Seit mehr als 7 Stunden sitzen wir eingepfercht mit zwei holländischen Wanderern und ihrem Guide in einem kleinen Jeep und werden bergwärts auf einer sehr holprigen Piste regelrecht durchgerüttelt. Draußen ist es inzwischen stockfinster. Dennoch steuert unser nepalesischer Fahrer den Jeep mit stoischer Ruhe über Felsbrocken und durch 30 cm tiefe Schlaglöcher. Er scheint an diese Art von Straßen gewohnt zu sein!

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Wir befinden uns gerade mal auf 2.500 Metern Seehöhe im Tal des Kali Gandaki, eines Flusses, der im Laufe von Jahrmillionen das tiefste Tal der Erde zwischen den beiden 8000-Meter-Bergriesen Annapurna und Dhaulagiri im Himalaya gegraben hat.
Nach vier Tagen Anreise können wir es kaum erwarten, diese berühmten Berge zum ersten Mal in der Realität zu sehen, doch damit müssen wir uns noch ein wenig gedulden. Unser Ziel für heute heißt Jomoson, Hauptort des Distriktes Mustang in Nepal und beliebter Start- bzw. Endpunkt für Trekkingtouristen, die den populären Annapurna-Circuit unter die Füße nehmen wollen. Für uns wird er der Ausgangspunkt zu einem Bike-Abenteuer sein, auf dem wir nicht nur die Trails rund um das Kali Gandaki-Tal, sondern auch die lokale Kultur erkunden wollen.

Mit dem Flieger nach ? - die Riese kann losgehen...
Mit dem Flieger nach Pokhara – die Reise kann losgehen…
In ? lassen sich die Ausmaße dessen, was uns erwartet, bereits erahnen...
Über Pokhara thront der Machapuchare (Fish’s Tail peak) Er ist 6.993 m hoch und seit 1964 gibt es auf Anordnung vom König einen Besteigunsgverbot. Der Berg ist heilig.
Angekommen: Wir sind nicht die ersten Biker auf dem Dach der Welt. Immer mehr Biker wagen sich auf die höchste Trekkingroute der Welt
Angekommen: Wir sind nicht die ersten Biker in diesen Höhen. Immer mehr Biker wagen sich auf die höchste Trekkingroute der Welt

Mit den ersten Sonnenstrahlen springen wir am nächsten Morgen aus dem Bett, um einen Blick auf die umliegenden Berge zu werfen aber vor lauter 6.000ern sieht man die richtig hohen Gipfel noch gar nicht. Macht nichts, dazu werden wir in den nächsten Tagen noch genug Gelegenheit haben! Wir schrauben unsere Bikes zusammen und starten unsere erste, zur Akklimatisation sehr kurze Bike-Etappe im Himalaya. Der Kali Gandaki mäandriert ungestört über eine riesige Schwemmebene gen Indischen Ozean, während wir uns bergauf Richtung Tibet auf dem Trekking-Trail nach Kagbeni voran arbeiten. Kagbeni markiert die Grenze zum ehemaligen Königreich Upper Mustang, das bis 1992 von Ausländern nicht betreten werden durfte und für das auch heute noch ein teures Permit erworben werden muss.

Unsere Route folgt dem Annapurna-Circuit nach Osten, Richtung Thorung La, auf 5.420 m einer der höchsten Trekkingpässe der Welt. Seit dem Jahr 2008 führt eine unbefestigte Straße bis nach Muktinath, unser nächstes Ziel. Der Pilgerort auf knapp 3.700 m ist unser Quartier für die nächsten Tage, die wir nicht nur nutzen wollen, um die Trails in der Umgebung zu erkunden, sondern auch um einen Bikefilm zu drehen.

Höhe ist relativ. Wir befinden uns im Tal - auf 2500m!
Höhe ist relativ. Wir befinden uns im Tal – auf 2.810 Meter Höhe!
Lokale Spezialitäten, das beste am Reisen!
“Thali-Platte”. Lokale Spezialitäten, das Beste am Reisen!

