Wenn wir uns ein Trailbike bauen dürften, dann würde es dem Propain Hugene mächtig nahe kommen: 140 mm Federweg, 29”-Laufräder und ein durchdachter Hinterbau. Ob auch das Fahrverhalten des Hugene „huge“ ist, lest ihr hier.

Das Propain Hugene ist eine Schönheit in neon.
Propain Hugene | 150, 140 mm/130 mm | 13,42 kg | ab 3.099 €

Weit oben auf der Liste eines gut funktionierenden Hinterbaus stehen ein sensibles Ansprechverhalten, gute Traktion, genügend Progression und eine hohe Antriebsneutralität ohne Pedalrückschlag oder Wippen beim Pedalieren. All das soll das neue Propain Hugene mit dem bekannten PRO10-Hinterbau liefern. Neu im Propain-Sortiment sind die 29”-Laufräder, die erstmalig beim Hugene zum Einsatz kommen.

Die Ausstattungen des Propain Hugene im Detail

Das Propain Hugene gibt es auf den ersten Blick mit drei verschiedenen Ausstattungen. Den preislichen Einstieg bildet die Konfiguration „Start“ mit der Formula Selva, die wahlweise mit 140 oder 150 mm gefahren werden kann, und dem RockShox Deluxe RT-Dämpfer. Gebremst wird beim Basismodell mit der Formula Cura, geschaltet mit der SRAM GX Eagle. Darüber hinaus stehen noch zwei weitere Modelle als Komplettbikes zur Verfügung. Jedes dieser 3 Serienmodelle kann im Online-Konfigurator individualisiert werden. Unser Testrad bedient sich aus allen Varianten und steht so auf den edlen Reynolds Black Label Enduro Carbon-Laufrädern. Und auch die MAGURA MT7 sowie die SRAM XX1 Eagle finden sich an der teuersten der drei Grundkonfigurationen. Die Federelemente bestehen aus der Formula Selva und dem RockShox Super Deluxe-Dämpfer.

Components/Model Start 3.099 € Bestseller 4.099 € Highend 6.399 €
Federgabel Formula Selva 140 mm or 150 mm RockShox PIKE RCT3 140 mm FOX 36 FLOAT Factory RC2 150 mm
Dämpfer RockShox Deluxe RT RockShox Super Deluxe RC3 FOX DPX2 Factory
Schaltwerk SRAM GX Eagle SRAM X01 Eagle SRAM XX1 Eagle
Kurbeln Truvativ Descendant Truvativ Descendant Carbon SRAM XX1 Carbon
Bremsen Formula Cura SRAM Guide RSC Magura MT7
Laufradsatz Stan’s Flow S1 Stan’s Flow MK3 Reynolds Black Label Enduro Carbon
Sattelstütze Sixpack Menace Bikeyoke Revive FOX Transfer Factory
Lenker Sixpack Millenium 785 mm Sixpack Millenium 785 mm Sixpack Millenium Carbon 785 mm
Vorbau Sixpack Leader 50 Sixpack Leader 50 Sixpack Skywalker 50
Reifen Schwalbe Magic Mary/Hans Dampf Schwalbe Magic Mary/Hans Dampf Schwalbe Magic Mary/Hans Dampf
Die Formula Selva funktioniert auf dem Trail einwandfrei! Je nach Belieben lässt sie sich mit 140 mm oder 150 mm fahren, dafür muss man lediglich die Federwegsbegrenzung im Inneren der Gabel tauschen.
Die Einstellmöglichkeiten der Formula Selva sind alles andere als durchschnittlich. Außer der Lowspeed-Druckstufe lassen sich auch die Kennlinie und die Endprogression mithilfe von verschiedenen Einsätzen und Ballistol anpassen.
Die MAGURA MT7 passt an ein Trailbike mindestens genauso gut wie an ein Enduro oder einen Downhiller
Für Grip sorgen Schwalbes Magic Mary.
Der Schwalbe Magic Mary findet mit der neuen Addix-Mischung seinen Weg an alle Hugene-Modelle und kann mit viel Grip auf losem Untergrund überzeugen

Die absolute Speerspitze bildet die Konfiguration „Highend“. Sie kommt mit einer FOX 36 FLOAT Factory-Gabel mit 150 mm Federweg und dem FOX DPX2-Dämpfer, dem unangefochtenen Meister seiner Klasse. Für maximale Verzögerung sorgt die MAGURA MT7. Carbon darf beim Namen „Highend“ heutzutage natürlich auch nicht fehlen und daher sind sowohl die Kurbeln als auch der Lenker und die Felgen aus Carbon. Apropos Carbon: Das Hugene wird es vorerst nur mit Carbonrahmen geben.

