
Vor fast genau zwei Jahren gingen Aufnahmen durch die MTB-Welt, wie SRAM-Mitarbeiter auf Schaltungen rumhüpften, um deren Stabilität zu demonstrieren. Damals hat SRAM die neuen Eagle Transmission-Schaltgruppen vorgestellt – allesamt ohne Schaltauge, allesamt elektrifiziert. In der Zwischenzeit kam zu den High-End-Kollegen noch die kostengünstigere SRAM GX Eagle AXS Transmission hinzu. Jetzt geht SRAM noch einen Schritt weiter und stellt die budget-freundlichste Alternative mit Bowdenzug vor, die – mit Ausnahme auf die elektrischen Komponenten – auf keinerlei Komfort verzichten will. Die mechanische SRAM Eagle 90 Transmission geht im Komplettset für 730 € in den Versand.
Als SRAM den Standard „Universal Derailleur Hanger“ (UDH) eingeführt hat, ahnten die wenigsten, was sich konkret dahinter verbirgt – nämlich die Befestigung des Schaltwerks ganz ohne Schaltauge. Auf der SRAM-Website stehen die elektronischen Transmission-Modelle – kurz T-Type – seither klar im Fokus. Und eben diese T-Type-Schaltungen dominieren mittlerweile die Spec-Listen vieler Bikes. Zudem gibt es kaum noch moderne MTBs, die nicht mit dem UDH-Standard kommen. Übrig bleiben nur die günstigeren Ausstattungsvarianten, die häufig noch – um Kosten zu sparen – auf mechanische Schaltgruppen setzen. Genau da will SRAM nun angreifen.
Die neue SRAM Eagle 90 Transmission im Detail
Die neue SRAM Eagle 90 Transmission sieht auf den ersten Blick elegant und clean aus und ist technisch stark an das bewährte T-Type-Ökosystem angelehnt. Sie ist wie die restlichen Transmission-Modelle direkt am hinteren Ausfallende des Bikes verschraubt und soll dadurch maximal einfach einzustellen sein sowie gleichbleibende Schaltperformance gewährleisten – vor allem unter Last. Außerdem gibt es so kein Schaltauge mehr, das brechen kann.
Neben der Anbringung macht sich die neue mechanische Transmission-Schaltung auch die Technologie des elektronischen AXS-Pendants zunutze und setzt auf spezielle Schaltgassen und Steighilfen in der Kassette, um einen smoothen Gangwechsel zu garantieren. Während die elektrischen AXS Transmission-Modelle eine einprogrammierte Verzögerung haben, müssen die mechanischen Modelle mit gesundem Menschenverstand und einer mechanischen Limitierung der Schalthebel auskommen. Denn der Trigger lässt maximal 2 Schaltvorgänge zu. Am E-MTB sogar nur einen.
Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal aller AXS Transmission-Schaltwerke war ursprünglich die Funktion, beim Kontakt mit einem Hindernis – z. B. einem Stein – nach innen nachzugeben und sich dann – elektrisch – nachzujustieren. Durch den Seilzug ist solch eine Funktion bei der mechanischen Transmission-Schaltung nicht möglich. Sollte also ein extremer „Feindkontakt“ auftreten, kann es passieren, dass die Eagle 90 Schaden nimmt. Für diesen Fall bietet SRAM fast alle Bauteile zu fairen Preisen an, um sie einfach selbst austauschen zu können.
Die einzelnen SRAM Eagle 90 Transmission-Komponenten im Überblick
Das Schaltwerk der Eagle 90 wiegt 387 g und überzeugt vor allem durch seine Modularität: Komponenten wie das Parallelogramm, die Dämpferbaugruppe, der Käfig, die Röllchen sowie Zug und Hülle sind alle einzeln erhältlich und austauschbar. Dadurch soll die Langlebigkeit am 205 € teuren hinteren Umwerfer gesteigert werden. Das Schaltwerk kommt mit Alu Skid Plates an der Außenseite, die ein Hängenbleiben am Untergrund verhindern sollen, und ist schön verarbeitet in Silber-Schwarz gehalten.