Unsere Lodge in Muktinath ist eine der vielen Überraschungen, die wir während unserer Bikereise in Nepal erleben: Dort gibt es nicht nur Strom, sondern sogar warmes Wasser und WLAN. Die vielen Touristen und die Straße entlang des Kali Gandaki haben die Moderne in das Himalaya gebracht. Nun müssen die Dinge des täglichen Bedarfs nicht mehr zu Fuß in mehreren Tagen herbeigetragen werden, sondern können bequem per Jeep transportiert werden.

Am nächsten Tag erreichen wir zum ersten Mal in unserem Leben eine Höhe über 4.000 Meter mit dem Bike. Und das Beste: Wir können einen Großteil des Trails zu dem namenlosen Pass über Muktinath bergauf fahren. Doch dafür müssen wir einen hohen Preis zahlen, denn die dünne Höhenluft macht sich bei jeder Kurbelumdrehung bemerkbar … das Bike zu schieben schafft dabei keine Abhilfe!

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Auch das ist eine Seite des Himalayas: Apfelkuchen, gebacken mit Äpfeln aus der größten Apfelplantage des Landes
Auch das ist eine Seite des Himalayas: Apfelkuchen, gebacken mit Äpfeln aus der größten Apfelplantage des Landes

Staubtrockener Sand knirscht unter den Reifen während zu unserer Linken der Dhaulagiri Spalier steht. Der 8.167 m hohe Riese mit seinen gewaltigen Eisabbrüchen ist die beherrschende Gestalt über dem Kali Gandaki-Tal. Zum Glück werden wir während der sehr willkommenen Verschnaufpausen genug Zeit haben, seine Majestät zu bewundern.
Kurz vor unserem Ziel für heute folgt eine weitere Überraschung: Wir treffen eine Gruppe Mountainbiker aus Bulgarien. Und auch in den nächsten Tagen werden wir immer wieder Biker sehen. Die Annapurna-Runde ist inzwischen nicht nur bei Wanderern, sondern auch bei Bikern bekannt. Leider – wie wir feststellen werden – unterschätzen viele die Höhe und den technischen Anspruch der Trails. Ohne körperliche Reserven kann eine kleine Lappalie auf 5.000 Metern Höhe schnell zur Gefahr werden.
Wir genießen die Aussicht von unserem Tagesziel Richtung Upper Mustang, bevor wir auf einem Super Flow-Trail zurück nach Muktinath fegen. So macht Mountainbiken Spaß! Immer wieder kleine Anlieger, und das alles auf staubtrockenem Boden und mit dem Dhaulagiri gegenüber. Zur Belohnung wartet in Muktinath ein „Apple Crumble Pie“ auf uns. Wer meint, die Äpfel dafür müssen von weit her transportiert werden … weit gefehlt! Inmitten der hochalpinen Landschaft des Kali Gandaki-Tals liegen auf 2.700 m Höhe einige der größten Apfelanbaugebiete von Nepal. 100% Local Cuisine, sozusagen!

Ein buddhistischer Tempel in ?
Ein buddhistischer Tempel in Muktinath
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Am nächsten Tag entdecken wir ein anderes Seitental Richtung Thorung La. Abwechselnd schiebend und fahrend kämpfen wir uns auf dem gut ausgetretenen Pfad weiter. Ab 4.200 Metern Höhe liegt eine durchgehende Schneedecke, Überbleibsel eines Blizzards, der drei Wochen zuvor fast 50 Wanderer das Leben kostete – Beweis, dass wir uns in einer gefährlichen Hochgebirgslandschaft bewegen, in der man die Regeln der Natur beachten muss. In Anbetracht des Schnees lassen wir die Bikes bei einem „Tea House“ zurück, spazieren zu Fuß weiter und genießen die Aussicht auf das schöne Hochtal. Auf dem Weg nach Muktinath erwartet uns wieder Bikespaß pur mit Sprüngen über kleine Rampen, filmreifen technischen Passagen und natürlich auch eine der bekannten tibetischen Hängebrücken.

