Dass Shimano die neue XT M8100 12-fach-Schaltung vorstellt, war absehbar. Dass die Japaner aber auch die Shimano SLX M7100 mitliefern, ist eine Überraschung. Beide Schaltungen setzen auf die bewährten Features der High End Gruppe XTR. Wir haben nicht nur alle Infos über die neuen Schaltgruppen für euch, sondern sind beide auch bereits gefahren.

Darauf haben viele gewartet: die neue Shimano XT und SLX 12-fach Schaltung

Darauf haben sicher viele Shimano-Fans gewartet: Endlich gibt es die Ikone unter den Schaltungen, die Shimano XT, auch als 12-fach-Variante. Ein überfälliges Update für die Japaner, schließlich hat SRAM den Markt an 12-fach-Schaltungen in den letzten Jahren klar dominiert. Auch die Top-Gruppe XTR ist aufgrund von Lieferproblemen nicht richtig aus den Startlöchern gekommen. Das alles soll sich nun mit der Vorstellung der neuen XT und SLX 12-fach-Schaltungen ändern.

Mit der Shimano XT 12-fach-Schaltung haben viele gerechnet …
… die SLX 12-fach-Schaltung kommt dagegen eher überraschend

Shimano XT und SLX im Detail

Die neue Shimano XT M8100- und auch SLX M7100-Schaltungen sind sowohl als 1-fach-Antrieb mit großer 10–51-Kassette als auch als 2-fach-Variante mit 10–45-Kassette erhältlich. Dank der neuen ergonomischen und leichtgängigen I-SPEC EV-Hebel mit größerem Einstellbereich lassen sich beide Gruppen umfassend an die Vorlieben der Fahrer anpassen. Viele der Technologien der Top-Gruppe XTR, finden sich auch in der XT- und SLX-Ausstattung. So verfügen beide z. B. über das HYPERGLIDE+ System. Was wie aus einer Durex-Werbung klingt, sorgt dafür, dass die Kette fast ohne Kraftunterbrechung und sehr leise über die Ritzel gleitet.

Auch die SLX fügt sich sowohl optisch als auch funktional perfekt ins bestehende Shimano Line-up
HYPERGLIDE+ ist eines der wichtigen Features, das neben der enormen Bandbreite der 10–51-Kassette von der XTR-Top-Gruppe mit übernommen wurde

Sowohl für die Shimano XT als auch für die SLX gibt es außerdem zwei neue Bremsen, alle Infos dazu haben wirin einem gesonderten Artikel für euch aufbereitet.

Das Shimano XT und SLX 12-fach-Schaltwerk

Bei den neuen Shimano XT- und SLX-Schaltwerken kommen jeweils Umlenkrollen mit 13 Zähnen zum Einsatz. Für beide Gruppen gibt es je ein 1-fach- und ein kürzeres 2-fach-Modell. Natürlich verfügen alle Varianten über einen integrierten Dämpfer. Der Hauptunterschied zwischen dem XT- und dem SLX-Modell liegt sowohl in der Oberflächenbearbeitung als auch darin, dass die Rollen der XT kugelgelagert sind. In Sachen Gewicht trennen XT und SLX beim 1-fach-Modell 32 g zugunsten der XT.

Die neuen Shimano 12-fach-Schaltwerke setzen auf Umlenkrollen mit 13 Zähnen, besitzen eine Dämpfung und ähneln optisch der High End-Gruppe XTR
Bei der SLX verzichtet Shimano auf ein Kugellager bei der Umlenkrolle
Die Dämpfung kann auch weiterhin aktiviert und deaktiviert werden

Die Shimano XT- und SLX-Kassette

Beide Kassetten verfügen entweder über eine Bandbreite von 10–51 (1-fach) Zähnen oder 10–45 Zähnen (2-fach). Sie sitzen auf einem MICRO SPLINE-Freilauf und besitzen die von der XTR bekannte HYPERGLIDE+ Technologie für schnelle und leise Schaltvorgänge. Die XT-Kassetten bestehen aus zehn Stahlritzel und zwei Alu-Ritzeln, die auf einem Alu-Spider sitzen. Bei der SLX ist der Aufbau identisch, allerdings besitzt sie ein Stahlritzel mehr und ist so mit einem Gesamtgewicht von 534 g (10–51) 64 g schwerer als die vergleichbare XT-Variante (470 g).

