Die Eröffnungsrunde der Enduro World Series ist nun Geschichte – was für ein Auftakt! Als die Racer sich zum Start unter dem Pohutu Geysir begaben, lag die Spannung zum Schneiden dick in der Luft. Wie würde sich die Saison entwickeln? Die Rennen gehen mittlerweile so knapp aus, dass schon ein einziger Fehler den Sieg kosten kann. Es geht nicht mehr darum, wer am schnellsten ist, sondern wessen schlechteste Stage noch am besten ist. Bei den Männern zeigte Jerome die konstanteste Performance und nahm so den obersten Platz auf dem Treppchen ein, aber es gab auch ein paar sehr erfolgreiche Wildcard-Starter. Am intensivsten aber war das Rennen bei den Frauen. Wie schon in den letzten beiden Saisons dominierten Tracy Moseley und Anne Caro die Ergebnisse und kämpften bis zum Schluss an der Spitze um Sekunden.

Als ich hörte, dass die erste Runde der EWS 2015 in Neuseeland stattfinden würde, war ich völlig aus dem Häuschen. Ich war 2000 zum ersten Mal in Neuseeland gewesen, für den üblichen Rucksacktrip nach dem Studium. Wobei, mein Trip war insofern nicht ganz traditionell, als dass ich damals neben dem ganzen Sightseeing auch noch an der New Zealand National Downhill Series teilnahm. Ich verliebte mich in das Land, die Leute, die Bikingmöglichkeiten, die das Gelände bot, und die Kultur. Alle hier waren verrückt nach Outdoor-Aktivitäten, und das Essen und die Gastfreundlichkeit sind einzigartig.

15 Jahre später ist das alles immer noch so, aber die Bikingkultur hat sich noch weiter entwickelt. Die Entwicklung im Whakarewarewa Forest in Roturoa, wo der Großteil des EWS-Rennens stattfand, ist besonders beeindruckend, hier gibt es nun ein Netzwerk von über 130 km ausgewiesenen Trails.

Wie viele andere Teilnehmer reiste ich schon recht frühzeitig nach Neuseeland, um genug Zeit zu haben, mich vom Jetlag zu erholen. Naja, das war meine Ausrede. Eigentlich ging es vor allem darum, dem britischen Winter zu entfliehen und ein bisschen „quality time“ auf meinem Mountainbike zu verbringen, nachdem ich den ganzen Winter fast nur auf dem Straßen- bzw. XC-Rad trainiert hatte. Da das erste Rennen dieses Jahr einen ganzen Monat früher stattfand als die Saisoneröffnung letztes Jahr in Chile nutze auch ich die Gelegenheit, an ein paar lokalen Rennen teilzunehmen, um sicherzugehen, dass ich nicht allzu eingerostet an den Start gehen würde.

Der Whakarewarewa Forest bietet eine atemberaubende Kulisse
Der Whakarewarewa Forest bietet eine atemberaubende Kulisse

Als die Rennwoche begann, hatten die meisten Starter schon einige Zeit im Wald verbracht und versucht zu erraten, welche Trails Teil des Kurses sein würden. Es gab einen durchgängigen Shuttleservice, der einen hoch zu einem Punkt brachte, von dem aus man Zugang zu einem großen Teil des Waldes hatte, was das Ganze erheblich vereinfachte. Es fühlte sich aber ein bisschen so an als ob ich wieder Downhill fahren würde, so mit Trails exzessiv wiederholen und im Bus sitzen! Das gefiel mir nicht so recht, aber wie alle anderen spürte auch ich den Druck des ersten Rennens auf mir lasten und hatte das Gefühl, dass ich die Zeit ebenfalls so gut wie möglich auf dem Bike nutzen sollte.

TUnter den riesigen Farnen und Redwoods fühlt man sich geradezu winzig.
Unter den riesigen Farnen und Redwoods fühlt man sich geradezu winzig.

Dann fing zum Glück das offizielle Training an, und man durfte nur vorgegebene Stages an bestimmten Tagen fahren. Ich denke, das war eine gute Lösung, weil man auf diese Weise nicht einfach drei Tage damit verbringen konnte, alle Trails zu Tode zu üben. Los ging es mit Stage 7, der letzten, einer langen Abfahrt vom Gipfel des Mount Ngongotaha, die auch Teile der Strecke der 2006er Downhill-Weltmeisterschaft einschloss.

