
ca. 22 kg in Größe L | 13.499 € | Hersteller-Website
Wer die Entwicklung von Orbea in den vergangenen Jahren verfolgt hat, erkennt schnell ein Muster: Die Basken folgen selten dem Mainstream. Statt Trends hinterherzulaufen, verfolgen sie konsequent ihre eigene Vision. Das hat dem Orbea WILD nicht nur zwei Jahre in Folge den Testsieg in unserem großen E-Mountainbike-Vergleichstest eingebracht, sondern dem Bike auch eine große Fangemeinde beschert.
Mit dem neuen WILD LT schlagen die Basken nun das nächste Kapitel auf. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur der softwareseitig von Orbea angepasste Avinox M2S RS-Motor, sondern vor allem die Idee eines stärker vernetzten E-MTBs. Motor, Fahrwerk, Schaltung, Dropper und weitere elektronische Komponenten sollen nicht länger unabhängig voneinander arbeiten, sondern Teil eines gemeinsamen Systems werden.
We don’t accept the standard.
-Orbea
Damit überträgt Orbea die RS-Philosophie, die bereits das Rise und zuletzt das Rallon RS geprägt hat, auch auf ihr Full-Power-E-MTB. Das Ziel: Nicht die besten Einzelkomponenten, sondern ein Bike, das sich als geschlossenes Gesamtpaket anfühlt. Ein Ansatz, der neugierig macht.
Abseits der technischen Besonderheiten setzt das neue WILD LT auf bewährte Zutaten: Vollcarbon-Rahmen, 170/170 mm Federweg vorne wie hinten und die Wahl zwischen Mullet- und Full-29″-Setup. Über den umfangreichen MyO-Konfigurator lässt sich das Bike in vielen Punkten wie Fahrwerk, Bremsen, Reifen, Laufräder etc. an die eigenen Vorlieben anpassen und ihr könnt sogar individuelle Lackierungen auswählen.
Für das neue WILD LT ruft Orbea allerdings auch selbstbewusste Preise auf. Das Topmodell mit elektronischem Fahrwerk schlägt mit 13.499 € zu Buche. Dafür bringt es lediglich ca. 22 kg in Größe L auf die Waage und liegt damit auf der leichteren Seite aktueller Full-Power-Bikes. Wir haben das neue Orbea WILD LT rund um Benasque in den spanischen Pyrenäen getestet und verraten euch, ob das Konzept auf dem Trail überzeugen kann.
Welche Detaillösungen hat das neue Orbea WILD LT 2027?
Auf den ersten Blick könnte man das neue WILD LT fast mit dem analogen Rallon oder dem Rallon RS verwechseln. Die schlanke Silhouette, die Strebe zwischen Unter- und Sitzrohr und die kantige Formsprache verleihen dem Full-Power-E-MTB eine überraschend elegante Erscheinung. Trotz Akku im Unterrohr und kräftiger Drive Unit wirkt das WILD weder wuchtig noch überladen. Stattdessen fügt es sich sauber in Orbeas aktuelle Designsprache ein und ist gut proportioniert. Die lilafarbene Lackierung unseres Testbikes steht dem neuen WILD dabei hervorragend. Wer es lieber dezenter oder noch auffälliger mag, kann sich im hauseigenen MyO-Konfigurator farblich und ausstattungstechnisch komplett austoben.
Doch nicht nur optisch hinterlässt das WILD LT einen durchdachten Eindruck. Das robuste Motorcover wird von einem weit nach oben gezogenen Protektor ergänzt, der den Carbonrahmen zuverlässig vor Steinschlägen schützt. Das montierte Shuttle Guard beugt unschönen Kratzern beim Verladen auf die Heckklappe eines Pick-ups vor, während der Gummischutz zwischen Hauptrahmen und Hinterbau verhindert, dass sich dort Steine und Schmutz festsetzen.
