Mit seiner bulligen Erscheinung und der auffälligen Lackierung sieht das Vitus ESCARPE 29 VRX fast ein wenig aus wie ein Muscle-Car. Aber kann der langbeinige Hengst aus dem Chain Reaction-Gestüt gegen seine etablierten Konkurrenten bestehen?

Vitus ESCARPE 29 VRX | 150/135 mm (v/h) | 13,90 kg | 3.399 €

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Money Talks, Bullshit Walks: 7 Trailbikes um 3.000 € im Test

Das Vitus ESCARPE 29 VRX ist alles andere als scheu: die 150/135 mm 29er-Maschine wirkt massig und aggressiv, ist mit 13,35 kg aber eher leicht geblieben. Im hübschen 6061 T6 Aluminium-Rahmen arbeiten RockShox Pike RCT3 und Monarch Debonair RC3, am Heck findet sich eine massive 15 mm Steckachse. Für die Gangwahl ist ein kompletter Shimano XT M8000 Antrieb zuständig, der mit seiner butterweichen Schaltperformance perfekt zu den bissigen XT M8000 Bremsen passt. Der 631 mm Stack lässt das Bike hoch wirken und es dauerte nicht lange, bis man den Vorbau auf die niedrigste Stufe schraubt. Das Fahrwerk ist so abgestimmt, dass es den gesamten Federweg gutes Feedback gibt und gegen Ende angenehm progressiv wird. Tatsächlich fühlt sich das Bike um den Sag-Punkt sehr aktiv an, ohne nervös zu wirken. Bergauf ist der Hinterbau angenehm passiv und man hat nie das Bedürfnis, die Plattform des RockShox Monarch RT3 zu aktivieren.

Der Hinterbau des Vitus ESCARPE 29 VRX ist ein echtes Highglight. Der Horst-Link steuert den schwimmend gelagerten Dämpfer von beiden Seiten an, dadurch frisst das Vitus große Brocken genauso, wie es völlig hemmungslos durch Steinfelder rauscht. Der Fahrer darf sich dabei am 780 mm breiten Nukeproof Wahrend Lenker festhalten, der im 50-mm-Vorbau klemmt. Die Geometrie ist ganz auf Spaß ausgerichtet, es ist ein Bike, das einen ganz schön in die Bredouille bringt, bevor es einen wieder daraus befreit. Etwas mehr Reach (449 mm in Größe L) wäre bei Highspeed-Abfahrten schön gewesen, so macht das Vitus ESCARPE 29 VRX vor allem bei nicht ganz so abgedrehten Geschwindigkeiten Spaß.

Die sehr zentrale Gewichtsverteilung durch die langen Kettenstreben machen es super einfach, das Bike in die Luft oder in die Kurve zu bewegen. Wie das YT ist auch das Vitus etwas schizophren: der 1770 g schwere Mavic Elite Laufradsatz kommt mit einem 110 mm Boost-Vorderrad, das Hinterrad dreht sich aber um eine 142 x 12 mm Achse. Uns gefiel die Felgenbreite von 25 mm, durch die lediglich 24 Speichen fühlten wir in Kurven allerdings manchmal einen leichten Flex.

Helm Endura MT500 | Short Endura MT500 | Jersey Loose Riders Crew LS

Das Vitus ESCARPE 29 VRX

Federgabel RockShox Pike RCT3 150 mm
Dämpfer RockShox Monarch RT3 DebonAir 135 mm
Bremsen Shimano XT
Schaltung Shimano XT
Sattelstütze RockShox Reverb Stealth
Vorbau Nukeproof Warhead
Lenker Nukeproof Zero
Reifen WTB Vigilante / WTB Trail Boss
Laufradsatz Mavic XA Elite
Preis 3.399 €

Nette Kurven
Das Vitus ESCARPE 29 VRX ist regressiv bis zum Sag-Punkt, danach progressiv: das führt zu einem sehr sensiblen Bike, das noch genug Reserven für harte Landungen hat.
Klasse Cockpit
Das Cockpit eines Bikes ist sehr wichtig und Vitus hat mit dem breiten und aggressiven Nukeproof-Paket alles richtig gemacht.
Breit und stark
Der Rahmen des Vitus ESCARPE 29 VRX ist massiv. Ein Bike, das direkte Linien durch Steinfelder liebt, auch wenn der hohe Rahmen eher für ein „ich sitze auf“ statt einem „ich sitze in meinem Bike“-Gefühl sorgt.

Die Geometrie des Vitus ESCARPE 29 VRX

Größe S M L XL
Sattelrohr 382 mm 433 mm 483 mm 523 mm
Oberrohr 575 mm 600 mm 620 mm 640 mm
Lenkwinkel 67° 67° 67° 67°
Sitzwinkel 74,5° 74,5° 74,5° 74,5°
Kettenstrebe 450 mm 450 mm 450 mm 450 mm
BB Drop 30 mm 30 mm 30 mm 30 mm
Radstand 1162 mm 1189 mm 1210 mm 1231 mm
Reach 409 mm 422 mm 449 mm 466 mm
Stack 613 mm 622 mm 631 mm 641 mm
Laufradgröße 29″ 29″ 29″ 29″
Das ist ein 29er Bike, das Vielfliegermeilen sammeln will! Seine ungestüme Art ist etwas positives und verleitet zu einem radikalen Fahrstil.

Fazit

Das Vitus ESCARPE 29 VRX ist ein Bike, das von unseren Testern vor allem für seine Airtime-Affinität geschätzt wurde. Es ist ein vielseitiges Rad, das lange Touren genauso kann wie über Sprünge im Wald zu segeln. Trotzdem würden wir gerne auf den Mix aus Achsstandards verzichten.

Stärken

– Agil und verspielt
– Hinterbau ist der Hammer

Schwächen

– Vermischte Standards
– Laufräder flexen

Weitere Informationen findet ihr auf vitusbikes.com


Das Testfeld

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Money Talks, Bullshit Walks: 7 Trailbikes um 3.000 € im Test

Alle Bikes im Test: Canyon Spectral AL 6.0 EX | Marin Rift Zone 3 | MERIDA ONE-TWENTY 7.800 | ROSE Granite Chief 2 | Vitus ESCARPE 29 VRX | Whyte T-130 S | YT JEFFSY AL ONE 27


Text & Fotos: Trev Worsey

Über den Autor

Trev Worsey

Seit den frühen 90ern mit dem Bike-Virus infiziert, arbeitete Trev zunächst als Wissenschaftler und Statistiker, bevor ihn Bikes und Berge endgültig zu sich riefen. Nach sieben Jahren als Mountainbike-Guide wechselte er dann zu ENDURO, wo er sich seitdem von unserem UK-Office aus um News, Storys und Testberichte für unsere Website und die Ausgaben kümmert.