Ausgabe #044 Special

Dipl.-Ing. FH Stephan Schneider – aka Stevie Fucking Schneider

Sei es als Racer, Influencer oder in der Radindustrie, viele träumen davon, vom Biken zu leben. Stevie Schneider ist einer der wenigen, die es geschafft haben – obwohl er weder die besten Resultate einfährt noch die krassesten Tricks raushaut oder die meisten Follower hat. Wir waren mit dem selbsternannten Exfluencer unterwegs.

Stevie hat die große Freiheit endlich gefunden! Vom Biken zu leben – das war lange sein Traum. Jetzt ist er wahr geworden.

Stevie Fucking Schneider heißt mit bürgerlichen Namen Stephan Schneider, hat Wirtschaftsingenieurwesen studiert und wollte schon immer vor allem eins: Biken! Allerdings war die Kohle dafür knapp und deshalb fing er auch schon früh an, Sponsoren zu suchen. In einem Alter, in dem andere Zeitungen austragen gehen. Der Bikeshop-Besitzer Flo Gottschlich gehört heute zu seinen Kumpeln. Er erinnert sich noch genau daran, wie er Stevie kennengelernt hat: „Da klingelt das Telefon und da ruft dieser Schuljunge an und fragt, ob ich ihn nicht unterstützen will.“ Stevie hatte schon damals extrem viel Talent und war super schnell auf dem Rad – zumindest bis zur ersten Zwischenzeit, erzählt Flo. Doch einen kompletten Rennlauf brachte er eigentlich nie ins Ziel. Dennoch unterstützte ihn Flo mit einem Shop-Sponsoring. Für Stevie war seine Jugend keine leichte Zeit, aber um zu verstehen, warum er heute da ist, wo er ist, braucht es den Blick zurück. Stevie hat zwei Schwestern – große Schwestern, die noch dazu Zwillinge sind und viel Aufmerksamkeit auf sich zogen. Er stand als kleiner Bruder immer in ihrem Schatten und wollte sich und allen anderen deshalb von Kindesbeinen an etwas beweisen. Kompensiert hat er das mit einem großen Ego und das war eine fiese Mischung. Sein Ehrgeiz führte zu einem Anspruch an sich selbst, dem er nie gerecht werden konnte. Ganz egal, wie sehr er sich anstrengte. Die resultierende Zerrissenheit sorgte für Stress im Privatleben und jede Menge Stürze im Rennen. Irgendwann hatte Stevie es satt, Rennberichte zu schreiben, in denen er möglichst detailliert darlegte, weshalb es heute leider wieder nicht für einen Podestplatz gereicht hatte. Berichte, die sich wichtig anfühlten, die am Ende aber doch wieder niemanden interessierten.

Wir haben Stevie zu Hause in Salzburg besucht und waren gemeinsam auf den Trails in der Umgebung unterwegs
Nach gut 50 m war der Bremshebel leider abgerissen, …
… der guten Laune und dem Fahrspaß tat das keinen Abbruch!

Warum Jonglieren beim Dirtjumpen hilft

Heute hat Stevie für sich selbst einen ganz eigenen Platz in der Fahrradbranche geschaffen: „Ich würde mich weder als Profi noch als Athleten bezeichnen, denn als Profi bringt man Leistung – und so was mach ich nicht.“ Doch das stimmt von außen betrachtet nur bedingt. Denn Stevie hat zwar keinen Trainingsplan und nimmt nicht an Wettkämpfen teil, ist aber sicher einer der fittesten Typen, die uns je begegnet sind. Bei unserer gemeinsamen Bike-Tour presste er den gesamten Uphill mit einem viel zu tiefen Sattel hinauf, weil der noch abgesenkt war vom Dirtjumpen. Klar hätte man den Sattel auch mit dem Multi-Tool herausziehen können, aber Stevie hat es in dem Moment gar nicht gestört. Auch sonst ist er verdammt fit: In seinem Garten zieht er sich mit einarmigen Klimmzügen den Baum hinauf und auf der Slackline kann er ziemlich souverän jonglieren. Ist das noch Hobby oder schon Training? Stevie stellt sich die Frage gar nicht, beides macht ihm einfach tierisch Spaß – und hat den einen oder anderen positiven Nebeneffekt fürs Dirtjumpen: „Seit ich jongliere, greife ich den Lenker beim No-Hander viel sicherer.“ Spitzenleistungen erbringt Stevie ganz nebenbei auch – so war er im Rahmen des Crankworx in Innsbruck der erste Fahrer, der den großen Whip-Off-Sprung geflippt ist.

