VEE Tire Co ist eine vergleichsweise junge Marke im MTB-Bereich, profitiert aber von der langjährigen Erfahrung der Muttergesellschaft VEE Rubber, die bereits seit 1977 Reifen für Autos, Motorräder und Fahrräder produziert. Während VEE Rubber vor allem im OEM- und Alltagsbereich aktiv ist, setzt VEE Tire Co gezielt auf High-Performance-Produkte für den sportlichen Einsatz. Besonders im Downhill- und Enduro-Segment hat sich die Marke inzwischen etabliert – unter anderem durch World Cup-Einsätze und prominente Fahrer wie Aaron Gwin.
| Modell | Gewicht | Preis |
|---|---|---|
| Attack FSX Full 40 GXE 29 x 2,50 |
1.234 g | 54,95 € |
| Attack HPL Full 40 GXE 29 x 2,50 |
1.289 g | 54,95 € |
| Snap WCE MK2 Full 40 GXE 29 x 2,50 |
1.323 g | 54,95 € |
| Snap WLT Full 40 GXE 29 x 2,35 |
1.123 g | 54,95 € |
Die Karkassen im Überblick
Bei VEE Tires gibt es vier Mountainbike-spezifische Karkassen, die unterschiedliche Einsatzbereiche abdecken sollen. In aufsteigender Reihenfolge sollen die wenig intuitiv benannten SYN Core, Override Core, GXE Core und DH Core genügend Auswahl für jeden Einsatzzweck liefern. Die ehemaligen Enduro Core und Downhill Core Karkassen wurden durch den GXE Core bzw. DH Core abgelöst.
SYN Core
SYN Core ist eine leichte Karkassenkonstruktion für den Cross Country-Einsatz. Wie in diesem Segment üblich, besitzt das SYN Core-Modell eine feine Gewebedichte mit entsprechend hoher TPI-Ziffer.
GXE Core
Mit GXE Core wird eine 1,5-lagige Karkasse mit 90 TPI Gewebedichte bezeichnet, die sich mit einem ausgewogenen Verhältnis von Grip und Gewicht für Enduro- und All Mountain-Einsätze auszeichnen soll. Die GXE Core-Variante ist ähnlich aufgebaut wie die ehemaligen Enduro Core- und Gravity Core-Karkassen. Mithilfe von Apex-Einlagen, d. h. einem gummiverstärkten Bereich in der Reifenwulst, sollen Pinch-Flats im Falle von Durchschlägen verhindert werden. Außerdem stabilisieren diese verstärkten Bereiche die Seitenwand. In unserem Labortest hat das GXE Core-Modell ein gutes Ergebnis beim Durchstich mit dem 1,5-mm-Stumpf erreicht, beim Durchschlagstest hingegen hat es unterdurchschnittlich abgeschnitten. Auf dem Trail entpuppt sich die GXE Core als stramme Karkasse, die relativ viel Feedback weitergibt.
Override Core
Der Override Core ist eine E-MTB-spezifische Karkasse, bei der Erfahrungen aus dem Motorradbereich von VEE eingeflossen sein sollen. Sie verwendet eine ungewöhnlich grobe 26 TPI-Karkasse, was eine bessere Schnitt- und Abriebfestigkeit verspricht. Außerdem verfügt sie über Apex-Einsätze, um Pinch-Flats zu verhindern. Der Pannenschutz soll außerdem von einer vollständigen Überlappung der einlagigen Karkasse profitieren.
DH Core
Mit der DH Core bietet VEE Tires eine doppellagige 72 TPI-Karkasse an, mit der man auch für die härtesten Einsätze gerüstet sein soll. Für erhöhten Pannenschutz kommen eine Verstärkung im Wulstbereich sowie Apex-Einlagen zum Einsatz.
Die Gummimischungen im Überblick
Für Reifen mit dem Einsatzzweck Trail und Enduro kommen bei VEE Tires unterschiedliche Gummimischungen in Betracht. Der thailändische Hersteller verwendet für manche Mischungen Zahlenzusätze am Ende der Produktbezeichnung. Dabei steht die Zahl in der Regel stellvertretend für die Härte auf der Shore A-Skala. Einzig entscheidend für euch: Je niedriger die Zahl, desto weicher ist die Gummimischung. Bei VEE Tires existieren Gummimischungen mit einer Härte zwischen 40 Shore A und 66 Shore A.
