
Eine Dämpfung ist – stark heruntergebrochen – nichts anderes als ein Widerstand gegen eine Bewegung. Im Falle des Pademelon CS.1 ein durch Öl erzeugter Widerstand gegen eure Lenkbewegung. Aber was soll das bringen? Der kleine hydraulische Lenkungsdämpfer, der quasi an eurem Steuerrohr angebracht wird, verspricht kleine Schläge und Vibrationen von Steinen, Wurzeln und allem anderen, was euch so auf einem Trail begegnen kann, abzudämpfen und so das Vorderrad zu stabilisieren. Das soll nicht nur Kraft sparen, sondern auch mehr Sicherheit geben.
Während im zweirädrigen Motorsport Lenkungsdämpfer keine Seltenheit mehr sind, sieht man sie an MTBs nur sehr selten. Jeremiah Boobar, der Gründer und Geschäftsführer von Pademelon, ist aber auf bestem Wege, genau das zu ändern. Während seiner 16 Jahre bei RockShox und SRAM hat er nicht nur als Rennmechaniker, Global Race- und Produktmanager gearbeitet, sondern gilt auch als Gründer des BlackBox-Programms, was für die Prototypenentwicklung im Rennzirkus zuständig ist. Die alten Hasen unter uns werden sich auch noch an den TRUVATIV Boobar-Lenker erinnern und ratet mal, woher dieser Name stammt ;). Schon damals schwirrte die Idee eines Lenkungsdämpfers in Jeremiahs Kopf herum, wurde allerdings mit SRAM nie in die Tat umgesetzt. Nach weiteren 8 Jahren als „Director of Suspension Technology“ bei Cannondale war dann die Zeit gekommen, Pademelon Performance Products zu gründen und die gewonnen Erfahrung in die Entwicklung eines Lenkungsdämpfers zu stecken. Kein Wunder also, dass schon nach kurzer Zeit Fahrer wie Jack Moir, Richie Rude und Remi Gauvin das Vertrauen in den Pademelon CS.1 hatten und mit einem solchen Dämpfer auf den Trails zu sehen waren. Als Basis für den CS.1-Dämpfer dient übrigens der Hopey Steering Damper, der schon Jahrzehnte zuvor auf dem Markt war, allerdings nie einen Durchbruch erreicht hat. Nachdem das Projekt von Gründer Tim Hopey eingestellt worden war, übernahm Jeremiah deren Know-how und entwickelte den hydraulischen Rotationsdämpfer Pademelon CS.1.
Pademelons sind übrigens kleine Beuteltiere und gehören zur Familie der Kängurus. Was sie mit dem hydraulischen CS.1-Lenkungsdämpfer gemeinsam haben? Beide sind in Tasmanien ansässig und Pademelons hängen gerne in Gruppen mit vernachlässigter Sozialstruktur ab, wie wir Mountainbiker eben ;). Im Grunde hat Jeremiah aber einfach einen Namen für seine neue Firma gebraucht und da die Tiere in Tasmanien sehr beliebt sind und zudem einen coolen Namen tragen, wurde kurzerhand seine Firma danach benannt.
Bislang gibt es nur einen einzelnen Lenkungsdämpfer von Pademelon. Der CS.1 kostet 499 € und je nach Bike, an dem ihr es montieren wollt, braucht ihr dann das passende Montage Kit für ca. 100 € extra. Verfügbar ist er für unterschiedliche Headsets und sowohl für Dual- als auch für Single-Crowns. Insgesamt kostet der Pademelon CS.1 dann ca. 600 € und bringt – je nach Ausführung – ungefähr 200 Gramm auf die Waage. Aber behaltet im Hinterkopf, dass ihr auch gewisse Teile – wie die Top-Cap und Schrauben – entfernt und so bringt das System ungefähr ein Mehrgewicht von 139-176 Gramm.
Was genau ist ein Lenkungsdämpfer und wie funktioniert der Pademelon CS.1?
Im Kern sorgt ein hydraulischer Rotationsdämpfer dafür, dass die Front eures Bikes ruhiger bleibt – vor allem, wenn’s richtig ruppig wird oder ihr mit viel Tempo unterwegs seid. Der Dämpfer entkoppelt quasi die Bewegungen des Lenkers von den Schlägen und Vibrationen, die vom Trail kommen, und mindert so ungewolltes Wackeln oder Pendeln. Das soll dann für mehr Stabilität und weniger Ermüdung sorgen.
