Fun fact: WTB war seiner Zeit voraus und hat bereits 1999 den weltweit ersten 29”- MTB-Reifen vorgestellt. Was einst mit Felgen, Sätteln und Lenkerhörnchen begann, hat sich über die Jahrzehnte zu einem umfassenden Portfolio entwickelt. Vor allem die Reifen haben für einen hohen Wiedererkennungswert der Marke gesorgt. Doch wie viel der einst vorhandenen Innovationskraft ist heute noch vorhanden – über ein Vierteljahrhundert später? Wir haben die für den Enduro-Einsatz wichtigsten Vertreter der Neuzeit für euch getestet und verraten euch deren Stärken und Schwächen.
| Modell | Gewicht | Preis |
|---|---|---|
| Trail Boss TriTec Fast Rolling Tough 29 x 2,40 |
1.538 g | 67,95 € |
| Vigilante SG1 TriTec High Grip Tough 29 x 2,50 |
1.605 g | 67,95 € |
| Verdict SG1 TriTec High Grip Tough 29 x 2,50 |
1.311 g | 67,95 € |
Die Karkassen im Überblick
Für Trail- und Enduro-Biker gibt es zwei selbsterklärende Karkassenbezeichnungen: Tough Casing und Light Casing. Etwas weniger intuitiv fällt die Bezeichnung „TCS” für Tubeless Compatible System aus, mit der WTB alle tubeless-fähigen Reifen kennzeichnet, während Reifen mit einer „Comp”-Bezeichnung für die Verwendung mit Schläuchen vorgesehen sind. Außerdem findet ihr auf der Reifenflanke noch die Kürzel „SG1” oder „SG2”, die stellvertretend für die Pannenschutz-Technologie der Karkasse stehen.
Light Casing
Das Light Casing besteht aus einer einfachen 60 TPI Karkasse. Kombiniert wird sie mit der „SG2“ Pannenschutz-Technologie, bei der eine Einlage aus Nylon von Wulst zu Wulst eingearbeitet ist. Dadurch soll das Light Casing einen guten Kompromiss aus Gewicht und Pannenschutz darstellen.
Tough Casing
Die von uns getesteten Reifenmodelle waren alle mit Tough Casing ausgestattet, die aus zwei 60 TPI Karkassenlagen von Wulst zu Wulst bestehen. Das Tough Casing ist immer an die „SG1” Pannenschutz-Technologie geknüpft, bei der eine Einlage unter der Lauffläche den Reifen widerstandsfähiger gegenüber spitzen Gegenständen machen soll. Im Test konnte das schwere Tough Casing bei Durchschlägen überzeugen, gerade beim Durchstich ist jedoch trotz der Laufflächeneinlage noch Verbesserungspotential vorhanden.
Beim Tough Casing greift WTB außerdem auf die sogenannte „IP+ Technologie” zurück, die einen deutlich höheren Wulstschutz aufweist. Der soll nicht nur den Reifenwulst vor Beschädigungen bewahren, sondern auch die Seitenwandstruktur verstärken. Letzteres ist definitiv der Fall, doch aus unserer Sicht zu viel des Guten. Denn auf dem Trail erweist sich das Tough Casing trotz niedrigem Luftdruck als die mit Abstand härteste Karkasse des Tests, der es an Dämpfungseigenschaften fehlt, wodurch beispielsweise Bremswellen zur Kraftprobe werden.
Die Gummimischungen im Überblick
WTB bietet Reifen mit einlagiger Gummimischung (DNA Compound), zweifacher Mischung (Dual DNA Compound) und dem dreiteiligen TriTec Compound an. Als besonders hochwertig gelten die Modelle mit TriTec-Aufbau, die auch wir getestet haben. Sie werden mit drei aufeinander abgestimmten Gummischichten kombiniert, um einen bestmöglichen Kompromiss aus Grip, Haltbarkeit und Rollwiderstand zu erzielen. Die Konstruktion folgt dabei einem klaren Prinzip: Eine harte Basismischung bildet das Fundament und sorgt für Stabilität und Haltbarkeit. Darüber liegen zwei weitere, unterschiedliche Gummimischungen: Um maximalen Grip zu gewährleisten, bestehen die Seitenstollen aus dem weicheren Compound, während die Mittelstollen aus einer etwas härteren Mischung für bessere Rolleigenschaften gefertigt sind. Auf diesem Prinzip aufbauend unterscheidet WTB innerhalb des TriTec-Compounds zwei Varianten: TriTec Fast Rolling und TriTec High Grip.
TriTec Fast Rolling
Bei der Fast Rolling-Variante des TriTec Compounds liegt die Priorität auf guten Rolleigenschaften. Daher setzt WTB auf relativ harte Gummimischungen in der Lauffläche und etwas weichere, aber dennoch effiziente Seitenstollen. Das zeigt sich auch im Labortest, wo das Fast Rolling Compound-Modell mit einem geringen Rollwiderstand überzeugt hat. Damit ist der Einsatz von Reifen mit Fast Rolling-Bezeichnung eine gute Wahl für das Hinterrad.
