Das brandneue Yeti SB115 ist die konsequente Weiterentwicklung des super beliebten SB100. Das Bike besitzt einen überarbeiteten Umlenkhebel für mehr Federweg am Hinterbau, kombiniert mit einer 130-mm-Federgabel. Aber bedeutet mehr Federweg hier auch mehr Fahrspaß?

Yeti SB115 T1 | 130/115 mm (v/h) | 29” | 13,24 kg | 7.490 € | Hersteller-Website

Das brandneue Yeti SB115 ist ein Bike, mit dem man nicht nur möglichst schnell und effizient den Berg hinauf sprinten und lange Tage im Sattel verbringen kann, es ist auch ein Bike für maximalen Trail-Spaß bergab. Yeti teilt seine Bikes in zwei Kategorien: Race und Rip – also in Bikes zum Fahren von Rennen oder um maximal viel Spaß zu haben. Klar, dass sich beides nicht ausschließt, dennoch gibt der Einsatzzweck eine gewisse Entwicklungsrichtung vor. Das SB115 fällt in die Race-Kategorie. Es wurde für Multi-Day-Stage-Rennen, wie z. B. das BC-Bike-Race, entwickelt. Wichtig dafür: Ein effizientes Fahrwerk, Langstreckenkomfort und ein top Handling sowie Nehmerqualitäten bergab – schließlich geht es dort richtig zur Sache.

Trail-Bike, Down-Country-Bike, Touren-Bike – wie auch immer man es nennen will: Das SB115 passt in einige Kategorien und soll vor allem Effizienz bergauf mit Fahrspaß bergab kombinieren.
Der Name verrät den Federweg am Heck: SB115 steht für 115 mm
Auch das SB115 verfügt über einen Switch Infinity-Link. Dieser ist gut versteckt oberhalb des Tretlagers und wird von hinten durch einen Fender geschützt.

Yeti SB115 vs. SB100 – Was sind die Unterschiede?

Auf den ersten Blick sieht das neue SB115 aus wie das SB100 welches auch in unserem Vergleichstest von sechs Trail-Bikes mit wenig Federweg bereits überzeugen konnte. Das ist kein Wunder, immerhin teilen sich beide Räder den gleichen Hauptrahmen und Hinterbau. Den Unterschied machen der Dämpfer und der dazugehörige Umlenkhebel. Yeti hat den Rocker überarbeitet und ermöglicht es so, einen Dämpfer mit 45 mm Hub zu verbauen (beim SB100 sind es 37,5 mm). Außerdem passt die neue Umlenkung auch die Geometrie des Bikes an die längere Gabel und die Kennlinie an. Wie auch das SB100 gibt es das SB115 mit einem High End TURQ-Rahmen und in einer weiteren Carbon-Variante, sie etwas günstiger, dafür aber schwerer ist.

Sieht aus wie ein SB100, ist auch fast ein SB100 – das neue SB115 verfügt über den gleichen Hauptrahmen und Hinterbau. Das Plus an Federweg wird über einen Dämpfer mit mehr Hub und einen anderen Rocker-Link realisiert.

Die Geometrie des Yeti SB115

Das neue Yeti SB115 ist in vier Größen von S–XL verfügbar. Positiv fallen sofort die kurzen Sitzrohre und die volle Versenkbarkeit der Sattelstütze auf. In Größe L besitzt das SB115 einen Reach von moderaten 450 mm in Kombination mit einem 628 mm Stack. Der Lenkwinkel ist mit 67,6° nun 0,2° flacher als beim SB100, fällt aber noch immer konservativ steil aus. Der Sitzwinkel beträgt 74° und die Kettenstreben sind 437 mm kurz. Auf dem Papier wirkt das Rad für moderne Verhältnisse in die Jahre gekommen, doch auf dem Trail ergibt sich ein ganz anderes Bild, wie unser Fahreindruck weiter unten verrät.

