Kein Bike in diesem Vergleichstest hat uns in so einen Geschwindigkeitsrausch versetzt wie das Specialized Enduro S-Works. Die Pupillen sind geweitet, das Adrenalin pumpt durch die Adern und im Kopf dreht sich alles um die eine Frage: Was zur Hölle ist in den letzten Minuten auf dem Trail nur passiert?

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Enduro-Bike 2020

Specialized S-Works Enduro 2020 | 170/170 mm | 14,66 kg | 10.999 €

Das Specialized S-Works Enduro hat mit seinem Vorgänger nichts mehr gemein. Vorbei sind die Zeiten des klassischen X-Wing-Designs. Aus dem einst braven und verspielten Enduro hat Specialized eine absolute Ballermaschine gemacht! Bei der Entwicklung des neuen Bikes haben die US-Amerikaner viel Know-how vom Downhill-Bike Demo genutzt. Eines der Hauptaugenmerke bei der Entwicklung lag dabei auf der Radhebungskurve. Statt mit dem Hinterrad an einem Hindernis hängen zu bleiben, weicht das Rad nach hinten aus und kann so mehr Geschwindigkeit halten. Typisch Specialized, besitzt das S-Works Enduro natürlich eine SWAT-Box im Unterrohr und eine praktische Tool-Integration im Steuerrohr. Wie schon beim Stumpjumper Evo werden die Größen des Enduro nicht mehr anhand der Höhe des Sitzrohrs definiert, sondern man wählt das Rad anhand der gewünschten Länge. Die Ausstattung wirkt auf den ersten Moment etwas wild gemixt, doch für Specialized war das Beste gerade gut genug und so kombinieren die US-Amerikaner eine kabellose RockShox Reverb AXS mit einer Shimano XTR-Schaltung und einer XTR-Vierkolbenbremsen. Kritik gibt es einzig für die kleine 180-mm-Scheibe am Hinterrad. Das komplette FOX Factory-Fahrwerk, bestehend aus einer 36 GRIP2 und einem X2, bietet 170 mm Federweg an Front und Heck.

Super praktisch
Allein wegen der SWAT-Box würden wir direkt zum Enduro greifen – hier findet alles Platz und man kann den Rucksack fast immer zu Hause lassen.
Typisch Specialized
Es sind die Details wie das im Steuerrohr verstaute Tool inkl. Kettennieter, die beweisen, wie viel Detailversessenheit und Gedanken in das Bike geflossen sind.
Nervig
Die Hinterbaukonstruktion des Enduro funktioniert herausragend – leider ist sie aber aufwendig zu reinigen.
Super hochwertig
Keine Frage: Bei dem Preis des Bikes wäre alles andere inakzeptabel, aber die Verarbeitungsqualität des Enduro ist herausragend!

Specialized Enduro S-WORKS 2020

10.999 €

Ausstattung

Federgabel FOX 36 Factory GRIP2 170 mm
Dämpfer FOX FLOAT X2 Factory 170 mm
Sattelstütze RockShox Reverb AXS 170 mm
Bremsen Shimano XTR 4-Kolben 200/180 mm
Schaltung Shimano XTR M9100 30 - 10/51
Vorbau Deity Copperhead 50 mm
Lenker Roval Traverse SL Carbon 800 mm
Laufradsatz Roval Traverse SL Carbon 29

Technische Daten

Größe S2, S3,S4,S5
Gewicht 14,66 kg


Stay High
Wir empfehlen, das Rad in der hohen Einstellung des Flip-Chips zu fahren. Es ist dann noch immer verdammt flach, gleichzeitig aber deutlich vielseitiger.
Wie Sie hören, hören Sie nichts!
Das Specialized S-Works Enduro ist eines der leisesten, wenn nicht das leiseste Bike in diesem Test – hier klappert nichts!
Nur die besten Teile
Specialized kombiniert beim S-Works Enduro die besten Komponenten der verschiedenen Hersteller und setzt so auf eine RockShox Reverb AXS in Kombination mit einer Shimano XTR-Schaltung – eine gute Entscheidung.
Empfehlenswert
Die überarbeiteten Specialized Butcher-Reifen konnten in unserem Test mit gutem Grip und einem berechenbaren Grenzbereich überzeugen.