Es war schon ein schwieriger Start fürs Training, die Stage begann mit einem dunklen Trail durch dichten Urwald, der seit 1998 nicht gefahren worden war, und sich dann in eine völlig verwurzelte anspruchsvolle Sektion verwandelte. Dann ging es weiter auf verdammt schnellen DH-Trails, mit großen Sprüngen, Drops und für ein Trailbike riesigen Kompressionen. Traurigerweise fielen bei dieser Session einige Leute durch Verletzungen aus. Am Nachmittag war Stage 1 dran, die technischste Stage des Rennens, die sich angesichts der nassen Wetterbedingungen für viele auch als eine große Herausforderung erwies.

Am zweiten Trainingstag litt so mancher bereits unter den Auswirkungen von Tag 1 und stand Ängste aus, was die nächsten Tage bringen würden. Zum Glück verbesserte sich das Wetter ein wenig und die folgenden Stages verziehen auch ein paar Fehler mehr. Aber nach drei Trainingstagen wollten wir dann wirklich nur noch eins: endlich racen!

Als am Morgen des Renntags die Sonne aufging, legte sich der Geysir mächtig ins Zeug, und rülpste große Mengen Schwefeldampf in die Luft.
Als am Morgen des Renntags die Sonne aufging, legte sich der Geysir mächtig ins Zeug, und rülpste große Mengen Schwefeldampf in die Luft.

Wie immer war das Wetter das große Thema, da die Wettervorhersage seit einer Woche für diesen Tag Regen prophezeit hatte. Glücklicherweise trat dies nicht ein, wobei es sich bei 96% Luftfeuchtigkeit und 20 °C eigentlich schon so anfühlte, als ob es regnete. Jedenfalls für mich – ich glaube ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so viel geschwitzt. Es war fast unmöglich, genug zu trinken, um den Flüssigkeitsverlust wieder auszugleichen.

Das Rennen begann am Stadtrand von Rotorua, in einem der Thermalgebiete der Stadt, neben dem Pohutu-Geysir. Von hier starteten wir auf eine 12km lange Tretpassage mit einem 450m-Anstieg in den Wald zur Stage 1.

Stage 1: Stage 1 war etwas über 3 km lang über einen Höhenunterschied von 320m. Es war vermutlich der technisch anspruchsvollste Trail, obwohl die erste Hälfte eher flach war und sich wegen der matschigen Bodenverhältnisse vor allem als eine große sportliche Herausforderung erwies. Nach fast 5 Minuten harten Pedalierens begann eine steile Abfahrt hinein in den wunderschönen Urwald. Solche Wälder in Neuseeland sind unglaublich beeindruckend, aber ich habe noch nirgendwo sonst so viele Wurzeln gesehen. Man fühlte sich wie auf einem Wurzelteppich, der mit jedem Fahrer, der neuen Matsch darauf verteilte, noch glitschiger wurde. Ich hatte mir das Leben noch etwas schwerer gemacht, in dem ich vergessen hatte, die 35psi Reifendruck zu reduzieren, die mir den einstündigen Transfer hatten erleichtern sollten. Mit 35 psi in beiden Reifen war das doch etwas sketchy, aber selbst nach einigen schweren Fehlern und nach Abschnitten, die ich rennen musste gelang, es mir irgendwie, die Stage mit einer Sekunde Vorsprung vor Anne Caro zu gewinnen!

Die langen Tretpassagen über glitschige Wurzeln waren ganz schön hart.
Die langen Tretpassagen über glitschige Wurzeln waren ganz schön hart.

Der Transfer von Stage 1 zu Stage 2 war sehr knapp gehalten, daher war keine Zeit zum Essen oder Quatschen und kaum zum Trinken.

Stage 2: Diese Stage war kurz, nur 1,5 km lang, auf denen es 180 Höhenmeter runter ging. Ein enger kurviger Schräghangtrail, superspaßig, aber es gab immer noch genügend vertrackte kleine Passagen, auf denen man Fehler machen konnte. Diese Stage machte mir Spaß, und ich fuhr sie gut durch, aber diesmal war Anne Caro eine Sekunde schneller als ich, so dass es eins zu eins stand.

