So sehen Sieger aus! Das Rocky Mountain Altitude Rally Edition ist das beste Enduro-Bike 2021. Kein Bike in diesem Test war so vielseitig und dennoch so potent. Doch was macht das Altitude so gut und wie hat es das Bike geschafft, die gesamte Konkurrenz hinter sich zu lassen?

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Enduro-Bike 2021 – 13 Modelle im Test

Rocky Mountain Altitude Carbon 90 Rally Edition | 170/160 mm (v/h) | 14,56 kg in Größe L | 9.900 €
Hersteller-Website

Das Rocky Mountain Altitude hat eine ganz schöne Entwicklung hingelegt! 2017 war es noch das verspielte 27,5”-Enduro-Bike, das bei unserem Race-Bike-Test in Finale Ligure auf dem letzten Platz landete. Jetzt, im Jahr 2020, ist es eines der potentesten Bikes auf dem Markt und hat nach seinem Release direkt das EWS-Rennen in Zermatt gewonnen. Basis der Rally Edition ist ein Carbon-Rahmen mit 160 mm Federweg am Heck in Kombination mit 170 mm in Front. Das Altitude rollt auf 29”-Laufrädern und besitzt nicht nur das RIDE-9-System an der Dämpferaufnahme, um die Geometrie und Kennlinie zu verstellen, sondern auch noch einen Flip-Chip am Hinterbau, um die Kettenstrebenlänge zu variieren. Wie es sich für ein modernes Enduro gehört, verbaut Rocky Mountain serienmäßig eine Kettenführung, klemmt die innenverlegten Züge im Rahmen und setzt auf einen dicken Kettenstrebenschutz. All diese Maßnahmen haben zur Folge, dass das Rocky Mountain wahnsinnig leise ist. Die einzige Ausnahme: die nervig klappernden Bremsbeläge der Shimano XTR-Bremse.

Edel und durchdacht – Die Ausstattung des Rocky Mountain Altitude Rally Edition

Dass die Jungs und Mädels von Rocky Mountain etwas von ihrem Job verstehen, sieht man schon an den Reifen, die sie dem Altitude Rally Edition spendiert haben. Denn ein potentes Bike braucht potente Reifen! Umso besser, dass hier MAXXIS-Pneus mit robuster Doubledown-Karkasse verbaut sind. Auch die restliche Ausstattung ist erste Sahne: FOX Factory-Fahrwerk mit massiver 38-Federgabel und FLOAT X2-Dämpfer, Shimano XTR-Antrieb sowie -Bremse mit großen Bremsscheiben und eine Teleskopsattelstütze mit 170 mm Verstellbereich. Top! Bei den Laufrädern setzen die Kanadier wie auch beim Cockpit auf edle Race Face-Teile, die funktional und optisch perfekt ins Gesamtbild passen. So viel Highend hat dann aber auch seinen Preis: Mit 9.900 € ist das Altitude in dieser Traumausstattung wahrlich kein Schnäppchen.

Das RIDE-9-System ermöglicht es, sowohl die Geometrie als auch Kennlinie des Altitude an die eigenen Vorlieben anzupassen. Erfahrungsgemäß macht man das einmal, danach verstellt man hier nichts mehr.
Das Rocky Mountain Altitude ist das einzige Bike im Test, das serienmäßig über wirklich robuste Reifen verfügt. Sie wiegen zwar etwas mehr, sind dafür aber nicht sofort platt, wenn man einen Stein mal etwas schräg ansieht.
Beim Altitude lässt sich die Länge der Kettenstreben variieren. Hierfür müssen nur der Bremsadapter sowie der Flip-Chip gedreht werden. Extrateile sind nicht nötig.

Rocky Mountain Altitude Carbon 90 Rally Edition

9.900 €

Ausstattung

Federgabel FOX 38 Factory GRIP2 170 mm
Dämpfer FOX FLOAT X2 Factory 160 mm
Sattelstütze Race Face Turbine R 170 mm
Bremsen Shimano XTR 4-Kolben 203/203 mm
Schaltung Shimano XTR 32/10-51
Vorbau Race Face Turbine R 40 mm
Lenker Race Face Next R 780 mm
Laufradsatz Race Face Turbine R
Reifen MAXXIS Minion DHF MaxxGrip DD/MAXXIS Minion DHR II MaxxGrip DD 2,5"/2,4"

Technische Daten

Größe S M L XL
Gewicht 14,56 kg
Laufradgröße 29"


Eine Schwäche leistet sich das Rocky Mountain leider: Es hat kein geschraubtes Tretlager.
Bis auf die nervig klappernden Bremsbeläge ist das Rocky Mountain super leise und macht keinen Mucks.
Die Strebe zwischen den Kettenstreben steht unter Dauerbeschuss von Dreck. Sie wird beim Altitude mit einem extra Plastikteil geschützt.

