Mit der neuen BoXXer und dem überarbeiteten Vivid Coil schärft RockShox sein Downhill-Fahrwerk weiter nach. Linear XL-Luftfeder, Air Annex, eine überarbeitete Dämpfung und kleine Bohrungen in den Standrohren sollen für mehr Berechenbarkeit und Kontrolle sorgen. Wir haben das neue Fahrwerk im Bikepark und auf schnellen DH-Strecken getestet und verraten euch, wie viel Fortschritt wirklich drinsteckt.

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RockShox BoXXer Ultimate 2027 | 200 mm | 29” | 2.180 € | Hersteller-Website

Das Debüt der letzten RockShox BoXXer ist noch gar nicht lange her. Erst im Sommer 2023 haben die Amerikaner ihre Doppelbrücken-Gabel grundlegend überarbeitet – und doch steht bereits eine weitere aktualisierte Version in den Startlöchern, von der es schon erste Spyshots von Rennveranstaltungen wie Red Bull Hardline gibt. Denn genau bei solchen Renn-Events holt sich RockShox traditionell das Feedback für ihre neuen Projekte.

We go racing to make better products
– Jason Blodgett, RockShox Product Manager Front Suspension

Kurz gesagt, für diejenigen, die nicht so tief in der Materie stecken: Die BoXXer ist und bleibt die kompromisslose Doppelbrücken-Gabel im Portfolio von RockShox. Serienmäßig kommt sie mit 200 mm Federweg, lässt sich aber auch auf weniger Federweg umrüsten, um z. B. in Park- oder Freeride-Bikes zu funktionieren. Ihr natürlicher Lebensraum sind damit vor allem Downhill-Strecken, Bikeparks und alle Trails, bei denen ihr maximalen Support verlangt und der Fokus auf der reinen Abfahrt liegt.

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Bei der neuesten Variante der RockShox BoXXer lag der größte Fokus auf der neuen Linear XL Luftkammer. Ziel war, wie der Name schon vermuten lässt, eine möglichst lineare und damit vorhersehbare Kennlinie zu ermöglichen. Dazu kommen die sogenannte „ButterWagonTech“ – eine clevere Lösung rund um Schmierung der Standrohre – und die gut bekannten ButterCups, welche hochfrequente Vibrationen verringern sollen. Aber auch die bereits vom Vorgänger bekannten „Breather Holes“, also Atemlöcher, sind wieder an den Standrohren zu finden.

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Auch das Chassis wurde überarbeitet und der Fokus darauf gelegt, das Setup zu vereinfachen. Neue und zusätzliche Markierungen erleichtern das Einstellen von SAG sowie Druck- und Zugstufe. Geblieben sind bewährte Details wie die integrierten Schutzbleche, die Steckachse und die zwei Gabelbrücken.

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Parallel zur neuen BoXXer bringt RockShox auch eine überarbeitete Version des Vivid Coil-Dämpfers an den Start. Der Stahlfederdämpfer bekommt ein neues Reservoir-Design und mehrere Detailanpassungen, die vor allem auf eine noch konstantere und ebenfalls besser berechenbare Dämpfungs-Performance abzielen.

Die neue RockShox BoXXer-Federgabel im Detail

Die neue RockShox BoXXer ist weniger eine komplette Neuentwicklung als vielmehr eine konsequente Weiterentwicklung der aktuellen Plattform. Die Kernelemente bleiben entsprechend erhalten: 38-mm-Standrohre, 180–200 mm Federweg sowie Varianten für 27,5”- und 29”-Laufräder. Preislich liegt die Ultimate-Version bei 2.180 €, die Select bei 1.635 €.

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Im Zentrum der Überarbeitung steht die neue Linear XL-Luftfeder-Einheit. RockShox verfolgt damit das Ziel, die Geschwindigkeitsabhängigkeit der Luftfeder zu reduzieren. Ergänzt wird das System durch die sogenannte Air Annex – eine zusätzliche Luftkammer, die seitlich auf der Luftfeder-Seite, auf Höhe der Bremse, angebracht ist und das Luftvolumen des Tauchrohrs erhöht. Sowohl die positive als auch die negative Luftkammer sind in der neuen BoXXer gewachsen. Gleichzeitig wurde der Innendurchmesser des Schafts vergrößert und der Kolbendurchmesser reduziert. All diese Maßnahmen sollen in Summe zu einer möglichst linearen Kennlinie führen. Eine lineare Kennlinie gilt als berechenbarer als eine progressive und soll sich im Handling konstanter anfühlen – mit einem Fahrgefühl, das dem einer Stahlfeder näher kommt.