Stage 3: Das hier war dieser neu gebaute Trail, der wegen des nassen Wetters gekürzt worden war, so dass es nun eine Schräghang-Abfahrt mit wenigen Tretabschnitten war. Für mich verlief die Stage weitgehend ohne Zwischenfälle, aber ich denke, ich fuhr ein bisschen zu sehr auf Sicherheit, und verlor hier 6 Sekunden an Anne Caro.

Stage 4: Das war für viele die Lieblingsstage. Ein spaßiger, flowiger Singletrail, am Anfang flacher, und dann ging es auf „Billy T“, einen der berühmteren Trails von Rotorua. Ich preschte hier sehr nach vorne, trat hart in die Pedale wo immer es ging, und schaffte es, die Stage zu gewinnen, gut 6 Sekunden schneller als Anne Caro.

Nach einer soliden Stage 3 war eigentlich noch alles drin, aber war Tracy hier zu konservativ gefahren?
Nach einer soliden Stage 3 war eigentlich noch alles drin, aber war Tracy hier zu konservativ gefahren?

Stage 5: Das war eine weitere knifflige kurze Stage, nur einen Kilometer lang über einen Höhenunterschied von 130 Metern, aber musste man durch einige entscheidende Sektionen mit Schrägwurzeln durch. Für mich, wie für viele andere auch, war es diese Stage, auf der sich das Rennen entschied – sie war so kurz, dass jeder kleine Fehler sehr viel Zeit kostete. Leider fuhr ich hier viel zu konservativ auf den schwierigen Abschnitten, vor allem den Wurzeln. Am Ende landete ich auf der Seite und verlor wertvolle Zeit. Das war so eine wichtige Stage, und ich hatte 12 Sekunden an Anne verloren. Und damit leider auch das Rennen.

Auf Stage 6 gaben wir alle alles, und der Druck, unter dem wir standen, machte sich bemerkbar
Auf Stage 6 gaben wir alle alles, und der Druck, unter dem wir standen, machte sich bemerkbar

Stage 6: Diese Stage war eine Variation der National Downhill-Strecke, die seit Jahren für DH-Rennen hier benutzt wird. Die Stage war 2 km lang und fiel 320 m, wenig Tretpassagen, einige sehr sketchy Drops und ein paar für Trailbikes bei der Geschwindigkeit doch recht grobe Kompressionen. Ich legte mich sehr ins Zeug und machte ein paar dumme Fehler, die mich die Stage kosteten. Eine Sekunde hinter Anne, und ich wusste, ohne die Fehler hätte ich hier gewonnen.

Schließlich war es Zeit, in den Shuttlebus zu steigen, der uns zum Skyline Centre am anderen Ende der Stadt brachte, wo wir das Rennen zu Ende bringen würden.

Stage 7: Diese Stage war knapp über 3 Kilometer lang und es war ein schwieriger Abschluss, weil wir sie seit dem ersten Trainingstag nicht mehr gefahren waren, und sie daher nicht mehr so präsent hatten. Ich hatte mir am Tag vorher das DH-Rennen im Internet angesehen und eine gute Linie entdeckt, ich dachte, die könnte ich nehmen, um einen Anlieger gegen Ende der Strecke abzukürzen. Als ich an diesen Punkt kam, war ich aber an einer ganz falschen Stelle, bremste zu spät und verpasste die Linie komplett, fast hätte ich anhalten müssen. Man sollte meinen, nach fast 20 Jahren Rennerfahrung sollte mir was Besseres einfallen, als eine Linie zu nehmen, die ich nie ausprobiert hatte. Dieser Anfängerfehler kostete mich also wieder eine Stage, Anne war zwei Sekunden schneller.