Super variabel – Die Geometrie des Rocky Mountain Altitude

Du willst, es du kriegst es – so oder so ähnlich lautet das Motto, wenn es um die Geometrie des Altitude geht. Denn gleich zwei Flip-Chips machen das Rad extrem variabel. So kann man die Kettenstrebenlänge zwischen 438 und 448 mm einstellen, ohne Einfluss auf die Geometrie des Front-Centers zu nehmen. Der Lenk- und Sitzwinkel lassen sich wiederum um etwa 1° von 64,4 bis 65,5° bzw. von 75,4 bis 75,5° verstellen. Der Reach in Größe Large beträgt in der flachen Einstellung 474 mm, im steilen Setting liegt er bei 486 mm.

Größe S (27,5″) M (29″) L (29″) XL (29″)
Sattelrohr 380 mm 420 mm 445 mm 480 mm
Oberrohr 579 mm 610 mm 639 mm 672 mm
Steuerrohr 100 mm 95 mm 110 mm 125 mm
Lenkwinkel 64,8° 64,8° 64,8° 64,8°
Sitzwinkel 75,8° 75,8° 75,8° 75,8°
Kettenstrebe 427-437 mm 437-447 mm 437-447 mm 437-447 mm
BB Drop 15 mm 29 mm 30 mm 30 mm
Radstand 1.171 mm 1.217 mm 1.249 mm 1.285 mm
Reach 428 mm 453 mm 478 mm 508 mm
Stack 598 mm 622 mm 635 mm 649 mm
Helm Giro Tyrant | Brille Oakley Sutro | Jersey Flanell Hemd
Shorts ION SCRUB Shorts | Knieschoner ION K_PACT | Schuhe Specialized 2FO Roost

Entspannt, komfortabel und gemächlich – das Altitude ist im Uphill keine Rakete.

Dass die Geometrietabelle nicht immer die ganze Wahrheit sagt, wird klar, wenn man mit dem Rocky Mountain Altitude bergauf pedaliert. Der Sitzwinkel ist auf dem Papier flach, in der Praxis sitzt man aber sehr bequem. Die Sitzposition ist nicht so aufrecht wie beim Nukeproof oder COMMENCAL, aber keineswegs hecklastig. Das Fahrwerk ist auf Traktion ausgelegt und verhärtet unter Kettenzug kaum, daher lohnt sich beim Rocky Mountain der Griff zur gut erreichbaren Plattformdämpfung immer dann, wenn Traktion nicht so wichtig ist. Alles in allem klettert das Altitude solide und man erreicht jeden Trail-Einstieg entspannt.

Wofür das Rocky Mountain Altitude geschaffen wurde, wird schnell klar, wenn sich der Trail bergab neigt und die Schwerkraft übernimmt. Dieses Bike macht alles platt und schluckt alles weg. Der Hinterbau arbeitet super feinfühlig und schafft es, eine enorme Ruhe ins Chassis zu bringen, ohne den Fahrer dabei zu sehr vom Trail zu isolieren. Man schwebt quasi über den Dingen, bekommt aber durchaus mit, was gerade passiert.

Mega sicher, mega direkt, mega spaßig – das Rocky überzeugt bergab in jeder Lebenslage.

Die Traktion, die das Altitude Rally Edition erzeugt, ist enorm und dennoch bietet das Rad enormen Pop und hat massig Reserven am Ende des Federwegs – genial! Wir sind das Rocky ausschließlich im flachen Setting gefahren und hatten dennoch auch in flachen Sektionen nie den Eindruck, zu wenig Druck am Vorderrad zu haben. Das Handling ist ausgewogen, gutmütig und intuitiv. Richtungswechsel setzt das Altitude präzise um und lässt sich selbst in den härtesten Sektionen millimetergenau navigieren. Das macht es möglich, das Rad voll auf Angriff zu fahren und den Grenzbereich perfekt auszunutzen. Kurz noch die Kurve etwas enger machen, um an einem Stein vorbeizukommen? Kein Problem! Ein aktiver Fahrstil wird vom Altitude belohnt, aber nicht gefordert, und egal auf welchen Trail man sich mit ihm auch verirrt, es macht einfach überall verdammt viel Spaß!

