Das Giant Anthem SX Advanced 27.5 kann einem richtig Leid tun. Mit seinen klar erkennbaren XC-Wurzeln ist es das kleine Kind, mit dem keiner spielen will. Schon gar nicht auf einem technischen Trail. 100 mm — viel zu wenig. XC — das ist doch ein Synonym für Pellwurst-Lycra! Ihhh. Uncool.

Allein in der Ecke ... das Giant Anthem SX.
Allein in der Ecke … das Giant Anthem SX.

Und als ob das nicht schon genug wäre, ist das Anthem SX Advanced das Bike, das zu Hause bleiben muss, wenn die Großen raus in den Wald zum Spielen, Heizen und Shredden gehen. Nun ja, das ist nur die halbe Wahrheit. Doch bekanntlich liegen Leid und Liebe ja nah zusammen, deshalb fange ich aber erst einmal mit der Liebe an …

Bereits beim New School XC-Vergleichstest für Ausgabe #015 in Kalifornien habe ich mich in das Giant Anthem SX verliebt.
Wie auch alle anderen Testfahrer! Mit einem super stimmigen Gesamtpaket, hervorragender Fahrperformance und geiler Optik wurde das Giant zum klaren Testsieger gekürt. Doch wie würde sich das Bike im Dauertesteinsatz schlagen? Und sind die leichten Parts und Komponenten bereit für den häufigen, ordentlichen Traileinsatz? Um das herauszufinden, orderten wir bei Giant Deutschland das selbe Bike für den Langzeittest.

Muss das denn sein?

Für einige stellt sich die Frage, warum ein XC-Bike? Die Antwort ist recht simpel. In Zeiten in denen alles steifer, fetter, größer sein muss und durch Downhill-Bikes inspirierte, extreme Geometrien hohe Popularität genießen, stellt sich fast niemand mehr die grundsätzlichen Fragen: Brauche ich das denn überhaupt? Und wofür brauche ich das Bike?

Ist das Anthem SX das richtige Bike für Enduro-Rennen oder fieses Trailgeballer in den Alpen? Nein. Ist das Giant das richtige Bike für flowig schnelle Trails wie z. B. meine Hometrails? Verdammt ja.

New School XC. Schnell, unbarmherzig und vor allem eines: Spaßig.
New School XC. Schnell, unbarmherzig und vor allem eines: Spaßig.

Bei meiner 70-Stunden-Arbeitswoche suche ich nunmal den schnellen Spaß auf 2 Rädern auf meinen Stuttgarter Hometrails und habe nicht die Zeit, das Bike ins Auto zu verladen und dort hin zu reisen, wo das Terrain ein großkalibriges Bike (er-)fordert. Überdimensionierte Bikes machen auf flachen, flowigen und weniger verblockten Trails nicht nur aufgrund der teils (zu extremen) Geometrie weniger Spaß, sondern bügeln auch alle Unebenheiten platt, was dem Trail jegliche Herausforderung raubt!

Das ist leider nicht meine Hausrunde, sondern der Strand von Santa Barbara, an dem wir während unseres XC-Vergleichstests für Ausgabe #015 waren.
Das ist leider nicht meine Hausrunde, sondern der Strand von Santa Barbara, an dem wir während unseres XC-Vergleichstests für Ausgabe #015 waren.

Aufspringen und wohlfühlen lautet die Losung des kompakten, sehr agilen Bikes, dessen Basis die XC-Weltcup-Rennfeile Giant Anthem ist.
Für 4.300 € bietet das Anthem SX alles, was ein modernes Trailbike bieten sollte: Eine durchdachte Ausstattung mit Teleskopsattelstütze, komfortablem Cockpit, eine durchdachte Reifenkombination, sowie SRAM X01 1×11-Antrieb. Gewicht: 11,3 kg in Größe M.

Schicke Farb-Decals sorgen für einen selbstbewussten wie coolen Look.
Schicke Farb-Decals sorgen für einen selbstbewussten wie coolen Look.
Die RockShox Revelation-Federgabel harmoniert sehr gut mit dem Hinterbau und bietet mit ihren 120 mm Federweg genügend Reserven.
Im legendären Maestro-Hinterbau mit virtuellem Drehpunkt steckt der Monarch DebonAir RT-Dämpfer.
Im legendären Maestro-Hinterbau mit virtuellem Drehpunkt steckt der Monarch DebonAir RT-Dämpfer.

