Mitten unter uns gibt es echte Superhelden! Nein, die Rede ist hier nicht von Typen in zu engen Anzügen, sondern von Trailbikes. Sie sind die wahren Helden unseres Sports, fliegen Anstiege hinauf wie Superman und hämmern die härtesten Abfahrten hinab wie Thor. Wir haben neun der besten Trailbikes mit 130–150 mm Federweg getestet, um herauszufinden, welches ein echter Held und welches nur ein hübsch kostümierter Hochstapler ist.

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Was macht ein gutes Trailbike aus?

Ein Trailbike muss die perfekte One-For-All-Lösung sein. Es muss im Uphill überzeugen, um auch lange Touren zu ermöglichen, muss sich aber auch auf ruppigen Abfahrten mit einem Endurobike um Sekunden batteln können. Außerdem sollte ein gutes Trailbike so viel Agilität und Spieltrieb besitzen, dass es auch dann spaßig zu fahren ist, wenn die Trails etwas flacher sind. Denn traurigerweise können ja nicht alle in den Alpen leben. Die besten Bikes dieser Kategorie sind spritzig und vermitteln dennoch enorme Sicherheit, um die Grenzen des Fahrers zu verschieben. Auf ihnen fühlt man sich wie ein Superheld, und zwar bei jeder Tour!

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Auf die Zahlen kommt es an

Wenn man mit dem Gedanken spielt, sich ein neues Bike zu kaufen, wird man erst einmal mit massig Zahlen bombardiert. 27,5, 29, 650, 67, 66, 425 – die endlosen Geometrietabellen können ganz schön verwirrend sein. Doch keine Angst, es gibt nur wenige Trailbikes mit extremen Geometrien. Denn superflache Bikes, die bergab gut sind, aber klettern wie ein trampelnder Elefant, machen für die meisten Fahrer keinen Sinn. Und umgekehrt gilt das Gleiche. Momentan beobachten wir bei Trailbikes eine Entwicklung hin zu modernen Geometrien. Lange Vorbauten und schmale Lenker werden zum Glück allmählich zu Relikten aus der Vergangenheit und Bikes mit nervösem Handling sind mittlerweile selten. Bikes wie das Canyon Spectral, das Ibis Mojo 3 und das Whyte T-130C setzen hier neue Standards. Ihre Oberrohre sind länger, aber nicht zu lang, dafür sind die Vorbauten kürzer, die Lenkwinkel bewegen sich nun um die 66°- bis 67°-Marke und die Sitzwinkel werden steiler für mehr Effektivität im Uphill. Ja, bei modernen Trailbikes könnt ihr tatsächlich das Beste aus beiden Welten haben!

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Welche Reifengröße ist die richtige?

In Sachen Reifengröße kann mittlerweile jeder ein Bike finden, das zum eigenen Fahrstil ebenso passt wie zu den Trails, die man fährt. An den alten Stereotypen ist nach wie vor was dran: 27,5″ für agiles Handling und verspieltes Fahren, und 29er, um KOMs einzusacken und um Selbstvertrauen zu gewinnen bei hohen Geschwindigkeiten. Doch die klaren Linien verschwimmen zunehmend und viele Bikes sind mittlerweile in beidem exzellent. Neue technische Fortschritte, wie z. B. der Boost-Standard oder 1×11-Antriebe, ermöglichen steifere und kürzere Hinterbauten und schaffen damit neue Möglichkeiten für schnelle, agile 29er wie das Santa Cruz High Tower oder das YT JEFFSY (beide waren für den Test leider nicht verfügbar). Und was ist mit den 2,8–3,0 Plus-Reifen? Als sie präsentiert wurden, gab es etliche Kritiker. Doch die Vorurteile bestätigten sich nicht und die Bikes erwiesen sich als erstaunlich agil. Die größere Kontaktfläche und der niedrigere Luftdruck der Reifen liefert spürbar mehr Grip, mehr Vertrauen, und, noch wichtiger, jede Menge Spaß, allesamt wichtige Qualitäten für ein gutes Trailbike. Viele Marken, wie z. B. Ibis, bauen jetzt Bikes, die sowohl mit Standard- als auch Plus-Reifen kompatibel sind und so maximale Flexibilität bieten, während andere, wie Specialized oder SCOTT, Versionen ihrer beliebtesten Bikes in allen drei Laufradgrößen im Angebot haben. Angesichts all dieser Wahlmöglichkeiten ist es wichtig, verschiedene Räder auszuprobieren. Fest steht auf jeden Fall: Es gibt ein Bike da draußen, das dich glücklich machen wird!

