Alles an den Eckdaten des SCOTT Ransom 900 Tuned klingt nach einem Vollgas-Enduro: 29”-Laufräder, 170 mm Federweg, 64,5°-Lenkwinkel. Auf dem Trail dagegen erweist sich das Rad vor allem als extrem effizient und vielseitig. Woran das liegt? Wir haben es herausgefunden.

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Enduro-Bike 2020

SCOTT Ransom 900 Tuned | 170/170 mm | 13,42 kg | 7.599 €

Im letzten Jahr hat SCOTT mit dem Ransom das Revival eines echten Kult-Bikes gefeiert. Allerdings hat seine Reinkarnation bis auf den Namen nichts mehr mit seinem Vorgänger zu tun. Der Pull-Shock-Dämpfer von damals ist einem FOX Nude-Federbein mit TwinLoc-Technologie gewichen. Außerdem lässt sich die Endprogression des Dämpfers über einen kleinen Hebel sogar auf dem Trail einstellen. An der Front arbeitet eine FOX 36 Factory FIT4, die sich ebenfalls via Lenker-Remote verhärten lässt. Sie bietet leider weniger Verstellmöglichkeiten und eine etwas weniger sensible Performance als ein Modell mit GRIP2-Kartusche. Typisch SCOTT, verfügt das von uns getestete, 7.599 € teure Topmodell über ein futuristisches Syncros Hixon iC Rise-Cockpit in der gleichen Farbe wie das Bike – super nice, wie wir finden. Abgerundet wird die Ausstattung von einer SRAM X01 Eagle-Schaltung, einer Shimano XT-Vierkolbenbremse, einer 150 mm langen FOX Transfer-Sattelstütze und Syncros Revelstoke 1.5-Laufrädern. Auffällig sind die 29 x 2,6” breiten MAXXIS Minion DHF-Reifen. Dank eines Flip-Chips in der oberen Dämpferaufnahme kann das Ransom auf Wunsch mit 27,5”- oder 29”-Laufrädern gefahren werden. Mit einem Gewicht von 13,42 kg war es eines der leichtesten Bikes in diesem Vergleichstest.

Super schick
Das Syncros Hixon iC Rise-Cockpit in derselben Farbe wie das Rad sieht super futuristisch aus und wenn die Abmessungen zu den eigenen Vorlieben passen, ist es genial. Einige unserer Tester hätten sich aber weniger Backsweep gewünscht und würden daher den Lenker und Vorbau austauschen.
Suboptimal
SCOTT ist es zwar gelungen, alle Verstellhebel optisch schön zu integrieren. Leider ist der mit am häufigsten benutzte, die Sattelstütze, aber nur schwer zu erreichen.
Gut gedämpft
Der Kettenstrebenschutz dämpft Schläge der Kette effektiv und macht das Rad dadurch sehr leise.
Ramp it up!
Am Dämpfer des Ransom lässt sich die Progression über einen kleinen Verstellhebel einstellen. Uns hat das progressivere Setup besser gefallen. Es bietet mehr Gegenhalt und sorgt für eine ausgewogene Gewichtsverteilung.

Scott Ransom 900 Tuned

7.599 €

Ausstattung

Federgabel FOX 36 Factory FIT4 170 mm
Dämpfer FOX NUDE TR EVOL 170 mm
Sattelstütze FOX Transfer Factory 175 mm
Bremsen Shimano XT 4-Kolben 200/180 mm
Schaltung SRAM X01 Eagle 32 - 10/50
Vorbau Syncros Hixon iC Rise Carbon 50 mm
Lenker 800 mm
Laufradsatz Syncros Revelstoke 1.5 29

Technische Daten

Größe S, M, L, XL
Gewicht 13,42 kg


Zu breit
Den 2,6” breiten MAXXIS Minion DHF fehlt es an Pannenschutz. Wir würden lieber zur minimal schmaleren 2,5 WT-Variante greifen. Wer es richtig krachen lassen will, montiert außerdem einen Reifen mit Doubledown-Karkasse.
Leider nur FIT4
Aufgrund des TwinLoc-Systems kommt bei der FOX 36 leider nicht die GRIP2-Kartusche zum Einsatz. Sie würde noch mal feinfühliger funktionieren und man könnte sie besser an die eigenen Vorlieben anpassen – schade.
Ständig lose
Der Stöpsel am Zugeingang zur Kettenstrebe hat sich während des Tests mehrfach gelöst und baumelte dann lose am Kabel.