Pademelon selbst hat eine sehr simple Erklärung für die Funktion des hydraulischen Dämpfers: Stellt euch vor, ihr steht bis zum Hals im Wasser und dreht euch im Kreis. Das geht recht einfach. Streckt ihr jetzt eure Arme aus, müsst ihr wesentlich mehr Kraft aufbringen, da eure ausgestreckten Arme während der Drehbewegung mehr Wasser verdrängen müssen und so eure Bewegung „dämpft“.
Im Falle des Pademelon CS.1 rotiert aber nicht die Person im Wasser, sondern das Wasser um die Person. Die Person mit ausgestreckten Armen ist dabei eine Trennwand, die im Ölbad steht und um die das mit eurem Lenker verbundene Gehäuse rotiert. Wenn sich euer Lenker und das Gehäuse drehen, verkleinert sich das Volumen auf der entgegengesetzten Seite, in die ihr lenkt und es baut sich hydraulischer Druck auf. Die Trennwand selbst hat Ventile und einen Nachfüllkreislauf eingebaut, durch die das Öl während der Rotation fließen muss. Mithilfe der Ventile lässt sich die Fließgeschwindigkeit – sprich der Widerstand – einstellen. Beim Zurückdrehen zur Mittelstellung öffnet das Rückschlagventil des Nachfüllkreislaufs, sodass keine Dämpfung mehr stattfindet. Je schneller die Lenkbewegung ist, desto größer ist der Widerstand und desto stärker die Dämpfung. Betrachtet man nun die Wand des Gehäuses, erkennt man, dass sich der Durchmesser verändert. Dreht sich das System mehr als 37,5° in eine Richtung, entsteht ein Spalt zwischen dem Gehäuse und der Trennwand und Öl kann ungehindert fließen. Sprich, es findet keine Dämpfung mehr statt, was es euch ermöglicht, enge – und damit auch sehr langsame Kurven – ohne den Einfluss des Lenkungsdämpfers zu fahren.
Was ist der Unterschied zum K.I.S.-System von Syntace
Der Pademelon CS.1 ist ein hydraulischer Rotationsdämpfer und das K.I.S.-System von Syntace ein gefederter Lenkungsstabilisator. Letzteres zieht euren Lenker wieder zurück in eine zentrale Position, denn es baut eine Zugkraft auf eine Feder auf, gegen die ihr arbeiten müsst – was sich schnell ungewohnt anfühlen kann. Der Pademelon CS.1-Lenkungsdämpfer erzeugt zwar ebenfalls einen Widerstand, allerdings nur während des Lenkvorgangs. Damit behält das System eure eigentliche Lenkerposition bei und zieht euch nicht zurück in seine zentrale Position, ganz im Gegenteil: Denn da das Zurücklenken keine Dämpfungswirkung hat, fühlt es sich so an, als hätte man kein System installiert.
Der Pademelon CS.1-Lenkungsdämpfer im Test
Für über 6 Monate haben wir den Pademelon CS.1-Lenkungsdämpfer, verbaut an einem Specialized Stumpjumper 15, unter unterschiedlichsten Wetterbedingungen und auf unzähligen Trails getestet. Die initiale Montage des Systems ist nicht ganz einfach und erfordert etwas Zeit, sollte aber für geübte Mechaniker kein Problem sein. Am besten schaut ihr euch dafür das Video von Pademelon an, das die einzelnen Schritte gut beschreibt und euch gleichzeitig einen Einblick darüber gibt, welche Werkzeug und Skills ihr benötigt. Wir hatten im gesamten Testzeitraum keine Probleme mit dem System und es haben sich weder Headsets gelockert noch Geräusche eingeschlichen.