Bandbreite satt! Mit 10–51 Zähnen hat man sowohl bei steilen Uphills als auch bei schnellen Abfahrten immer den passenden Gang zur Verfügung.
Die unteren Ritzel bestehen aus Stahl, die oberen aus Alu. Alle sitzen auf einem Spider aus Aluminium.
Bei der M8100 XT-Kassette sind die beiden oberen Ritzel aus Aluminium …
… bei der günstigeren SLX-Version lediglich das größte

Die Shimano XT- und SLX-Kurbel

Bei den Kurbeln gibt es zwischen XT und SLX einige Gemeinsamkeiten. Beide besitzen HOLLOWTECH II-Kurbelarme, sind als 1- und 2-fach-Variante erhältlich und verfügen über das Narrow-Wide-Zahndesign, um die Kette optimal auf dem Kettenblatt zu halten. Während die XT 1-fach-Kurbel mit Direct-Mount-Kettenblättern von 28–36 erhältlich ist, muss man auf das kleinste und größte bei der SLX verzichten – allerdings ist die Kurbel mit den XT- und XTR-Blättern kompatibel. Auch bei der Kurbellänge bietet die XT mehr Optionen und ist neben 166, 170 und 175 mm auch als 180er Version erhältlich. Auf die ganz lange Kurbel muss man bei SLX verzichten. Natürlich gibt es beide für verschiedene Achsstandards. In Sachen Gewicht trennen die beiden nur rund 11g (620 g XT und 631 g SLX, je mit 32 Zahn Kettenblatt, aber ohne Tretlager).

Sowohl SLX als auch XT setzen auf HOLLOWTECH II-Kurbelarme und Direct-Mount-Kettenblätter
Bei der SLX besitzt das kleinste Kettenblatt 30 Zähne – allerdings ist die Kurbel auch mit einem 28-Zahn-XT-Kettenblatt kompatibel

Der Shimano XT- und SLX-Schalthebel

Das Zauberwort des neuen Shimano SLX- und XT-Schalthebel lautet I-SPEC EV. Das neue System ermöglicht es dem Fahrer, die Position der verschiedenen Hebel optimal an die Ergonomie der eigenen Hand abzustimmen. Der Hauptunterschied liegt im Inneren der Griffe. Während der XT-Hebel über die bekannte Multi-Shift-Funktion verfügt, um gleichzeitig zwei Gänge schwerer zu schalten, sucht man dies beim SLX-Modell vergebens. Außerdem besitzt der XT-Hebel gummierte Daumen-Pads, beim SLX-Hebel setzt Shimano auf eine Riffelung. Shimano bietet für 2-fach-Antriebe je auch einen Einzelhebel für die linke Seite an. Beim Gewicht sind die Unterschiede marginal. Zwischen dem SLX- und XT-Hebel liegt nur 1 g (120 g XT, 121 g SLX).

Das Design der Schalthebel hat sich grundlegend nur im Detail verändert, allerdings lassen sich die Hebel via I-SPEC EV nun besser an die eigenen Vorlieben einstellen.
Während bei der XT gummierte Pads zum Einsatz kommen …
… setzt die SLX-Version lediglich auf eingeprägte Rillen. Außerdem muss man auf die Multi-Shift-Funktion verzichten.

Die Shimano XT- und SLX-Kette

Die 12-fach SLX- und XT-Kette unterscheidet sich einzig durch ihre Oberflächenbehandlung. Beide Ketten besitzen eine überarbeitete Innenseite, um das Kettenmanagement auf den Ritzeln zu verbessern. Das Gewicht ist mit 252 g bei beiden Ketten identisch. Im Lieferumfang ist jeweils ein Kettenschloss enthalten.

Beide Ketten kommen von nun an mit einem Kettenschloss anstelle des Nietpins. Gut zu wissen: Das Schloss ist allerdings ebenfalls ein Einmalprodukt!

