Inselhopping, Trailsurfing und der griechische Way of Life: Bessere Zutaten sind für einen Bikeurlaub wohl nicht zu finden. Das dachte sich auch Andi, als er die Südlichen Sporaden unter die Stollenreifen nahm – und sich nebenher in ein völlig anderes Fortbewegungsmittel verliebte.

Jeden Tag eine neue Insel unter die Reifen nehmen und dabei nie den Koffer packen müssen, weil das Zimmer mitreist – das lässt sich doch keiner zweimal sagen! Vor mir lag eine Woche auf dem Ägäischen Meer mit rund 20 begeisterter Bikern aus ganz Europa. Vom Boot aus wollten wir immer wieder Abstecher auf die Südlichen Sporaden machen, zu denen auch die Inselgruppe Dodekanes gehört. Dafür ging es per Flugzeug zuerst in die Türkei, denn die Dodekanes liegen tatsächlich näher an der kleinasiatischen Küste als an Athen. Zur Begrüßung tauchte ich dort erst einmal ein in das bunte Leben der trubeligen Küstenstadt Bodrum mit dem urigen Basar und Strandcafés, die jeden Hipster neidisch machen. In den Hügeln des Hinterlandes wärmte ich mich mit meinen Mitreisenden auf einer kniffligen Trailrunde für die kommende Woche auf. Danach verließen wir festen Boden und wagten uns auf unser mobiles Zuhause für die nächsten Tage: ein urig wirkendes, mordernes Holzboot mit 15 Schlafzimmern.

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Inselhopping deluxe

Unser erstes Ziel: die Insel Leros. Wir starteten unsere MTB-Tour im malerischen Örtchen Lakki und die Nachmittagsmüdigkeit wurde unbarmherzig durch einen supersteilen Anstieg vertrieben. Doch niemand jammerte – es war einfach alles viel zu schön! Immer wieder mussten wir Halt machen, um durchzuatmen und Fotos zu schießen: Jede Bucht sah aus wie mit Photoshop bearbeitet, die Anhöhen breiteten Urlaubskatalogsbilder vor uns aus, dazwischen immer wieder Windräder und Blütenmeere.

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Einige schmal dahinschlängelnde Pfade später strampelten wir auf einer kleinen Asphaltstraße hinauf zur imposanten Burganlage. Jetzt überholten wir Verena und Markus mit ihrer drei Jahre alten Tochter Maja und Reiseleitung Catharina. Sie waren mit Tourenbikes und Kinderanhänger zum gleichen Ziel unterwegs und die Begegnungen mit ihnen sollten sich wie ein roter Faden durch die nächsten Tage ziehen. Zur Abfahrt trennten wir uns wieder. Über gefühlt 1.000 Treppenstufen rumpelten wir hinab nach Agia Maria, immer begleitet von der spektakulären Aussicht auf die blaue Bucht. Fast schon kitschig wurde dann der Sonnenuntergang nahe der Kapelle Agios Isidoros auf einer winzigen Halbinsel. Konnte das noch besser werden? Am nächsten Tag wussten wir: Ja, es konnte!

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Die Griechen und ihre Götter

Denn frühmorgens fuhr unser mobiles Zuhause nach Patmos und direkt im Hafen begann die Auffahrt: Auf einem steinigen, schmalen Pfad ging es technisch nach oben. Manche blieben stehen, um zu verschnaufen, andere fotografierten währenddessen die kräftigen Orchideen an dem trockenen Hang in einer Manier, die asiatische Touristen neidisch machen würde. Catharina bewies allen, dass ein Archäologie-Studium eben doch nicht umsonst ist und erzählte uns die Sage vom Entstehen der Insel. Der griechischen Mythologie nach lag Patmos einst unterhalb der Meeresoberfläche und wurde nur sichtbar, wenn die Mondgöttin Selene ihre silbernen Strahlen darauf richtete. Eines Nachts traf sich Selene mit Artemis und so sah auch die Jagdgöttin die Insel im Meer und verliebte sich auf der Stelle in die geheime Wasserstadt. Wie bei allen Problemen in der antiken Sagenwelt griff am Ende Göttervater Zeus ein und holte die Insel Artemis zuliebe kurzerhand an die Oberfläche – heute ragt ihre höchste Erhebung bis auf 272 m.

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Die Apokalypse auf der Trauminsel

Aber nicht nur die Götter der Antike hatten auf Patmos das Sagen, auch der christliche Gott erlaubte sich hier ein wichtiges Zwischenspiel. Im Schatten der Bäume erzählte unsere Reiseleiterin auch noch vom Heiligen Johannes, der hier die Apokalypse, das letzte Buch des Neuen Testaments, geschrieben haben soll. Hier soll der Heilige seinen Kopf an einen Felsspalt gelegt haben, um Gottes Wort zu hören: die Offenbarung. Mit solchen Geschichten im Kopf bekommt eine MTB-Tour deutlich mehr Tiefe – fanden zumindest wir. Aber spannende Trails waren dennoch ein Muss!

