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Abenteuer: Eine Hochgebirgs Tour mit Gegenwind

Als der Bikefahrtechniklehrer René Schmidt eine Einladung nach Liechtenstein bekam, um eine Hochgebirgs Tour zu fahren, konnte er es vor Vorfreude kaum erwarten. Doch was dann geschah, trieb ihm den Angstschweiß auf die Stirn.

"Ein jahrelanger Traum ging für mich in Erfüllung…"

“Ein jahrelanger Traum ging für mich in Erfüllung…”

“Seit dem ich in den Alpen Downhill Rennen fahre und immer wieder Bergsteigerfilme schaue, bewundere ich die hohen Berge und deren Mächtigkeit. Mein Traum war also schon länger mit dem Mountainbike da oben zu stehen um die langen Abfahrten zu fahren und den Ausblick zu geniessen. Durch die Dokumentarfilme war mir aber auch die Gefahr bewusst die dort lauert. Durch fehlende Zeit und den hohen Respekt bin ich nie dazu gekommen, solch ein Abenteuer zu starten. Aber nun ergab sich eine Gelegenheit.

Die Berge hinter dem Bergsee – da ging es für uns hoch.

Die Berge hinter dem Bergsee – da ging es für uns hoch.

Denn in diesem Jahr buchte Timon aus Konstanz ein paar Privatstunden bei mir. Ziel war für ihn seine Fahrtechnik zu perfektionieren denn er geht mountainbiken im hochalpinen Gebirge und wollte da mehr Sicherheit gewinnen. Jetzt weis ich auch warum er mehr Sicherheit wollte – denn ein Fehler da oben in den Bergen kann fatale Folgen haben. Timon erzählte mir von seiner Leidenschaft und ich war wieder motiviert. Schnell war ein Datum gefunden an dem wir beide Zeit hatten und los ging das Abenteuer.

Kleine Rast mit typischer Bikernahrung… der Banane.

Kleine Rast mit typischer Bikernahrung… der Banane.

Am Mittwoch hab ich noch schnell einen Hüttenschlafsack organisiert und meinen Deuter (Trans Alpine Pro 28) Rucksack gepackt mit genügend Proviant für unterwegs und den nötigsten Dingen die man eben da oben braucht. Das Wetter sollte perfekt werden. Treffpunkt war Vaduz im Fürstentum Liechtenstein – von da aus sind wir mit einem Auto auf 1500m hochgefahren um die Tour zu starten. Für mich völlig ungewohnt, begann die Tour damit das Fahrrad auf die Schultern zu nehmen, um den schmalen Wandersteig 450 Höhenmeter hochzutragen. Von Anfang an hieß es aufmerksam zu sein um nicht abzustürzen. Eben gerade an den Stellen wo für Wanderer Drahtseile im Gestein verankert wurden um sich festhalten zu können. Krasses Erlebnis aber es sollte noch verrückter werden…

Kleine Runde um den Bergsee.

Kleine Runde um den Bergsee.

Rast und Ruhe oberhalb vom Bergsee.

Rast und Ruhe oberhalb vom Bergsee.

Oben am wunderschönem blauen Bergsee angekommen machten wir den ersten Stop zum essen und um durch schnaufen zu können. Die Luft wurde spürbar dünner denn jeder Schritt wurde schwerer. Verrücktes Gefühl was mir so noch nie aufgefallen ist – denn über 2000 Meter war ich ja schon oft. Nach längerem aufsteigen kam die erste lange Abfahrt am Hang entlang. Ich war dann doch schon etwas Müde vom Aufstieg und musste mich wachrütteln um nicht die Konzentration zu verlieren und zu stürzen, denn Platz für Fahrfehler gibt es dort nicht!

René und Timon beim Aufstieg – da sahen wir noch ganz frisch aus.

René und Timon beim Aufstieg – da sahen wir noch ganz frisch aus.