Wie das Worldcup-Bike bietet auch das Anthem SX lediglich 100 mm Federweg am Heck, kommt dafür aber mit einer RockShox Revelation RL an der Front, die 120 mm Federweg bietet, die Front höher kommen lässt und für einen 68,5° flachen Lenkwinkel sorgt.

Die Giant Contact SL Switch-Teleskopsattelstütze bietet 100 mm Hub - viele Fahrer werden sich hier mehr wünschen!
Die Giant Contact SL Switch-Teleskopsattelstütze bietet 100 mm Hub – viele Fahrer werden sich hier mehr wünschen!
What a Beauty: Der Carbon-Hauptrahmen mit innenverlegten Zügen.
What a Beauty: Der Carbon-Hauptrahmen mit innenverlegten Zügen.
Die SRAM Guide RS-Bremse gefällt mit ihrer guten Dosierbarkeit, wie sie sich wohl im Dauertest schlagen wird?
Die SRAM Guide RS-Bremse gefällt mit ihrer guten Dosierbarkeit. Wie sie sich wohl im Dauertest schlagen wird?
Voller Original-Spec. Kleine Anpassungen folgen noch.
Voller Original-Spec. Kleine Anpassungen folgen noch.

Was ist anders?

Bislang habe ich noch keine Anpassungen gemacht. Eventuell werde ich einen Lenker mit mehr Rise verbauen, um die Front höher zu bekommen. Eine Tubeless-Konvertierung folgt ebenfalls.

Das Cockpit wird eventuell mit einem Lenker mit mehr Rise geupdatet, um die Front höher zu bekommen.
Das Cockpit wird eventuell mit einem Lenker mit mehr Rise geupdatet, um die Front höher zu bekommen.
Abner Kingman 2015©

Meine Ziele für diese Saison haben einen klaren Fokus: Statt Rennen möchte ich möglichst viel Zeit im Sattel auf meinem Hometrails verbringen, wieder fit werden und dann auch bleiben! So haben wir seit vergangener Woche jeden Tag einen Pre-Office-Ride um 7.00 Uhr morgens, auf dem wir quick & dirty über unsere aktuell noch matschigen Trails ballern. Im Laufe der Saison hoffe ich auf die eine oder andere Rennteilnahme, ob ich tatsächlich mit dem Anthem SX antrete oder auf ein langhubiges Enduro-Bike setzen möchte, wird sich noch zeigen.

Und da sind wir auch beim Thema „Liebe und Leid“: Im Gegensatz zu den meisten Dauertestbikes wird das Anthem wenige Orte dieser Welt bereisen, schließlich habe ich mir das Bike für zu Hause ausgesucht. In meinem Fall ist es das Kind, das zu Hause bleiben muss – aber auch dort kann man verdammt viel Spaß haben. Deshalb locker bleiben und Gas geben. Mit dem Giant geht das besonders gut!

In Ausgabe #015 könnt ihr bereits den Testbericht zum Giant Anthem Advanced SX 27.5 lesen.

Jahrgang: 1990 | Am Biken seit: 2000 | Größe: 178cm | Gewicht: 71kg | Job: ENDURO-Gründer | @Strava


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Über den Autor

Robin Schmitt

Robin ist einer der zwei Verlagsgründer und Visionär mit Macher-Genen. Während er jetzt – im strammen Arbeitsalltag – jede freie Sekunde auf dem Bike genießt, war er früher bei Enduro-Rennen und ein paar Downhill-Weltcups erfolgreich auf Sekundenjagd. Nebenbei praktiziert er Kung-Fu und Zen-Meditation, spielt Cello oder mit seinem Hund (der eigentlich seiner Freundin gehört!), bereist fremde Länder und testet noch immer zahlreiche Bikes selbst. Progressive Ideen, neue Projekte und große Herausforderungen – Robin liebt es, Potenziale zu entdecken und Trends auf den Grund zu gehen.