Der PIKES PEAK International Hill Climb am gleichnamigen Berg in Colorado gilt als eines der bekanntesten Bergrennen auf vier Rädern. Das ROSE PIKES PEAK soll zwar auch gut klettern, ist aber statt auf Uphill-Rekorde vor allem auf Abfahrtsfahrspaß getrimmt. Wir verraten euch, wie sich ROSEs neues Carbonbike bei unserem First Ride-Test geschlagen hat.

Bereits vor zwei Jahren zeigte ROSE einen Prototyp des PIKES PEAK, jetzt geht das Bike endlich in Serie. Herausgekommen ist ein 2.400 g (Größe M) leichter Carbonrahmen, der sich optisch und technisch deutlich von den bisherigen ROSE-Bikes abhebt. Das PIKES PEAK gibt es als Trailbike mit 150 mm Federweg und als Enduro mit 165 mm Federweg am Heck. Der Rahmen ist identisch, der Unterschied im Federweg ergibt sich aus einem längeren Dämpfer-Hub. Die 150er-Variante kommt mit einer ebenso langen Gabel, das 165er-Enduro verfügt über 160 mm an der Front mit entsprechenden Auswirkungen auf die Geometrie. Beide Bikes rollen auf 27,5″-Laufrädern mit klassischen 2,35er-Reifen.

Wir haben mit dem ROSE PIKES PEAK 3 EN das Topmodell des Enduros unter die Lupe genommen.

Der Rahmen des ROSE PIKES PEAK im Detail

Das Standout-Feature des Bikes ist das patentierte PROGEO-System, über das sich nicht nur die Geometrie des Bikes verstellen lässt, sondern auch die Progression der Federung. Dabei stehen dem Fahrer vier Einstellungen zur Verfügung, die den Charakter des Bikes merklich verändern sollen. Lenk- und Sitzwinkel können um ein Grad verstellt werden, die Progression bietet in der flachen und steilen Einstellung jeweils zwei Optionen.

Die einzelnen Einstellungen sind aufgedruckt, das Benutzerhandbuch kann zu Hause bleiben.

Die Verstellung des PROGEO-Systems erfolgt mit einem einzigen 6er-Inbus, dank eines ausgeklügelten Mechanismus gibt es keine losen Teile und das Umstellen gelingt mit ein bisschen Übung tatsächlich in wenigen Sekunden.

Optisch hebt sich das PIKES PEAK mit seinen grünen Akzenten deutlich von bisherigen ROSE-Bikes ab, der Rest des Rahmens gibt den Blick auf die Carbon-Struktur frei.
Die Züge verlaufen in Carbon-Linern, das erleichtert nicht nur die Montage, sondern sorgt auch für eine cleane Optik.

Neben dem PROGEO-System hat der Rahmen auch einige weitere clevere Features zu bieten. Die innenverlegten Züge verlaufen komplett in Carbon-Linern und können daher ohne Fummelei einfach durch den Rahmen geführt werden. Das PIKES PEAK wurde konsequent auf 1-fach-Antriebe getrimmt und bietet keine Möglichkeit, einen Umwerfer zu montieren – dafür aber großzügig dimensionierte Lager und eine optimierte Kinematik. Hochwertige Enduro-Bearings sollen für eine lange Lebensdauer sorgen und der Rahmen bietet Platz für einen Flaschenhalter.

Die Geometrie des ROSE PIKES PEAK

„Lang und flach“ hört man in letzter Zeit bei fast jeder Neuvorstellung, doch das ROSE PIKES PEAK hat sich dieses Gütesiegel moderner Geometrie wahrlich verdient. Mit einem Reach von 472 bis 487 mm in Größe Large zählt es ganz klar zu den längeren Bikes am Markt, der Lenkwinkel von 65,5° (flachste Einstellung) ist zwar nicht extrem, aber durchaus flach. Das PIKES PEAK gibt es in drei Größen, durch den langen Hauptrahmen sollten die meisten jedoch fündig werden. Als typischer L-Fahrer kann man durchaus auch das M in Erwägung ziehen; große Fahrer, die sonst gerne auf XL unterwegs sind, sollten mit dem L gut zurechtkommen.