Größe S M L XL
Sattelrohr 393 mm 419 mm 457 mm 495 mm
Oberrohr 577 mm 606 mm 631 mm 658 mm
Steuerrohr 96 mm 107 mm 123 mm 145 mm
Lenkwinkel 67.6° 67.6° 67.6° 67.6°
Sitzwinkel 74.1° 74.1° 74° 73.9°
Kettenstrebe 437 mm 437 mm 437 mm 437 mm
Tretlager Höhe 339 mm 339 mm 339 mm 339 mm
Radstand 1125 mm 1154 mm 1181 mm 1209 mm
Reach 405 mm 431 mm 451 mm 470 mm
Stack 603 mm 613 mm 628 mm 648 mm

Super schön, super sexy, nur leider nicht super leise

Es ist Fakt: Ein Yeti Rahmen sieht einfach super schick aus. Normal lässt sich über Geschmack und Design ja streiten, aber die Bikes aus Colorado muss man einfach lieben. Das Yeti SB115 macht da keine Ausnahme und begeistert neben seiner gelungenen Formsprache auch mit der sehr hochwertigen Haptik. Das Logo am Steuerrohr, der Lack, die cleanen Linien, all das trägt zur super edlen Anmutung bei. Was leider nicht ins Bild passt, ist das nervige Klappern des Sattelstützen-Kabels. Zwar laufen die Züge alle in extra Führungen im Rahmen und lassen sich super einfach und schnell verlegen, allerdings haben sie in dieser Führung etwas Spiel und und machen so Geräusche. Yeti ist sich des Problems bewusst und empfiehlt, mit einer extra kleinen Gummihülse den Eingang zu dämpfen. In Zukunft soll es hier noch eine elegantere Lösung geben. Positiv dagegen: Yeti gibt eine lebenslange Garantie auf den Rahmen.

Das Yeti-Logo hat mittlerweile Kultstatus und passt zum extrem hochwertigen Look des Bikes
Die Züge werden intern in Hüllen geführt und lassen sich sehr einfach verlegen
Leider klappert der Zug der Sattelstütze lautstark im Rahmen
Schalt- und Bremszüge verlassen den Rahmen an der Unterseite und werden zusätzlich geklemmt. Ein Protektor schützt den schönen Lack vor Steinschlag.
Der dünne Kettenstrebenprotektor funktioniert effizient und verhindert Geräusche effektiv

Inspiriert vom Enduro-Bike – Die Ausstattung des Yeti SB115

Keine Kompromisse auf dem Trail – so könnte das Credo bei der Wahl der Ausstattung des Yeti SB115 gelautet haben. Das Bike wird in insgesamt fünf Ausstattungsvarianten angeboten, wobei in Europa nur vier Versionen verfügbar sein werden – das SB115 C mit GX-Eagle ist hier nicht erhältlich. Die drei teuersten Versionen besitzen den TURQ-Rahmen, die günstigere das einfachere C-Modell. Die Preise variieren von 5.590 €–7.890 €. Auch ein Rahmenkit für 3.590 € wird angeboten. Alle Modelle kommen mit einem 2,5” breiten MAXXIS Minion DHF-Vorder- und einem 2,3” breiten Aggressor-Hinterreifen. Sie verfügen alle über eine FOX 34-Federgabel und einen DPS-Dämpfer. Außerdem verbaut Yeti überall eine 12-fach-Schaltung und eine FOX Transfer-Sattelstütze mit 125 mm Hub in S und M, 150 mm in L und 175 mm in XL.

Beim SB115 kommt eine 130 mm lange Federgabel zum Einsatz. Wir hätten uns an der neuen FOX 34 statt der FIT4- eine GRIP2-Kartusche gewünscht.
Breiter Lenker, kurzer Vorbau – das Cockpit ist vom Enduro-Bike inspiriert
Am Vorderrad verbaut Yeti einen MAXXIS Minion DHF in 2,5” Breite
Am Heck soll ein Aggressor den Rollwiderstand gering halten
Alle Modelle verfügen über eine FOX Transfer-Sattelstütze
Die ODI-Griffe sind ein Highlight und erhöhen den Komfort
Die günstigen Bremsscheiben werden dem Rad optisch leider nicht gerecht. Bei einem so hohen Preis hätten wir uns mehr erwartet.

