Es gibt Dinge, bei denen kann man einfach bedenkenlos zuschlagen. Zum Beispiel bei eiskaltem After-Ride-Bier, einer Honda Helix – dem Cadillac unter den Rollern – und beim neuen ROSE ROOT MILLER. Wir waren mit den beiden Geschossen unterwegs und haben das Trail-Bike ausgiebig getestet.

ROSE ROOT MILLER 3 | 150/150 mm | 29” | 14,42 kg | S–XL | 3.399 € | Hersteller-Link
Honda Helix | 23 PS | 250 CC | ziemlich schwer | ca. 1.000 €, aber jeden Cent wert!

Dieser Test beweist: Das ROSE ROOT MILLER und der Honda Helix haben etliche Gemeinsamkeiten. Die offensichtlichste ist die Optik, denn beide stechen ins Auge und ziehen die Blicke auf sich. ROSE hat seinem Portfolio einen neuen markanten Look mit klaren Ecken und Kanten verpasst, der auch bei den Alu-Modellen stark an die Optik von Carbon-Bikes erinnert. Das ROOT MILLER ist da keine Ausnahme. Das Bike gibt es in drei Farben, wobei eigentlich nur eine in Frage kommt: Miami Ice!

Adiletten, ein Honda Helix und das ROSE ROOT MILLER – easy living kann so einfach sein!

Das ROSE ROOT MILLER im Detail

So auffallend die Farbe des ROSE ausfällt, so klassisch sind die inneren Werte des Bikes. ROSE wollte mit dem ROOT MILLER ein vielseitiges Bike zum fairen Preis schaffen und setzt daher auf Bewährtes. Es ist ein 29er Trail-Bike mit klassischem Viergelenk-Hinterbau und 150 mm Federweg an Front und Heck. Die Züge laufen im Rahmen integriert und werden am Eingang geklemmt. Leider kam es bei unseren Test-Bike dennoch zu nervigem Geklapper.

Schick
Das neue, markante Design von ROSE weiß zu gefallen. Hier trifft Carbon-Look auf Aluminium-Rohre.

Die Ausstattung unseres 3.399 € günstigen Top-Modells lässt fast keine Wünsche offen – und falls doch, lässt sich vieles auch im Konfigurator noch anpassen. ROSE verbaut ein FOX Factory-Fahrwerk, bestehend aus einem DPX2-Dämpfer und einer 36 FIT4-Federgabel. Wir hätten uns hier allerdings eine GRIP2-Version gewünscht. Nicht wegen dem Mehr an Verstellmöglichkeiten – die können auch nerven –, sondern weil sie insgesamt einfach noch geschmeidiger und präziser funktioniert.

ROSE 2020 Root Miller

3.399 €

Ausstattung

Federgabel FOX 36 Float Fit4
Dämpfer FOX FLOAT DPX2
Sattelstütze ROSE-Dropper
Bremsen SRAM G2 RSC 200/180 mm
Schaltung SRAM X01/GX Eagle 32/10-50
Vorbau Level Nine Race 45 mm
Lenker Level Nine Race 800 mm
Laufradsatz DT Swiss M1700 SPLINE
Reifen Schwalbe Magic Mary TLE / Hans Dampf TLE 2,35"/2,35"

Technische Daten

Größe S M L XL
Gewicht 14,42 kg

Geschalten wird mit einem SRAM GX/X01-Mix, wobei ROSE hier genau die falschen Prioritäten setzt und ein teures Schaltwerk mit dem einfacheren Schalthebel und einer schweren Kassette kombiniert. Auf den ersten Blick sieht das nice aus, kostet aber unnötig Geld, ohne die Performance wirklich zu verbessern. Die restlichen Teile geben keinen Raum für Kritik. Wir würden im Konfigurator aber das kostenlose Upgrade auf einen Satz MAXXIS Minion DHR2 durchführen und die pannenanfällige Schwalbe-Kombo ersetzen. Zudem würden wir einen Lenker mit etwas mehr Rise und mindestens 20 mm Spacer unter dem Vorbau verbauen – all das lässt sich problemlos im Konfigurator anpassen.

GrößeSMLXL
Sattelrohr410 mm440 mm470 mm500 mm
Oberrohr565 mm592 mm621 mm650 mm
Steuerrohr95 mm100 mm110 mm120 mm
Lenkwinkel66°66°66°66°
Sitzwinkel76,6°76,5°76,4°76,2°
Kettenstrebe442 mm442 mm442 mm442 mm
Tretlager Höhe348 mm348 mm348 mm348 mm
Radstand1176 mm1203 mm1232 mm1261 mm
Reach420 mm445 mm470 mm495 mm
Stack609 mm613 mm623 mm632 mm

Die Geometrie des ROSE ROOT MILLER 2020

Eigentlich empfiehlt ROSE das ROOT MILLER in Größe Large erst ab einer Körpergröße von 183 cm. Allerdings fällt die Geometrie mit einem Reach von 470 mm, 442 mm langen Kettenstreben und einem 66° steilen Lenkwinkel alles andere als extrem aus und so haben wir uns mit einer Körpergröße von 180 cm auf dem Rad pudelwohl gefühlt. Die Größe Medium wäre hier definitiv zu klein. Das Tretlager ist mit einer Absenkung von nur 28 mm relativ hoch und das Sitzrohr mit 470 mm relativ lang – letzteres limitiert die Montage einer Teleskopsattelstütze mit viel Hub und könnte auch ein Problem werden, wenn ihr – wie wir – zur nächst größeren Rahmengröße greift. Serienmäßig kommt das ROOT MILLER mit einer 150 mm Stütze.