Für Ruhe auf dem Trail sorgt der großflächige Kettenstrebenschutz, der sich bis in den Bereich der Sitzstrebe zieht und in Kombination mit der serienmäßig montierten Kettenführung Kettenschlagen effektiv verhindert. Die Leitungen am neuen Orbea WILD LT 2027 lassen sich entweder clean und direkt durch den Steuersatz verlegen oder, wartungsfreundlicher, über klassische geschraubte Cable Ports in den Rahmen führen.



Im Rocker Link versteckt sich außerdem ein magnetisch befestigtes FLP-Multitool mit 2-, 3-, 4- und 5-mm-Inbusschlüsseln. Ergänzt wird es durch einen 6-mm-Inbus in der Hinterradachse, was für viele Reparaturen auf dem Trail bereits ausreicht. Ganz perfekt ist die Lösung allerdings nicht: Es fehlt ein Torx 25, der vor allem für Bremsscheiben oder Komponenten am Cockpit häufig benötigt wird.
Dafür punktet das WILD LT an anderer Stelle mit viel Liebe zum Detail. So sind die empfohlenen Drehmomente direkt an den jeweiligen Schrauben aufgedruckt. Ein kleines Detail, das im Werkstattalltag jedoch äußerst hilfreich ist.
Der Avinox M2S RS-Motor im Orbea WILD LT 2027
Mit dem WILD LT setzt Orbea erstmals auf das Avinox M2S-Motorsystem, bei dem laut der Basken weniger die Leistungswerte als vielmehr die kompakten Abmessungen und die Integrationsmöglichkeiten des Systems ausschlaggebend waren.
Was hat Orbea am Avinox-System verändert?
Den RS-Zusatz auf dem Motorgehäuse verpasst Orbea der Avinox M2S-Drive-Unit, die von den Basken per Software gezielt an die Anforderungen des WILD LT angepasst wurde. Die Hardware ist dabei unverändert geblieben. Im Fokus stand dabei vor allem die Reaktionsgeschwindigkeit. Nach Aussage der Entwickler reagierte das serienmäßige Avinox-System für die gewünschte Trail-Performance zu träge. Der Hintergrund: Um Leistungen von bis zu 1.300 Watt kontrollierbar bereitzustellen, muss die Leistung vergleichsweise progressiv aufgebaut werden.
Orbea hat sich deshalb für einen anderen Ansatz entschieden. Die maximale Leistung in den regulären Unterstützungsmodi (Eco, Trail, Turbo, Auto) wurde auf 750 Watt begrenzt, während das Ansprechverhalten deutlich erhöht wurde. Laut Orbea spricht der Motor rund 3,2-mal schneller an als die Standardabstimmung. Gleichzeitig soll bereits ein etwa fünfmal geringerer Kurbelwinkel ausreichen, um die Motorunterstützung zu aktivieren.
Gerade auf technischen Trails soll sich dieser Unterschied bemerkbar machen. Kurze Pedalimpulse sollen sich deutlich effektiver nutzen lassen, um Hindernisse zu überwinden oder das Vorderrad gezielt zu entlasten – ein Punkt, in dem viele leistungsstarke Motoren aufgrund ihrer verzögerten Leistungsentfaltung Nachteile haben.
Zusätzlich lässt sich das maximale Unterstützungsverhältnis innerhalb der einzelnen Fahrmodi direkt über die Remote anpassen. Über die rechte Tastenwippe kann das Unterstützungsverhältnis erhöht oder reduziert werden, ohne dafür die App öffnen zu müssen. Auch die Modi des FOX FLOAT X2 Neo-Dämpfers lassen sich über die Remote wechseln. Die Aktivierung all dieser Funktionen ist anfangs zwar etwas komplex und erfordert eine Eingewöhnung, nach zwei Tagen auf dem Bike funktionierte das bei uns aber problemlos.


Trotz der reduzierten Maximalleistung in den Standard-Modi bleiben im kurzzeitigen Boost-Modus für maximal 60 Sekunden die vollen 1.300 W Peak Power sowie 150 Nm Drehmoment des Avinox-Systems bestehen. Ein Vorteil der RS-Abstimmung ist dabei vor allem die Effizienz. Laut Orbea lassen sich gegenüber der Standardabstimmung je nach Einsatzbereich zwischen 20 und 25 % Energie einsparen. Wer dennoch die volle Leistung des Avinox-Systems nutzen möchte, kann über die Avinox Ride-App zusätzliche Unterstützungsmodi individuell konfigurieren und dabei auch einen Modus mit den vollen Leistungswerten des Standard-Systems hinterlegen.