Interessant ist auch, dass Dämpfungs- und Luftseite nun das gleiche Luftvolumen im Tauchrohr besitzen, obwohl nur die Luftseite mit der Air Annex ausgestattet ist. Hintergrund ist, dass die Dämpfungseinheit weniger Volumen einnimmt und dort entsprechend mehr Platz zur Verfügung steht. Unterschiedliche Air-Annex-Aufsätze zur weiteren Volumenanpassung gibt es übrigens nicht. Für den Durchschlagschutz setzt RockShox weiterhin auf einen mechanischen Bottom-Out-Bumper. Dank des sehr langen Elastomers sind harte Durchschläge nahezu unmöglich.

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Für eine verbesserte Schmierung und ein kontrollierteres Luftmanagement im Fall eines Bottom-Outs hat RockShox weiterhin in jedes Standrohr zwei zusätzliche Bohrungen integriert, die sich knapp unterhalb der Öldichtung befinden. Bei harten Schlägen kann das Öl dadurch freier zirkulieren, was die Schmierung verbessern und die Reibung reduzieren soll. Kommt es zu einem Durchschlag, verteilt sich die im Casting eingeschlossene Luft schneller und gleichmäßiger, was zu einem gleichmäßigeren und lineareren Federungsgefühl beitragen soll. Diese Löcher waren auch bereits beim Vorgänger integriert. Neu dazugekommen sind nun ganz viele kleine Einbuchtungen in den Standrohren, die sich über den gesamten Bereich unterhalb der Staubabstreifer erstrecken. Beim Ausfedern ziehen diese Strukturen Öl nach oben und sollen so für eine gleichmäßigere Schmierung der Gleitlager sorgen. Die bekannten ButterCups bleiben ebenfalls an Bord. Diese Elastomere sitzen sowohl auf der Feder- als auch auf der Dämpfungsseite und dienen dazu, kleine Schläge sowie hochfrequente Vibrationen zu filtern, was unter anderem Armpump reduzieren soll.

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Als Dämpfungseinheit kommt nun die Charger 3.2 zum Einsatz. In ihrer Grundfunktion unterscheidet sie sich nicht von der Charger 3.0 des Vorgängers, besitzt jedoch einen progressiveren Tune, um mit der lineareren Kennlinie der neuen Luftfeder zu harmonieren. Entsprechend würde die neue 3.2-Einheit in einer älteren BoXXer für ein sehr straffes Fahrverhalten sorgen. Einstellbar bleiben wie gewohnt die 15 Klicks der Lowspeed-Druckstufe und die fünf Klicks der Highspeed-Druckstufe. Zudem gibt es eine Lowspeed-Zugstufeneinstellung mit 18 Klicks.

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Auch beim Setup hat RockShox nachgeschärft. Die Einstellrädchen sind übersichtlicher gestaltet und nummeriert. Zusätzliche Höhenangaben auf den Standrohren erleichtern die Orientierung. Wie gewohnt gibt es SAG-Markierungen und einen Sticker auf der Gabel zur schnellen Grundeinstellung. Im Inneren kommen neue Schmiermittel zum Einsatz. Im Lower-Leg wird nun MAXIMA 920 W15 Öl verwendet, das für weniger Reibung sorgen soll. Ergänzt wird das durch ein angepasstes Fett sowie neue Abstreifer.

Optisch setzt RockShox auf einen zurückhaltenden Look. Die Decals sind minimalistisch gehalten und unter dem Klarlack integriert, was nicht nur cleaner aussieht, sondern auch langlebiger sein soll. Neben der bekannten Electric-Red-Variante gibt es die BoXXer auch in Schwarz. Im Aftermarket wird es wie gewohnt eine Ultimate-Variante für 2.180 € und eine Select-Variante für 1.635 € geben.