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Das Testfeld

Wer heute ein neues Trailbike kaufen will, hat mehr Auswahl als je zuvor. Wir mussten uns schon lange zwischen 27,5″ und 29″ entscheiden, aber nun gibt es noch einen Wettstreiter im Kampf um unser hart verdientes Geld: Plus-Bikes. Keine leichte Entscheidung, deshalb besteht unser Testfeld aus Bikes mit ganz verschiedenen Superkräften. Wir haben die wichtigsten Hersteller gebeten, ihr bestes Trailbike ins Rennen zu schicken, ein Bike, das alles kann, einen echten Meister aller Klassen. Einige Bikes glänzten durch Abwesenheit, weil der Hersteller entweder nicht rechtzeitig liefern konnte oder sich nicht dem Vergleich stellen wollte. Der Direktversender Canyon schickte uns sein Erfolgsmodell Spectral CF 9.0 EX, und Radon sandte das superleichte Slide Carbon 140 10.0. Die US-Hersteller waren vertreten durch das vielseitige Ibis Mojo 3 XT 1x, das legendäre Specialized Stumpjumper FSR Expert 650B und das Yeti SB4.5c X01. CUBE schickte uns das Stereo 140 C:62-SL und Giant das beliebte Trance Advanced 1. Das Team von Whyte schickte mit dem T-130C seine neueste Rakete in den Kampf. Und um das Ganze ein wenig aufzumischen, lieferte SCOTT ein Genius 710 Plus.

Bike Federweg Gewicht Preis
Canyon Spectral CF 9.0 EX 150/140 mm 12,87 kg 4.199 €
Cube Stereo 140 C: 62 SL 150/140 mm 12,05 kg 3.999 €
Giant Trance Advanced 1 140/150 mm 12,80 kg 4.299 €
Ibis Mojo 3 XT 1x 140/135 mm 12,40 kg 6.198 €
SCOTT Genius 710 Plus 140/130 mm 13,46 kg 4.999 €
Specialized Stumpjumper FSR Expert 650B 150/150 mm 12,85 kg 5.999 €
Whyte T130C RS 130/130 mm 12,45 kg 4.999 €
Radon Slide Carbon 140 10.0 140/140 mm 11,26 kg 5.199 €
Yeti SB4.5c X01 140/114 mm 12,30 kg 8.390 €
Canyon Spectral CF 9.0 EX Test
Canyon Spectral CF 9.0 EX Test
Cube Stereo 140 C:62 SL
Cube Stereo 140 C:62 SL Test
Giant Trance Advanced 1
Giant Trance Advanced 1 Test
Specialized Stumpjumper 650B
Specialized Stumpjumper FSR Expert 650B Test
Radon Slide 140 Carbon
Radon Slide Carbon 140 10.0 Test
Ibis Mojo 3
Ibis Mojo 3 XT 1x Test
SCOTT Genius 710 Plus
SCOTT Genius 710 Plus Test
Whyte T130c RS
Whyte T130c RS Test
Yeti SB 4.5c
Yeti SB 4.5c X01 Test

So wurde getestet

Wenn es um das perfekte Terrain für einen Trailbike-Test geht, gibt es keinen besseren Ort als Schottland. Von den felsigen Trails in den Highlands rund um Aviemore bis zu den verblockten EWS-Strecken im Tweed Valley testeten wir neun der besten Trailbikes zwischen 130 und 150 mm auf Herz und Nieren. Die Trails umfassten knackige Anstiege, flowige Lines und lange, verblockte Passagen, die das Fahrwerk dem ultimativen Härtetest unterzogen. Unser internationales Testteam bestand aus erfahrenen Testern und Elite-Racern, und nach ein paar kaputten Komponenten und sogar gebrochenen Knochen hatten wir schließlich einen klaren Sieger gefunden.

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Tops

Die Qual der Wahl: Wir finden die Entwicklung hin zu breiteren Felgen super! Die 30 mm Innenbreite der Easton ARC-Felgen am Ibis macht es möglich, bis zu 2,8" breite Reifen zu fahren. Das breitere Felgenbett verbessert außerdem auch bei 2,35" breiten Reifen das Handling und den Komfort spürbar
Die Qual der Wahl: Wir finden die Entwicklung hin zu breiteren Felgen super! Die 30 mm Innenbreite der Easton ARC-Felgen am Ibis macht es möglich, bis zu 2,8″ breite Reifen zu fahren. Das breitere Felgenbett verbessert außerdem auch bei 2,35″ breiten Reifen das Handling und den Komfort spürbar.
Ergonomisch perfekt: Um die Superkräfte eines Trailbikes wirklich nutzen zu können, braucht es ein breites und aggressives Cockpit. Canyons hauseigener, 50 mm langer Vorbau und 780 mm breiter Carbonlenker sind hier eine erstklassige Wahl
Ergonomisch perfekt: Um die Superkräfte eines Trailbikes wirklich nutzen zu können, braucht es ein breites und aggressives Cockpit. Canyons hauseigener, 50 mm langer Vorbau und 780 mm breiter Carbonlenker sind hier eine erstklassige Wahl.
Gut versteckt: Das SWAT-System von Specialized ist der Hammer! Pumpe, Schlauch und Werkzeuge wandern ins Unterrohr und machen so einen Rucksack überflüssig. Perfekt!
Gut versteckt: Das SWAT-System von Specialized ist der Hammer! Pumpe, Schlauch und Werkzeuge wandern ins Unterrohr und machen so einen Rucksack überflüssig. Perfekt!