Hier alle Ausstattungsvarianten auf einen Blick:

C T1 T2 T3
Federgabel FOX Float 34 Performance 130 mm FOX Float 34 Factory 130 mm
Dämpfer FOX Float Performance DPS EVOL 120 mm FOX Float Factory DPS EVOL 120 mm
Bremsen Shimano Deore 180/180 mm Shimano XT 180/180 mm SRAM G2 RSC 180/180 mm SRAM G2 Ultimate 180/180 mm
Schaltung Shimano SLX Shimano XT SRAM XO1 Eagle SRAM XX1 Eagle
Sattelstütze FOX Transfer 125, 150 oder 170 mm FOX Transfer Factory125, 150 oder 170 mm
Laufradsatz DT Swiss M1900 29″ DT Swiss XM1700 29″
Reifen MAXXIS Minion DHF EXO 2.5″, MAXXIS Aggressor EXO 2.3″
Preis 5.590 € 7.490 € 7.890 € N/A

Das neue Yeti SB115 ist in drei Farben erhältlich: dem legendären türkis, bianco und anthrazit.

Effizienz trifft Fahrspaß – Das SB115 auf dem Trail

Yeti ist bereits seit Jahren für seine Lunch-Ride-Bikes bekannt. Kaum ist ein neues Bike vorgestellt, fangen viele Mitarbeiter und Fans der Marke an, das Bike mit robusteren Reifen und einer längeren Federgabel auszustatten. Genau so war es auch mit dem SB100. Nun hat Yeti das SB115 von Haus aus gleich deutlich robuster und stabiler ausgelegt. Doch verliert es so die Effizienz und Leichtfüßigkeit bergauf? Nein, lautet die Antwort. Bereits nach wenigen Metern auf dem SB115 fällt auf, wie leichtfüßig das Rad bergauf klettert. Den Griff zur Plattformdämpfung kann man sich getrost sparen – hier wippt nichts! Trotz schwerer Reifen und schwerer Laufräder wirkt das Rad im Antritt super spritzig. Wer das Maximum an Effizienz herauskitzeln will, kann die Reifen downgraden, wir würden das aber nicht empfehlen.

Bergauf sprintet das SB115 sehr leichtfüßig und effizient

Die Sitzposition ist Spot on und trifft genau den richtigen Kompromiss aus Komfort und Sportlichkeit. Der Sitzwinkel ist auf dem Papier eher flach, allerdings hatten wir nie den Eindruck, zu weit hinten zu sitzen. Hier spielt das Fahrwerk eine entscheidende Rolle, denn es sackt nicht weg und so verändert sich der Sitzwinkel beim Fahren nur geringfügig. Bei technischen Uphills bietet das Rad viel Traktion und lässt sich sehr kontrolliert navigieren. Das Vorderrad steigt erst super spät und als Fahrer kann man entspannt sitzen, ohne sich zu stark nach vorn beugen zu müssen. Zum hohen Langstreckenkomfort tragen auch die ODI-Griffe und der Sattel WTB Silverado ihren Teil bei, beide Komponenten sind zwar nicht leicht, dafür sehr angenehm.

Ob im Wiegetritt oder im technischen Uphill, der Hinterbau ist immer angenehm antriebsneutral

Sattelstütze absenken und rein in den Trail! Da man sich den Griff zum Dämpfer bergauf sparen kann, gelingt der Übergang von Uphill zu Downhill super schnell. Ebenso schnell verwandelt sich das SB115 von der effizienten Uphill-Maschine zum spaßigen Trail-Bike. Dank des 50 mm kurzen Vorbaus und 780 mm breiten Lenkers fühlt man sich hier sofort wohl. Man steht gut integriert im Rad und hat vom Start weg sehr viel Selbstvertrauen. Das Handling ist sehr intuitiv und ausgewogen. Richtungswechsel erledigt das Bike gutmütig, schnell und präzise. In engen Sektionen ist das SB115 agil, wendig und einfach zu fahren. Verglichen zum SB130 benötigt es deutlich weniger Input vom Fahrer.