Nervig
Die Züge werden zwar am Eingang fixiert, am Ausgang aber nicht. Das führt zu nervigem Geklapper.
Ganz schön lang
Das Sitzrohr fällt mit 470 mm sehr lang aus. Das limitiert bei Fahrern mit kurzen Beinen die Kompatibilität mit langen Sattelstützen.
Geblendet
Der Mix aus GX- und X01-Komponenten ist problemlos möglich. Allerdings hätten wir uns eher eine leichtere Kassette als ein teures Schaltwerk gewünscht.
Konfigurator
Rose gibt die Möglichkeit, das Rad online direkt zu konfigurieren. Wir empfehlen beim ROOT MILLER einen Lenker mit etwas mehr Rise zu montieren.

Gutmütig, Komfortabel, vielseitig – Das ROOT MILLER 3 auf dem Trail

Die Sitzposition auf dem ROSE ROOT MILLER ist wie auch auf dem Honda Helix super komfortabel. Aufgrund des eher flachen Sitzwinkels empfiehlt es sich definitiv, den Sattel nach vorn zu schieben, um nicht wie auf dem Roller zu weit hinten zu sitzen. Außerdem lohnt es sich, auch mal kurz nach unten zu greifen, um die Plattformdämpfung am Hinterbau zu aktivieren. Der Hinterbau sackt zwar nicht weg, aber er neigt etwas zum Wippen. Dennoch beschleunigt das Rad leichtfüßig und baut schnell Geschwindigkeit auf. Insgesamt ist das ROSE ein sehr solider Kletterer, der seinen Fahrer komfortabel zum Trail-Einstieg bringt. Bei technischen Uphills lässt man das Heck offen und profitiert dann von einem hohen Maß an Traktion und Komfort.

Smiles for miles – auch wenn der Hinterbau nicht super antriebsneutral ist, klettert das ROSE doch angenehm leichtfüßig bergauf

Bitter nötig
Leider wippt der Hinterbau bergauf ordentlich und sackt bei steilen Anstiegen tief in den Federweg – der Griff zur Plattformdämpfung lohnt sich daher.

Apropos Traktion: Davon bietet das ROSE bergab einiges. Einerseits, weil der Hinterbau feinfühlig anspricht und kleine Schläge angenehm wegfiltert. Zudem ist die Balance des Bikes sehr gelungen. Als Fahrer steht man zentral, gefühlt genau zwischen den beiden Laufrädern, und hat auch ohne viel Input stets guten Grip an beiden Reifen. Wir hätten uns einen noch etwas höheren Lenker bzw. ein etwas tieferes Tretlager gewünscht, um noch etwas mehr im Rad integriert zu stehen. Im Gegenzug punktet das ROOT MILLER mit einem sehr leichtfüßigen Handling und einem verspielten Charakter. Trotz der 29er-Laufräder setzt es Richtungswechsel direkt, schnell und präzise um. Enge Sektionen stellen es ebenso wenig vor Herausforderungen wie schnell Rechts-Links-Wechsel.

Girls & Boys just wanna have fun! Das ROOT MILLER lädt zum Spielen mit dem Trail ein!

Auf flachen Trails generiert das ROOT MILLER dank gutem Gegenhalt im Fahrwerk viel Geschwindigkeit und an Kanten und Wellen lässt sich mit ihm hervorragend abziehen und Air-Time generieren. Wenn es richtig zur Sache geht, die Schläge groß werden, das Tempo steigt und das Gelände an Steilheit gewinnt, gerät das ROSE nicht außer Kontrolle. Stattdessen sagt es seinem Fahrer sehr unterschwellig, dass es an der Zeit wäre, etwas das Tempo zu reduzieren. Denn bei Highspeed gibt das Fahrwerk Schläge spürbar an den Fahrer weiter und der Geometrie fehlt es an Laufruhe. Hier zeigen sich die Grenzen des Bikes, das sich in offenen Kurven und auf flowigen Abschnitten wohler fühlt als im Rock-Garden.

Tuning Tipp: Lenker mit mehr Rise montieren, ggf. Reifen tauschen und die Züge im Rahmen fixieren.

Unser Fazit zum ROSE ROOT MILLER

Das Handling des ROSE ROOT MILLER 3 ist genau das Gegenteil zur super auffälligen Lackierung: Unauffällig. Denn auf dem Trail ist das ROOT MILLER stets gutmütig, einfach und berechenbar. Das Bike feuert kein Innovations-Feuerwerk ab und brilliert auch nicht in einzelnen Bereichen, liefert aber eine durch die Bank zuverlässige Performance. Wer ein Rad mit großem Einsatzbereich sucht, für das man noch dazu nicht tief in die Tasche greifen muss, wird hier fündig. Don’t worry, be happy!

Stärken

  • rausgewogenes, gutmütiges Handling
  • feinfühliger Hinterbau mit gutem Gegenhalt
  • top Preis-Leistung
  • großer Einsatzbereich

Schwächen

  • Bergauf lohnt der Griff zur Plattformdämpfung
  • klappernde Züge
  • kann alles, aber nichts perfekt

Mehr Informationen findet ihr unter rosebikes.de

Text & Fotos: Christoph Bayer