Full 40
Das Full 40 Compound ist eine homogene Gummimischung, die auf maximalen Grip ausgelegt wurde. Entgegen der Modellnamen-Systematik und zu fern unserer Logik weist das Gummi eine Härte von 42 Shore A auf. Damit gehört das Full 40 Compound dennoch zu den besonders weichen Compounds und entspricht in dieser Charakteristik dem SmartEVO DH Compound von Pirelli. Die weiche Mischung in Kombination mit dem langsamen Rebound führt erwartungsgemäß zu einem hohen Rollwiderstand – vergleichbar mit dem der MAXXIS Doubledown-Karkassen in Verbindung mit der MaxxGrip-Mischung. Beim Thema Grip und Traktion spielt das Full 40 Compound jedoch seine Stärken aus: Durch den langsamen Rebound bleibt der Reifen länger am Boden – das sorgt bergab für viel Kontrolle und Grip.
Top 40
Auch beim Top 40 Compound kommt eine weiche 42a-Mischung zum Einsatz – allerdings nur auf der Oberfläche der Profilblöcke. Anders als beim durchgängig weichen Full 40 liegt unter der weichen Oberflächenschicht für den Bodenkontakt eine festere 52a-Basis, die für zusätzliche Stabilität sorgt. Daher handelt es sich beim Top 40 um eine Zweifachmischung, was auch den Namen erklärt: „Top 40“ steht hier stellvertretend für die weichere Oberschicht.
Tackee Compound (TC)
Die nächsthärtere Mischung bei VEE Tires nennt sich Tackee Compound beziehungsweise „TC”. Dabei handelt es sich um eine Zweifachmischung, die eine schnell rollende 52 Shore A-Gummimischung auf der zentralen Lauffläche mit weichen Seitenstollen einer Härte von 48 Shore A kombiniert.
Fast 50
Mit dem Fast 50 Compound soll der beste Kompromiss zwischen Rollwiderstand und Traktion geboten werden. Damit bietet sich diese Einfachmischung entweder bei trockenen Bedingungen oder als Verwendung am Hinterreifen an.
E-CTRL
Mit dem E-CTRL Compound hat VEE Tires eine Gummimischung speziell für E-MTBs entwickelt und verwendet diese daher auch ausschließlich an Reifenmodellen, die den Zusatz „E-CTRL” tragen. Dabei handelt es sich um eine Zweifachgummimischung: Auf der Lauffläche kommt ein Compound mit 60 Shore A-Härte zum Einsatz, was zu einem sehr niedrigen Rollwiderstand verhelfen soll. Die Seitenstollen bestehen hingegen aus einem weichen Compound mit nur 40 Shore A Härte, wodurch Reifen mit E-CTRL Compound viel Kurvengrip generieren sollen. Das E-CTRL-Compound wird bei Reifen mit Override Core-Karkasse eingesetzt.
DCC
Mit dem Dual Control Compound (DCC) hat VEE Tire Co eine weitere Zweifachmischung im Angebot, die Shore A-Härten von 56 auf der Lauffläche und 48 an den Seitenstollen kombiniert. Sie wird allerdings vor allem bei Reifen für den XC-Bereich eingesetzt.
MPC
Mit dem Multi Purpose Compound (MPC) hat VEE Tire Co eine Allzweckmischung in petto, die mit ihrer 56 Shore A-Härte Langlebigkeit über Performance fokussiert. Für den abfahrtsorientierten Einsatz ist sie daher nur bedingt geeignet.
Die Profile im Überblick
Während viele Hersteller teilweise spezifische Vorder- und Hinterreifen anbieten, geht VEE Tires einen anderen Weg und kommuniziert, dass grundsätzlich alle Reifen des Hauses vorne und hinten gefahren werden können.
Hinweis: Die meisten grobstolligen Profile, die es für gute Abfahrts-Performance braucht, werden bei VEE Tires nur mit weichem Full 40 Compound angeboten. Daher weisen alle von uns getesteten Snap- und Attack-Modelle hohe Rollwiderstände auf. Wer einen abfahrtstauglichen Hinterreifen mit weniger Rollwiderstand sucht, sollte entweder zu den E-MTB-spezifischen Pendants Attack HPL E-CTRL oder Snap WCE E-CTRL greifen, die dank E-CTRL Compound deutlich bessere Rolleigenschaften mit sich bringen sollten. Alternativ gibt es die Modelle Snap Trail und Flow Snap mit dem TC Compound, sowie das Modell Semislick Flow R-CP mit F50 Compound, das allerdings nur für trockene Bedingungen empfohlen wird.