Das Handling des SB115 ist gutmütig und intuitiv

Wird es schnell und ruppig, hat man zwar nur 115 mm Federweg am Heck zur Verfügung, doch das Bike gerät nicht aus der Ruhe. Der Switch-Infitiy-Hinterbau bietet dank seines sensiblen Ansprechverhaltens gute Traktion und gibt bei Schlägen den Federweg schnell frei. Aggressive und schwere Fahrer, werden sich etwas mehr Progression wünschen und sollten einen größeren Volumenspacer montieren. Trotz der geringen Progression bietet das Bike aber sehr viel Gegenhalt beim Pushen über Wellen und jede Menge Pop an Kanten. So lässt sich mit ihm sehr einfach Airtime generieren und Geschwindigkeit aufbauen. Wird das Gelände richtig ruppig und anspruchsvoll, zeigt sich das SB115 deutlich potenter, als es sein steiler Lenkwinkel und moderater Reach vermuten lassen. Das Yeti ist mit seinem geringen Federweg wie zu erwarten nicht extrem laufruhig und die Geschwindigkeit fällt geringer aus als mit einem SB130 oder SB150, aber es fährt sich dennoch souverän und sicher.

Steigt die Geschwindigkeit, bleibt das Yeti souverän und kontrollierbar
Der Hinterbau bietet serienmäßig zwar nur wenig Progression, dennoch stimmt der Pop und der Gegenhalt und man kann einfach an einer Kante abziehen

Die Ausstattung kann in Sachen Performance problemlos mithalten, allerdings hätten wir uns bei einem so potenten Bike an der Front eine FOX 34-Gabel mit GRIP2-Dämpfung statt der FIT4-Kartusche gewünscht. Yeti begründet die Entscheidung mit dem geringeren Gewicht der verbauten Version. Außerdem wirken die einfachen Shimano-Bremsscheiben, gemessen am hohen Preis des Bikes, deplatziert. Sie bremsen zwar souverän und kraftvoll, sind aber deutlich weniger ansprechend als eine Shimano Ice-Tec-Scheibe. Wer sich das Rad ohnehin selbst aufbaut, wählt nach Möglichkeit auch noch einen leichteren Laufradsatz.

Tuning-Tipp: hochwertigere Bremsscheiben, Volumenspacer im Dämpfer, Kabel am Eingang polstern

Unser Fazit zum neuen Yeti SB115

Mission erfüllt: Yeti hat mit dem SB115 tatsächlich ein perfektes Rad für anspruchsvolle Multi-Stage-Rennen geschaffen. Doch es kann noch mehr und auch Nicht-Racer werden das effiziente Fahrverhalten bergauf und den enormen Fahrspaß bergab zu schätzen wissen. Wer ein spaßigen Rad mit massig Vortrieb sucht, sollte sich das SB115 genauer ansehen – braucht aber auch einen dicken Geldbeutel!

Stärken

  • super komfortabel und effizient bergauf
  • ausgewogen, gutmütig und spaßig bergab
  • super schickes Design

Schwächen

  • Preis
  • klappernde Züge
Helm Giro Manifest Spherical | Shirt Mons Royale | Short Specialized Men’s RBX Adventure Over-Shorts

Für weitere Informationen besucht die Yeti-Website.

Text & Fotos: Christoph Bayer

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Über den Autor

Christoph Bayer

Wenn sich Arbeit nicht nach Arbeit anfühlt, dann hat man alles richtig gemacht – und das hat Christoph geschafft! Er liebt das Biken, ist ein Fan von Tech-Talk (zum Leidwesen seiner Freundin Toni), hat super viel Spaß an der Fotografie und bereist gerne die Welt. Er ist fast seit Anfang an bei ENDURO dabei und als Chefredakteur mittlerweile dafür verantwortlich, dass ENDURO das progressivste und aufregendste Magazin der Branche ist. Natürlich schreibt er noch jede Menge Storys selbst, testet um die 100 Bikes im Jahr und sitzt nahezu täglich auf dem Rad. Die alpinen Trails rund um seinen Heimatort dienen dabei als perfektes Testgelände. Den klassischen Arbeitstag gibt es für ihn nicht, mal ist er im Office, mal mit dem Laptop im Garten oder arbeitet direkt vom Van aus in einem der Top-Bike-Spots dieser Welt – für Christoph sind die Grenzen fließend und genau das weiß er so zu schätzen.