Ausgabe #034 Test

The Lab: ENVE M735-Laufradsatz Test

In der Kategorie „The Lab“ präsentieren wir spannende Produkte, die wir für euch ausprobiert haben. Manche waren monatelang im Einsatz, andere haben wir nur kurz abgecheckt. Diesmal verraten wir euch, wie sich der ENVE M735-Laufradsatz im Test geschlagen hat.

Nichts verkörpert mehr Glamour als ein Paar ENVE-Sticker, die sich um die Naben drehen – aber kann irgendein Laufradsatz einen Preis von über 3.000 € rechtfertigen? Unser UK-Tester Trev fuhr die 29” großen M735-Modelle mit einer Innenbreite von 35 mm in den letzten sechs Monaten, um genau das herauszufinden. Unter seinen Stollen hatte er während dieser Zeit alles – von DH-Trails über Enduro-Rennstrecken bis hin zu Bergwegen. In die M735er ist ENVEs neue, patentierte Rim Strip-Technologie integriert: Ein flexibler Streifen sitzt zwischen dem Carbonfelgenbett und dem Reifen, puffert Einschläge ab und bietet eine einwandfreie Abdichtung des Tubeless-Systems. Das Team von ENVE behauptet, es hätte Platten nach Durchschlägen fast komplett eliminiert – wenn dem so sein sollte, dann wäre das die beste Erfindung im Radbau, gleich nach der Erfindung des Rades selbst. ENVE behauptet außerdem, dass der Strip den Luftdruck hält, sollte mal eine Felge zerbrechen.

Die Räder haben definitiv einige harte Schläge abbekommen, bis auf ein paar Kratzer lässt sich jedoch kein Schaden verzeichnen
Ein spezielles Felgenband zieht sich bis über’s Felgenhorn und schützt den Reifen bei Durchschlägen

Super, wenn man ein Racer ist – aber wenn man nicht gerade gesponsert wird, verschleiern einem die Tränen über den 3.500-Euro-Laufradsatz ohnehin so die Augen, dass man nicht weiterfahren kann. Doch funktioniert der Rim Strip? Auf jeden Fall! Platten sind dunkle Magie und Trev wird wahrscheinlich von nun an mit dem Fluch von einer Million Defekten beladen sein, aber bisher hatte er nicht ein einziges Mal einen Platten mit den ENVEs, durchaus beeindruckend. Seine Felgen sind mit Chris King-Naben aufgebaut, den Rolls-Royce unter den Naben. Sie klingen wunderschön, sehen auch so aus und rasten blitzschnell ein, aber sie erfordern auch ein konstantes Nachstellen des Lagerspiels.

Die 35 mm Innenbreite ist ideal für aktuelle 2,5”–2,6” Maxxis WT-Reifen

Trev zeigt sich schwer beeindruckt: „Man kann den Unterschied spüren – sobald man sie montiert hat, ist da dieses unverwechselbare ENVE-Gefühl. Euer Bike fühlt sich sofort straffer an, irgendwie direkter, und es giert nach engeren Linien.“ Sie sind immer noch der absolute Horror, wenn es darum geht, einen Reifen aufzuziehen, aber Trev musste auf dem Trail bis jetzt noch keinen Schlauch in den Reifen ziehen. Die seitliche Steifigkeit der Laufräder ist absolut verrückt und vor allem bei blitzschnellen Richtungswechseln in Anliegern oder Kompressionen spürbar. Man könnte wahrscheinlich einen Elefanten an ihnen schaukeln lassen und sie würden trotzdem zentriert bleiben. ENVE gibt außerdem an, dass das Fahrgefühl ebenfalls verbessert wurde, aber die M735 fühlen sich noch immer so straff wie ein Rennwagen an – als würde man ein Sportfahrwerk in sein Auto einbauen.

Das Positive daran ist, dass man auch die krasseste Linie halten kann, wenn man nur schnell genug unterwegs ist. Negativ jedoch: Wenn ihr lediglich eine gemütliche Ausfahrt wollt, sind sie nicht so fehlerverzeihend wie ausgewogenere Laufräder. Mit 600 g pro Felge sind sie nicht gerade leicht, aber der 4,5 mm starke Carbonverbund ist nachweislich bombensicher. Eine richtig übel gewählte direkte Linie verpasste den Laufrädern während des Dauertests einen mega Einschlag auf einem Stein; der Schnitt schlitzte den Reifen bis zur Felge auf und das Geräusch ließ den Geldbeutel erzittern, aber letztendlich war der Schaden nur oberflächlich – in der Tat robustes Material.

Fazit

Der neue ENVE M735 ist der präziseste und stärkste Laufradsatz, den Trev jemals getestet hat. Wenn ihr punktgenaue Präzision und brutale Kurvenfahrten mögt, ist er das Nonplusultra. Allerdings sind die Laufräder mit 3.500 € sicherlich nicht doppelt so gut wie einige der exzellenten und hochwertigen Angebote für die Hälfte dieses Preises.

Stärken

  • wahnsinnig präzise
  • unverwechselbares Fahrgefühl

Schwächen

  • Reifen aufziehen ist schwierig
  • kaum fehlerverzeihend, hart

Tester: Trev
Dauer: 6 Monate
Mehr Infos: enve.com

Preis: 3.500 €
Gewicht 2.114 g (29″, Chris King-Naben)

Dieser Artikel ist aus ENDURO Ausgabe #034

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Text & Fotos: Trev Worsey

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Über den Autor

Trev Worsey

Seit den frühen 90ern mit dem Bike-Virus infiziert, arbeitete Trev zunächst als Wissenschaftler und Statistiker, bevor ihn Bikes und Berge endgültig zu sich riefen. Nach sieben Jahren als Mountainbike-Guide wechselte er dann zu ENDURO, wo er sich seitdem von unserem UK-Office aus um News, Storys und Testberichte für unsere Website und die Ausgaben kümmert.