Es gibt Produkte, die ganze Branchen umkrempeln. Als wir das erste Mal Snake auf einem Nokia 3210 spielten, war uns klar, dass Handys ab sofort nicht mehr nur zum Telefonieren da waren. Die erste iPod-Generation machte den CDs über Nacht den Garaus. Und als die erste FOX FLOAT 36 vorgestellt wurde, war selbst für progressive Fahrer klar: Wir brauchen keine Doppelbrücken mehr.

Spult man eine Dekade vor, findet man auf dem jetzigen Markt eine ganze Fülle an Endurogabeln mit 160–180 mm Federweg, die alle eine super Performance und Kontrolle bieten. FOX stellte letztes Jahr eine neue, E16-getunte FOX FLOAT 36 vor und jetzt haben sie uns für 2018 mit einem komplett neuen Modell überrascht. Bei uns lest ihr alles, was ihr über die neue FOX FLOAT 36 EVOL 2018 wissen müsst.

Die neue FOX FLOAT 36 EVOL sieht von außen unverändert aus, ihr Inneres ist aber komplett überholt.

Die neue FOX FLOAT 36 EVOL auf einem Blick

  • neue FLOAT-Luftfeder mit EVOL-System
  • HSC/LSC-, FIT4- und GRIP-Dämpfungsoptionen
  • neues PTFE-Gabelöl
  • Steckachsen in 15QR x 110 mm und 15QR x 100 mm, klassische Steckachse in 15/20 mm
  • Federweg: 27,5″ mit 140–180 mm, 29″ mit 140–160 mm und 26″ mit 160–180 mm
  • Gabelschaft in 1,5″ tapered oder 1⅛-Standard
  • Casting speziell für E-Bikes optional

Mehr Power im Inneren

Zum ersten Mal setzt das Team von FOX sein Negativfeder-System EVOL (Extra VOLume) bei seinen Gabeln ein. Eine Negativfeder drückt gegen die Hauptfeder und hilft der Gabel dadurch, in Bewegung zu kommen. Dadurch erhöht sich das Ansprechverhalten bei kleinen Schlägen und die Vibration, die an den Fahrer weitergegeben wird verringert sich. Das vergrößerte Volumen in der neuen FOX FLOAT 36 EVOL bewirkt, dass die Gabel im Vergleich zum Vorgängermodell die ersten 25 % ihres Federwegs linearer freigibt, im weiteren Verlauf aber unverändert Reserven vorhält. Das EVOL-System wird es für die 32-, 34-, 36- und 40-Gabeln in der Saison 2018 geben.

Weniger interne Dichtungen

Im Inneren einer Gabel müssen Öl und Luft unbedingt da bleiben, wo sie hingehören, eine Vermischung wäre katastrophal – deswegen sind Dichtungen so immens wichtig. Dichtungen sorgen aber auch für Reibung, weswegen sich die Hersteller auf „gerade genug“ Dichtung beschränken. Die neue FOX FLOAT 36 EVOL hat weniger Dichtungen im Inneren, wodurch die Reibung verringert und die Performance verbessert wird.

Zwar sieht die FOX FLOAT 36 EVOL auf den ersten Blick aus wie das Vorgängermodell, es hat sich aber eine Menge getan.

Neue Schmierung mit PTFE

Die neue FOX FLOAT 36 EVOL nutzt ein auf PTFE basiertes Schmieröl – der gleiche Stoff, der auch bei Pfannen mit Antihaft-Beschichtung verwendet wird. Das neue Öl verbessert den Durchfluss in den Druckstufen- und Zugstufenkartuschen.

Leichter als der Vorgänger

Es gibt ein Meinungslager, dem auch wir angehören, das einer extrem geforderten Gabel wie der 36 auch gerne ein paar Gramm mehr zuspricht. Trotzdem ist vielen Fahrern das Gewicht immer noch außerordentlich wichtig. Das uns vorliegende 29er-Modell wog 2.032 g, was es leichter macht als die meiste direkte Konkurrenz.

Die neue FOX FLOAT 36 EVOL kommt mit HSC/LSC-, FIT4- und GRIP-Dämpfungsoptionen, die alle mit dem neuen PTFE-Gabelöl arbeiten.