Das RS-Ecosystem: Eine Batterie für fast alles
Beim WILD LT speist der fest verbaute Hauptakku, wahlweise mit 800 oder 600 Wh, nicht nur den Motor, sondern auch weitere elektronische Komponenten. Geladen wird über den oberhalb des Motors platzierten Ladeport, je nach Ausstattungsvariante mit dem 12A oder dem klassischen 4A-Ladegerät. Zu den vom Hauptakku versorgten Komponenten gehören die hauseigene Dropper Post, die Bedieneinheit am Lenker, das Avinox-Touchdisplay, die elektronische Schaltung und an unserem Testbike sogar der FOX FLOAT X2 Neo-Dämpfer. Selbst für das optionale Avinox-Lichtsystem ist die Verkabelung bereits vorbereitet und passende Halterungen werden von Orbea angeboten. Die einzigen externen Batterien an unserem Testbike finden sich in den beiden Neo-Sensoren sowie im SRAM AXS-Pod. Da beide Komponenten äußerst sparsam arbeiten, dürfte der Batteriewechsel eher selten anstehen.
Bis jetzt beschränkt sich die Vernetzung zwar hauptsächlich auf die gemeinsame Stromversorgung, gleichzeitig eröffnet die enge Anbindung aber spannende Möglichkeiten für die Zukunft. Denn wenn alle Komponenten miteinander verbunden sind, könnten ihre Daten künftig auch genutzt werden, um Funktionen weiter zu automatisieren oder sie noch besser aufeinander abzustimmen.
So gut die Hardware zusammenarbeitet, so viele Apps braucht es derzeit noch für die Bedienung. Je nach Ausstattung kommen die Avinox Ride-App (Drive Unit), die RS App (Dropper Post), SRAM AXS (Schaltwerk) und die FOX-App (Dämpfer) zum Einsatz. Wer gerne an seinem Bike herumtüftelt, wird damit leben können, aber eine zentrale Lösung wäre auf Dauer deutlich komfortabler.
Die wichtigsten technischen Infos zum Avinox M2S RS-Motorsystem ab Werk
- max. Leistung im kurzzeitigen Boost-Modus: 1.300 W
- max. Drehmoment im Boost-Modus: 150 Nm
- max. Leistung in allen anderen Modi (Eco, Trail, Turbo, Auto): 750 W
- max. Drehmoment in allen anderen Modi: 130 Nm
- über App auch Modi mit voller Leistung konfigurierbar
- Akku: 800 Wh
- Gewicht Drive Unit: 2,63 kg
Welche Ausstattung hat unser Orbea WILD LT 2027-Testbike?
Unser WILD LT M-LTD RS-Testbike setzt auf ein FOX Factory-Fahrwerk mit 170 mm Federweg an Front und Heck. Vorne arbeitet eine FOX 38 Factory mit GRIP X2-Dämpfungskartusche, während am Heck der elektronische FOX FLOAT X2 Live Valve Neo Factory-Dämpfer zum Einsatz kommt.
Mithilfe der am Bike verbauten Sensoren erkennt das System Fahrsituation und Untergrund in Echtzeit und passt die Druckstufe automatisch an. Das soll für mehr Gegenhalt beim Pedalieren sorgen und gleichzeitig für Traktion und Sensibilität auf dem Trail. Wer noch mehr Reserven sucht, kann die Gabel über den MyO-Konfigurator auf 180 mm Federweg aufstocken. Freigegeben ist das WILD LT sogar für Doppelbrückengabeln mit bis zu 200 mm Federweg.
