Never change a winning team – nach diesem Prinzip wurde das Orbea Rallon nicht neu entwickelt, sondern im Detail verbessert. Eine neue Umlenkung entlockt dem Hinterbau mehr Performance und das Beste daran: Jeder kann das Upgrade nachrüsten. Doch wie fährt sich das Rallon M-LTD im Vergleich zur Konkurrenz?

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Enduro-Bike 2020

Orbea Rallon M-LTD | 170/160 mm | 14,04 kg | 7.381 €

Das Orbea Rallon ist ein Bike für Individualisten. Im eigenen Konfigurator kann man nämlich die Lackierung ganz nach den eigenen Vorlieben gestalten – und hat dabei mehrere Millionen Optionen, kostenlos! Doch auch mit den von Orbea vorkonfigurierten Farben sieht das Rallon richtig gut aus. Der asymmetrische Rahmen mit seinen definierten Kanten ist eine echte Augenweide. Außerdem kann man auch die Ausstattung des Bikes im Detail konfigurieren. Wir entschieden uns für die Top-Version, ersetzten aber die ENVE-Laufräder, die uns bei einem früheren Test zu steif waren durch einen Satz DT Swiss EX1501 Spline ONE, und sparten so satte 1.499 €. Außerdem entschieden wir uns für den FOX X2 Factory mit Luftfeder anstelle des DHX2-Stahlfederdämpfers. Preislich liegt das Rallon so bei 7.381 € – fair, für die Tatsache, dass man das Bike komplett selbst gestalten kann und die Ausstattung auch sonst keine Wünsche offen lässt. So sind am Rallon M-LTD eine FOX 36 FLOAT Factory GRIP2-Federgabel mit 170 mm Federweg und eine Shimano XTR-Gruppe mit Race Face Next R-Kurbel verbaut. Durch das relativ kurze Sitzrohr kann man in der Regel zwischen zwei Rahmengrößen wählen. Wir haben für unseren Test das Bike in Größe L erhalten (unsere Tester sind ca. 180 cm groß), sind es aber in der Vergangenheit bereits in XL gefahren – das war unseren Testern allerdings minimal zu groß.

Flip-Chip
Das Orbea Rallon besitzt einen Flip-Chip, mit dem man zwischen Low und Lower wählen kann. Während wir beim XL-Modell viel in der Lower-Position gefahren sind, wählten wir beim L die Position Low, vor allem, um den Reach nicht noch weiter zu verkürzen.
Nervig
Wie bereits in der Vergangenheit kam es bei unserem Test-Bike zu klappernden Zügen. Laut Orbea sollen sie normalerweise in Schaumstoffhüllen geführt werden, das funktionierte aber nicht zufriedenstellend.
Zu kurz
Der Kettenstrebenschutz ist zu kurz ausgefallen. Zwar wird der Rahmen vorne von einer Folie geschützt, eleganter wäre es aber, wenn der Kunststoffschutz einfach länger wäre und so auch das Kettenklappern besser dämpfen würde.

Orbea Rallon M-LTD

7.381 €

Ausstattung

Federgabel FOX 36 Factory GRIP2 170 mm
Dämpfer FOX FLOAT X2 Factory 160 mm
Sattelstütze Crank Brothers Highline 170 mm
Bremsen Shimano XTR 4-Kolben 200/180 mm
Schaltung Shimano XTR M9100 32 - 10/51
Vorbau Race Face Turbine R 35 40 mm
Lenker Race Face Next R 35 Carbon 800 mm
Laufradsatz DT Swiss EX1501 Spline 29

Technische Daten

Größe SM, L, XL
Gewicht 14,04 kg


Praktisch
Die von Orbea eigens angefertigte Tasche bietet genug Platz für einen Schlauch. Sie wird sicher am Rahmen fixiert und ist eine deutlich schickere Alternative zum sonst verwendeten Tape.
Spürbares Performance-Upgrade
Orbea hat dem Rallon mithilfe eines neuen Umlenkhebels ein Plus an Federweg und eine optimierte Kennlinie spendiert. Die 160 mm fühlen sich nun deutlich feinfühliger an als die 150 mm des bisherigen Bikes. Für 249 € kann jeder den Rallon Link an seinem Bike nachrüsten.

Geometrie und Größe des Orbea

Beim Orbea Rallon M-LTD hat man als Fahrer mit rund 180 cm Körpergröße die Wahl – entweder man greift zum verspielten Rad in Größe Large oder zur laufruhigeren Variante in XL. Möglich macht das das kurze Sitzrohr. Größeren Fahrern dagegen fehlt es im Line-up an einer längeren Version: Bei XL ist Schluss. Die Geometrie selbst ist ausgewogen und ein Flip-Chip ermöglicht die Verstellung des Lenk- und Sitzwinkels sowie der Tretlagerhöhe.

Größe SM L XL
Sattelrohr 406 mm 444 mm 483 mm
Oberrohr 583 mm 611 mm 644 mm
Steuerrohr 100 mm 110 mm 125 mm
Lenkwinkel 65/64,5° 65/64,5° 65/64,5°
Sitzwinkel 76/75° 76/75° 76/75°
Kettenstrebe 435 mm 435 mm 435 mm
Tretlagerabsenkung 25/32 mm 25/32 mm 25/32 mm
Radstand 1.187 mm 1.217 mm 1.253 mm
Reach 430 mm 455 mm 485 mm
Stack 618 mm 627 mm 640 mm
Helm 100% Trajecta | Goggle 100% Armega | Shirt Fasthouse Dropper MTB | Shorts Fox Ranger | Knieschoner Fox Launch Pro