Erster Test: Shimano XT 12-fach und Shimano SLX 12-fach

Wir hatten die Möglichkeit, sowohl die neue Shimano XT als auch die SLX 12-fach-Schaltung bereits einem ersten Test zu unterziehen. In Girona fuhren wir einen Tag mit der XT auf einem Cross-Country Rennkurs, mit der SLX waren wir einen Tag auf einer Enduro-Tour unterwegs. Beide Schaltungen funktionierten während des Tests ohne Probleme. Besonders beeindruckend bei beiden war der schnelle und präzise Gangwechsel. Selbst wenn wir in einem völlig ungeeigneten Moment unter Volllast zwei Gänge auf einmal leichter geschaltet hatten, setzte die Schaltung dies problemlos und ohne großes Krachen oder Verzögerungen um. Die Kette wandert sehr leise aber definiert von Ritzel zu Ritzel. Das Schaltgefühl des XT-Hebels ist dabei noch knackiger und präziser.

Gangwechsel unter Volllast? Kein Problem, weder für die XT, noch für die SLX.

Gleich geblieben ist der von Shimano im Vergleich zu SRAM eher lange Hebelweg. Die Möglichkeit, beim XT-Hebel gleich zwei Gänge auf einmal herunterzuschalten, empfinden wir als genial – aus diesem Grund würden wir persönlich immer den Mehrpreis für das XT-Modell investieren.

Auch Gangwechsel in letzter Sekunde und in unpassenden Momenten erledigt die Schaltung schnell, präzise und leise

Dank der großen Bandbreite stellen auch lange und steile Uphills für keine der beiden Schaltungen ein Problem dar. Bei der Enduro-Tour haben wir bewusst die Kettenführung ab der Hälfte der Tour demontiert und konnten dennoch keinen Kettenverlust verzeichnen. Die Dämpfung arbeitet sehr effizient und beide Antriebe sind angenehm leise. Wie es um die Dauerhaltbarkeit und Zuverlässigkeit der neuen 12-fach-Antriebe bestellt ist, können wir aktuell noch nicht beurteilen – wir sind aber sehr auf weitere und längere Tests gespannt.

Kettenverluste hatten wir im gesamten Testzeitraum keine – auch nicht nachdem wir die Kettenführung demontiert haben

Preis und Verfügbarkeit der neuen Shimano SLX und XT

Nachdem die XTR sehr lange auf sich warten ließ, sind wir umso gespannter, ab wann die neue XT und SLX in den Läden verfügbar ist. Laut Shimano läuft alles nach Plan und die Auslieferung startet ab dem 14. Juni dieses Jahres. Preise in Euro sind aktuell noch nicht bekannt. Da Shimano keine UVPs kommuniziert, werden diese aktuell von den einzelnen Vertrieben noch kalkuliert.

Die neue Shimano SLX und XT am E-Mountainbike

Laut Shimano ist sowohl die neue SLX als auch XT-Schaltung problemlos für den Einsatz am E-Mountainbike geeignet. Einen speziellen Schalthebel braucht es demnach nicht. Da die SLX-Kassette über ein weiteres Stahlritzel verfügt, sollte sie hier langlebiger sein.

Unser erstes Fazit zur neuen Shimano XT und SLX 12-fach-Schaltung

Mit der neuen Shimano SLX und XT 12-fach-Schaltung sind die Japaner zurück im Rennen am Schaltungsmarkt. Große Bandbreite, schnelle Schaltvorgänge und super geschmeidige Gangwechsel wissen zu überzeugen. Im Vergleich zur SLX wirkt die neue XT noch etwas knackiger und hochwertiger. Allerdings wird der Preis zeigen, ob sie das Upgrade wirklich wert ist. Rein funktional gibt es schon bei der günstigen Gruppe nichts zu meckern. Spannend wird jetzt nicht nur, wie sich die Schaltungen auf Dauer schlagen, sondern auch, wie schnell weitere Laufräder mit dem MICRO SPLINE-Freilauf vorgestellt werden.


Mehr Informationen findet ihr unter bike.shimano.com

Text: Christoph Bayer Fotos: Christoph Bayer, Antonio Obregon, Irmo Keizer

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Über den Autor

Christoph Bayer

Abwechslung – das ist für Christoph das Wichtigste. Sowohl auf dem Bike als auch bei seiner Tätigkeit für ENDURO. Er kümmert sich federführend um das sechs Mal im Jahr erscheinende Magazin und ist dort gleichzeitig Fotograf und Redakteur. Auf dem Rad trifft man ihn vor allem im alpinen Terrain an, wo er neben flowigen Trails auch gerne mal eng verwinkelte oder verblockte Strecken in Angriff nimmt.