Wenn Fahrradmarken über Nachhaltigkeit, gesellschaftliche Verantwortung oder soziale Projekte sprechen, klingt das oft ähnlich. Ein neues Programm hier, eine Partnerschaft dort, ein paar Bilder auf Social Media und nach zwei Jahren spricht niemand mehr darüber.
Bei Orbea läuft das anders.
Denn die jetzt vorgestellte Orbea Foundation ist nicht der Anfang einer neuen Strategie. Sie ist vielmehr die offizielle Form von etwas, das das baskische Unternehmen bereits seit Jahrzehnten lebt, nur bisher ohne großes Tamtam.


Mehr Genossenschaft als Marketing
Wer Orbea kennt, weiß: Die Marke tickt anders als viele ihrer Mitbewerber. Seit der Umwandlung zur Genossenschaft in den 1970er-Jahren ist gesellschaftliches Engagement Teil der Unternehmens-DNA. Statt kurzfristiger Kampagnen entstanden über Jahrzehnte Kooperationen mit Sportvereinen, Bildungseinrichtungen, Forschungsinstituten und sozialen Organisationen. Nicht, weil es gerade gut ins Marketing passt, sondern weil es zum Selbstverständnis des Unternehmens gehört.
Genau deshalb wirkt die neue Foundation weniger wie ein Imageprojekt, sondern eher wie der nächste logische Schritt. Nicht, um sich neu zu erfinden. Sondern um dem, was ohnehin längst passiert, mehr Struktur und Reichweite zu geben.
Mehr als Trailbuilding: Warum die Wurzeln des Sports weit tiefer reichen
Auf den ersten Blick wirkt das Portfolio der Orbea Foundation ungewöhnlich breit. Neben Trailbau und Bike-Infrastruktur fördert sie Bildungseinrichtungen, technische Hochschulen, nachhaltige Mobilitätskonzepte, soziale Projekte und sogar den Erhalt regionaler Kultur. Doch genau darin steckt die eigentliche Idee, denn Mountainbiken beginnt nicht erst am Trailhead.
Der Sport lebt nicht allein von guten Bikes oder perfekt geshapten Trails. Er lebt von Menschen, die Zeit, Perspektiven und Zugang dazu haben. Von Regionen, in denen Natur geschützt und Wege erhalten werden. Von Bildung, die Innovation ermöglicht. Von Gemeinschaften, die Vereine gründen, Trails pflegen und ihr Wissen an die nächste Generation weitergeben. Wer täglich um seine Existenz kämpfen muss oder in einer Region ohne Perspektiven aufwächst, wird kaum zum nächsten begeisterten Biker werden.
Die Foundation investiert deshalb bewusst nicht nur in den Sport selbst, sondern in dessen Fundament. Das zeigt sich auch an den Projekten. Gemeinsam mit Olatu Berdeak, einer Initiative für nachhaltige Mobilität im Baskenland, entwickelt Orbea Konzepte für umweltfreundlichere Arbeitswege. Mit der Mondragon Goi Eskola Politeknikoa und dem IMH Campus, zwei Bildungs- und Forschungseinrichtungen, fördert die Stiftung technische Ausbildung, Innovation und Unternehmertum und investiert damit in die Fachkräfte, die die Fahrradindustrie von morgen prägen. Gleichzeitig unterstützt sie Organisationen wie Bizipoza, die Familien und Kinder durch Bildungs- und Freiwilligenprogramme stärkt, Lurgaia, eine Stiftung zum Schutz der Biodiversität, und arbeitet gemeinsam mit UNICEF an Projekten zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Kindern in Afrika.
Natürlich gehören auch klassische Bike-Projekte dazu. In den spanischen Pyrenäen unterstützt Orbea gemeinsam mit Zona Zero, einem der bekanntesten Trailnetzwerke in Spanien, den Aufbau und Erhalt von Trails, die nicht nur Mountainbiker anziehen, sondern auch den Tourismus und die lokale Wirtschaft stärken. In Kanada erleichtert die Initiative Peak Pursuits Kindern und Jugendlichen den Zugang zum Radsport, während Free-Hub Pisgah Area Sorba, eine US-amerikanische Trailorganisation, bestehende Trails und Naturräume erhält.
Eine Stiftung, die nicht nur Geld verteilt
Der Ansatz der Foundation selbst ist also: Sie soll nicht einfach Fördergelder vergeben, sondern eigene Projekte entwickeln und gleichzeitig Organisationen unterstützen, die ähnliche Werte vertreten. Dabei konzentriert sich Orbea auf fünf Bereiche:
- Nachhaltige Mobilität
- Sport und Gesundheit
- Bildung, wirtschaftliche Entwicklung und Genossenschaftswesen
- Soziale Gerechtigkeit
- Kultur- und Sporterbe
Weniger laut. Dafür konsequent.
In einer Branche, in der Nachhaltigkeit häufig vor allem über recycelte Materialien oder CO₂-Bilanzen diskutiert wird, setzt Orbea einen etwas anderen Schwerpunkt. Nicht das möglichst laute Erzählen steht im Mittelpunkt, sondern das langfristige Handeln.
Dass viele Mountainbiker von einem Großteil dieser Projekte bislang kaum etwas mitbekommen haben, dürfte fast der beste Beweis dafür sein. Die Foundation macht dieses Engagement jetzt erstmals sichtbar, ohne den Eindruck zu vermitteln, dass hier etwas völlig Neues entsteht. Denn eigentlich tut Orbea nur das, was die Marke schon seit Jahrzehnten macht. Jetzt bekommt es lediglich einen Namen.
Eine Übersicht aller Projekte und Initiativen der Orbea Foundation findet ihr auf der offiziellen Website.
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Text: Benedikt Schmidt Fotos: Orbea, Peter Walker, Eduardo Moreno