Zum RS-Ecosystem gehört auch die hauseigene MC10-RS-Smart-Dropper-Post. Sie bietet je nach Rahmengröße bis zu 240 mm Hub und wird direkt über die Orbea-Remote angesteuert, über die sich auch die Modi des Neo-Dämpfers bedienen lassen. Die Remote überzeugt mit einer guten Haptik und hat sich in unserem Test als robust erwiesen. Etwas gewöhnungsbedürftig ist lediglich die Tastenlogik: Ab Werk erhöht die untere Taste die Unterstützung, während die obere sie reduziert. Wer das anders bevorzugt, kann die Belegung in der RS-App anpassen.
Geschaltet wird per elektronischer SRAM XX Eagle AXS Transmission-Schaltung, kombiniert mit E*thirteen Helix Race-Carbon-Kurbeln. Für die Verzögerung sind SRAM MAVEN Ultimate-Bremsen zuständig, die vorne wie hinten auf 200-mm-Bremsscheiben zugreifen und zum potenten Charakter des Bikes passen.
Unser Testbike rollt auf den OQUO MC32 Team Power-Aluminium-Laufrädern. In den Topmodellen verbaut Orbea serienmäßig eine DT Swiss 350 DEG-Nabe, die einen definierten Leerweg im Freilauf erlaubt und so die Auswirkungen von Pedalrückschlag reduzieren soll. Alternativ sind über den Konfigurator auch die OQUO MC32 LTD Power-Carbon-Laufräder erhältlich.
Bei den Reifen greift Orbea bei unserem Testbike vorne zu einem MAXXIS ASSEGAI und hinten auf einen MAXXIS Minion DHR II – beide in der weichen MaxxGrip-Gummimischung und mit robuster Downhill-Karkasse. Eine Top-Wahl für anspruchsvolle Trails, auch wenn die Haltbarkeit am Hinterrad mit der weichen Gummimischung leidet. Serienmäßig fällt die Bereifung etwas gemäßigter aus: Vorne rollt ebenfalls ein ASSEGAI in MaxxGrip-Mischung, allerdings mit dünnerer EXO+-Karkasse, während hinten ein Minion DHR II mit härterer MaxxTerra-Mischung und Doubledown-Karkasse montiert wird. Für viele Fahrer dürfte das völlig ausreichen. Wer regelmäßig auf ruppigen Trails unterwegs ist, sollte beim nächsten Reifenwechsel jedoch auch vorne zur robusteren Doubledown-Karkasse greifen oder direkt im Konfigurator upgraden. Abgerundet wird das Cockpit durch den OC Mountain Control-Vorbau mit integriertem Garmin-Mount sowie den OC Mountain Control MC10-Carbon-Lenker mit 20 mm Rise.
Tuning-Tipp: Nutzt den Konfigurator, um euer Bike auf eure Vorlieben abzustimmen.
Orbea Wild LT M-LTD RS
13.499 €
Specifications
Motor Avinox M2S RS 150 Nm
Battery Avinox 800 Wh
Display Avinox 2" O-LED DP100
Fork FOX 38 Factory GRIP X2 170 mm
Rear Shock FOX FLOAT X2 Live Valve NEO Factory 170 mm
Seatpost MC10 RS 240 mm
Brakes SRAM MAVEN Ultimate 200/200 mm
Drivetrain SRAM XX Eagle AXS Transmission 1x12
Stem OC Mountain Control MC11
Handlebar OC Mountain Control MC10 Carbon 800 mm
Wheelset OQUO Mountain Control MC32 Team Power 29"
Tires MAXXIS ASSEGAI, MaxxGrip, DH/ Minion DHR II, MaxxGrip, DH 2,5"/2,4"
Technical Data
Size S M L XL
Specific Features
Flip Chip
Mulitool
Das Orbea WILD LT 2027 im Geometrie-Check:
Orbea bietet das neue WILD LT in insgesamt vier Rahmengrößen von S bis XL an, was Fahrer und Fahrerinnen von 1,50 m bis 2,05 m abdecken soll. In Größe L treffen 480 mm Reach (Low) beziehungsweise 486,25 mm (High) auf 448 mm lange Kettenstreben, einen steilen 78°-Sitzwinkel und einen vergleichsweise hohen Stack. Der Lenkwinkel fällt mit 63,9° im High- und 63,3° im Low-Setting entsprechend abfahrtsorientiert aus. Gleichzeitig soll Orbeas „Steep’n’Deep“-Design die Verwendung von Dropper Posts mit bis 210 mm Hub bei jeder Rahmengröße und bis zu 240 mm Hub in Größe L und XL ermöglichen.