Der schwimmend gelagerte Hinterbau soll für ein hervorragendes Ansprechverhalten sorgen und eine ordentliche Portion Progression liefern
Liebe zum Detail: Die Bremsleitung der Hinterradbremse wird schön säuberlich und präzise am Hinterbau geführt.
Auch die übrigen Züge finden ihren Weg elegant ins Innere des Rahmens. Nervige Geräusche? Fehlanzeige!

Wenn es nach uns gehen würde, dann hätte unsere Konfiguration des Hugene das RockShox-Fahrwerk und die Stan’s Flow MK3-Laufräder der „Bestseller“-Ausführung. Außerdem würde sich an unserer Konfiguration die SRAM GX-Eagle finden, da sie der X01 Eagle rein von der Performance in keinem Fall nachsteht. Bremsen würden wir natürlich mit der MAGURA MT7 und auch der Sixpack Millenium-Carbon würde unser Rad schmücken, weil er einfach verdammt gut aussieht.

Die Geometrie des Propain Hugene im Detail

Schwarz auf weiß präsentiert sich das Propain Hugene eher schlicht. Mit einem Reach von 460 mm und einem Stack von 621 mm in Größe L ist es weder sonderlich lang noch hoch. Auch der Lenkwinkel von 67,5° ist nicht gerade flach. Je tiefer man in die Geometrietabelle eintaucht, desto unspektakulärer wirkt das Hugene – schlecht ist das aber keineswegs.

Federweg: 140 mm/150 mm S M L XL
Rahmenhöhe 410 mm 440 mm 470 mm 500 mm
Oberrohr 571 mm/573 mm 599 mm/601 mm 626 mm/628 mm 654 mm/656 mm
Steuerrohr 95 mm 105 mm 115 mm 125 mm
Lenkwinkel 67,5°/67,0° 67,5°/67,0° 67,5°/67,0° 67,5°/67,0°
Sitzwinkel 75,0°/74,5° 75,0°/74,5° 75,0°/74,5° 75,0°/74,5°
Kettenstreben 445 mm 445 mm 445 mm 445 mm
Tretlagerabsenkung 30 mm/28 mm 30 mm/28 mm 30 mm/28 mm 30 mm/28 mm
Laufradsatz 1.146 mm/1.150 mm 1.175 mm/1.179 mm 1.204 mm/1.208 mm 1.132 mm/1.136 mm
Reach 410 mm/407 mm 435 mm/432 mm 460 mm/457 mm 485 mm/482 mm
Stack 602 mm/605 mm 612 mm/615 mm 621 mm/624 mm 630 mm/633 mm

Das Propain Hugene auf dem Trail

Beim ersten Antreten zeigt sich das Propain Hugene von seiner besten Seite. Statt behäbig und träge zu sein, sprintet es freudig nach vorne und lädt ständig zu kurzen und kräftigen Antritten ein. Grund dafür sind sicherlich nicht nur die leichten und gleichsam steifen Reynolds Black Label Enduro Carbon-Laufräder, sondern auch die ausgesprochen gute Anti-Squat-Kinematik. Die Laufräder und die gute Kinematik machen sich auch bei Anstiegen positiv bemerkbar und so ist man im Uphill nicht nur entspannt, sondern auch recht zügig unterwegs. Lediglich der Sitzwinkel könnte für unseren Geschmack etwas steiler ausfallen, damit man noch aufrechter auf dem Hugene sitzt. Die 445 mm langen Kettenstreben und die relativ flache Front lassen das Hugene problemlos steile und technische Anstiege meistern, ohne zu ständigen Kämpfen mit einem steigenden Vorderrad zu führen. Kurz gesagt: Das Bike kann klettern und nach dem Anstieg hat man richtig Bock auf die Abfahrt und auch da präsentiert sich das Propain von einer Seite, die nicht nur bei Schwiegermutti mächtig Eindruck schindet.