Nach gut einer Stunde Singletrail fahren waren wir bereit für den nächsten Aufstieg der es in sich hatte. Wieder das Bike auf den Rücken schnallen und los ging es. Über Klettersteige wo man zwar mit Rucksack alleine durchkam aber für ein Bike auf dem Rücken kein Platz ist. Und auch da das selbe Spiel – einmal hängenbleiben und unachtsam sein bedeutet: Absturz! Mountainbiker oder Spuren von denen, waren während den 2 Tagen nirgends zu sehen. Nur ein paar äußerst merkwürdig schauende Wanderer kamen uns entgegen die sich und uns fragten, was wir mit dem Fahrrad wohl da oben machen wollen. Spätestens da war klar – was wir hier machen, ist nicht normal.

In diesem Geröllfeld ging kurz nach dem Bild ein großer Felsbrocken ab und rollte ins Tal runter. Gut 2 Meter im Durchmesser hatte er! Auch da hatten wir großes Glück!

In diesem Geröllfeld ging kurz nach dem Bild ein großer Felsbrocken ab und rollte ins Tal runter. Gut 2 Meter im Durchmesser hatte er! Auch da hatten wir großes Glück!

Gewohntes Bild während den 2 Tagen – Bike auf den Schultern und möglichst Trittfest sein.

Gewohntes Bild während den 2 Tagen – Bike auf den Schultern und möglichst Trittfest sein.

Mein Ghost Cagua war da auch noch top fit.

Mein Ghost Cagua war da auch noch top fit.

Kurz vor dem höchsten Punkt an diesem Tag auf gut 2370 Meter Höhe mussten wir eine längere Pause machen denn wir waren durch. Eine krasse Erfahrung war, das ein Berg der nah erscheint dann doch sehr weit weg sein kann! Nach ein paar Überquerungen von Schneefeldern am Hang und 2150 bergauf Höhenmeter kamen wir an der Pfälzerhütte an. Dort warnte uns ein Einheimischer vor den starken Winden die es am nächsten Tag geben soll. Wir waren gespannt. Ein kleines gemütliches Zimmerchen mit rot karierter Bettwäsche und Blick auf den Wandersteig für den nächsten Morgen lud ein zum verweilen.

Die Pfälzerhütte im Abendlicht.

Die Pfälzerhütte im Abendlicht.

Der Sturm bzw. Föhn war in der Nacht schon zu hören. 7 Uhr gab es Frühstück um 8 Uhr starten zu können zur letzten Etappe der Tour. Wieder hieß es, das Bike auf die Schultern legen um durch schmale Felsöffnungen klettern zu können. Beim Aufstieg hatte es der Föhn schon in sich aber oben auf dem Gipfel und dem Bergkamm war es dann richtig krass. Es war so heftig das uns der Wind die Räder in die Luft geblasen hat und wir uns nur noch breitbeinig geduckt irgendwie halten konnten. Hinter kleinen Felsen suchten wir Schutz denn anders als ich es gewohnt war, hat es einfach nur permanent geblasen. Keine Böen wie man es hier kennt sondern Vollgas am Stück. Wir schauten das wir irgendwie weiter kamen – leider konnten wir dabei die hammerschönen Trails nicht fahren denn es hätte uns schlichtweg umgeschmissen.

Der Näfkopf oberhalb der Pfälzerhütte.

Der Näfkopf oberhalb der Pfälzerhütte.

Aber in dem Moment ging es wirklich nur darum irgendwie vom Bergkamm wegzukommen. Umdrehen ging auch nicht mehr also mussten wir weiter durch den Föhn. Immer wieder mussten wir uns auf den Boden legen um wenig Angriffsfläche zu bieten. Zum Glück ging alles gut wir kamen auf die andere Seite vom Berg wo der Wind nicht mehr so stark war. Ab da konnten wir die restlichen 2600 Höhenmeter an diesem Tag bergab auf dem Bike voll genießen. Dieses Mountainbiken im hochalpinen Gebirge war ein Wahnsinns Erlebnis für mich. An dieser Stelle nochmals 1000 Dank an Timon für die Erfüllung meines Traumes und die krassen Erfahrungen die ich machen durfte.” – René Schmidt

Kaum zu erkennen auf dem Bild aber links ging es richtig tief runter.

Kaum zu erkennen auf dem Bild aber links ging es richtig tief runter.

Mehr Informationen unter www.reneschmidt.eu

Text & Bilder: René Schmidt

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