Auch am Hinterbau hat Orbea nachgeschärft und den Anti-Squat-Wert um rund 20 % reduziert. Das soll das Fahrwerk aktiver arbeiten lassen und gleichzeitig den Pedalrückschlag verringern. In Kombination mit der gleichmäßig progressiven Kennlinie soll das ein kontrolliertes und berechenbares Fahrverhalten mit hoher Traktion versprechen. Über einen Flip-Chip in der unteren Dämpferaufnahme lässt sich die Geometrie außerdem an die eigenen Vorlieben anpassen. Wer später zwischen Full-29″- und Mullet-Setup wechseln will, braucht allerdings einen separaten Rocker Link.
Alle Werte im Low-Setting:
| Grösse | S | M | L | XL |
|---|---|---|---|---|
| Sattelrohr | 400 mm | 405 mm | 410 mm | 420 mm |
| Steuerrohr | 110 mm | 120 mm | 130 mm | 140 mm |
| Lenkwinkel | 63,34° | 63,34° | 63,34° | 63,34° |
| Sitzwinkel | 77,5° | 77,5° | 77,5° | 77,5° |
| Kettenstreben | 448 mm | 448 mm | 448 mm | 448 mm |
| BB Drop | 28 mm | 28 mm | 28 mm | 28 mm |
| Radstand | 1.230 mm | 1.257 mm | 1.289 mm | 1.318 mm |
| Reach | 430 mm | 455 mm | 480 mm | 505 mm |
| Stack | 628 mm | 637 mm | 647 mm | 656 mm |
Welche weiteren Ausstattungsvarianten hat das neue Orbea WILD LT 2027?
Orbea bietet das neue WILD LT nicht nur mit Carbon-, sondern auch mit Aluminiumrahmen an. Dank aufwändiger Hydroforming-Prozesse und gezielter Materialverteilung soll das WILD LT Hydro dieselben Fahreigenschaften wie sein Carbon-Pendant bieten. Beide Rahmenvarianten teilen sich Geometrie, Hinterbaukinematik und 170 mm Federweg.
Sowohl die Carbon- als auch die Aluminiumplattform ist jeweils in vier bzw. drei vorkonfigurierten Ausstattungsvarianten erhältlich und können wahlweise als Full-29er oder Mullet-Version bestellt werden. Beide Modelle setzen auf den neuen Avinox M2S RS-Motor, wobei nur die Carbon-Variante die Wahl zwischen 600- oder 800-Wh-Akku hat. Bei der Alu-Version steht nur die 800-Wh-Batterie zur Verfügung.

Unterhalb unseres M-LTD RS-Testbikes rangiert das WILD LT M-Team RS für 9.999 €. Auf das elektronische FOX Live Valve Neo-Fahrwerk muss man hier verzichten, stattdessen arbeitet ein klassischer FOX FLOAT X2 Factory-Dämpfer am Heck. Zudem kommen ein SRAM GX Eagle AXS-Schaltwerk, SRAM X0-Kurbelarme sowie SRAM MAVEN Silver-Bremsen zum Einsatz. Letztere unterscheiden sich von den MAVEN Ultimate vor allem durch den Aluminium-Bremshebel und den Verzicht auf Titan-Schrauben, was an der gewohnt brachialen Bremsleistung der MAVEN aber praktisch nichts ändert.

Das WILD LT M10 für 8.499 € wechselt anschließend vollständig ins Shimano-Lager. Es setzt auf einen Shimano XT M8200-Antrieb samt XT-Vierkolbenbremsen und rollt auf robusten DT Swiss H1900 Spline-Aluminium-Laufrädern. Beim Fahrwerk bleibt es hingegen bei der hochwertigen FOX Factory-Kombination aus 38 Factory- und FLOAT X2 Factory-Dämpfer.

