Dass Specialized gute Bikes baut, steht außer Frage – doch bei der Marke aus Morgan Hill begann alles mit Reifen. Noch bevor 1981 das erste Stumpjumper das Licht der Welt erblickte, brachte Specialized schon 1976 den Touringreifen „Tri-Cross“ auf den Markt – und war damit einer der ersten US-Hersteller mit eigenem Zubehörprogramm.

Heute deckt das hauseigene Reifensortiment alles ab: vom leichten XC-Racer bis zum robusten Gravity-Pneu – oft direkt ab Werk montiert, aber ebenso separat im Fachhandel erhältlich. Damit sind Specialized-Reifen längst nicht nur für die hauseigenen Bikes relevant. Doch wie schlagen sich die aktuellen Modelle abseits vom Showroom, wenn’s richtig zur Sache geht? Wir haben die fünf wichtigsten Modelle montiert, um das herauszufinden.

Modell Gewicht Preis
Eliminator
T7/T9 GRID Gravity
29 x 2,40
1.363 g 70,00 €
Butcher
T9 GRID Gravity
29 x 2,40
1.334 g 70,00 €
Purgatory
T9 GRID Trail
29 x 2,40
1.042 g 60,00 €
Butcher
T9 GRID Trail
29 x 2,40
1.082 g 60,00 €
Cannibal
T9 GRID Gravity
29 x 2,40
1.369 g 70,00 €
Hillbilly
T9 GRID Trailbr />29 x 2,40
1.065 g 60,00 €

Die Karkassen im Überblick

Bei Specialized stehen aktuell fünf verschiedene Karkassen für den Mountainbike-Einsatz zur Verfügung.

S-Works

Die S-Works-Karkasse ist mit ihrem einlagigen 120-TPI-Aufbau die leichteste und geschmeidigste Karkasse im Angebot. Damit stellt sie die erste Wahl für XC-Rennen dar. Durch einen großen Überlappungsbereich des Karkassenmaterials soll außerdem ein solider Durchschlagschutz gewährleistet sein.

Control

Control bezeichnet bei Specialized die Allround-XC-Karkasse, die gegenüber der S-Works-Karkasse dank ihrer 60-TPI-Gewebedichte mit einem besseren Durchstichschutz punkten soll. Dafür muss man jedoch etwas mehr Gewicht in Kauf nehmen.

GRID

Auch die GRID-Karkasse ist eine 60-TPI-Konstruktion, die jedoch zusätzlich über einen Seitenwandschutz verfügt. Damit soll die GRID-Karkasse widerstandsfähig sein, ohne zu viel Gewicht mitzubringen. Specialized empfiehlt sie für den leichten Trail-Einsatz, wenn Traktion in der Abfahrt nicht die oberste Priorität ist.

GRID Trail

GRID Trail ist im Hause Specialized die Karkasse für den härteren Trail-Einsatz. Die 60-TPI-Konstruktion bietet dafür eine Pannenschutzeinlage von Wulst zu Wulst sowie verstärkte Seitenwände, die den Reifen mehr Stabilität verleihen sollen. Specialized verspricht außerdem einen guten Durchstichschutz. Der Labortest kann das bestätigen: Dort erzielt die GRID Trail-Karkasse ein gutes Ergebnis in puncto Durchstich – und das nicht nur gemessen am geringen Gewicht. Beim Durchschlag kann die GRID Trail-Karkasse jedoch nicht ganz verbergen, dass sie eine einlagige Karkassenkonstruktion ist. Dadurch ergibt sich beim Durchschlagversuch ein Ergebnis im hinteren Bereich des Testfeldes.

GRID Gravity

GRID Gravity ist bei Specialized die Karkasse fürs Grobe. Sie ist daher als zweilagige Karkassenkonstruktion aus 60-TPI-Karkassenmaterial aufgebaut. Selbstverständlich bietet auch sie zusätzliche Schutzeinlagen. Im Labortest liefert die GRID Gravity-Karkasse ab: Sie erreicht das beste Ergebnis des gesamten Testfelds beim Durchschlag. Auch gegen Durchstiche an Lauffläche und Seitenwand schützt die GRID Gravity sehr zuverlässig. Auf dem Trail hat sie zudem mit dem richtigen Maß aus Gegenhalt und Dämpfung überzeugen können.

