Lang, länger, Pole EVOLINK 140. Neben diesem Bike wirken alle anderen Räder im Test wie Kinderbikes. Klar, dass es mit seinem super flachen Lenkwinkel und dem enormen Radstand eine immense Laufruhe besitzt. Doch lassen sich damit auch enge Kurven meistern und ist es wirklich schnell?

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Let’s go Racing! – Die 10 schnellsten Endurobikes der Welt im Test

Pole EVOLINK 140 29 | 150/140 mm (v/h) | 14,30 kg | 5.600 €

Die Frage, wer den Längsten hat, gewinnt man mit dem Pole mit Leichtigkeit. Immerhin misst der Reach in Größe Large satte 510 mm und der Radstand ist mit 1.314 mm knapp 10 cm länger als bei den meisten Konkurrenten. Bei solch einer Geometrie wird die Ausstattung schnell zur Nebensache. Dabei kann auch die sich echt sehen lassen: Die RockShox Lyrik RCT3-Federgabel hat uns bisher ebenso wenig enttäuscht wie die DT Swiss EX 1501 SPLINE ONE-Laufräder. Die BikeYoke REVIVE-Sattelstütze arbeitet seidenweich und besitzt den wohl schönsten Remotehebel am Markt; leider verbaut Pole jedoch nur die 125-mm-Variante – hier hätten wir uns die Version mit 160 mm gewünscht. Um die Laufräder vor Dellen durch die fiesen Steine in Ligurien zu schützen, wurden sowohl im MAXXIS Minion DHR II als auch am Minion SS am Hinterrad die Huck Norris-Einlagen verbaut.

Glaubt man den Vorurteilen, hätte das Pole auf unserer Teststrecke nicht super schnell sein dürfen. Gerade die engen Sektionen hätten dieses Monster ja total ausbremsen müssen. Außerdem hätte die extreme Geometrie eine endlose Gewöhnungsphase erfordern müssen – doch weit gefehlt. „Aufsteigen und wohlfühlen“ lautet die Devise. Klar spürt man die enorme Länge des Bikes, doch sie macht sich nicht negativ bemerkbar.

Helm Giro Switchblade | Goggle SCOTT Prospect Enduro | Jersey Mons Royale Redwood 3/4 Raglan T-Shirt Dirt | Shorts Alpinestars Pathfinder Shorts

Als Fahrer hat man massig Bewegungsspielraum und das EVOLINK verzeiht nahezu jeden Fahrfehler. Der Radstand sorgt für maximale Laufruhe, die langen Kettenstreben für eine gute Gewichtsverteilung. Das wird besonders in flachen Kurven deutlich. Auch ohne große Gewichtsverlagerung hatte jeder Fahrer ausreichend Druck auf dem Vorderrad. Selbst sehr enge Kurven lassen sich mit dem Pole meistern, sie erfordern allerdings etwas Nachdruck. Besonders auffallend ist, wie kraftsparend sich das Pole fährt. Einzig die RockShox Lyrik mit lediglich 150 mm wird dem Potenzial des Bikes nicht ganz gerecht – eine 160-mm-Version wäre die bessere Wahl. Bergauf sitzt man dank des super steilen Sitzwinkels sehr zentral im Bike und pedaliert entspannt dahin, Zwischensprints gewinnt man mit dem EVOLINK 140 29 jedoch eher nicht.

Das Pole EVOLINK 140 29 im Detail

Federgabel RockShox Lyrik RCT3 150 mm
Dämpfer RockShox Monarch Plus RC3 140 mm
Bremsen SRAM Guide RS
Schaltung SRAM XX1 / X01
Sattelstütze Bikeyoke Revive
Vorbau Race Face Atlas
Lenker Race Face Sixc
Reifen Maxxis Minion DHR II / Maxxis Minion SS
Laufradsatz DT Swiss EX 1501 Spline One

Überfordert
Die RockShox Lyrik ist eine grandiose Federgabel. Leider besitzt sie im Pole EVOLINK 140 29 aber zu wenig Federweg. Eine 160-mm- oder gar 170-mm-Version wäre die bessere Wahl für dieses Monster von Bike.
Variabel
Dank austauschbarer Einsätze ist der Hinterbau sowohl mit 142 mm als auch 148 mm breiten Naben kompatibel.
Rustikal
Wer auf bis ins letzte Detail durchgestylte Bikes steht, wird vom Pole leider enttäuscht. Die Rohrsätze und das Design sind eher rustikal. Dafür lassen sich die Züge aber wahlweise intern oder extern verlegen.
Huck Norris
Huck Norris ist eine Schaumstoffeinlage, die Felgen vor Durchlägen schützen soll. Das funktioniert auch effektiv, ist aber teuer: 89 € pro Set sind kein Schnäppchen.

Die Geometrie des Pole EVOLINK 140 29

Größe XS S M L
Sattelrohr 420 mm 440 mm 460 mm 480 mm
Oberrohr ? mm ? mm ? mm 621 mm
Lenkwinkel 64,5° 64,5° 64,5° 64,5°
Sitzwinkel 77,5° 77,5° 77,5° 77,5°
Kettenstrebe 456 mm 456 mm 456 mm 456 mm
BB Drop 20 mm 20 mm 20 mm 20 mm
Radstand 1224 1254 1284 1314
Reach 420 mm 450 mm 480 mm 510 mm
Stack 630 mm 630 mm 630 mm 630 mm
Laufradgröße 29″ 29″ 29″ 29″
Wie auf Schienen läuft das Pole auch durch die fiesesten Steinfelder und meistert dennoch selbst enge Sektionen souverän!

Fazit

Das Pole EVOLINK 140 29 ist das radikalste und gleichzeitig gutmütigste Bike im Test. Es begeistert mit seiner enormen Laufruhe und unvergleichbaren Fahrsicherheit. Trotz oder gerade wegen der langen Geometrie ist es auch für weniger versierte Fahrer geeignet und offenbart sein volles Potenzial vor allem auf langen, harten Stages.

Stärken

– diesem Bike ist kein Trail zu hart
– enorme Laufruhe
– sehr ausgewogene Gewichtsverteilung

Schwächen

– Federgabel wird dem Potenzial des Bikes nicht gerecht
– Teleskopstütze hat zu wenig Hub


Weitere Informationen findet ihr unter: polebicycles.com

Das Testfeld

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Let’s go Racing! – Die 10 schnellsten Endurobikes der Welt im Test

Alle Bikes im Test: Canyon Canyon Strive CF 9.0 Team | Giant Reign Advanced 0 | Lapierre Spicy Team Ultimate | Nukeproof Mega 275 RS | Rocky Mountain Altitude Carbon 90 | Santa Cruz Hightower LT | SCOTT Genius 900 Tuned 2018 | Specialized S-Works Enduro 29 | YT JEFFSY 27 CF Pro Race

Text & Fotos: Christoph Bayer