Für den Schalthebel am Lenker braucht es natürlich keinen AXS-Pod mehr, sondern ebenfalls einen mechanischen Trigger. Der ist entweder als 2-Click-Variante für MTBs oder als Single-Shift-Trigger fürs E-MTB erhältlich. Der neue Trigger kommt, wie die neueren SRAM-Bremsen auch, mit Stealth-Zugführung. Dadurch wird der Schaltzug so weggeleitet, dass er perfekt mit den entsprechenden SRAM-Bremsen fluchtet – und das Cockpit ist trotz mechanischer Schaltung aufgeräumt. Wichtig: Das Schaltwerk ist nicht kompatibel mit alten SRAM-Triggern, da sich das Übersetzungsverhältnis verändert hat. Passend dazu hat SRAM einen Dropper Post-Hebel entwickelt, der sich sowohl im Design als auch in der Leitungsführung am Schalttrigger orientiert. Damit lässt sich selbst mit vier Kabeln am Lenker noch ein cleanes Cockpit gestalten – der Dropper-Hebel ist für 45 € erhältlich; der Hebel zum Schalten kostet 55 €.


Die Alu-Kurbeln der Eagle 90 erinnern optisch stark an die der GX Eagle Transmission, setzen aber auf ein filigraneres Stahl-Ritzel. In der getesteten 165 mm Version mit zwei Bashguards bringt das DUB-Kurbelpaar 802 g auf die Waage – etwa 50 g mehr als die vergleichbare GX-Variante. Die Kurbeln gibt es in den Längen von 175 mm bis 155 mm, für E-Bikes in 150 mm bis 170 mm, jeweils in 5-mm-Schritten.
Die Kassette vom Typ XS-1275 stammt aus dem bereits bestehenden T-Type-Portfolio und kommt standardmäßig auch bei der GX Transmission zum Einsatz. Sie verfügt, wie die restlichen T-Type-Kassetten, über 44 definierte Schaltgassen, die für sanfte und präzise Gangwechsel sorgen sollen, zudem bietet sie die bekannte Übersetzungsbandbreite von 520 %. Für 300 € kann man die 440 g schwere Kassette sein Eigen nennen.
Die Kette der Eagle 90 Transmission ist wie im restlichen T-Type-Universum eine Flattop-Kette. Die oben abgeflachten Glieder können nur in eine Richtung aufgelegt werden und sind vielen bereits aus dem Rennrad-Bereich bekannt. Die Kette der Eagle 90 Transmission kommt auch bei der SRAM GX Eagle AXS Transmission ab Werk zum Einsatz. Sie wiegt 285 g und kostet 60 €.
Das komplette SRAM Eagle 90 Transmission-Set enthält Kurbel, Kassette, Schaltwerk, Kette, Schaltzug, Hülle und Trigger – also alles, was man für die Umrüstung eines Bikes benötigt. Das Gesamtgewicht des Sets liegt bei 2.132 g und ist damit rund 100 g schwerer als die kabellose GX AXS Transmission. Dafür erhält man bei der Eagle 90 eine günstige, mechanische Alternative. Wer sich für das Starterset der Eagle 90 entscheidet, bekommt das volle Paket für 730 €, um sein Bike umzurüsten. Wer sein E-Bike damit upgraden möchte, kommt sogar etwas günstiger weg – das Set für E-MTBs gibt es je nach Motor für 720 Euro.
Da jedoch alle T-Type-Komponenten untereinander kompatibel sind, ist nicht immer zwangsläufig das ganze Set nötig. Wer zum Beispiel von einer kabellosen SRAM Transmission-Schaltung kommt und auf Akku und Funk verzichten möchte, kann einfach Schaltwerk, Trigger und Schalthülle verbauen und den Rest behalten – nice. Gleiches gilt natürlich, wenn ihr euch erstmal eine mechanische Gruppe leisten und zu einem späteren Zeitpunkt auf elektrisch umrüsten wollt.