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Die Gummimischungen im Überblick

Specialized hat drei Gummimischungen im Angebot, die den Buchstaben „T” mit einer darauffolgenden Zahl kombinieren. Das „T” steht dabei für „Tread Compound”. Die Zahl steht stellvertretend für eine von Specialized selbst erstellte Skala, die von 1 bis 10 reicht. Je höher die Zahl, desto mehr Dämpfung und Grip bietet die Gummimischung bzw. der Reifen. Gleichzeitig sind Rollwiderstand und Verschleiß auch am höchsten.

T5

T5 ist die XC-Mischung im Specialized Gummimischungsportfolio. Sie soll vor allem eines sein: schnell. Obendrein soll sie einen geringen Verschleiß und eine gute Schnittfestigkeit bieten. An den Trail- und Enduro-Reifen wird diese Gummimischung jedoch nicht eingesetzt.

T7

T7 ist die Trail-Mischung von Specialized, die gute Roll- und Gripeigenschaften miteinander verbinden soll. Dadurch sollen nicht nur hohe Geschwindigkeiten bergab möglich werden, sondern vor allem Anstiege leichter fallen. Auch eine Reichweitenmaximierung von E-Bikes bewirbt Specialized. Fakt ist: Der Labortest bestätigt der T7-Gummimischung gutes Rollverhalten. Somit eignet sich die Mischung sehr gut für den Einsatz am Hinterrad, wo sie genügend Grip und Traktion auch für höhere Abfahrtsansprüche bietet, bergauf aber wertvolle Energie einspart.

T9

Auch wenn bei den Specialized Gummimischungen die Skala von 1 bis 10 reichen soll: T9 ist aktuell die weichste Gummimischung im Portfolio. Die T10-Mischung will sich Specialized wohl noch aufsparen. Oder sie wird den Weltcup-Athleten vorbehalten? :) So oder so: Die T9-Gummimischung soll maximale Grip- und Dämpfungseigenschaften erreichen. Durch den langsamen Rebound soll sie zudem Vibrationen verringern und gleichzeitig maximalen Bodenkontakt, ergo Grip, aufbauen. Wir können diese Eigenschaften durch unseren Praxistest auf dem Trail bescheinigen. Die sehr angenehme Dämpfung gehörte zu den besten im Test und sorgte in Verbindung mit dem hohen Gripniveau stets für ein sehr berechenbares Verhalten. Der Rollwiderstand ist hoch, doch für den Einsatz am Vorderrad ist die T9-Mischung wegen ihrer hohen Abfahrts-Performance dennoch die beste Wahl.

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Die Profile im Überblick

In unserem Praxistest haben wir fünf Modelle für den Einsatzzweck Trail bis Gravity für euch getestet.

Purgatory

Der Purgatory wird von Specialized als vielseitiger Trail-Reifen eingestuft, daher wird er auch ausschließlich mit GRID- sowie GRID Trail-Karkasse angeboten. Die großvolumigen Mittelstollen sollen viel Traktion generieren. Auch am Hinterrad soll der Purgatory deshalb gut funktionieren.Die Außenstollen verlaufen nicht in einer Linie, sondern sind zueinander versetzt. Das soll laut Specialized ein berechenbares Handling gewährleisten. Genau das konnten wir im Praxistest belegen. Der Purgatory ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und bietet auch in schwierigen Situationen guten Grip und Traktion. Das vermittelt viel Sicherheit.
Den Purgatory erhaltet ihr neben den zwei Karkassenversionen mit T7- oder T9-Gummimischung. Der stets 2,4” breite Purgatory wird mit T7-Gummimischung in beiden Laufradgrößen 27,5” und 29” angeboten. Die besser am Vorderrad passende T9-Gummimischung wird ausschließlich für 29”-Laufräder angeboten.

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Eliminator

Auch wenn der Purgatory am Hinterrad bereits eine gute Figur macht, ist es der Eliminator, den Specialized als idealen Trail-Hinterreifen sieht. Erkennbar ist er an den flachen Mittelstollen. Damit rollt der Eliminator im Labor innerhalb des Specialized-Portfolios mit Abstand am leichtesten. Das liegt neben dem Profil aber vor allem an der Gummimischung. Bei der von uns getesteten Variante mit GRID Gravity-Karkasse setzt Specialized auf ein Dual-Compound-Design. Dieses kombiniert die schneller rollende T7-Gummimischung an der Lauffläche mit der griffigen T9-Gummimischung an den Seitenstollen. Damit hatten wir auch in den Abfahrten nie das Gefühl, dass das Heck unruhig wird. Leider gibt es diesen durchdachten und bergauf sowie bergab gut performenden Mix nicht für die GRID Trail-Karkasse, die nur mit T7 in Form eines Single Compounds angeboten wird – bitte nachliefern, Specialized! Wer braune Seitenwände möchte, kommt beim Eliminator mit der limitierten „Soil Searching”-Version auf seine Kosten und fördert damit das gleichnamige Programm, bei dem Specialized Trailbauer unterstützt. Die Soil Searching-Version wird auch in den Breiten 2,3” und 2,6” angeboten, während alle anderen Varianten in 2,4” ausgeführt sind.