Sie ist orange

Ja und nein. Das auffällige Orange unserer Gabel ist etwas Besonderes und eigentlich nur den Teamfahrern des FOX Race Departments vorbehalten – wir Glücklichen. Die neue FOX FLOAT 36 EVOL wird es in einem edlen Mattschwarz geben, perfekt für alle, die auf den Stealth-Look stehen.

Es gibt sie in allen möglichen Variationen, auch in 26″!

Die neue FOX FLOAT 36 EVOL steht für maximale Kompatibilität: Achsen in 15QR x 110, 15QR 100 oder klassische Steckachse mit 15/20 mm sind wählbar. Es wird alle drei Laufradgrößen mit den folgenden Federwegen geben: 26″ in 160–180 mm, 27,5″ in 140–180mm und 140–160 mm in 29″. Auch eine 100 mm 831 Dirtjump-Version wird es geben. Wer die Gabel in einen älteren Rahmen montieren möchte, wird sich über den 1⅛-Gabelschaft freuen.

Erste Fahreindrücke mit der FOX FLOAT 36 EVOL

Wir hatten zum ersten Mal beim geheimen Test mit Trek Factory Racing und Lewis Buchanan (Artikel nur auf Englisch verfügbar) Kontakt zur neuen FOX FLOAT 36 EVOL. FOX schickte uns eine Gabel aus ihrem Race-Department, sodass wir uns vor Veröffentlichung schon ein eigenes Bild machen konnten.

Wir schraubten die neue FOX FLOAT 36 EVOL kurzerhand an ein Santa Cruz Hightower.

Obwohl wir die neue FOX FLOAT 36 EVOL nur ein paar Tage gefahren sind, zeigte sie sich von ihrer besten Seite. Ein cooles Detail ist der längst überfällige Sticker mit einem Druck-Ratgeber am Tauchrohr, dank dem jetzt auch Nicht-Fahrwerksnerds ihre Gabel schnell und richtig einstellen können. Unser 75 kg schwerer Testfahrer wählte die empfohlenen 75 psi und 6 Klicks Zugstufe. Zwar fühlte sich die Zugstufe beim „Parkplatztest“ etwas langsam an, auf dem Trail reagierte die neue EVOL-Dämpfung aber sensibel und gab auch nach größeren Schlägen den Federweg zügig und kontrolliert wieder frei. Der Zusatz der EVOL-Negativfeder verändert die Federungskurve auf den ersten 25 % – manche mögen sagen, dass es durch den SAG irrelevant wird, wir spürten aber eine merkliche Verbesserung des Ansprechverhaltens bei kleinen Schlägen und Vibrationen im Vergleich zum FOX 36-Vorgängermodell. Und das trotz Carbonlenker und der steifen ENVE-Laufräder, vielleicht auch dank dem neuen PTFE-Gabelöl. Im mittleren Federwegsbereich waren Performance und Kontrolle beeindruckend und wir fühlten uns schnell verleitet, richtig Gas zu geben. Racer werden die Federungskurve sicher mit dem einfach zu montierenden Volumenspacern tunen wollen. Wir werden euch in Kürze einen kompletten Setup-Guide zusammenstellen.

Wir müssen uns noch mehr mit dem Setup beschäftigen und die Federungskurve mit Volumenspacern tunen, aber bereits im Werkszustand verleitete uns die Gabel dazu, Vollgas zu geben.

Es wird etwas Zeit brauchen, die Gabel perfekt einzustellen und uns eine umfassende Meinung zu bilden. Aber mit der neuen FOX FLOAT 36 EVOL stehen schon jetzt alle Zeichen auf Angriff: Eine der besten Gabeln wurde noch etwas besser. Wir erwarten, dieses Jahr deutlich mehr Orange auf den Treppchen der EWS zu sehen.

Weitere Infos unter: ridefox.de

Text & Fotos: Trev Worsey

Über den Autor

Trev Worsey

Seit den frühen 90ern mit dem Bike-Virus infiziert, arbeitete Trev zunächst als Wissenschaftler und Statistiker, bevor ihn Bikes und Berge endgültig zu sich riefen. Nach sieben Jahren als Mountainbike-Guide wechselte er dann zu ENDURO, wo er sich seitdem von unserem UK-Office aus um News, Storys und Testberichte für unsere Website und die Ausgaben kümmert.