Größe (steep/slack) S M L
Sattelrohr 420 mm 440 mm 460 mm
Oberrohr 591 mm/594 mm 616 mm/619 mm 646 mm/649 mm
Steuerrohr 110 mm 115 mm 125 mm
Lenkwinkel 66,5°/65,6° 66,5°/65,6° 66,5°/65,6°
Sitzwinkel 75°/74° 75°/74° 75°/74°
Kettenstrebe 430 mm 430 mm 430 mm
Tretlager Höhe 355 mm/343 mm 355 mm/343 mm 355 mm/343 mm
Radstand 1166 mm/1168 mm 1192 mm/1194 mm 1222 mm/1224 mm
Reach 432 mm/422 mm 455 mm/445 mm 482 mm/472 mm
Stack 595 mm/602 mm 600 mm/607 mm 609 mm/616 mm

Die Ausstattung des ROSE PIKES PEAK

Die beiden Versionen des PIKES PEAKs kommen in je drei Ausstattungsvarianten, doch typisch ROSE lassen sich alle Bikes auch im Konfigurator auf die eigenen Wünsche anpassen. Egal ob man nur die Griffe in einer anderen Farbe möchte oder sich einen komplett anderen Antrieb wünscht, die Möglichkeiten sind fast grenzenlos. Wir haben das Topmodell der Enduro-Reihe, das PIKES PEAK 3 EN für 4.799 € getestet. Die Ausstattung ist sehr gut auf den Einsatzbereich abgestimmt, ohne dass die Kosten durch die Decke gehen – in Zeiten von 10.000-Euro-Bikes eine willkommene Abwechslung und wem das nicht genügt, der wird ohnehin noch im Konfigurator veredeln.

Rose Pikes Peak 3 EN

Federgabel FOX 36 FLOAT Factory 160 mm
Dämpfer FOX FLOAT X2 Factory 165 mm
Bremsen SRAM Guide RSC
Schaltung SRAM X01 Eagle
Sattelstütze RockShox Reverb X1 Stealth
Lenker Race Face Next R 800 mm
Vorbau Race Face Turbine R 35 mm
Reifen Schwalbe Magic Mary 2,35″/Schwalbe Hans Dampf 2,35″
Laufradsatz DT Swiss EX1501

Rose Pikes Peak 2 EN

Federgabel RockShox Lyric RCT3 160 mm
Dämpfer RockShox Super Deluxe RC3 165 mm
Bremsen Magura MT5
Schaltung Shimano XT
Sattelstütze RockShox Reverb X1 Stealth
Lenker Race Face Atlas 800 mm
Vorbau Race Face Atlas 35 mm
Reifen MAXXIS Minion DHR2 2,3″
Laufradsatz DT Swiss E1700

Rose Pikes Peak 1 EN

Federgabel RockShox Lyric RCT3 160 mm
Dämpfer RockShox Super Deluxe RC3 165 mm
Bremsen Shimano SLX
Schaltung Shimano XT/SLX
Sattelstütze RockShox Reverb X1 Stealth
Lenker SPANK Spike Race 800 mm
Vorbau SPANK Spike Race 35 mm
Reifen MAXXIS Minion DHR2 2,3″
Laufradsatz DT Swiss E1900

Das PIKES PEAK glänzt mit vielen Details wie dem neuen Reverb 1x-Remote.
Aufgrund des sehr langen Hauptrahmens kommen an allen Bikes kurze 35-mm-Vorbauten zum Einsatz.
Die FOX 36 Factory kommt in der neuesten Ausführung mit EVOL-Luftkammer und RC2-Kartusche.
An der Front kommt ein Schwalbe Magic Mary mit der neuen ADDIX Soft-Gummimischung zum Einsatz, am Heck ein Hans Dampf mit ADDIX Speedgrip-Compound.
Das Sattelrohr ist so ausgelegt, dass sich die Reverb vollständig versenken lässt (S: 125 mm, M: 150 mm, L: 170 mm).