Geometrie und Größe des Specialized

Die Geometrie des Specialized S-Works Enduro ist zwar durchaus radikal, aber dennoch ausgewogen. Der Lenkwinkel ist super flach, der Reach lang und das Tretlager tief. Dank des kurzen Sitzrohrs wählt man das Rad anhand der Länge, nicht der Größe. Specialized kategorisiert das Rad deshalb nicht in S–XL, sondern mit S2, S3, S4, S5. Mit einer Körpergröße von 180 cm kann man zwischen S3 und S4 wählen. Ein Flip-Chip im Dämpferauge ermöglicht zwei Einstellungen – für den Alltag eignet sich das hohe Setting. Nur wenn es in den Bikepark geht, ist auch das Low-Setting interessant.

Größe S2 S3 S4 S5
Sattelrohr 400 mm 420 mm 440 mm 465 mm
Oberrohr 591 mm 619 mm 644 mm 670 mm
Steuerrohr 95 mm 100 mm 110 mm 120 mm
Lenkwinkel 63,9° 63,9° 63,9° 63,9°
Sitzwinkel 76,0° 76,0° 76,0° 76,0°
Kettenstrebe 442 mm 442 mm 442 mm 442 mm
Tretlagerabsenkung 21 mm 21 mm 21 mm 21 mm
Radstand 1.217 mm 1.246 mm 1.274 mm 1.302 mm
Reach 437 mm 464 mm 487 mm 511 mm
Stack 616 mm 620 mm 629 mm 638 mm
Helm Fox Dropframe | Protektor Leatt 3DF Airfit | Shirt Mons Royale Temple Tech | Shorts iXS CARVE Shorts | Knieschoner Fox Launch Pro

Das Specialized S-Works Enduro 2020 im Test

Mit einer Körpergröße von durchschnittlich 180 cm hatten unsere Tester die Möglichkeit, das Enduro entweder in S3 oder S4 zu fahren. Wir entschieden uns dann für die größere Variante mit einem Reach von 483 mm. Durch die Länge hat man viel Platz auf dem Bike und dank des tiefen Tretlagers steht man super zentral und integriert zwischen den 29”-Laufrädern. Dieser Umstand allein vermittelt bereits enorme Sicherheit. Doch sobald man es mit dem Bike laufen lässt, fällt man fast vom Glauben ab: Egal wie stumpf man in ein Steinfeld einbiegt oder wie direkt man in einen Wurzelteppich heizt – das Fahrwerk des Enduro ist einfach nicht aus der Ruhe zu bringen und bietet ein enormes Maß an Traktion. Dieses Bike isst kopfgroße Steine einfach zum Frühstück und gönnt sich die steilsten und fiesesten Sektionen zum Nachtisch. Gleichzeitig fährt sich das Rad auch in engen Sektionen noch agil genug, wobei wir das Wort „verspielt“ bei der S4-Variante mit dem sehr satten Fahrwerk nicht verwenden würden.

Was auch immer man dem S-Works Enduro vorsetzt – der Hinterbau macht einfach alles platt!

Auch an Kanten und beim Pushen bietet das Fahrwerk guten Gegenhalt, verlangt aber Gefälle. Nach wenigen Tests montierten wir den Dämpfer im hohen Setting des Flip-Chips – das Rad ist so noch immer super laufruhig, fährt sich aber insgesamt ausgewogener. Das Low-Setting empfehlen wir für Bikepark-Tage, denn ein Downhill-Bike braucht man dafür definitiv nicht mehr!

Trotz seiner enormen Performance bergab klettert das Specialized Enduro erstaunlich entspannt und souverän bergauf. Es empfiehlt sich zwar, den Sattel auf der Stütze nach vorn zu schieben, dann sitzt man aber sehr zentral. Der Hinterbau neigt auch ohne Plattformdämpfung kaum zum Wippen und so geht es entspannt bergauf. Bei technischen Uphills sollte man seine Linie aufgrund des tiefen Tretlagers bewusst wählen, gleichzeitig punktet das Rad hier jedoch auch mit viel Traktion.