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Butcher

Das Profil des Butchers ist vielseitig für den Einsatz von Trail bis Downhill vorgesehen.
Dementsprechend gibt es hier auch gleich drei unterschiedliche Karkassen: GRID, GRID Trail und GRID Gravity. Der Butcher soll mit besonders viel Auflagefläche punkten, was vor allem durch das Block-in-Block-Profildesign gewährleistet werden soll, bei dem kleinere Stollenblöcke für ein besseres Eingraben in den Boden sorgen sollen, während der darunterliegende größere Stollenblock mehr Stabilität bringen soll. In der von uns getesteten Variante mit T9-Gummimischung und 2,4” Breite überzeugte der Butcher als Allrounder unter allen Bedingungen mit viel Grip und Traktion – ganz egal, ob mit leichterer GRID Trail- oder in robusterer GRID Gravity-Karkassenausführung.
Der Butcher wird grundsätzlich mit der weichen T9-Gummimischung ausgeliefert. Nur die Variante mit leichter GRID-Karkasse wird darüber hinaus auch mit der härteren T7-Gummimischung angeboten. Ihr erhaltet den Butcher in den drei Breiten 2,3”, 2,4” und 2,6”. Auch beim Butcher gibt es darüber hinaus eine Soil-Searching-Variante mit braunen Seitenwänden.

Hillbilly

Der Hillbilly ist klar auf den Gravity-Bereich fokussiert. Dank des aggressiv gestalteten Profils mit tiefen Stollen und reichlich Zwischenraum sollen lose Böden sein Terrain sein. Das hat zur Folge, dass der Hillbilly den höchsten Rollwiderstand der Specialized-Reifen erzeugt. Das hat uns beim Testing am Vorderrad jedoch nicht gestört. Im Gegenteil: Im direkten Vergleich mit anderen Reifen für softe und nasse Untergründe war der Hillbilly durch sein hohes Maß an Berechenbarkeit verbunden mit der starken Dämpfung der T9-Gummimischung unser Favorit. Auch Grip und Traktion waren jederzeit erstklassig. Der Hillbilly wird sowohl mit GRID Trail- als auch mit GRID Gravity-Karkasse in 2,4” Breite und den beiden gängigen Laufradgrößen angeboten.

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Cannibal

Mit dem Cannibal fährt Specialized das schwerste Geschütz im Reifenportfolio auf, dem auch Loïc Bruni und Kollegen im Downhill-Worldcup vertrauen. Wenig verwunderlich also, dass es den reinrassigen Gravity-Reifen nur in einer einzigen Ausführung gibt: mit robuster GRID Gravity-Karkasse und softer T9-Gummimischung in 2,4” Breite. Beim Cannibal wechseln sich auf der Lauffläche gleich drei unterschiedliche Profilblöcke ab.
Besonders die breiten Bremskanten sind auffällig und sollen sich aggressiv in den Boden beißen – ob so die Namensgebung entstand? Wie beim Purgatory sind auch hier die Seitenstollen zwecks Berechenbarkeit zueinander versetzt. In der Praxis konnte der Cannibal mit massig Grip und Kontrolle punkten. Nur im direkten Vergleich zum MAXXIS Highroller verhält sich der Cannibal etwas schwammiger und weniger definiert, gerade wenn der Untergrund hart ist. Dank starker Dämpfung ist der Cannibal dennoch eine gute Wahl, wenn man nicht ausschließlich auf Hardpack-Strecken unterwegs ist.

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Unsere Empfehlung

Enduro – Allround (v/h): Hillbilly GRID Gravity T9/Eliminator GRID Gravity T7/T9

Trail – Grip (v/h): Butcher GRID Trail T9/Eliminator GRID Gravity T7/T9

Trail – leicht rollend (v/h): Purgatory GRID Trail T9/Eliminator GRID Trail T7


Alle weiteren Informationen findet ihr auf der Website von Specialized.

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Text: Lars Engmann Fotos: Peter Walker