Der neue RockShox Vivid Coil-Dämpfer im Detail

Parallel zur neuen BoXXer hat RockShox auch den Vivid Coil überarbeitet. Äußerlich fällt zunächst das neue Reservoir bzw. Piggyback ins Auge. Im Inneren wurden hier die Ölflüsse neu gestaltet, wodurch ein größeres Volumen möglich ist. Ergänzt wird das durch ein weiterentwickeltes Base-Valve sowie einen neuen Hauptkolben. Ein zentraler Punkt ist der deutlich reduzierte IFP-Druck. Dieser wurde um rund 40 % von 200 psi auf 120 psi abgesenkt. Das soll das Losbrechmoment verbessern und trotzdem noch Kavitation verhindern. Ziel ist ein sensibleres Ansprechverhalten bei gleichbleibender Dämpfungsstabilität unter Belastung.

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Auch beim Bottom-Out-System gibt es eine Anpassung in der Bezeichnung: Das bisherige HBO (Hydraulic Bottom Out) heißt nun ABO – Adjustable Bottom Out. Technisch bleibt es beim Dämpfer weiterhin ein hydraulisches System. Der neue Name soll die Bezeichnung über alle Produkte hinweg vereinheitlichen. Über den ABO lässt sich die Druckstufendämpfung der letzten 20 % des Federwegs in fünf Stufen einstellen.

Als Dämpfungseinheit kommt weiterhin die bekannte RCT2-Plattform zum Einsatz. High- und Low-Speed-Druckstufe sind separat einstellbar, der Tune ist auf mehr Mid-Stroke-Support ausgelegt. Die nummerierten Adjuster starten jetzt bei 0 und sind insgesamt übersichtlicher gestaltet.

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Angeboten wird der Vivid Coil als Ultimate und als Ultimate DH-Version. Die Enduro-Variante verfügt zusätzlich über einen Lockout für längere Pedalpassagen. Der Preis für die Ultimate-Version liegt bei 785 €. Darüber hinaus gibt es weitere Varianten wie Select und Select+, im Aftermarket ist jedoch ausschließlich die Ultimate-Version erhältlich.

Die RockShox BoXXer und der Vivid Coil DH im ersten Test

Für unseren ersten Fahreindruck hatten wir im Rahmen eines großen SRAM- und RockShox-Produkt-Launches in Neuseeland die Gelegenheit, die neue BoXXer in Kombination mit dem Vivid Coil DH-Dämpfer zu testen. Montiert war das Ganze an einem Canyon Sender – einem Bike, das wir sehr gut kennen, da es bereits Teil unseres Bikepark-Vergleichstests im vergangenen Jahr war. Ebenfalls verbaut waren die neue SRAM MAVEN-Bremse und die neue XX DH Transmission. Die separaten Tests dazu findet ihr in eigenen Artikeln – hier konzentrieren wir uns ausschließlich auf das Fahrwerk.

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Schon beim initialen Setup der Gabel fiel auf, dass wir deutlich höhere Luftdrücke fahren mussten als beim Vorgänger. Das liegt an der neuen Linear XL Air Spring. Durch den kleineren Kolben arbeitet die Gabel mit mehr Druck, lässt sich dafür aber auch feiner abstimmen – praktisch! Auch die initialen Setup-Vorschläge haben an der BoXXer gut gepasst, um ein erstes Basis-Setup zu finden.

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Die Einstellrädchen sind großzügiger gekennzeichnet als zuvor. Man muss zwar kurz in Ruhe draufschauen, um die Markierungen sauber zu erkennen, aber es ist kein nerviges „Klick-Zählen“ wie bei manchen Konkurrenzprodukten nötig, wenn man nach ein paar Wochen wieder ans Setup geht. Zwar bietet die BoXXer nominell weniger Klicks als manche Mitbewerber, dafür sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Klicks deutlicher spürbar. Die Einstellbandbreite wirkt dadurch größer und praxisnäher, obwohl die reine Klickzahl geringer ist.

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Wir hatten zwar den Vorteil, ein vertrautes Bike zu fahren und konnten sowohl im Skyline Bikepark in Queenstown als auch auf den sehr schnellen Downhill-Strecken in Coronet Peak mehrfach dieselben Runs fahren. Dennoch wollen wir dies nach nur drei Tagen auf dem Bike eindeutig als ersten Eindruck einstufen.

