
| ca. 19 kg (Herstellerangabe) in Größe S4 | 12.499 €| Hersteller-Website
Dass es kommt, war eigentlich nur eine Frage der Zeit – fünf Jahre sind in der schnelllebigen Downhill-Welt trotzdem ein ordentliches Brett. Dafür hat Specialized das neue Demo 11 aber nicht einfach nur modellgepflegt, sondern technisch einmal komplett auf links gedreht. Die Amerikaner greifen tief in die Trickkiste und verpassen dem Bike eine Reihe ungewöhnlicher Lösungen, die vor allem Dreierlei bringen sollen: mehr Ruhe, mehr Kontrolle und am Ende mehr Speed. Dass das kein bloßes Marketing-Versprechen ist, hat das Demo 11 im World Cup unter Loïc Bruni längst angedeutet.
Beim Setup bleibt das Demo 11 kompromisslos auf Racing getrimmt: Specialized setzt auf ein Mullet-Konzept mit 29″-Vorderrad, 27,5″-Hinterrad und satten 200 mm Federweg an Front und Heck. Beim Preis wird ebenfalls schnell klar, in welcher Liga das Bike unterwegs ist: Das Komplettrad kostet 12.499 € mit neuem RockShox Ultimate-Fahrwerk, SRAM MAVEN Ultimate-Bremsen (220/200 v/h Scheiben) und der neuen SRAM XX DH AXS-Schaltgruppe. Und wer beim Blick aufs Preisschild noch immer nicht nach Luft schnappt, kann auch nur zum Frameset greifen – für 7.499 €. Was man dafür bekommt, lest selbst!
Das neue Specialized Demo 11 im Detail
HighGear gegen Pedal Kickback
Vollgepackt mit Technik, stellt sich schnell die Frage, wo man überhaupt anfangen soll. Im Mittelpunkt steht stattdessen das neue HighGear-System, ein gemeinsam mit SRAM entwickeltes Antriebslayout, das nicht nur etwa 30 mm mehr Bodenfreiheit schaffen, sondern vor allem die Lage des Kettenblatts unabhängig von der Kurbelachse definieren soll. Dadurch sitzt es höher und besser geschützt im Rahmen – ein klarer Vorteil, wenn es auf der Rennstrecke hart zur Sache geht. Entscheidend ist aber vor allem: Durch die freiere Positionierung lassen sich Anti-Squat, Kettenzug und die damit verbundenen Einflüsse auf den Hinterbau gezielter abstimmen. Heißt unterm Strich: weniger störende Antriebseinflüsse auf das Fahrwerk und deutlich weniger Pedal Kickback.
Thema Pedal Kickback: Normalerweise entsteht dieser Rückschlag, weil sich beim Einfedern die Kettenlänge verändert und dadurch Zug auf die Kurbel kommt – das Pedal (nicht das Imperium ;-) ) schlägt zurück. Beim Demo 11 wird die Kraftübertragung jedoch im HighGear über eine Zwischenwelle (Jackshaft) umgeleitet. Entscheidend ist dabei die Position des Antriebsrings: Die Kettenlänge oberhalb der Kettenstrebe bleibt konstant, egal wie tief das Bike im Federweg steht. Heißt konkret: Das Fahrwerk kann arbeiten, ohne dass die Kette daran „zieht“. So entkoppelt das HighGear-System Antrieb und Hinterbau weitgehend voneinander. Specialized verspricht, dass Pedal Kickback dadurch nahezu komplett verschwindet – das Bike bleibt ruhiger, hält besser die Linie und verliert weniger Geschwindigkeit auf ruppigen Strecken.
OBB-Federungssystem für mehr Spurtreue
Beim Hinterbau geht Specialized mit dem sogenannten OBB-System (Over Bottom Bracket) den nächsten ungewöhnlichen Schritt. Gemeint ist damit die Art, wie der Hinterbau den Dämpfer ansteuert – also wie die Kräfte beim Einfedern übertragen werden. Der große Vorteil: Die Renn-Ingenieure können zentrale Eigenschaften, etwa wie sich das Hinterrad beim Einfedern bewegt, die Kennlinie des Fahrwerks (Leverage Rate) und Bremseinflüsse unabhängig voneinander abstimmen. Während sich diese Faktoren bei vielen Bikes gegenseitig beeinflussen und Kompromisse erzwingen, soll das OBB-System genau das vermeiden. So bleibt das Fahrwerk auch beim Bremsen aktiv, reagiert sensibel auf Schläge und behält gleichzeitig ein berechenbares Verhalten bei hoher Geschwindigkeit.
Beim OBB-System des Demo 11 erfolgt die Dämpferanlenkung über die Kettenstreben angelenkt und zwischen Hauptdrehpunkt und Hinterachse gewissermaßen gezogen statt gedrückt. Genau darin sieht Specialized einen Vorteil: Wird eine Last gezogen, bleibt sie von Natur aus leichter in der Spur. Ein ganz gutes Bild dafür ist der Bollerwagen – zieht man ihn am Griff, läuft er in der Regel gerade und stabil hinterher. Nach demselben Prinzip soll auch das Demo 11 unter Last ruhiger bleiben und das Hinterrad selbst bei harten Einschlägen sauber in der Spur halten.
Auf dem Papier hört sich das nach jeder Menge Technik an – und im World Cup scheint das Ganze für das Specialized Gravity Team auch aufzugehen. Mit Ingenieuren im Hintergrund und perfekt abgestimmtem Setup funktioniert vieles. Die spannendere Frage ist aber: Wie fährt sich das Demo 11 für alle, die keinen Mechaniker im Zielbereich stehen haben? Genau das klären wir bald im ausführlichen Test.
Mehr Infos findet ihr unter specialized.com
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Text: Robin Ulbrich Fotos: Specialized