Sobald das System montiert ist, könnt ihr die Dämpfungswirkung mithilfe des Verstellrädchens in drei ganzen Umdrehungen anpassen. Habt ihr es ganz auf leicht gestellt, ist keine Dämpfung mehr zu spüren und das System ist quasi abgestellt. Wer vorsichtig dreht, wird auch in der Lage sein, das Ende des Einstellbereichs zu spüren, auch wenn hier kein mechanischer Anschlag vorhanden ist und ihr theoretisch das Verstellrädchen überdrehen könntet. Leider sieht man nicht direkt, in welchem Setting man gerade ist, da es keine direkte Anzeige gibt – abgesehen von den Schriftzügen auf dem Rad. Mit etwas Übung könnt ihr aber am Widerstand eures Lenkers erkennen, in welchem Bereich ihr euch gerade befindet: Die erste Umdrehung erzeugt dabei nur eine sehr geringe Dämpfung, die auf dem Trail fast nicht spürbar ist. Das härteste Setting hingegen ist sehr deutlich zu spüren und war uns persönlich meistens zu stark, auch wenn es bestimmt Fahrer gibt, die dafür Verwendung finden. Primär waren wir zwischen 1,5 und 2,5 Umdrehungen unterwegs und haben das Setting je nach Trail und Bedingungen angepasst, was wortwörtlich im Handumdrehen gemacht ist.
An die Dämpfung gewöhnt man sich bereits nach wenigen Fahrten, da es wenig Einfluss auf euer eigentliches Lenkverhalten nimmt. Dabei ist die Dämpfung durchweg positiv aufgefallen und hat in hektischen oder schnellen Sektionen mehr Ruhe ins Bike gebracht. So war es einfacher, die Linie zu halten, und kleine Rutscher oder Impacts wurden abgefangen und so nicht direkt an den Lenker weitergegeben, ohne dass die Lenkpräzision dabei verloren gegangen ist. Auch in steileren oder sehr schnellen Passagen, in dem euer Hinterrad während des Bremsvorgangs ausbricht, hat sich das Stumpjumper deutlich ruhiger angefühlt und die gedämpfte Verbindung zwischen Front und Heck hat zusätzliche Stabilität gebracht. Wer z.B. regelmäßig E-Mountainbikes fährt, kennt die zusätzliche Stabilität der schwereren Bikes auf ruppigen Trails. Ähnlich fühlt es sich mit dem Pademelon-System an, nur dass ihr – abgesehen von 200 Gramm – keine zusätzliche Masse am Bike habt. In engen und langsamen Kurven ist von dem System quasi nichts zu spüren, da die Dämpfungswirkung hier entkoppelt ist. Wer allerdings hauptsächlich auf solchen Trails unterwegs ist, wird auch wenig Nutzen an einem Lenkungsdämpfer finden.
Auch im Uphill hat der Lenkungsdämpfer nicht gestört und vereinfacht es einem, seine Spur zu halten. Besonders in technischen und steilen Passagen fährt das Bike problemlos den Trail entlang und wackelige Situationen bei langsamer Geschwindigkeit werden souveräner gemeistert. Wer Support beim Freihändigfahren braucht, findet mit dem Pademelon ebenfalls einen super Helfer und auch freihändige Wheelies gehen wesentlich einfacher von der Hand ;).
Das Fazit zum Pademelon CS.1-Lenkungsdämpfer
Der Pademelon CS.1-Lenkungsdämpfer ist ein ausgeklügeltes und durchaus hilfreiches System, was allerdings auch sein Geld kostet. Einmal montiert, lässt es sich im Handumdrehen auf die unterschiedlichen Trails und Bedingungen einstellen und man gewöhnt sich schnell an die Dämpfung. Während unseres Testzeitraums hat das System nie gestört und vor allem auf roughen und schnellen Trails wirkt der Lenkungsdämpfer entschleunigend und verbessert die Kontrolle.
Tops
- verbesserte Kontrolle
- stabileres Fahrverhalten
- leicht einzustellen
Flops
- Setting schwer abzulesen
- teuer
Alle weiteren Informationen findet ihr auf der Website von Pademelon.
Hat dir dieser Artikel gefallen? Dann würde es uns sehr freuen, wenn auch du uns als Supporter mit einem monatlichen Beitrag unterstützt. Als ENDURO-Supporter sicherst du dem hochwertigen Bike-Journalismus eine nachhaltige Zukunft und sorgst dafür, das die Mountainbike-Welt auch weiter ein kostenloses und unabhängiges Leitmedium hat. Jetzt Supporter werden!
Text & Fotos: Peter Walker