Den Einstieg in die Carbon-Palette markiert das WILD LT M20 für 6.999 €. Auffällig ist das gemischte Fahrwerks-Setup aus RockShox ZEB Base an der Front und FOX FLOAT X Performance-Dämpfer am Heck. Geschaltet wird mit Shimanos DEORE M7200-Antrieb, während Race Face AR30-Aluminium-Laufräder und Shimano MT420-Bremsen den Rotstift an den richtigen Stellen ansetzen. Änderungen gibt es vor allem bei den Bedienelementen: Hier ersetzt Orbea die hauseigene RS-Remote durch die serienmäßige Avinox-Bedieneinheit und kombiniert diese mit einer mechanischen Dropper Post statt der elektronischen Stütze.
Wer den Einstieg ins WILD LT-Portfolio sucht, findet diesen bei den Aluminium-Modellen. Das günstigste WILD LT Hydro startet bei 5.999 € und übernimmt dabei den Avinox M2S RS-Motor inklusive 800-Wh-Akku von den teureren Carbon-Geschwistern. Um den Preis zu drücken, setzen die Alu-Modelle auf eine mechanische Orbea-Sattelstütze und die serienmäßige Avinox-Remote statt auf die hauseigene Remote und Dropper Post.
Wie fährt sich das neue Orbea WILD LT 2027 auf dem Trail?
Wie ist die Uphill-Performance?
Das neue Orbea WILD punktet auf den ersten Metern mit einer sehr ausgewogenen Sitzposition und man sitzt integriert und kompakt zwischen beiden Rädern. Der steile Sitzwinkel trägt seinen Teil zur sportlichen Position bei und hält die Front selbst auf steilen Rampen zuverlässig am Boden.
Der Avinox M2S RS-Motor liefert dabei ordentlich Schub und reagiert dank der höheren Reaktivität direkt, aber dennoch fein dosierbar. Der Motor antwortet sofort auf Pedalimpulse, ohne dabei hektisch oder aggressiv zu wirken. Auf dem Trail fühlt sich die Unterstützung dadurch oft stärker an, als die 750 Watt auf dem Papier vermuten lassen. Wer dann zusätzlich den Boost-Modus aktiviert, wird mit einer ordentlichen Schubwelle nach vorne katapultiert, wodurch man bei schnellen Zwischensprints oder technischen Kletterpassagen profitiert.
Besonders beeindruckend ist die Traktion. Das WILD klettert mit enorm viel Grip über technische Uphills und generiert selbst auf losem Untergrund konstant Vortrieb. Wheelspin bleibt praktisch aus, während das Vorderrad selbst in steilen Passagen erstaunlich ruhig bleibt. Mit rund 22 kg unseres Testbikes fühlt sich das WILD LT außerdem erfreulich handlich an. In engen Kehren und technischen Kletterpassagen lässt es sich präzise platzieren und erweist sich als starker Kletterer.
Seinen Teil dazu trägt auch der elektronische FOX FLOAT X2 Live Valve Neo Factory-Dämpfer bei. Während dieser auf der Forststraße für mehr Gegenhalt sorgt und das Heck höher im Federweg hält, öffnet der Dämpfer bei Wurzeln, Steinen und anderen Hindernissen blitzschnell. Dadurch kombiniert das WILD LT ein sehr effizientes Fahrgefühl mit hoher Traktion. Der Vorteil fällt am E-MTB allerdings weniger stark ins Gewicht als an einem analogen Bike, da der Motor viele Effizienzvorteile ohnehin schon relativiert.
Ein Kritikpunkt bleibt die hauseigene Dropper Post, die im Smart-Modus etwas verzögert reagiert und sich deutlich langsamer absenken lässt als die etablierten Konkurrenten. Für die meisten Fahrer dürfte das zwar kein Problem sein, nur ambitionierte Trail-Rider wünschen sich auch hier eine etwas höhere Reaktivität.
Wie fährt sich das neue Orbea WILD LT 2027 bergab?
