Wenn Specialized ein neues Stumpjumper vorstellt, hält die MTB-Welt für einen kurzen Moment den Atem an. Das originale Specialized Stumpjumper kam 1981 auf den Markt und war das erste Serien-MTB der Welt. Heute, 37 Jahre später, gilt das Stumpjumper noch immer als Gradmesser und Trendsetter. Wir waren mit Specialized in Spanien, um die neueste Evolutionsstufe des Trailbikes zu testen.

Keine andere Mountainbike-Kategorie hat sich in den letzten Jahren so stark verändert wie die der Trailbikes und das Stumpjumper war immer wieder Teil dieser Entwicklung. Vor wenigen Jahren galten Bikes zwischen 120 und 150 mm Federweg noch als zahme Touren-Räder, heute sind sie potenter denn je und stellen die wohl vielseitigste Mountainbike-Klasse dar.

Das Stumpjumper 2018 präsentiert sich mit seinem asymmetrischen Rahmen in einem radikal neuen Look, ohne seinen Charakter zu verlieren

Schon beim ersten Blick auf das neue Stumpjumper, springt sofort der asymmetrische Hauptrahmen ins Auge. Ziel dieses außergewöhnlichen Designs war es, eine möglichst steife Verbindung zwischen den Füßen und Händen zu erreichen. Die Strebe auf der rechten Seite des Dämpfers verbindet Ober- und Sattelrohr und so entstehen im Grunde zwei kleinere Rahmendreiecke. Durch diesen Kniff soll das Gefühl an den Kontaktpunkten möglichst einheitlich sein, was wiederum zu einem natürlicheren Fahrgefühl und besseren Feedback vom Trail führen soll. Von der anderen Seite ist der Dämpfer frei zugänglich, dieses Design ist bereits vom DH-Bike Demo bekannt.

Two-Face: Der neue asymmetrische Hinterbau verleiht dem Stumpy einen hohen Wiedererkennungswert – Verwechslungen mit dem Vorgänger sind so gut wie ausgeschlossen

Doch hinter dem ausgefallenen Hinterbau steckt auch eine neue Kinematik, die besser auf aktuelle Dämpfer abgestimmt sein soll. So bietet der neue Hinterbau mehr Support im mittleren Federwegsbereich, die Dämpfer kommen folglich mit weniger Druckstufendämpfung aus, was wiederum das Ansprechverhalten verbessert. Eine starke Endprogression bietet große Reserven und soll dafür sorgen, dass es auch bei verpatzten Landungen und größeren Drops keine Durchschläge gibt.

Das bekannte Auto-SAG-Feature sucht man an der neuen Stumpy-Generation vergeblich und auch sonst verzichtet Specialized auf proprietäre Technologien. Künftig setzt das Stumpjumper auf handelsübliche metrische Dämpfer. Mit einem integrierten Flipchip lassen sich Lenk- und Sitzwinkel um ein halbes Grad verstellen, die Tretlagerhöhe kann man um 6 mm absenken. Apropos Tretlager, das neue Stumpy kehrt den Pressfit-Lagern den Rücken und setzt wieder auf den bewährten BSA-Standard – nice!

Links das neue Tretlagergehäuse mit BSA-Gewinde, rechts das alte mit Pressfit. Trotz geringerem Volumen und eleganter Linien ist es leichter und steifer geworden.

Der neue Rahmen soll nicht nur steifer, sondern auch leichter geworden sein. Alle Carbonbikes kommen jetzt auch mit einem Carbon-Hinterbau, so spart etwa das Comp-Modell satte 550 g gegenüber dem Vorgänger ein. Die Ingenieure haben lange am Carbon-Layup getüftelt, um den perfekten Kompromiss aus Steifigkeit und Flex für jede Rahmengröße zu finden. Dazu wurde ein leichter Roh-Rahmen Schritt für Schritt mit zusätzlichen Carbonschichten umwickelt, bis die Fahreigenschaften in der Praxis den Vorstellungen des Entwickler-Teams entsprachen.