Go big or go home! Stevie ist beim Crankworx in Innsbruck als Erster mit einem Backflip über den Whip-Off-Sprung gesegelt.
Dafür trainiert wird im eigenen Garten – dort hat er einen großen Dirtkicker stehen
Lernen durch Wiederholung. Wenn Stevie sich was in den Kopf setzt, dann zieht er es auch durch!
Die Reiher hat Stevie von seinem Sponsor Radon erhalten – aber nicht offiziell sondern immer wieder einzeln und mit unbekannten Absender. Bis zur Aufklärung hatte er einen Stalker vermutet.
Jonglieren als Hobby, nicht als Training. Die Übungen helfen Stevie enorm beim Dirtjumpen und machen noch dazu jede Menge Spaß!

Lach über dich selbst und nicht über andere

Auf Instagram bezeichnet sich Stevie selbst als Exfluencer. Während viele Menschen auf Social Media etwas darstellen wollen, was sie selbst gar nicht sind, und dabei verzweifelt einem Ideal hinterher rennen, zeigt Stevie sich dort einfach, wie er ist – und das im Zweifelsfall auch nackt. Statt sich über andere lustig zu machen, nimmt er sich einfach selbst nicht zu ernst. Und das ist sein Erfolgsrezept! Legt man dann noch seine grandiosen Skills auf dem Bike obendrauf, erhält man eine unglaublich unterhaltsame Mischung, die sich in einigen YouTube-Videos wie z. B. dem Film Tripin, dem Exfluencer 1-Video aus dem Bikepark Lienz und dem Exfluencer 2 Edit aus Schladming bestaunen lässt.

Stevie ist ein Mann mit Idealen

In einer Welt, in der es fast jeder innerhalb kurzer Zeit auf Tausende Follower bringen kann und in der manche Beauty-Bloggerin Millionen Menschen erreicht, macht die pure Instagram-Reichweite nicht den eigentlichen Wert eines Accounts aus. Was zählt, sind Authentizität, Ehrlichkeit und Vertrauen. Stevie versucht gar nicht erst, seinen Followern etwas zu verkaufen. Rabattaktionen findet er ebenso beschissen wie plumpes Product-Placement. Klar ist Stevie Markenbotschafter, bekommt Material und auch Geld, um bestimmte Produkte zu nutzen. Aber er würde nichts fahren oder tragen, wovon er nicht selbst überzeugt ist. Er fährt für Radon-Bikes, weil er es gut findet, dass es bezahlbare Räder mit hoher Performance gibt, trägt die Produkte von ION, weil sie qualitativ hochwertig sind, und wirbt mit einem riesigen Hanfblatt auf dem Helm für CBD-Produkte, weil er von den positiven Aspekten von Hanf überzeugt ist. Gleichzeitig will er für seine jungen Follower ein Vorbild sein und promotet deshalb weder übermäßigen Alkoholkonsum noch Rauchen oder das Essen tierischer Produkte.

Stevie träumt nicht vom großen Reichtum. Ihm geht es nicht um Geld, sondern um Erlebnisse.

Geld ist Nebensache!

Wenn man einmal mit Stevie Biken gegangen ist, merkt man sofort, dass er auf materielle Dinge keinen Wert legt. Er trägt die ältesten Knieschoner, die er in seinem Regal findet, und nutzt statt brandneuer Bike-Shorts abgeranzte Board-Shorts. Er geht sogar so weit, dass er die neuen Teile an seine Kumpels verteilt und selbst weiterhin seine alten Sachen nutzt. „Wozu soll ich all das besitzen?“, fragt er. Stevie ist extrem genügsam. Bei näherer Betrachtung ist das aber auch nur konsequent. Schließlich war sein Traum immer, vom Biken leben zu können – nicht vom Biken möglichst reich zu werden. Reichtum bedeutet für ihn ohnehin etwas ganz anderes als möglichst viel Geld auf dem Konto. Stevie misst Reichtum in Erlebnissen. Und glaubt dabei an Karma. Nicht im traditionell buddhistischen Sinne, aber er ist davon überzeugt, dass einem Gutes widerfährt, wenn man selbst Gutes tut.

Reisen, biken und etwas erleben – das ist was Stevie antrieb
Wer Stevie auf Instagram folgt, kennt auch die Mützen. Sie sind fester Bestandteil seiner Postings und Videos.