Sobald der Trail nach unten zeigt, wird klar, wo die Prioritäten des neuen WILD LT liegen. Setzt man das E-MTB wie wir zu Beginn in das Low-Setting, steht man ausgesprochen tief und integriert im Bike, was schnell hohes Vertrauen weckt. Trotz seiner üppigen Federwegsreserven fühlt sich das Orbea WILD dabei erstaunlich kompakt an und kommt deutlich handlicher daher, als es die Eckdaten vermuten lassen.
Dabei wirkt das Bike keineswegs träge. Trotz der langen 448-mm-Kettenstreben und seiner klaren Ausrichtung lässt es sich überraschend leicht aufs Hinterrad ziehen, präzise in Anlieger drücken und spielerisch von Linie zu Linie bewegen. Beeindruckend ist dabei die Balance zwischen Agilität und Laufruhe. Viele Bikes positionieren sich klar auf einer Seite des Spektrums – das WILD schafft den Spagat bemerkenswert gut. Entsprechend hoch fällt auch der Fahrspaß aus: Egal, ob schnelle Flowtrails oder verblockte Naturtrails, das WILD fühlt sich in nahezu jeder Situation zuhause.
Der Hinterbau arbeitet dabei kontrolliert und sorgt für ein berechenbares Fahrgefühl, bei dem jederzeit klar ist, wie viel Federwegsreserve noch zur Verfügung steht. Gleichzeitig generiert das Fahrwerk dabei viel Traktion und lässt das Bike auch in ruppigen Sektionen satt am Boden kleben. Vor allem auf schnellen und verblockten Trails zeigt das WILD LT seine Stärken. Das Bike bleibt selbst in groben Steinfeldern oder bei harten Schlägen erstaunlich ruhig.
Positiv fällt auch das Handling des Orbea WILD LT auf. Das Bike lässt sich intuitiv steuern, kippt bereitwillig in Kurven und lässt sich erstaunlich einfach von einer Schräglage in die nächste werfen. Selbst als Full-29er bleibt das Bike überraschend agil, auch wenn man in Extremsituationen, wenn es richtig steil wird und man tief in den Federweg rauscht, dem großen 29″-Hinterrad unangenehm nahe kommt. Wer hier maximalen Bewegungsspielraum sucht, ist mit dem Mullet-Setup besser bedient. Der tiefe Schwerpunkt vermittelt dabei viel Vertrauen und sorgt dafür, dass das WILD LT selbst dann berechenbar bleibt, wenn die Geschwindigkeit steigt.
Im Laufe des Tests gefiel uns das WILD LT allerdings noch besser mit dem Flip-Chip in der High-Position. Das etwas höhere Tretlager reduziert Pedalaufsetzer und der steilere Lenkwinkel verleiht dem Bike noch mehr Agilität, ohne die hohe Laufruhe spürbar zu beeinträchtigen. In Kombination mit dem Full-29″-Setup war das für uns die ausgewogenste Konfiguration.
Auffällig war im Test die Front, die auf der etwas steiferen Seite ist. Auf extrem langen, verblockten Abfahrten geht das irgendwann auf die Unterarme. Akustisch präsentiert sich das WILD LT dagegen vorbildlich und bleibt auf dem Trail angenehm leise. Kein nerviges Klappern trübt das Grinsen im Gesicht.
Die Orbea-Experience
Seit 1969 ist Orbea als Genossenschaft organisiert, die Mitarbeiter sind gleichzeitig Teilhaber des Unternehmens und bestimmen dessen Entwicklung aktiv mit. Diese Struktur hat auch direkte Auswirkungen darauf, wie mit erwirtschafteten Gewinnen umgegangen wird. Ein Teil der Erträge fließt in soziale und gemeinnützige Projekte. Laut Orbea werden rund 20 % des Profits für Solidaritäts- und Sozialfonds der Genossenschaft bereitgestellt.
So kamen in den letzten Jahren mehrere Millionen Euro zusammen, die über die Orbea Foundation in Projekte rund um nachhaltige Mobilität, Umweltinitiativen sowie die Förderung des Radsports investiert wurden.