TriTec High Grip
Regenwetter, Enduro-Rennen oder fiese Wurzelfelder: Beim TriTec Compound in der High Grip-Version liegt der Fokus auf hohem Grip und starker Traktion unter allen Bedingungen. Dafür werden oberhalb der Basismischung wesentlich weichere Mischungen auf der Lauffläche sowie den Seitenstollen eingesetzt. Dadurch bietet sich diese Gummimischung besonders am Vorderrad an, wo sie mit ihrer gut berechenbaren Trail-Performance in der Praxis punkten konnte.
Wichtig: Anders als z. B. bei MAXXIS könnt ihr bei WTB nicht zwischen Mischungsvarianten für ein Profil frei wählen – das Profil selbst bestimmt die Gummimischung und ist damit fest mit dem Einsatzzweck verknüpft.
Die Profile im Überblick
Für den Trail- und Enduro-Einsatz hat WTB vier maßgebliche Reifen entwickelt: Die Modelle Trail Boss und Judge sind mit dem Fokus auf den Einsatz am Hinterrad konzipiert, während Vigilante und Verdict am Vorderrad glänzen wollen.
Trail Boss
Steile Rampen im Uphill, trockene Anlieger, die hart wie Beton daherkommen, und Steinplatten sind das Terrain des Trail Boss. Der flach profilierte Pneu arbeitet – ähnlich wie der Hans Dampf von Schwalbe – mit vielen kleinen Stollen. Die sind gleichmäßig über die gesamte Lauffläche verteilt, wodurch der Übergang von den Mittel- zu den Seitenstollen ohne jeglichen Gripverlust vonstattengeht. Den Trail Boss gibt es ausschließlich mit dem 60 TPI starken Tough Casing sowie dem TriTec Compound in der Fast Rolling-Version. Passend zu seiner Bezeichnung Fast-Rolling zeigt der Trail Boss gute Rolleigenschaften, wenn auch nicht ganz auf dem Niveau der Schwalbe-Konkurrenz. In Kombination mit der starken Bremstraktion macht ihn das zur guten Wahl am Hinterrad. Als schnell rollende Kombination auf dem Trail-Bike kann der Trail Boss sowohl vorne als auch hinten eine gute Figur machen. Für richtig steiles Enduro-Terrain ist dann aber – abgesehen von Hardpack-Strecken – der Grip nicht ausreichend genug, um ihn auch als Vorderreifen einzusetzen.
Den Trail Boss erhaltet ihr nur in 2,4“ Breite, dafür aber in 29” und 27,5” Durchmesser. Darüber hinaus bietet WTB noch eine 2,3 Zoll breite Variante mit DNA Compound und 30 TPI Gewebedichte an. Als „Comp”-Reifen ist diese Version jedoch nicht tubeless-fähig.
Vigilante
Der Vigilante ist ein alter Bekannter im WTB-Line-up. Der seit 2013 auf dem Markt befindliche Allround-Reifen soll sich in seiner aktuellen Version mit den langen, quadratischen Stollen insbesondere in losen Untergründen wohlfühlen und eine gute Selbstreinigung mitbringen. Erhöhte Mittelstollen dienen in Kurvenfahrten als Abstützung für die Seitenstollen, die dadurch nicht abknicken sollen. Im Praxistest hat der Vigilante mit guter Traktion und Grip abgeliefert und ein stets berechenbares Handling bewiesen. Ein paar Dinge sollte man jedoch unbedingt wissen: In der von uns getesteten Variante mit Tough Casing bringt der Vigilante satte 1.605 Gramm auf die Waage, was ihn zum schwersten Reifen im Test macht. Dennoch liefert der Vigilante SG1 beim Pannenschutz keine Glanzleistung. Auch der Rollwiderstand ist sehr hoch und wird nur noch knapp von einem MAXXIS Shorty übertroffen. Allerdings sind beide Reifen fürs Vorderrad konzipiert, wo der Rollwiderstand weniger stark zum Tragen kommt. Den 2,5” breiten Vigilante SG1 gibt es auch mit Light Casing.
Verdict
Big Knobs everywhere! Ebenfalls fürs Vorderrad konzipiert, ist der Verdict nur als High Grip-Version des TriTec Compounds erhältlich, was gut zu seiner Vermarktung als aggressivster Vorderreifen im WTB-Portfolio passt. Auch der Verdict soll sich unter allen Wetterbedingungen bewähren. Auf unseren Testfahrten konnte er mit sehr guten Eigenschaften hinsichtlich Grip und Traktion als ausgewogenes Gesamtpaket überzeugen.
Es spricht noch mehr für den Verdict: Er ist leichter als der Vigilante, bietet knapp 10 Watt weniger Rollwiderstand sowie ein etwas besseres Ergebnis beim Pannenschutz. Der Verdict ist in 27,5” und 29” jeweils in der fix vorgegebenen Breite von 2,5” erhältlich. Darüber hinaus gibt es die 29”-Variante auch mit Light Casing.
Unsere Empfehlung
Enduro – Vollgas (v/h):Verdict SG1 Tough Casing High Grip/Trail Boss SG1 Tough Casing Fast Rolling
Trail – leicht rollend (v/h): Trail Boss SG1 Tough Casing Fast Rolling/Trail Boss SG1 Tough Casing Fast Rolling
Alle weiteren Informationen findet ihr auf der Website von WTB.
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Text: Lars Engmann Fotos: Peter Walker