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Die nächsten zwei Tage heißt es ordentlich arbeiten: Wir treffen Hannes und Nils, die im Rahmen ihres Filmprojekts „Trail of Change“ dokumentieren, wie sich durch voranschreitende Zivilisation und Straßenbau Änderungen in der lokalen Kultur der Himalaya-Täler ergeben. Als Nebenprojekt wollen sie mit uns einen Bikefilm drehen, um zu zeigen, dass sich im Himalaya nicht nur Wandern und Bergsteigen, sondern auch gut Biken lässt. Zum Glück haben die beiden in ihren langjährigen Nepal-Trekkings für uns schon die besten Trails ausgekundschaftet und so haben wir die nächsten Tage viel Spaß rund um Muktinath beim Sprinten für verschiedene Kameraeinstellungen, von der Eiseskälte vor Sonnenaufgang bis die letzten Sonnenstrahlen hinter dem Dhaulagiri versinken. In den Filmpausen und am Abend erfahren wir viel über die Erlebnisse der beiden in den letzten Jahren: Wie der Straßenbau das Leben der Menschen in Upper Mustang erleichtert und auch verändert, und wie dafür im unteren Kali Gandaki-Tal den Lodge-Besitzern die Gäste fernbleiben.

Am Film Set mit Hannes und Nils, die einen Dokumentarfilm drehen
Am Film Set mit Hannes und Nils, die einen Dokumentarfilm drehen
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Sich der eigenen Winzigkeit bewusst werden
Sich der eigenen Winzigkeit bewusst werden…
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Die nächsten Tage folgt ein endloser Sinkflug in den subtropischen Dschungel an den Südhängen des Himalaya. In ihrer Vielfalt ist es eine faszinierende Bikefahrt dank, noch einmal, der absolut grandiosen Landschaften, in denen uns bewusst wird, dass der Mensch im Vergleich zur Natur unbedeutend ist. Der Kontrast ist sehr ergreifend. Wir starten auf den wüstenähnlichen Staubtrails in Mustang und erreichen durch ein ausgetrocknetes Flussbett wieder das Kali Gandaki-Tal, das sich innerhalb von 20 Kilometern Fahrstrecke in ein grünes, fruchtbares Tal verwandelt. Den Rest der Strecke folgen wir der unbefestigten Straße Richtung Beni. Wer glaubt, dass dies langweilig und anspruchslos sei, wird hier eines besseren belehrt: Jeder Gegenanstieg ist eine knackige Herausforderung und auf der unglaublich groben Piste sind wir über jeden einzelnen Zentimeter Federweg unserer Bikes froh!

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Unser Bike-Abenteuer neigt sich langsam dem Ende zu. Nach 10 Tagen in schwindelerregenden Höhen (im wahrsten Sinne des Wortes!) fühlt es sich komisch an, ins schmutzige, staubige, übervölkerte Kathmandu zurückzukehren. Das Großstadtleben mutet uns wie eine Apokalypse an. Und doch, wie überall in Asien, schwebt in der Luft eine Ruhe, die man nirgendwo anders spürt.

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Die Reise geht in Kathmandu zu Ende
Die Reise geht in Kathmandu zu Ende

Während des langen Rückfluges nach Europa haben wir Zeit, unsere Erlebnisse zu verarbeiten. Ehrlich gesagt, die Alpen stehen dem Himalaya trailtechnisch in nichts nach. Ganz im Gegenteil. Und man merkt wirklich nicht einmal das gigantische Ausmaß der Berge, so hoch sind diese. Doch auch wenn wir nur einen winzigen Bruchteil von Nepal gesehen haben war unsere kurze, intensive Reise durch ein Land im Umbruch eine einzigartige und unvergessliche Erfahrung.
Eines steht fest: Wir kommen wieder für neue Trails und für mehr Eindrücke vom Leben in einem faszinierend vielfältigen Land!

Über Atracktive

„Die Berge sind unsere Seele, das Piemont unser Herz, die Trails unser Blut. Natur, Kultur, Menschen, kulinarische Spezialitäten. Auf unseren geführten Mountainbike-Touren durch die einsamen und faszinierenden Westalpentäler erleben wir das Piemont, unsere zweite Heimat, von seiner schönsten Seite.
Bist du neugierig geworden? Dann lass dich auf unseren einzigartigen Alpencrossen und Trail Camps überraschen! Mehr Infos zu unseren Touren auf www.atracktive.com

Text und Fotos: Florian Mair & Axel Molinero


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