Geometrie und Größe des SCOTT

Die Geometrie des SCOTT Ransom ist auf den ersten Blick voll auf Abfahrtsperformance getrimmt. Der Lenkwinkel ist flach, der Reach gut gewählt. Allerdings ist das Tretlager eher hoch, was besonders schade ist, da man es für den Uphill mithilfe des TwinLoc-Systems ohnehin erhöhen kann. Ebenfalls etwas altbacken wirkt das lange Sitzrohr. Ein Flip-Chip im Umlenkhebel ermöglicht es, das Rad sowohl mit 29”- als auch mit 27,5”-Laufrädern zu fahren.

Größe S M L XL
Sattelrohr 420 mm 440 mm 470 mm 500 mm
Oberrohr 571 mm 602 mm 635 mm 671 mm
Steuerrohr 100 mm 100 mm 115 mm 130 mm
Lenkwinkel 64,5° 64,5° 64,5° 64,5°
Sitzwinkel 75,0° 75,0° 75,0° 75,0°
Kettenstrebe 438 mm 438 mm 438 mm 438 mm
Tretlagerabsenkung 22 mm 22 mm 22 mm 22 mm
Radstand 1.183 mm 1.216 mm 1.249 mm 1.289 mm
Reach 406 mm 440 mm 467 mm 500 mm
Stack 614 mm 614 mm 628 mm 641 mm
Helm MET Parachute | Goggle SCOTT Prospect MX | Jersey Fox Flexair Jersey | Shorts Fox Ranger Shorts | Knieschoner Bluegrass Solid Knee

Das SCOTT Ransom 900 Tuned im Test

Sein geringes Gewicht macht sich auch direkt nach dem Aufsteigen bemerkbar. Das Ransom 900 Tuned beschleunigt extrem willig und sprintet zügig nach vorn. Die Sitzposition ist leicht gestreckt und passt gut zum Charakter des Bikes. Bei offenem TwinLoc im Descend-Modus sitzt man etwas weit über dem Hinterrad, doch aktiviert man den Traction Control-Modus, reduziert sich der SAG und das Ransom klettert leichtfüßiger bergauf als viele Trail-Bikes. Allerdings würden wir uns wünschen, dass nur der Dämpfer und nicht auch die Federgabel verhärtet wird. Speziell bei sehr steilen und technischen Anstiegen hätten wir uns den zusätzlichen Komfort, aber auch den steileren Sitzwinkel durch eine leicht einsackende Federgabel gewünscht. Öffnet man das Fahrwerk vom Lenker aus, spricht der Hinterbau wirklich feinfühlig an und liegt satt auf dem Trail. Wir haben in unserem Test die Einstellung mit mehr Progression am Dämpfer bevorzugt. So steht das Federbein höher im Federweg, bietet an Kanten mehr Gegenhalt und man hat insgesamt eine bessere Balance auf dem Bike.

Heute Hometrail, morgen Alpencross – das SCOTT Ransom ist ein super effizientes und vielseitiges Bike.

Richtungswechsel erledigt das SCOTT sehr willig und direkt. Leider hat man aber sowohl in Kurven als auch im anspruchsvollen Gelände das Gefühl, mehr auf dem Bike als im Bike integriert zu stehen. Ein Grund könnte das relativ hohe Tretlager sein, denn dadurch fehlt es dem Ransom nicht nur etwas an Laufruhe, sondern es fällt seinem Fahrer in offenen Kurven auch schwerer, Grip zu generieren. Schade, denn gerade mit dem TwinLoc-System hätte SCOTT die Tretlagerhöhe tiefer wählen können. Mit schwereren und robusteren Reifen könnte man nicht nur die Laufruhe durch die höhere rotierende Masse erhöhen, sondern würde auch die Gefahr von Platten deutlich reduzieren. Allerdings verliert das Rad mit neuen Reifen an Spritzigkeit bergauf.