Anne Caro und Cecile beobachten gebannt das Live-Timing, während Tracy auf der letzten Stage den Hügel runter rast.
Anne Caro und Cecile beobachten gebannt das Live-Timing, während Tracy auf der letzten Stage den Hügel runter rast.
Die Sekunden verstreichen und Tracy kämpft sich ins Ziel…
Die Sekunden verstreichen und Tracy kämpft sich ins Ziel…
…aber es reichte nicht für die Führung
…aber es reichte nicht für die Führung

Leider waren es ein paar Fehler zu viel, und Anne Caro besiegte mich mit 14 Sekunden Vorsprung – nach einem 7-Stunden-Tag auf dem Bike und 40 Minuten Rennzeit. Ich war zwar enttäuscht über den verpassten Sieg, aber ich freute mich, dass ich gleich beim ersten Rennen so nah dran gewesen war. Ich weiß, dass ich vor der nächsten Runde noch am Feinschliff arbeiten muss, und auch dieses Jahr wird es ein spannender Kampf um diesen obersten Platz auf dem Treppchen werden.

Die ganze Saison liegt noch vor uns, und wir können sicher sein, dass wir auf dem Weg zum Championtitel noch mehr nervenzerfetzende Action zu sehen bekommen werden.
Die ganze Saison liegt noch vor uns, und wir können sicher sein, dass wir auf dem Weg zum Championtitel noch mehr nervenzerfetzende Action zu sehen bekommen werden.

Tracys Bike

Ich habe mich wieder für das Trek Remedy 29er entschieden, da ich damit bisher viel Erfolg hatte, und warum etwas ändern, das funktioniert? Ich liebe dieses Bike sehr, es bietet viele Vorteile für längere Enduro-Rennen, denn wenn man mal Geschwindigkeit drauf hat, hält es sie richtig gut, und der Grip fühlt sich auch ziemlich gut an. Ich glaube, bei einem Rennen wie diesem hier in Rotorua ist die Laufradgröße nicht so entscheidend, und ich bin eine Verfechterin der Ansicht, dass man immer das fahren soll, wobei man ein gutes Gefühl hat, anstatt sich zu sehr den Kopf über all die sich gegenseitig ausschließenden Optionen bei der Wahl des Bikes zu zerbrechen.

Ich fand es schwierig, die Federung einzustellen, weil die Stages so unterschiedlich waren, manche flach und wurzelig, andere schnell mit großen Kompressionen. Ich startete mit einer Einstellung, die ich für die ersten 5 Stages nutzte, und für Stages 6 und 7 pumpte ich noch 4 psi mehr Druck hinein und erhöhte die Druckstufendämpfung, um die superschnellen Streckenabschnitte und die groben Kompressionen besser handeln zu können. Auch die Reifenwahl an diesem Wochenende war nicht einfach. Normalerweise ziehe ich schnellrollende Reifen solchen mit viel Grip vor, aber hier entschied ich mich am Ende für einen Reifen mit eher aggressivem Profil, sowohl vorne als auch hinten: den Bontrager SE 5. Ich hatte einfach das Gefühl, das Grip auf den kürzeren, abfahrtslastigen Trails hier wichtiger sein würde als Rollverhalten. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob das die richtige Wahl war, aber das ist eines der Dinge, die ich am Enduro-Sport liebe: es ist immer ein Kompromiss, und man muss die beste Wahl für den ganzen Tag treffen.

tracy-53
  • Rahmen – Remedy 9.9 OCLV Mountain Carbon – Teamlackierung
  • Federgabel – Fox 36 – custom tuned
  • Mudguard – EnduroGuard
  • Dämpfer –Fox Float X (Neue Luftkammer) – custom tuned
  • Laufräder – Bontrager Rhythm Elite Alloy 148 Rear
  • Bremsen – Shimano XTR 9000 Race (Bremsbeläge mit Kühllamellen + Ti Bremsscheibenschrauben)
  • Schalthebel – Shimano XTR 9000 (Dura Ace 9000 Polymer Schaltzüge)
  • Schaltung – Shimano XTR 9000
  • Kurbel – Shimano XTR 9000
  • Kettenblätter – XTR 9000 26 – 36
  • Kassette – Shimano XTR 11 speed 11-40
  • Pedale – Shimano XTR Trail
  • Kettenführung – E-13 TRS+ Dual DMB Guide
  • Sattelstütze – Fox D.O.S.S
  • Sattel – Bontrager
  • Lenker – Deity T-MO Carbon Enduro Signature Bar mit 735mm Breite
  • Vorbau – Deity Cavity 31.8
  • Griffe – Deity Lean (extra dünnn)
  • Steuersatz – Cane Creek 1.5

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Text: Tracy Moseley und Trev Worsey Fotos: Trev Worsey


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