Außerdem sind fast alle Einzelteile der SRAM Eagle 90 Transmission austauschbar. Das macht die Eagle 90 nicht nur besonders reparaturfreundlich, sondern ermöglicht es auch, Komponenten der teuren Schaltgruppen zu verwenden. Beispielsweise einen Carbon-Käfig um das Gewicht zu tunen.
| Komponente | Gewicht | Preis |
|---|---|---|
| SRAM Eagle 90 Transmission Schaltwerk | 387 g | 205 € |
| Kurbelgarnitur Eagle 90 (DUB, 32 T) | 802 g | 170 € |
| Schalthebel Eagle 90 | 129 g | 55 € |
| Kassette XS-1275 | 440 g | 300 € |
| Kette Eagle 90 126 Glieder | 285 g | 60 € |
| SRAM Eagle 90 Mechanical Transmission Set | 2.132 g | 730 € |
Varianten, Preise und Verfügbarkeit der neuen mechanischen SRAM Eagle 90 Transmission-Schaltgruppe
Die neue SRAM Eagle 90 Transmission kommt nicht allein. Neben der 90er-Variante gibt es auch noch die SRAM Eagle 70 Transmission, die sich in erster Linie an OE-Kunden, also Fahrradhersteller, richtet. Wer möchte, kann sie aber auch als Privatperson kaufen – allerdings nicht im komfortablen Set, wie es bei der 90er der Fall ist. Hier kostet der Umwerfer lediglich 135 €, ist dafür aber auch nicht so modular aufgebaut wie der aus der 90er-Serie. Das heißt, hier gibt es bis auf den Käfig keine Ersatzteile, da das Parallelogramm fest vernietet statt geschraubt ist. Der passende Trigger kostet 35 € und kommt mit einer festen Klemme – also auch hier wenig Variabilität und keine Möglichkeit für eine Matchmaker-Befestigung.

Beide neuen mechanischen Transmission-Schaltungen sollen bereits ab März 2025 im Handel erhältlich sein. Wir haben euch im Folgenden noch einmal die einzelnen Komponenten und ihre Gewichte sowie den Kostenfaktor aufgelistet.
| Komponente | Gewicht | Preis |
|---|---|---|
| SRAM Eagle 70 Transmission Schaltwerk | 415 g | 135 € |
| Kurbelgarnitur Eagle 70 (DUB, 32 T) | 895 g | 100 € |
| Schalthebel Eagle 70 | 145 g | 35 € |
| Kassette XS-1275 | 565 g | 240 € |
| Kette Eagle 70 126 Glieder | 270 g | 35 € |
Montage & Einstellung der mechanischen SRAM Eagle 90 Transmission
Die gute Nachricht zuerst: Die Montage und Einstellung der Eagle 90 T-Type ist für eine mechanische Schaltung recht unkompliziert, denn die Transmission-Gruppe besitzt keine Anschläge oder B-Screw. Der einzige Fummel-Faktor ist die Verlegung des Schaltzugs durch den Rahmen, falls hier nicht bereits einer liegt. Für alle, die schon mal eine Transmission-Schaltung montiert oder eingestellt haben, ändern sich nur einige wenige Schritte. Die grundlegende Anleitung zur richtigen Montage einer T-Type Schaltung gibts separat; hier die wichtigsten Schritte und Abweichungen im Schnelldurchlauf:
- Falls vorhanden, vorher SRAM-UDH-Schaltauge demontieren. Schaltwerk locker am Rahmen ansetzen – noch nicht festschrauben. Steckachse ebenfalls eine Umdrehung locker lassen.
- Kette auf die exakt passende Länge kürzen. Keine Pi-mal-Daumen-Methode, bitte! Die passende Länge lässt sich bequem über die SRAM-App herausfinden.
- In den Einstellgang schalten – aber wie, ohne Spannung auf dem Bowdenzug? Den bekannten Setup-Knopf mit silbernem Pin, wie man ihn von den AXS-Varianten kennt, gibt es hier nicht. Stattdessen: ein Loch für einen 4-mm-Inbusschlüssel (ja, ein 5er passt auch rein – ist aber nur für spezielle Bikes, beispielsweise mit High Pivot-Hinterbau). Also: Schaltwerk nach innen drücken, bis der 4-mm-Inbus reinpasst – dann loslassen.
- Nun bleibt das Schaltwerk im Einstellgang stehen und muss leicht nach hinten gezogen werden, damit die Kette gespannt ist.