Das Orbea Rallon M-LTD im Test

Die Sitzposition auf dem Orbea ist kompakt, aber super komfortabel. Mit einer Körpergröße von 180 cm sitzt man sehr zentral und aufrecht auf dem Rallon. Bergauf klettert es ausgesprochen willig und beschleunigt auch im Antritt spritzig. Wer gern lange Touren unternimmt, wird hier definitiv happy. Bei bisherigen Tests bot das Fahrwerk des Rallon immer Raum für Kritik. Mit dem Stahlfeder-Dämpfer war das Heck zu linear und verhärtete bei schnellen harten Schlägen, mit dem Luft-Dämpfer war das Rad insgesamt zu straff. Das ändert sich mit dem neuen Rallon Link! Dank ihm überzeugt das Rallon nun mit einem guten Mix aus feinem Ansprechverhalten, guter Traktion und viel Support. Es ist zwar nicht so satt wie die besten im Test, punktet dafür aber mit sehr gutem Gegenhalt beim Pushen.

Mit dem neuen Umlenkhebel kitzelt Orbea ein echtes Plus an Performance aus dem Rad – der Hinterbau arbeitet spürbar feinfühliger und bietet mehr Reserven.

Durch den sehr kurzen Reach von 455 mm in Größe Large fährt sich das Rallon wirklich direkt und super agil. Wer zwischen zwei Kurven gern noch eine dritte fährt, findet mit dem Rallon M-LTD den perfekten Begleiter. Dank dem kurzen Rahmen hat man auch stets genug Grip am Vorderrad, wodurch sich das Bike sehr einfach fahren lässt. Wer es aber gern richtig laufen lässt, sollte definitiv besser zu einer Rahmengröße größer greifen. Auf dem kompakten Rad ist nämlich viel Körperspannung nötig, um den eigenen Schwerpunkt im steilen, verblockten Terrain immer optimal zu positionieren. Trotz des Verzichts auf die Carbon-Laufräder ist das Rallon noch immer sehr steif, wodurch man angepeilte Linien zwar perfekt trifft, aber Kraft braucht, um sie dann auch zu halten.

Das Orbea Rallon ist ein top Allrounder, der aber in richtig anspruchsvollem Terrain an seine Grenzen kommt.

Wie fährt sich das Orbea Rallon im Vergleich zur Konkurrenz?

Das Orbea Rallon M-LTD ist eines der agilsten Bikes im Test. Es ähnelt stark dem Trek Slash, klettert aber williger bergauf und bietet bergab noch etwas mehr Traktion. Es gehört definitiv eher in die Klasse der Trail-lastigen Enduro-Bikes und kann bei Highspeed im verblockten Gelände nicht mit Rädern wie dem Nukeproof Mega 290C oder dem Specialized Enduro mithalten – bietet dafür aber auch ein deutliches Plus an Agilität.

Tuning Tipp: Züge besser im Rahmen fixieren | weniger steifen Lenker montieren

Fahreigenschaften

12

Uphill

1
  1. schwerfällig
  2. effizient

Agilität

2
  1. träge
  2. verspielt

Laufruhe

3
  1. nervös
  2. laufruhig

Handling

4
  1. fordernd
  2. gutmütig

Fahrwerk

5
  1. unsensibel
  2. feinfühlig

Fahrspass

6
  1. langweilig
  2. lebendig

Value for money

7
  1. schlecht
  2. sehr gut

Einsatzbereich

XC

8

Trail

9

Enduro

10

Downhill

11

Fazit

Das Orbea Rallon M-LTD punktet mit seinem direkten, agilen und ausgewogenen Handling und der super schicken Optik. Es klettert exzellent bergauf und bietet dank dem überarbeiteten Fahrwerk bergab mehr Reserven als sein Vorgänger. Wer zwischen zwei Rahmengrößen steht, sollte sich gut überlegen, ob er ein verspieltes (kleinere Größe) oder eher ein laufruhiges Bike (größerer Rahmen) möchte. Details wie die klappernden Züge und das sehr steife Heck trüben etwas das Gesamteindruck.

Stärken

  • super komfortabel bergauf
  • berechenbar und gutmütig in Kurven
  • viele Konfigurationsmöglichkeiten

Schwächen

  • bei Highspeed wenig laufruhig
  • klappernde Züge im Rahmen

Mehr Informationen zum Orbea Rallon M-LTD findet ihr auf orbea.com

Das Testfeld

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Enduro-Bike 2020

Alle Bikes im Test: Canyon Strive CFR 9.0 LTD | CUBE Stereo 170 SL 29 | Giant Reign Advanced 29 0 | Ibis Mojo HD5 | Norco Sight C1 29 | Nukeproof Mega 275C RS | Nukeproof Mega 290C Pro | Orbea Rallon M-LTD | Pole Stamina 180 LE | RAAW Madonna V2 FOX Factory Built | Rocky Mountain Slayer Carbon 90 29 | Santa Cruz Megatower CC X01 Reserve | SCOTT Ransom 900 Tuned | Specialized S-Works Enduro 2020 | Specialized Turbo Kenevo Expert | Trek Slash 9.9 X01 AXS | Yeti SB150 T2 | YT CAPRA 29 CF Pro Race

Text: Christoph Bayer Fotos: Christoph Bayer / Finlay Anderson / Markus Frühmann

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Über den Autor

Christoph Bayer

Abwechslung – das ist für Christoph das Wichtigste. Sowohl auf dem Bike als auch bei seiner Tätigkeit für ENDURO. Er kümmert sich federführend um das sechs Mal im Jahr erscheinende Magazin und ist dort gleichzeitig Fotograf und Redakteur. Auf dem Rad trifft man ihn vor allem im alpinen Terrain an, wo er neben flowigen Trails auch gerne mal eng verwinkelte oder verblockte Strecken in Angriff nimmt.