Snap WLT
Mit 2,35” Breite sowohl in 27,5 als auch 29 Zoll kommt der Snap WLT in schmalerer Bauform daher. Seine offene Profilgestaltung mit wenigen, aber dafür langen Stollen spricht eine klare Sprache: Hiermit soll es auch bei nassen und lockeren Bedingungen ordentlich vorwärts gehen. Dennoch ist der Snap WLT laut Hersteller kein reinrassiger Matschreifen, sondern will den Spagat zwischen gutem Vortrieb bei schlechten Bedingungen und annehmbaren Rolleigenschaften meistern. Tatsächlich rollt der Snap WLT mit 54,7 Watt im Rollwiderstandstest nur unwesentlich schlechter als seine Geschwister. Bei der Karkasse kann zwischen GXE Core und DH Core gewählt werden.
Snap WCE MK2
Der Snap soll der Allrounder im VEE Tire-Portfolio sein und unter allen Bedingungen eine gute Figur machen. Den Snap WCE MK2 gibt es in zwei Größen: in 29” und 27,5”, jeweils mit 2,5” Breite. Auch bei der Karkasse stehen mit dem GXE Core sowie dem DH Core zwei Varianten zur Wahl. Auf dem Trail punktet der Snap WCE MK2 als starker Allrounder mit ordentlich Grip und Bremstraktion unter allen Bedingungen.
Attack FSX
FSX steht für „Fast Xtreme”. Warum der Name? Vermutlich weil der Pneu mit dem 5-fachen DH-Champion Aaron Gwin entwickelt wurde – wenn jemand etwas von „fast extreme” versteht, dann er. Damit der Reifen diesem Motto gerecht wird, fallen die Stollen hier im Vergleich zum Snap deutlich flacher und breiter aus, während die Mittelstollen stark angeschrägt sind und für einen geringen Rollwiderstand sorgen sollen. Tatsächlich erreicht der Attack FSX im Labortest den niedrigsten Rollwiderstand aller VEE Tire-Modelle. Mit 52,4 Watt fällt der Rollwiderstand trotzdem sehr hoch aus. Gemacht ist der Attack FSX vor allem für trockene Hardpack-Böden. VEE empfiehlt darüber hinaus die Verwendung am Hinterrad.
Der Attack FSX kommt mit 27,5”- und 29”-Laufradgrößen in jeweils 2,5” Breite und ist wahlweise mit GXE- oder DH Core-Karkasse erhältlich.
Attack HPL
Das Kürzel „HPL“ steht für Hard Pack Loose – genau dort soll der Reifen laut VEE Tire auch seine Stärken ausspielen. Gleichzeitig ist der Attack HPL laut Hersteller aber auch das vielseitigste Modell im Programm, das von Hardpack bis hin zu gemischten Bedingungen eine überzeugende Performance bieten soll. Passend zu diesem breiten Einsatzspektrum ist der Reifen in gleich drei verschiedenen Karkassenvarianten erhältlich: mit GXE Core, DH Core und Override Core. Bei letzterem rollt der Attack HPL dann auf dem E-CTRL Compound, die beiden anderen Karkassen-Ausführungen werden mit Full 40 Compound geliefert. Der 2,5” breite Reifen wird in den zwei gängigen Laufradgrößen 27,5” und 29” angeboten. In unserem Praxistest hat sich der Attack HPL als ruhig laufender Reifen erwiesen, der zudem ein gutes Maß an Grip und Traktion geboten hat. Trotz Full 40 Compound fühlen sich die Reifen aber etwas weniger gut gedämpft an als Modelle von anderen Herstellern im Test.
Unsere Empfehlung
Enduro – Allround (v/h): Snap WCE MK2 GXE/Attack FSX GXE
Trail – Grip (v/h): Snap WCE MK2 /Attack FSX
Alle weiteren Informationen findet ihr auf der Website von VEE Tire.
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Text: Lars Engmann Fotos: Peter Walker