- Schaltwerk mit 35 Nm festziehen. Steckachse nach Herstellervorgabe anziehen.
- 4er-Inbus rausnehmen, Bowdenzug im schwersten Gang spannen – und über die Zugspannung, am besten während der Fahrt, feinjustieren.
- Abfahrt!



Wer bisher mit herkömmlichen Gangschaltungen samt oberem, unterem Anschlag, B-Screw und Umschlingung zu kämpfen hatte, kann bei der mechanischen Transmission aufatmen: Ist die initiale Montage korrekt nach Anleitung erfolgt, gibt es nur noch die Zugspannung als variable Größe.
Die SRAM Eagle 90 Transmission im Test – Schaltet sie präzise und zuverlässig?
Nach der schnellen und unkomplizierten Montage gehts direkt auf die erste Testfahrt. Der Trigger liegt gut am Daumen an, hat eine angenehme Ergonomie und das Hebelgefühl ist satt und knackig – wie man es von mechanischen SRAM-Triggern gewohnt ist. Anfangs werdet ihr noch einige Feinjustierungen an der Zugspannung vornehmen müssen, um eine vollständig reibungslose Funktion zu gewährleisten. Sobald sich die Leitung erst mal gesetzt und ihr alle Gänge mehrfach durchgeschaltet habt, läuft das System geschmeidig. Mit geringem Daumendruck lassen sich die Gänge nach sauberer Feineinstellung unter Last präzise und leichtgängig wechseln.

Die Gangwechsel verlaufen butterweich, selbst bei ordentlich Druck auf dem Pedal. Kein Knirschen, kein metallisches Krachen – es wird einfach sauber durchgeschaltet. Was also den eigentlichen Schaltvorgang angeht, ist kein spürbarer Nachteil zur elektronischen Variante zu spüren. Der Zweifach-Trigger soll die Schaltgeschwindigkeit zu Gunsten der Performance bewusst etwas reduzieren. Bei plötzlichen Gegenanstiegen auf unbekannten Trails reichen zwei Gänge leichter dennoch meist aus.
Am E-Bike rät SRAM hingegen konsequent zum Single-Shift-Trigger. Warum? Der soll die kurze Denkpause simulieren, die die elektronische AXS Transmission beim Mehrfachschalten automatisch einlegt, um die Kette nicht unnötig schräg zu belasten. Und das funktioniert auch mechanisch ziemlich gut. Selbst wenn gerade ordentlich Motorpower anliegt, verlaufen die Schaltvorgänge klaglos.
Kommt es auf langen Uphills zu leichtem Rattern beim Gangwechsel, müsst ihr die Zugspannung nochmal etwas anpassen. Auch Verschleiß, bzw. ein rauer Lauf des Schaltzugs in der Hülle kann nach längerem Gebrauch auftreten und braucht in der Regel etwas mehr Wartung, Pflege oder Austausch. Probleme mit Kettenschlagen oder anderen unangenehmen Geräuschen aus Richtung Schaltwerk gabs während dem Testing keine. Stattdessen eine standfeste und robuste mechanische Schaltungslösung, bei der kein Akku leer wird oder gar vergessen werden kann.
Das Fazit zur neuen SRAM Eagle 90 Transmission-Schaltgruppe
SRAM hat das Schaltungs-Line-up komplettiert und alles andere als Rückschritte gemacht. Wer keine Lust auf leere Akkus oder zu viel Elektronik am Mountainbike hat, kann jetzt trotzdem in den Genuss einer waschechten Transmission-Schaltgruppe kommen. Trotz Seilzug profitiert man von einfacher Montage, Einstellbarkeit und umfangreicher Ersatzteilversorgung. Die Schaltperformance steht der elektronischen Variante in kaum was nach. Selbst unter Last und bei hoher Kettenspannung bleibt die Kette sauber auf Kurs.
Tops
- einfache Montage und Einstellung
- saubere Schaltvorgänge auch unter Last
- geringe Komplexität
Flops
- benötigt hier und da Feinjustierung
- potenziell mehr Wartungsaufwand auf Dauer
Mehr Infos unter sram.com
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Text: Julian Schwede Fotos: Peter Walker