Die Synapsen tanzen Pogo! Das Specialized ist ein Frontalangriff auf die eigenen Sinne – vorausgesetzt, das Gefälle stimmt.

Wie fährt sich das Specialized S-Works Enduro 2020 im Vergleich zur Konkurrenz?

Wenn es um den Trail-Speed im anspruchsvollen Terrain geht, ist das Specialized Enduro in diesem Vergleichstest konkurrenzlos. Kein Rad im Test besitzt einen so potenten Hinterbau und kann mit schnellen, harten Schlägen besser umgehen als das Enduro. Wer nicht ständig die härtesten Strecken fährt, findet bessere Allrounder im Test, wie z. B. den Vorjahressieger, das Canyon Strive – doch wenn es um maximale Trail-Performance und den höchsten Grundspeed geht, dann ist das Specialized S-Works Enduro eine Klasse für sich.

Tuning Tipp: ggf. Lenker kürzen | steiles Setup am Flip-Chip wählen | wer es agil mag, greift zur Größe kleiner

Fahreigenschaften

12

Uphill

1
  1. schwerfällig
  2. effizient

Agilität

2
  1. träge
  2. verspielt

Laufruhe

3
  1. nervös
  2. laufruhig

Handling

4
  1. fordernd
  2. gutmütig

Fahrwerk

5
  1. unsensibel
  2. feinfühlig

Fahrspass

6
  1. langweilig
  2. lebendig

Value for money

7
  1. schlecht
  2. sehr gut

Einsatzbereich

XC

8

Trail

9

Enduro

10

Downhill

11

Fazit

Das Specialized S-Works Enduro ist ein Enduro-Bike, das es problemlos mit den härtesten Strecken dieser Welt aufnehmen kann und seinen Fahrer in ganz neue Sphären entführt. Sein super potenter Hinterbau und die kompromisslose Geometrie machen es zu einem echten Mini-Downhill-Bike, das sich gleichzeitig noch sehr passabel bergauf fahren lässt. Abgerundet wird diese herausragende Fahr-Performance mit jeder Menge cleverer Details, und so ist das Specialized S-Works Enduro das beste Enduro-Bike 2020 und damit unser verdienter Testsieger!

Stärken

  • Trail-Speed ist auf dem nächsten Level
  • unglaubliche Hinterbau-Performance
  • super hochwertige Verarbeitung mit smarten Details
  • geniale Ausstattung

Schwächen

  • Sitzwinkel könnte noch steiler sein
  • kleine Bremsscheibe am Heck
  • mit Abstand höchster Preis

Mehr Informationen zum Specialized S-Works Enduro 2020 findet ihr auf specialized.com

Das Testfeld

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Enduro-Bike 2020

Alle Bikes im Test: Canyon Strive CFR 9.0 LTD | CUBE Stereo 170 SL 29 | Giant Reign Advanced 29 0 | Ibis Mojo HD5 | Norco Sight C1 29 | Nukeproof Mega 275C RS | Nukeproof Mega 290C Pro | Orbea Rallon M-LTD | Pole Stamina 180 LE | RAAW Madonna V2 FOX Factory Built | Rocky Mountain Slayer Carbon 90 29 | Santa Cruz Megatower CC X01 Reserve | SCOTT Ransom 900 Tuned | Specialized S-Works Enduro 2020 | Specialized Turbo Kenevo Expert | Trek Slash 9.9 X01 AXS | Yeti SB150 T2 | YT CAPRA 29 CF Pro Race

Text: Christoph Bayer Fotos: Christoph Bayer / Finlay Anderson / Markus Frühmann

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Über den Autor

Christoph Bayer

Abwechslung – das ist für Christoph das Wichtigste. Sowohl auf dem Bike als auch bei seiner Tätigkeit für ENDURO. Er kümmert sich federführend um das sechs Mal im Jahr erscheinende Magazin und ist dort gleichzeitig Fotograf und Redakteur. Auf dem Rad trifft man ihn vor allem im alpinen Terrain an, wo er neben flowigen Trails auch gerne mal eng verwinkelte oder verblockte Strecken in Angriff nimmt.