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Trails, Tavernen und gefährliche Tänze

Nach einem technischen Dowhnill warteten noch zwei echte Leckerbissen: der wunderschöne Trail auf dem Wanderweg Nr. 2 und das vegetarische, türkische Mittagessen an Bord unseres Bootes. Zur Verdauung setzten wir über zur Insel Lipsi. Die Tourenbiker gingen mit ihrer Tochter Maja an den Strand, der Rest genoss eine kurze, aber knackige Runde mit den Bikes, inklusive atemberaubend schöner Meerblicke, kniffliger Trails und einer der steilsten Betonpisten, die wir je unter den Stollenreifen hatten. Abends feierten alle zusammen in der Taverna. Der Wirt zauberte erst in der Küche mit feinem Gemüse und frischem Fisch und fing dann auch noch an, Sirtaki zu tanzen. Irgendwann tanzten alle mit, Maja schlief zur Musik auf und unter unseren Jacken ein – das ist der Süden!

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Spätestens am dritten Tag waren wir völlig eingetaucht ins Leben auf dem Boot: Wir genossen die wunderschönen, griechischen Inseln und den Service unserer herzlichen türkischen Seeleute mit dem genialen Koch. Natürlich waren wir mittlerweile auch vom Boot ins Meer gesprungen. Tatsache! Auch an Ostern ist das Wasser hier schon warm genug und nicht nur echten Heldinnen und harten Kerlen vorbehalten. Heute fuhren wir nach Kos. Und da sahen wir sie: Delfine! Durch das glasklare Wasser konnten wir beobachten, wie die Tiere das Boot begleiten. Immer wieder sprang einer in die Luft, überholte uns, spielte mit uns. „Allein deshalb hat sich die Reise gelohnt“, platzte es aus Franz, einem weiterer Begleiter, heraus – und ich hatte nach den ersten Tagen gedacht, er interessiert sich nur für Mountainbikes!

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Realitätscheck auf Kos

Aber auch davon sollte er noch genug bekommen. Auf Kos fuhren wir zu dem ehemaligen Dorf Palio Pyli hinauf. Nach einer Cholera-Epidemie hatten die Überlebenden den Ort im 19. Jahrhundert verlassen und die Ruinen hoch auf dem Berg boten eine spektakuläre Kulisse für unsere Pause. Höchste Konzentration forderte die Abfahrt danach: Über Felsplatten und durch steile Serpentinen führte der Trail gen Meer. Nach einem Gegenanstieg warteten schon wieder neue Entdeckungen: riesige, dunkle Zypressen und viele freundliche Schildkröten. Abends besuchten wir eine Hilfsorganisation: Kos Solidarity. Die ehrenamtlichen Mitglieder helfen Flüchtlingen, die auf Kos gestrandet sind. Ihre Motivation? Pure Leidenschaft! Sie erzählten von ihren Erlebnissen mit den Flüchtlingen, die schlimmes Leid erlebt und große Angst haben. Wir waren froh, wenigstens ein bisschen helfen zu können und werden uns noch lange fragen, wer beeindruckender ist: die ehrenamtlichen Helfer, die nicht nur über die Flüchtlingskrise reden, sondern aktiv mit anpacken, oder die Menschen, die sich bis hierher in die Freiheit durchgekämpft haben.
Als wäre die Inselgruppe nicht auch schon so voller Überraschungen und einmaliger Impressionen gewesen, entdeckten wir am nächsten Tag die Geburtsstätte moderner Medizin. Wir besichtigten das berühmte Asklepieion, einer antiken Mischung aus Krankenhaus und Universität, und radelten zu einer Bucht, in der es heiße Quellen gab. Nach dem Bad im warmen Schwefelwasser ging es durch idyllische, grüne Hügel vorbei an Schafen und mannshohen Disteln zurück zum Boot und damit leider schon wieder zurück nach Bodrum. Damit ging dann auch ein unvergesslicher Trip geht zu Ende an den wir uns noch lange zurückerinnern werden – und das nicht nur wegen der spannenden Trails.

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Reisetipps Bike & Boot Griechenland

Beste Reisezeit

Das mediterrane Klima macht die Sommer heiß und die Winter mild. In den Sommermonaten klettern die Temperaturen bis auf 40 °C, das Meer lockt mit 18 bis 25 °C zum Baden. Ideal zum Mountainbiken sind Frühjahr (März–Mai) und Herbst (September–November) mit Temperaturen um die 20 °C. Zusätzlicher Vorteil: weniger Touristen. Besonders schön sind die vielen Blumen im April.

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Anreise

Das Boot startet im türkischen Hafen von Bodrum. Während der touristischen Hauptsaison gibt es Direktflüge, ansonsten muss in Istanbul umgestiegen werden. Eine Stadtbesichtigung dort lohnt sich! Alternativ könnt ihr nach Izmir fliegen (direkt z. B. ab München) und mit einem Shuttlebus nach Bodrum fahren (Dauer: ca. 3 h).

Guiding/Veranstalter

Reisen mit Bike und Boot in der griechischen Ägäis bieten an:
www.inselhuepfen.de | www.alpenevent.de | www.alpindeluxe.de

Ostern 2017 bietet Alpin deluxe eine besonders familientaugliche Variante an. Wer es traillastiger möchte, findet bei Alpenevent ein passendes Angebot.

Text & Fotos: Andreas Beger