Davon profitiert auch die Region rund um Mallabia und die spanischen Pyrenäen, in denen wir das neue WILD LT testen konnten. Genau hier sieht Orbea seine Rolle: Nicht nur Bikes zu bauen, sondern auch die Infrastruktur und die Gemeinschaft zu unterstützen, die unseren Sport überhaupt erst möglich machen.
Für wen ist das neue Orbea WILD LT 2027 das richtige E-MTB?
Das neue WILD LT richtet sich an Fahrer und Fahrerinnen, die ein modernes Full-Power-E-MTB suchen, das extrem viel, extrem gut kann. Besonders stark ist die Kombination aus hoher Traktion, intuitivem Handling und dem starken Spagat zwischen Laufruhe und Agilität. Das WILD vermittelt auf fast jedem Trail und in jeder Situation ein hohes Maß an Vertrauen und vor allem jede Menge Fahrspaß.
Das richtige Bike für:
Allround-Abenteurer
Wer nur ein E-MTB in der Garage haben möchte, findet im WILD LT einen extrem vielseitigen Begleiter. Ob Feierabendrunde, alpine Tagestour oder anspruchsvolle Enduro-Strecke: Das WILD fühlt sich nahezu überall zuhause.
Tech-Lover
Mit One-Battery-Konzept, Avinox RS-Tune und FOX Neo-Fahrwerk gehört das WILD LT zu den spannendsten Tech-Paketen auf dem Markt. Wer gerne neue Features ausprobiert, bekommt hier einen passenden Begleiter.
Individualisten
Kaum ein anderes E-MTB lässt sich so stark an die eigenen Wünsche anpassen. Vom Akku über die Ausstattung bis zur Lackierung bietet das WILD LT enorme Freiheiten und richtet sich damit an Fahrer, die ihr Bike nicht von der Stange wollen.
Nicht das richtige Bike für:
Schnäppchenjäger
Das WILD LT spielt preislich klar in der Oberklasse. Wer vor allem möglichst viel Bike für möglichst wenig Geld sucht, findet auf dem Markt günstigere Alternativen.
App-Muffel
So gut das Ökosystem zwar funktioniert, aktuell braucht es für Motor, Fahrwerk, Schaltung und Dropper mehrere Apps. Wer sein Bike am liebsten einmal einstellt und anschließend nie wieder ans Smartphone denkt, dürfte daran wenig Freude haben.
Fazit zum neuen Orbea WILD LT 2027
Mit dem neuen WILD LT beweist Orbea einmal mehr, dass die Basken selten den einfachen Weg gehen. Statt beim Wettrüsten der aktuellen Full-Power-E-MTBs mitzumischen, setzt Orbea auf einen eigenen Ansatz und nutzt die Avinox-Plattform als Werkzeug für ihr eigenes Konzept bei gleichzeitigem Fokus auf das Zusammenspiel aller Komponenten. Das Ergebnis ist ein ausgewogener Allrounder mit hoher Traktion, intuitivem Handling und jeder Menge Fahrspaß. Bergauf überzeugt das WILD LT mit starken Klettereigenschaften, bergab mit einer gelungenen Balance aus Laufruhe und Agilität. Das vernetzte RS-Ecosystem ist supernützlich, auch wenn die Vielzahl an Apps aktuell noch nicht ganz begeistert. Unterm Strich zählt aber vor allem eines: Das neue WILD LT liefert seine Argumente nicht über das Datenblatt, sondern über das fette Grinsen nach jeder Fahrt.
Tops
- starker Allrounder
- sehr ausgewogenes Fahrwerk
- gute Balance im Bike
- hohe Agilität und Laufruhe
- hoher Fahrspaß
Flops
- viele Apps zur Bedienung und Einstellung nötig
- hauseigene Dropper Post reagiert etwas verzögert
Weitere Infos zum Orbea WILD LT 2027 findet ihr bei Orbea.
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Text: Benedikt Schmidt Fotos: Rupert Fowler, Eduardo Moreno
