bereist gerne die Welt. Er ist fast seit Anfang an bei ENDURO dabei und als Chefredakteur dafür verantwortlich, dass ENDURO das progressivste und aufregendste Magazin der Branche ist. Natürlich schreibt er noch jede Menge Content selbst, testet knapp 100 Bikes im Jahr und sitzt nahezu täglich auf dem Rad. Die alpinen Trails rund um seinen Heimatort dienen dabei als perfektes Testgelände. Den klassischen Arbeitstag gibt es für ihn nicht, mal ist er im Office, mal mit dem Laptop im Garten oder er arbeitet direkt vom Van aus in den Top-Bikespots dieser Welt – für Christoph sind die Grenzen fließend und genau das weiß er so zu schätzen.