Wird das Gelände richtig hart, fällt das Ransom zurück – als Fahrer fühlt man sich trotz der 29er-Laufräder nur wenig ins Rad integriert.

Wie fährt sich das SCOTT Ransom 900 Tuned im direkten Vergleich mit der Konkurrenz?

Das SCOTT Ransom ist dank seines TwinLoc-Systems und des geringen Gewichts das effizienteste Bike bergauf in diesem Vergleichstest! Sein feinfühliger und definierter Hinterbau erinnert an den des RAAW oder des Nukeproof Mega. Im anspruchsvollen Terrain fällt es aber aufgrund der Tatsache, dass man mehr auf dem als in dem Bike steht, deutlich zurück.

Tuning Tipp: den TwinLoc an der Federgabel deaktivieren | schwerere, pannensichere Reifen | ggf. neuen Lenker und Vorbau kaufen

Fahreigenschaften

12

Uphill

1
  1. schwerfällig
  2. effizient

Agilität

2
  1. träge
  2. verspielt

Laufruhe

3
  1. nervös
  2. laufruhig

Handling

4
  1. fordernd
  2. gutmütig

Fahrwerk

5
  1. unsensibel
  2. feinfühlig

Fahrspass

6
  1. langweilig
  2. lebendig

Value for money

7
  1. schlecht
  2. sehr gut

Einsatzbereich

XC

8

Trail

9

Enduro

10

Downhill

11

Fazit

Das SCOTT Ransom 900 Tuned ist ein Bike für alle, die ein extrem effizientes und durchgestyltes Enduro suchen und bergab vorzugsweise im technischen alpinen Terrain unterwegs sind. Es klettert grandios bergauf und punktet bergab mit hohem Komfort – bei Highspeed und auf harten Trails fehlt es dem Rad aber an Souveränität.

Stärken

  • sehr vielseitiger Einsatzbereich
  • effizient bergauf
  • intuitiv und gutmütig bergab

Schwächen

  • geringe Laufruhe
  • man steht mehr auf dem als in dem Bike
  • keine GRIP2-Dämpfungskartusche in der Federgabel

Mehr Informationen zum SCOTT Ransom 900 Tuned findet ihr auf scott-sports.com

Das Testfeld

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Enduro-Bike 2020

Alle Bikes im Test: Canyon Strive CFR 9.0 LTD | CUBE Stereo 170 SL 29 | Giant Reign Advanced 29 0 | Ibis Mojo HD5 | Norco Sight C1 29 | Nukeproof Mega 275C RS | Nukeproof Mega 290C Pro | Orbea Rallon M-LTD | Pole Stamina 180 LE | RAAW Madonna V2 FOX Factory Built | Rocky Mountain Slayer Carbon 90 29 | Santa Cruz Megatower CC X01 Reserve | SCOTT Ransom 900 Tuned | Specialized S-Works Enduro 2020 | Specialized Turbo Kenevo Expert | Trek Slash 9.9 X01 AXS | Yeti SB150 T2 | YT CAPRA 29 CF Pro Race

Text: Christoph Bayer Fotos: Christoph Bayer / Finlay Anderson / Markus Frühmann

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Über den Autor

Christoph Bayer

Abwechslung – das ist für Christoph das Wichtigste. Sowohl auf dem Bike als auch bei seiner Tätigkeit für ENDURO. Er kümmert sich federführend um das sechs Mal im Jahr erscheinende Magazin und ist dort gleichzeitig Fotograf und Redakteur. Auf dem Rad trifft man ihn vor allem im alpinen Terrain an, wo er neben flowigen Trails auch gerne mal eng verwinkelte oder verblockte Strecken in Angriff nimmt.