Kaum eine Marke hat in den letzten Monaten mehr Bikes gelauncht als Intense. Nach dem Enduro-Klassiker Tracer hat nun auch das Carbine 29 eine Generalüberholung bekommen. Wir haben das 11.198 € teure Carbine im Factory Build für euch getestet – kann ein Bike so viel Geld wert sein?

Beim Intense Carbine 29 bekommt man einiges fürs Geld: viel Federweg, große Laufräder, edle Parts und ein extrem flashiges Farbkonzept.
160/155 mm | 11.198 € | 13,8 kg.

Herzstück des Ballerbikes – der Rahmen des Intense Carbine 29

Schon auf den ersten Blick wird klar: Hier steht ein Intense. Die Formsprache des Carbine 29 ist bekannt, das Farbkonzept gewohnt knallig. Wie schon das erst kürzlich präsentierte Tracer 275 ist auch das Carbine in zwei Carbonvarianten erhältlich. Es gibt eine leichtere SL-Version mit leichterem Carbon-Layup und Carbon-Umlenkhebel und dann noch einen Standard-Rahmen, ebenfalls aus Carbon, aber mit Aluminium-Rocker. Preislich trennen die Rahmen 500 €.

Bike-Porn! Das Logo am Steuerrohr ist einmalig schick!
Die robusten Protektoren schützen den Lack und eliminieren Geräusche durch schlagende Ketten.
Schick, aber schwer – die Sattelklemme am Carbine passt zwar zur Rahmenform, ist aber nicht gerade leicht.

Egal für welche Version man sich entscheidet, die Features sind immer identisch. Zum Beispiel der integrierte Kettenstreben-Schutz, der Unterrohr-Protektor, die Geometrie und auch das Hinterbaukonzept mit 155 mm Federweg. Auch die smarte Zugführung im Rahmen ist bei beiden Rahmen die gleiche. Mit knapp unter 3 kg Rahmengewicht (ohne Dämpfer) ist auch die SL-Variante des Carbine 29 kein echtes Leichtgewicht, hier stand klar die Zuverlässigkeit im Fokus und spätestens bei den Abfahrtsqualitäten des Bikes wird auch klar, weshalb.

So schön leuchtet der Rahmen nur am Anfang, über die Jahre wird er vermutlich ausbleichen. Wer darauf keinen Bock hat, greift zur schwarzen Farbvariante.

VPP-Hinterbau weiterentwickelt – das JS Tuned Suspension-System

Bis vor Kurzem hatten die meisten VPP-Hinterbauten ein Problem. Aufgrund ihrer zunächst degressiven Kennlinie war ihr Ansprechverhalten nicht gerade grandios, die Effizienz bergauf war dafür jedoch hoch. Das hat Jeff Steber mit seinem neu entwickelten JS Tuned Suspension-System jetzt geändert. Je nach Federweg und Einsatzbereich des Bikes setzt er auf unterschiedliche Dämpferanlenkungen. Das Carbine besitzt im Vergleich zu den Trailbikes von Intense längere Umlenkhebel und eine deutlich progressivere Kennlinie. Die Kennlinie startet leicht linear, wird dann aber zusehends progressiver (24 % Progression). Das sorgt für ein feinfühliges Ansprechverhalten und vermittelt gutes Feedback im mittleren Federwegsbereich.

Die verschiedenen JS Tuned-Kennlinien im Vergleich. Beim Carbine kommt die JS Enduro-Anlenkung zum Einsatz.
Alt (blau) vs. neu (rot). Das Carbine wurde deutlich progressiver, das Ansprechverhalten deutlich feinfühliger.
Im Vergleich zu den Trailbikes mit weniger Federweg ist der untere Link beim Carbine und beim Tracer deutlich länger.
Good job, Man! Jeff Steber versteht sein Handwerk und spendiert dem Carbine 29 einen grandiosen Hinterbau.
Ganz schön eng! An der vorderen Dämpferaufnahme ist zu wenig Platz – im Laufe des Tests kam es hier zu unschönen Lackplatzern an der Dämpferaufnahme.

Jede Menge edler Teile – die Ausstattung des Intense Carbine 29 Factory

Bei der Ausstattung des Carbine 29 Factory war das Beste gerade gut genug. Intense verbaut einen bunten Mix aus Highend-Komponenten von Shimano, SRAM, ENVE, RockShox, MAXXIS, Fabric und FOX am Topmodell. Die Funktion der Parts ist insgesamt tadellos, allerdings hätten wir uns an so einem Bike definitiv größere Bremsscheiben gewünscht. Die Kombination aus Carbon-Laufrädern, steifer Federgabel, massivem Steuerrohr und Carbon-Cockpit macht die Front des Bikes außerdem extrem steif. Manche Fahrer werden das mögen, dem Großteil unserer Testcrew war dieses Setup aber deutlich zu steif und dadurch auf langen Abfahrten auch zu anstrengend.


Gabel RockShock Lyrik RCT3 160 mm
Dämpfer RockShock Super Deluxe RC3 155 mm
Bremsen Shimano XTR
Schaltung SRAM X01 EAGLE
Sattelstütze Fox Transfer 150 mm
Vorbau ENVE
Lenker ENVE DH 780 mm
Reifen Maxxis Minion DHR II
Naben/Felgen DT SWISS 240S / ENVE M70


Too much! Die verschiedenen Rottöne am Carbine sind zu viel. Besäßen die Laufräder und die Federgabel schwarze Decals, würde das Bike deutlich stimmiger wirken.
Die kleinen Bremsscheiben werden der Leistung des Bikes nicht gerecht und geraten auf langen Abfahrten ans Limit.
Die ENVE-Laufräder sind eine Augenweide. Auf dem Trail sind sie allerdings extrem steif und sehr direkt. Zu steif für unseren Geschmack.
Der SRAM X01 XX1 Eagle-Mix begeistert mit sehr schnellen und direkten Gangwechseln.
Kein Kashima? Intense, wir sind enttäuscht! ;) Hier wäre noch mehr drin gewesen.
Auch der Fabric-Sattel kommt in auffälligem Rot.

Die Geometrie des Intense Carbine 29 2018

Aggressiv, lang und flach – alles Adjektive, die man bedenkenlos in Verbindung mit der Geometrie des Carbine 29 nennen könnte. Fest steht jedoch: Intense hat, was die Abfahrtsperformance des Bikes anbelangt, eine sehr ausgewogene und angemessene Geometrie geschaffen. Das Zusammenspiel aus Lenkwinkel, Reach, Kettenstrebenlänge, Stack usw. wirkt stimmig. Einzig der BB-Drop fällt mit 23 mm für ein Bike dieser Klasse etwas gering aus und auch der Sitzwinkel ist mit effektiv 74° (actual 66°) spürbar zu flach. Positiv ist dagegen, dass Intense das Bike in vier Größen anbietet und so jeder Fahrer das für sich passende Rad finden sollte.

Größe S M L XL
Sattelrohr 385 mm 418 mm 448 mm 483 mm
Oberrohr 603 mm 627 mm 655 mm 675 mm
Steuerrohr 92 mm 100 mm 110 mm 120 mm
Lenkwinkel 65,5° 65,5° 65,5° 65,5°
Sitzwinkel 66,0° 66,0° 66,0° 66,0°
Kettenstrebe 445 mm 445 mm 445 mm 445 mm
Radstand 1181 mm 1205 mm 1233 mm 1253 mm
Reach 410 mm 431 mm 455 mm 471 mm
Stack 616 mm 624 mm 632 mm 641 mm
BB Drop 22,87 mm 22,87 mm 22,87 mm 22,87 mm

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