Stevie belohnt Vertrauen mit vollem Einsatz

Um uns ein Bild von Stevie zu machen, haben wir uns nicht nur mit ihm unterhalten, sondern auch mit seinen Sponsoren und Wegbegleitern. Zum Beispiel mit Andi, dem ehemaligen Marketing-Manager von ION, oder mit Ingo aus dem Marketing von Radon. Dabei sind uns zwei Dinge klar geworden: Stevie macht nie Versprechen, die er möglicherweise nicht halten kann – weil ihn so etwas einfach zu sehr unter Druck setzt. Wenn er aber spürt, dass sein Gegenüber ihm vertraut, belohnt er das mit enormem Einsatz und Ehrgeiz. Deshalb finden sich in seinen Verträgen keine Klauseln darüber, wie viele Videos er produzieren muss oder wie viele Posts pro Woche er publizieren soll. Seine Partner wissen einfach, dass Stevie schon etwas Einzigartiges produzieren wird, wenn sie ihn nur unterstützen. Bestes Beispiel sind die ION-Kampagnen für den neuen Flatpedal-Schuh und die neue Protection-Linie. Beide sind super kreativ, extrem hochwertig und noch dazu sehr unterhaltsam.

Vertrauen belohnt Stevie! Die Schuh-Kampagne, die er umgesetzt hat, ist grandios!
Statt selbst die ganze Kohle der Produktionen einzustreichen, gibt er den Großteil an seine Filmcrew weiter.
Komik, Drama und Action in einem – in den Werbeclips für ION zeigt Stevie sein schauspielerisches Talent

Die Sache mit dem Hanf

Aktuell kennt man Stevie vor allem durch seinen Instagram-Account und seine YouTube-Videos. Ihm selbst ist klar, dass seine Reichweite und damit auch sein Erfolg extrem stark vom Algorithmus der Plattform abhängen. Schließlich nutzt der beste Content nichts, wenn Instagram ihn nicht an alle relevanten Nutzer ausspielt. Deshalb arbeitet Stevie an Alternativen und hat unter anderem sein gesamtes Erspartes in eine neue Firma gesteckt. Sein Produkt: Flow Drops. Dabei handelt es sich um ein wasserlösliches CBD-Produkt, das u. a. Verspannungen lösen, die Regeneration nach dem Sport verbessern und die Heilung nach Verletzungen beschleunigen soll. CBD ist ein Bestandteil der Hanfpflanze, verfügt aber anders als THC nicht über psychoaktive Effekte. Kurz gesagt: Es macht nicht high. Daher ist es auch in Deutschland legal erhältlich – es ist sogar von der Welt-Anti-Doping-Agentur von der Anti-Doping-Liste gestrichen worden. Stevie kann die Wirkung aus eigener Erfahrung bestätigen und steht voll hinter seinen Flow Drops.

Stevie versucht sich jetzt auch als Unternehmer. Die Flow Drops die er mit den Hanf Brüdern entwickelt sollen bei Verspannungen helfen und zur Regeneration nach dem Sport beitragen.

Nachdem wir einen Tag gemeinsam biken waren, im Garten gechillt und gekocht haben, hat sich unser Bild von Stevie verändert. Er ist noch immer dieser super witzige Typ, den man von Instagram kennt. Tatsächlich ist er sogar genauso unterhaltsam, wie wir es uns erhofft hatten, aber er ist eben auch ein sehr weitsichtiger Mensch mit Prinzipien und Idealen. Stevie macht das, was er tut, nicht fürs Geld. Er macht es, weil er davon überzeugt ist – und das ist am Ende sein Schlüssel zum Erfolg. Da sind wir uns sicher!

Ihr wollt mehr über Stevie erfahren? Dann checkt seinen Instagram-Kanal.

Text: Christoph Bayer Fotos: Christoph Bayer, Tobi Wernik

Über den Autor

Christoph Bayer

Wenn sich Arbeit nicht nach Arbeit anfühlt, dann hat man alles richtig gemacht – und das hat Christoph geschafft! Er liebt das Biken, ist ein Fan von Tech-Talk (zum Leidwesen seiner Freundin Toni), hat super viel Spaß an der Fotografie und bereist gerne die Welt. Er ist fast seit Anfang an bei ENDURO dabei und als Chefredakteur mittlerweile dafür verantwortlich, dass ENDURO das progressivste und aufregendste Magazin der Branche ist. Natürlich schreibt er noch jede Menge Storys selbst, testet um die 100 Bikes im Jahr und sitzt nahezu täglich auf dem Rad. Die alpinen Trails rund um seinen Heimatort dienen dabei als perfektes Testgelände. Den klassischen Arbeitstag gibt es für ihn nicht, mal ist er im Office, mal mit dem Laptop im Garten oder arbeitet direkt vom Van aus in einem der Top-Bike-Spots dieser Welt – für Christoph sind die Grenzen fließend und genau das weiß er so zu schätzen.