Das ROSE PIKES PEAK auf dem Trail

Wir konnten das ROSE PIKES PEAK einen Tag lang auf einer vielfältigen Testrunde am Kronplatz in Südtirol testen. Die ersten 500 hm mussten wir uns aus eigener Muskelkraft verdienen und bekamen einen guten Eindruck vom Kletterverhalten des Bikes. Das PROGEO-System stellten wir für den Uphill auf die steile Einstellung mit hoher Progression, doch auch in dieser Konfiguration geht es mit dem PIKES PEAK eher gemächlich nach oben. Das Sattelrohr verfügt über einen starken Offset zum Tretlager, besonders Fahrer mit langen Beinen erhalten daher einen recht flachen Sitzwinkel und treten eher von hinten.

Der FOX X2-Dämpfer ist auf der Abfahrt eine Macht, im Uphill könnte die Plattformdämpfung jedoch stärker ausfallen.
Einen Gang runterschalten und es gemütlich angehen – mit der SRAM Eagle-Schaltung kein Problem.

Der FOX X2-Dämpfer lässt sich zwar per Hebel verhärten, doch der Effekt ist deutlich weniger ausgeprägt als bei den kleineren Luftdämpfern. Umso willkommener ist daher die SRAM Eagle-Schaltung mit ihren 500 % Bandbreite, im leichtesten Gang ließen sich auch steile Anstiege gut bezwingen. Nach dem schweißtreibenden Anstieg ging es das letzte Stück weiter mit dem Lift. Oben auf dem Kronplatz angekommen, ging der erste Griff zum Minitool, um das PROGEO-System auf die flache Einstellung mit mittlerer Progression zu stellen.

Auf ruppigen Naturtrails bietet das ROSE PIKES PEAK viel Reserven.

Bereits nach wenigen Metern wird klar, dass sich das ROSE PIKES PEAK auf der Abfahrt deutlich wohler fühlt als beim Uphill. Der lange Reach erfordert etwas Eingewöhnung, doch nach einigen Kurven findet man eine sehr ausgewogene Position auf dem Rad und beginnt, es richtig laufen zu lassen. Das Fahrwerk liegt sehr satt, gibt aber nie zu viel Federweg frei und lässt sich auch von gröberem Gelände nicht aus der Fassung bringen. Aufeinanderfolgende Schläge meistert das PIKES PEAK mit Bravour, der Hinterbau passt hervorragend zum Charakter der FOX 36.

Das ROSE PIKES PEAK macht auf weichen Naturtrails im Wald eine ebenso gute Figur …
… wie auf angelegten Bikepark-Strecken.

Auf der zweiten Abfahrt musste sich das PIKES PEAK auf einer typischen Bikepark-Strecke beweisen und auch hier gab es wenig Anlass zur Kritik. Bei Sprüngen liegt das Bike sehr gut in der Luft und lässt sich leicht in die gewünschte Richtung dirigieren. Geht eine Landung mal daneben, fängt einen das fehlerverzeihende Fahrwerk direkt wieder auf. Die abfahrtsorientierte Ausstattung tut ihr Übriges und rundet das Paket bestens ab. Wer dem PIKES PEAK richtig die Sporen geben will, sollte über stabilere Reifen und standfestere Bremsen nachdenken, doch dank des ROSE-Konfigurators lassen sich diese Parts kostengünstig tauschen.

Mit dem PIKES PEAK stellt ROSE ein echtes Spaßbike auf die Stollen!

Fazit

Das PIKES PEAK läutet bei ROSE eine neue Ära ein und liefert eine überzeugende Vorstellung ab. Bergauf ist es nicht das schnellste, doch auf der Abfahrt brilliert es als starker Allrounder, mit dem man sowohl auf technischen Trails als auch im Bikepark seinen Spaß haben kann. Wer ein abfahrtslastiges Enduro mit Nehmerqualitäten sucht, sollte sich das ROSE PIKES PEAK unbedingt genauer anschauen.

Mehr Informationen findet ihr unter rosebikes.de

Text & Fotos: Moritz Dittmar

Über den Autor

Moritz Dittmar

Als Redakteur für die ENDURO Webseite kümmere ich mich darum euch mit den heißesten News, den besten Tests und den inspirierendsten Stories der Bike Welt zu versorgen. Genau wie in meinem Job, lasse ich mich beim Biken ungern in eine bestimmte Schublade stecken. Egal ob es darum geht sich endlose Anstiege rauf zu quälen oder Tiefenmeter auf ruppigen Downhills zu sammeln, am Ende zählt für mich vor allem eins: Der Spaß am Biken!