Der Carbon-Prototyp wurde Schicht für Schicht aufgebaut, bis die Entwickler mit den Fahreigenschaften zufrieden waren

Im Inneren des Rahmens sorgen durchgehende Nylon-Schläuche für eine extrem einfache und saubere Zugverlegung, vom Steuerrohr bis zum Schaltwerk gibt es keine Unterbrechung. Die SWAT-Klappe wurde deutlich stärker in den Rahmen integriert und kommt nun ohne sichtbaren Rahmen aus, zudem bietet der Stauraum 20 % mehr Volumen.

Die geniale SWAT-Öffnung im Unterrohr wurde deutlich schicker integriert und kommt jetzt ohne den Kunststoffrahmen aus
Die Nylonschläuche zur Zugverlegung gehen nahtlos in den Hinterbau über, der Schaltzug kann so ohne Unterbrechung vom Steuerrohr zum Schaltwerk geführt werden
Kleine Details zeugen von dem enormen Entwicklungsaufwand, etwa der wellenförmige Kettenstrebenschutz, der ein Aufschaukeln der Kette unterbinden soll
Beim S-Works versteckt sich das Multitool im Steuerrohr, bei den günstigeren Modellen wie gewohnt am Flaschenhalter

Das neue Stumpjumper geht mit der Zeit und ist nicht mehr mit 2-fach-Antrieben kompatibel. Wie das Specialized Enduro kommt auch das neue Stumpjumper mit einem 34,9-mm-Sattelrohr, passend dazu gibt es eine neue Sattelstütze. Die Command Post IRcc bietet eine 16-stufige Höhenverstellung und in den Rahmengrößen M bis XL satte 160 mm Absenkung.

La Familia – Specialized Stumpjumper-Modelle im Überblick

Specialized präsentiert insgesamt drei Bikes in der Stumpjumper-Familie, alle drei gibt es wahlweise mit 27,5”- oder 29”-Laufrädern. Das Grundmodell ohne Namenszusatz ersetzt das bekannte Trailbike und kommt als 29er mit 150/140 mm Federweg oder als 27,5er mit 150/150 mm. Das Stumpjumper ST (Short Travel) ersetzt das Camber und bietet 130/130 mm als 27,5”-Bike und 130/120 mm in der 29”-Variante. Das abfahrtsorientierte Stumpjumper EVO verfügt über eine noch abfahrtslastigere Geometrie, besitzt aber den gleichen Federweg wie das Standard-Modell.

Das Stumpjumper ST ersetzt das Camber und rundet die Trail-Familie nach unten hin ab
Modell 27,5″ Federweg v/h 29″ Federweg v/h
Stumpjumper ST 130/130 130/120
Stumpjumper 150/150 150/140
Stumpjumper EVO 150/150 150/140
Was für ein Biest: Das Stumpjumper EVO ist zurück und zwar stärker als je zuvor – es bekommt einen komplett eigenen Rahmen mit extrem flacher Geometrie

Alle 27,5er-Bikes sind mit Reifen bis 3,0” kompatibel, die 29er bieten Platz für 2,6”, können aber auch auf 27,5 x 3,0” umgerüstet werden. Die Rahmen von Stumpjumper und Stumpjumper ST sind identisch, Geometrie und Federweg ändern sich durch Dämpfer, Umlenkhebel und Gabel. Ansonsten fällt die Ausstattung weitestgehend identisch aus, der größte Unterschied sind die Reifen – das Stumpjumper rollt auf 2,6”-Pneus, das ST auf klassischen 2,3ern. Das Stumpjumper EVO bietet außer dem eigenständigen Rahmen auch eine abfahrtslastigere Ausstattung.

Über den Autor

Moritz Dittmar

Als Redakteur für die ENDURO Webseite kümmere ich mich darum euch mit den spannendsten News, den besten Tests und den inspirierendsten Stories der Bike Welt zu versorgen. Genau wie in meinem Job, lasse ich mich beim Biken ungern in eine bestimmte Schublade stecken. Egal ob es darum geht sich endlose Anstiege rauf zu quälen oder Tiefenmeter auf ruppigen Downhills zu sammeln, am Ende zählt für mich vor allem eins: Der Spaß am Biken!