Flops

Pannenanfällig: Plus-Reifen machen unglaublich Spaß – bis man einen Platten hat. Aufgrund des niedrigen Luftdrucks, den man bei diesen Reifen fahren kann, ist das leider häufig der Fall. Die Tubeless-Montage ist die Lösung!
Pannenanfällig: Plus-Reifen machen unglaublich Spaß – bis man einen Platten hat. Aufgrund des niedrigen Luftdrucks, den man bei diesen Reifen fahren kann, ist das leider häufig der Fall. Die Tubeless-Montage ist die Lösung!
Altmodisch: An einem Trailbike einen 70 mm langen Vorbau und einen 730 mm schmalen Lenker zu montieren ist in etwa so, als würde man einem Ferrari superschmale Reifen aufziehen. Es limitiert die Performance! Beim Giant Trance muss nachgebessert werden
Altmodisch: An einem Trailbike einen 70 mm langen Vorbau und einen 730 mm schmalen Lenker zu montieren ist in etwa so, als würde man einem Ferrari superschmale Reifen aufziehen. Es limitiert die Performance! Beim Giant Trance muss nachgebessert werden.
Schwer zu dosieren: Die Shimano M8000 XT sind definitiv kraftvoll, doch der ständig wandernde Druckpunkt macht es schwer, sie zu dosieren – ein Phänomen, das bei sämtlichen neuen XT-Bremsen zu beobachten ist
Schwer zu dosieren: Die Shimano M8000 XT sind definitiv kraftvoll, doch der ständig wandernde Druckpunkt macht es schwer, sie zu dosieren – ein Phänomen, das bei sämtlichen neuen XT-Bremsen zu beobachten ist.
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Fazit

Dieser Test war hart umkämpft. Das Giant Trance Advanced 1.0 braucht ein Cockpit-Update, um wirklich zu brillieren, aber das Potenzial des Bikes ist erkennbar. Das Radon Slide Carbon 140 10.0 wäre das Bike für Batman: Es ist leicht, brutal schnell und besitzt obendrein ein schickes grau-schwarzes Design. Das Yeti SB4.5C ist mit seinen großen Laufrädern und der entspannten Sitzposition optimal für lange Tage im Sattel geeignet. Das CUBE Stereo 140 C:62 SL und das Specialized Stumpjumper FSR Expert ermöglichen es auch weniger routinierten Fahrern, schnell die eigenen Grenzen zu verschieben. Der Underdog, das Whyte T-130C RS, beeindruckte mit seiner perfekten Geometrie. Das SCOTT Genius 710 Plus überraschte alle mit einer top Performance bergauf wie bergab und angesichts der neuen Entwicklungen, die sich im Plus-Segment abzeichnen, wird dieses Plus-Bike in Zukunft nicht zu stoppen sein!

Am Ende kam es zu einem Showdown zwischen dem Canyon Spectral CF 9.0 EX und dem neuen Ibis Mojo 3 XT. Der potente Abfahrtsbolide gegen das Bike, das alles kann – Hulk gegen Superman, wenn man so will. Nachdem sich der Staub gelegt hatte, stand fest, dass die beiden herausragenden Bikes siegreich waren. Mit einem Preis von 4.199 €, gepaart mit der enormen Souveränität bergab, bietet das Canyon Spectral CF 9.0 EX ein phänomenales Preis-Leistungs-Verhältnis und ist so unser klarer Kauftipp. Das Ibis Mojo 3 sichert sich mit seinem exzellenten Handling und seiner enormen Vielseitigkeit verdient den begehrten Testsieg.

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Alle Bikes im Test: Canyon Spectral CF 9.0 EX | Cube Stereo 140 C:62 SL | Giant Trance Advanced 1 | Specialized Stumpjumper FSR Expert 650B | Radon Slide Carbon 140 10.0 | Ibis Mojo 3 XT 1X | SCOTT Genius 710 Plus | Whyte T130c RS | Yeti SB 4.5c

Text & Fotos: Trev Worsey

Über den Autor

Trev Worsey

Seit den frühen 90ern mit dem Bike-Virus infiziert, arbeite Trev zunächst als Wissenschaftler und Statistiker, bevor ihn Bikes & Berge endgültig zu sich riefen. Nach sieben Jahren als Mountainbike Guide wechselte er dann zu ENDURO wo er sich seitdem von unserem UK Office aus um News, Stories und Testberichte für unsere Website & die Ausgaben kümmert.