Wenn ein Trailbike eins können sollte, dann ist das verdammt viel Spaß zu machen. Und genau das kann das Hugene wie wenig andere Räder! Trotz der 29”-Laufräder zirkelt es spielerisch durch enge Anlieger. Außerdem schenkt der tiefe Überstand in Kombination mit dem tiefen Tretlager ein hohes Maß an Sicherheit, weil man nicht auf, sondern vielmehr im Rad steht. Die 29”-Laufräder liefern mit den Schwalbe Magic Mary mächtig Grip auf nassem oder losem Untergrund. Sobald der Untergrund hart und trocken wird, fehlt es den Pneus jedoch an Präzision. Für die direkten und präzisen Richtungswechsel sind der relativ steile Lenkwinkel und der kurze 50-mm-Vorbau verantwortlich. Wieselflink flitzt das Propain Hugene von einem Haken in den anderen und setzt jeden Lenkimpuls bereitwillig um. Für Fahranfänger kann das sehr direkte Fahrverhalten aber schnell nervös wirken. Gerade in Highspeed-Passagen oder sehr verblockten Trails kommt das Hugene an seine Grenzen.

Die 140 mm Federweg passen hervorragend zum Charakter des Rades und lassen nur in wenigen Situationen mehr Zentimeter missen. Tatsächlich hat sich gezeigt, dass das Hugene mit 140 mm vorne etwas balancierter unterwegs ist als mit der 150er-Gabel. Die kompakte Geometrie führt dazu, dass man deutlich aktiver auf dem Rad fährt und in steilem Gelände hin und wieder Hintern-Reifen-Kontakt hat. Der Zentimeter weniger an der Gabel könnte der Zentimeter sein, der dazu führt, dass deine Hose nicht gefressen wird. Andererseits kommt mit der 150-mm-Gabel etwas mehr Sicherheit in steilen Passagen auf. Die MAGURA MT7 hat bei unserem Testmodell tadellos funktioniert und mal wieder bewiesen, wer der King im Ring ist. Dank des schwimmend gelagerten Dämpfers hat das Hugene einen sehr sensiblen Hinterbau, der selbst bei leichten Unebenheiten anspricht. Ergänzend wurde der Kennlinie eine ordentliche Schaufel Progression geschenkt, sodass man sich um Durchschläge keine Gedanken machen muss.

Für wen ist das Propain Hugene das richtige Rad?

Das Schöne an der Wunsch-Konfiguration ist, dass sich jeder sein Traum-Hugene bauen kann. Doch auch wenn die Ausstattung frei konfigurierbar ist, so lässt sich der Charakter des Bikes nicht tauschen. Alle, die regelmäßig im Bikepark sind, maximale Laufruhe und grenzenlose Geschwindigkeit suchen, werden hier nicht fündig. Tourenfahrer sollten sich aufgrund des sehr direkten Fahrverhaltens ebenfalls nach einem anderen Rad umsehen. Alle, die bei jeder Wurzel abziehen, verspielt und mit maximalem Spaß über Trails heizen wollen und begeisterte Fans des „Canadian Flick“ sind, seien gewarnt: Das Propain Hugene könnte euer nächstes Rad sein!

Preise und Verfügbarkeit

Das Propain Hugene ist ab dem 15.06.2018 im Onlineshop und in allen möglichen Konfigurationen erhältlich. Preislich soll es ab 3.099 € starten. Farblich beschränkt sich die Auswahl auf Lime, Silver und Carbon Raw.

Fazit

Propain hat beim Hinterbau ganze Arbeit geleistet und das PRO10-Konzept wunderbar in das Hugene integriert. Das Rad klettert sehr antriebsneutral und scheut sich vor keinem Anstieg. Sobald es bergab geht, zeigt das Hugene sein volles Potenzial und überzeugt mit verdammt viel Spaß und einem direkten Handling. Die cleveren Details und die hochwertige Verarbeitung sollten ebenfalls nicht unerwähnt bleiben. Fahrer, die ein Ballerbike fürs Grobe suchen, greifen zum größeren Bruder “Tyee” mit kleineren Laufrädern!

Stärken

– verspieltes Handling
– ausgewogene Geometrie
– individualisierbare Ausstattung

Schwächen

– Laufruhe

Uphill Downhill Laufruhe Agility 
Preis-Leistung 

Für Propain ist der Fall klar: Das Hugene soll der neue Platzhirsch im Trailbike-Segment werden.

Text & Fotos: Valentin Rühl