Direkt auf den ersten Metern fällt die gleichmäßige und dadurch besser vorhersehbare Kennlinie auf. Die Gabel spricht sensibel auf kleine Wellen und Unebenheiten an und vermittelt ein feines Feedback. Gleichzeitig sorgt der progressivere Dämpfungs-Tune dafür, dass ausreichend Support in harten Kompressionen oder schnellen Anliegern vorhanden ist. Auch beim harten Anbremsen bleibt die Front sensibel, ohne tief einzutauchen, und die Gabel steht immer angenehm hoch im Federweg.

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Auffällig ist, wie stark die Einstellrädchen das Verhalten beeinflussen. Besonders die High-Speed-Compression hat einen deutlichen Einfluss darauf, wie hoch die Gabel im Federweg steht. Mit wenigen Klicks lässt sich das Setup spürbar an unterschiedliche Trails anpassen – ob ruppiger Highspeed-Track, sehr steile Downhill-Strecken oder flowige Bikepark-Runs.

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Ähnliches gilt für den Vivid Coil. Auch hier haben wir vor allem mit der High-Speed-Compression experimentiert. Gefahren sind wir rund 24 % SAG. Über die HSC lässt sich dann auch hier spürbar beeinflussen, wie hoch das Bike im Federweg steht, was sich direkt auf das Bike-Handling auswirkt. Selbst harte Durchschläge werden nicht übermäßig starkl an den Fahrer weitergegeben. Allerdings ist die Performance eines Dämpfers immer stark vom jeweiligen Hinterbau abhängig. Gerade am Canyon Sender mit seinem High-Pivot-Hinterbau lässt sich der Dämpfer nicht vollständig isoliert betrachten, da die Kinematik einen wesentlichen Anteil am Fahrgefühl hat.

Das Fazit zur neuen Rockshox BoXXer und dem Vivid Coil DH

Die neue BoXXer ist eine stimmige Weiterentwicklung mit klarem Fokus auf eine linearere, besser vorhersehbarer Kennlinie. Im ersten Test spricht sie sensibel an, verhält sich berechenbar und steht angenehm hoch im Federweg. Die Einstellmöglichkeiten sind deutlich spürbar, auch wenn die Klickanzahl überschaubar ist. Der Vivid Coil verfolgt einen ähnlichen Ansatz und ergänzt das Setup stimmig. Damit ist das neue DH-Fahrwerk von RockShox kein radikaler Umbruch, sondern ein technisch nachvollziehbarer Schritt nach vorn.

Tops

  • lineares und feinfühliges Ansprechverhalten
  • große Verstell-Bandbreite
  • einfaches und übersichtliches Setup

Flops

  • nur ein Ultimate-Modell im Aftermarket

Alle weiteren Infos findet ihr auf der Website von RockShox.


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Text: Peter Walker Fotos: Sven Martin, Callum Wood

Über den Autor

Peter Walker

Peter ist nicht nur ein Mann der Worte, sondern auch der Taten. Mit ernsthaften Bike- und Schrauber-Skills, seiner Motocross-Historie, diversen EWS-Teilnahmen und über 150 Bikepark-Tagen in Whistler – ja, der Neid der meisten Biker auf diesem Planeten ist ihm gewiss – ist für Peter kein Bike zu kompliziert und kein Trail zu steil. Gravel und Rennrad kann er übrigens auch! Das für unsere redaktionelle Arbeit wichtige Thema Kaufberatung hat Peter in Vancouvers ältestem Bike-Shop von der Pike auf gelernt und setzt sein Know-how auch im journalistischen Alltag um. Wenn er nicht gerade die Stuttgarter Hometrails auf neuen Test-Bikes unsicher macht, genießt er das Vanlife mit seinem selbst ausgebauten VW T5. Dass er dazu noch ausgebildeter Notfallsanitäter ist, beruhigt seine Kollegen bei riskanten Fahrmanövern. Zum Glück mussten wir Peter bislang nie bei seinem Spitznamen „Sani-Peter“ rufen. Wir klopfen auf Holz, dass es dazu auch nie kommen wird!