Wie fährt sich das Altitude im Vergleich mit der Konkurrenz?

Die beiden größten Konkurrenten des Rocky Mountain Altitude sind das Nukeproof Mega 290 AL und das Trek Slash. Das Mega 290 bietet noch etwas mehr Grip als das Rocky Mountain, liefert dabei aber weniger Feedback und macht so bei einfachen Trails weniger Spaß. Der Kauftipp, das Slash, klettert leichtfüßiger und effizienter als das Altitude, kann aber bergab nicht ganz mit dem Speed des Altitde mitgehen. Dafür ist das Slash gerade auf flacheren Trails agiler und spaßiger. Wer allerdings bergauf fährt, um bergab auf harten Trails den meisten Spaß zu haben, ist mit dem Altitude besser bedient.

Tuning-Tipps: gegen das nervige Klackern die Feder der Bremsbeläge aufbiegen oder gegen ein Modell ohne Kühlrippen tauschen

Fahreigenschaften

12

Uphill

1
  1. schwerfällig
  2. effizient

Agilität

2
  1. träge
  2. verspielt

Laufruhe

3
  1. nervös
  2. laufruhig

Handling

4
  1. fordernd
  2. gutmütig

Fahrwerk

5
  1. unsensibel
  2. feinfühlig

Fahrspass

6
  1. langweilig
  2. lebendig

Value for money

7
  1. schlecht
  2. sehr gut

Einsatzbereich

XC

8

Trail

9

Enduro

10

Downhill

11

Fazit

Das Rocky Mountain Altitude Rally Edition sichert sich in unserem Enduro-Bike-Vergleichstest völlig verdient den Sieg. Es brilliert in jeder Lebenslage und kombiniert unglaubliche Traktion und enorme Kontrolle mit viel Pop und einem direkten, spaßigen Handling. Ihr wollt das perfekte Bike für jeden Trail dieser Welt? Mit dem Rocky Mountain Altitude Rally Edition habt ihr es gefunden! Da nimmt man auch gerne in Kauf, dass es bergauf keine Rakete ist.

Stärken

  • unglaublich guter Kletterer
  • Fahrwerk bietet guten Pop und ist dennoch feinfühlig
  • insgesamt sehr vielseitiges Bike

Schwächen

  • in flachen Sektionen unausgewogen
  • bei harten Schlägen am Limit
  • nerviges Geklapper

Mehr Informationen findet ihr unter bikes.com

Das Testfeld

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Enduro-Bike 2021 – 13 Modelle im Test

Alle Bikes im Test: Canyon Strive CFR (Zum Test) | COMMENCAL Meta AM 29 Öhlins (Zum Test) | GIANT Reign Advanced Pro 0 (Zum Test) | Ibis Ripmo V2 (Zum Test) | Nukeproof Mega 290 Alloy Pro (Zum Test) | Propain Spindrift CF Mix Custom (Zum Test) | Rocky Mountain Altitude Carbon 90 Rally Edition | Santa Cruz Megatower CC X01 Coil RSV (Zum Test) | Santa Cruz Nomad CC X01 RSV (Zum Test) | Specialized Enduro Expert (Zum Test) | Specialized S-Works Stumpjumper EVO (Zum Test) | Transition Sentinel XT (Zum Test) | Trek Slash 9.8 XT (Zum Test)

Text: Christoph Bayer Fotos: Christoph Bayer, Valentin Rühl, Markus Frühmann

Über den Autor

Christoph Bayer

Wenn sich Arbeit nicht nach Arbeit anfühlt, dann hat man alles richtig gemacht – und das hat Christoph geschafft! Er liebt das Biken, ist ein Fan von Tech-Talk (zum Leid seiner Freundin Toni), hat super viel Spaß an der Fotografie und bereist gerne die Welt. Er ist fast seit Anfang an bei ENDURO dabei und als Chefredakteur dafür verantwortlich, dass ENDURO das progressivste und aufregendste Magazin der Branche ist. Natürlich schreibt er noch jede Menge Content selbst, testet knapp 100 Bikes im Jahr und sitzt nahezu täglich auf dem Rad. Die alpinen Trails rund um seinen Heimatort dienen dabei als perfektes Testgelände. Den klassischen Arbeitstag gibt es für ihn nicht, mal ist er im Office, mal mit dem Laptop im Garten oder er arbeitet direkt vom Van aus in den Top-Bikespots dieser Welt – für Christoph sind die Grenzen fließend und genau das weiß er so zu schätzen.